Die perfekte Kirche

Die perfekte Kirche

Es gibt einen bekannten Ausspruch, wonach jede «perfekte Gemeinde», so sie bestehen sollte, in dem Moment fehlerhaft wird, sobald ich selbst dazustosse.

Nirgendwo in der Schrift lesen wir von einer «perfekten Gemeinde». Wir lesen jedoch von einer «Einheit des Geistes» unter allen Gläubigen, die wir «halten» sollen:

«Befleissigt euch, die Einheit des Geistes durch das Band des Friedens zu halten.»
Eph 4,3

Diese Einheit des Geistes ist bereits gegeben. Wir müssen sie nicht neu herstellen. Paulus beschreibt die Einheit der Kirche ganz locker: Die Einheit der weltweiten Kirche ist schon da! Wir müssen sie nicht erschaffen. Wir müssen sie lediglich bewahren.

Mit wem sollten wir diese Einheit des Geistes bewahren? Mit allen Christen. Und wer ist Christ? Es sind «alle Heiligen, die auch Gläubige in Christus Jesus sind» (Eph 1,1). Im Römerbrief nennt Paulus sie «Berufene Jesu Christi» (Röm 1,6) und «berufene Heilige» (Röm 1,7). Das umschliesst alle, die auf die frohe Botschaft mit ihrem Leben geantwortet haben. Wer sich selbst als von Gott berufen und als vom Evangelium Seiner Gnade berührt erkennt (Röm 8,15-16), der ist Teil dieser weltweiten Kirche. Sie besteht seit nunmehr 2000 Jahren quer durch alle Denominationen hindurch.

Ein Geschenk

So unterschiedlich unsere Kirchen und Gemeinschaften auch sind, und so verschieden die Erkenntnisse, so klar bleibt doch die Einheit des Geistes bestehen. Diese Einheit nämlich ist nicht von Gleichschaltung geprägt. Es geht nicht darum, dass wir dasselbe Denken. Es geht nicht einmal darum, ob wir bestimmte Dogmen kennen, bejahen oder ablehnen. Unser Glaube ist ein Geschenk (Eph 2,8-10). Wir haben alle dasselbe Geschenk erhalten. Wir sind «berufene Jesu Christi» (Röm 1,6). Dies ist die Grundlage.

Die Einheit des Geistes

Die perfekte Kirche, die gibt es nicht. Kein Mensch ist perfekt. Keine Gemeinschaft kann alles richtig sehen. Paulus weist vielmehr darauf hin, dass wir – trotz verschiedener Ausprägung – Gott ehren können, indem wir die Einheit des Geistes halten, und vielleicht einmal den Nächsten «aushalten». Wir müssen das nicht tun weil wir mit den Erkenntnissen des Anderen einverstanden wären. Wir dürfen es aber tun, weil wir diese gegebene Einheit respektieren und würdigen. Darin nämlich ehren wir Ihn, der auch uns berufen hat.

Die Einheit ist «des Geistes». Sie ist die nicht «Einheit des Bekennens» oder die «Einheit des Erlebens». Es geht um Geist, um eine geistliche Sicht. Damit werden wir an Gottes Handeln erinnert. Andernorts schreibt Paulus: «Ihr erhieltet nicht den Geist der Sklaverei, wiederum zur Furcht; sonder ihr erhieltet den Geist des Sohnesstandes, in welchem wir laut rufen: Abba, Vater! – Der Geist selbst bezeugt mit unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind» (Röm 8,15-16). Dieses Wirken Gottes dürfen wir auch in anderen Gläubigen erkennen.

Das Band des Friedens

Das «Band des Friedens» ist eine Bildsprache. Friede soll das Verbindende sein. Wir sollten uns nicht streiten, nicht uns selbst den Anderen überlegen fühlen. Das ist gar nicht selbstverständlich, sodass Paulus darauf hinweisst, dass wir uns dazu «befleissigen» sollten. Auch wenn diese Einheit des Geistes gegeben ist, so braucht es unsere tägliche aktive Zustimmung, entsprechend geistlich mit unserer Berufung umzugehen.

Friede gehört auch zum neunfachen Frucht des Geistes, schreibt Paulus an die Galater: «Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Milde, Gutheit, Treue, Sanftmut, Selbstzucht» (Gal 5,22).

Im Kolosserbrief spricht Paulus von der Liebe als von dem «Band der Vollkommenheit» (Kol 3,14). Es geht bei all diesen Texten um unseren Lebenswandel. Wie soll sich unsere Berufung auswirken?

Die nicht-perfekte Kirche

Gerne bin ich Teil einer nicht-perfekten Kirche oder Gemeinschaft. Eine solche Gemeinde erscheint mir viel lebensfähiger als eine, die sich in Lehrmeinungen oder auch religiösen Gemeinplätzen ergötzt. Meine Erfahrung ist es, dass Gottes Wort sehr konkret in diese Welt hinein spricht. Es ist eine frohe Botschaft, nicht weil es die Kirche sagt, sondern weil es eine tatsächlich frohe Botschaft für uns als Menschen ist:

«Gott war in Christus, die Welt mit Sich Selbst versöhnend: Er rechnet ihnen ihre Kränkungen nicht an und hat in uns das Wort der Versöhnung niedergelegt. Daher sind wir Gesandte für Christus, als ob Gott durch uns zuspräche. Wir flehen für Christus: Lasst euch mit Gott versöhnen! Denn den, der Sünde nicht kannte, hat Er für uns zur Sünde gemacht, damit wir Gottes Gerechtigkeit in Ihm würden.»
2Kor 5,19-21

Das ist der Kern der frohen Botschaft. Gott wirkt. Er tut Gutes in Christus und Er will uns damit beschenken. Es geht um diese Botschaft, dass Gott mit Dir und mir und mit der ganzen Welt versöhnt ist. Von Ihm her ist es geregelt, ist der Weg frei. Das ist umwerfend gut. Kann ich das nun für mich selbst akzeptieren? Dort fängt lebendiger Glaube an. Dort kann ich Ihn und Sein Wort vertrauen, mich auf Seine Liebe einlassen.

Eine nicht-perfekte Kirche stellt Gottes Wirken zentral. Eine solche Gemeinschaft wirkt einladend, sie wirkt auf die Mitglieder transformierend und sie ist ohne Angst in der Gesellschaft unterwegs. Sie muss sich selbst nicht beweisen. Sie weist auf Ihn hin, der über allen steht – nicht superfromm, sondern befreiend nüchtern! Eine nicht-perfekte Kirche ist christozentrisch, sie ist fragend und lernend unterwegs. Eine solche Kirche kennt die Not der Welt und die Not in unserem Dasein. Das Evangelium leuchtet in das Dunkel der Not hinein und Menschen sind dankbar.

Innere Bilder

Jeder hat ein eigenes Bild von Kirche oder Christsein. Ob das Bild stimmig ist oder nicht sei hier nicht die Frage. Man kann vermutlich davon ausgehen, dass unsere innere Bilder so begrenzt sind wie wir selbst begrenzt sind. Interessanter wäre deshalb die Frage, wie wir unsere innere Bilder prägen.

Paulus war in seinen Briefen ständig mit verschiedenen Gemeinden in Kontakt. Er hat sich überall für ein gesundes Glaubensleben eingesetzt. Ständig war Korrektur nötig. Offenbar hatten und haben alle Menschen innere Bilder. Der Apostel versuchte die Gläubigen von den eigenen Vorstellungen auf das Wesentliche auszurichten (Phil 1,9-10).

Es war wohl eine Anpassung des Denkens. Fünf Aufgaben sah er für die Gemeinde als grundlegend an. Es waren die folgenden Funktionen: Apostel, Propheten, Evangelisten, sowie Hirten und Lehrer (Eph 4,11-12). Sie alle prägen das Denken, die Erwartung und damit das tägliche Erleben. Ausgehend von der frohen Botschaft werden Glaubende durch den Dienst dieser Menschen in die Freiheit von Christus hinausgeführt. Innere Bilder erhalten eine Korrektur wo nötig und es werden von Gnade geprägten Alternativen bereitgestellt. So entsteht eine Kirche, die nicht fehlerfrei ist, aber worin immer mehr Menschen im Glauben befreit werden.

Denken wir noch einmal zurück an die Aussage von Paulus, wonach wir lediglich die Einheit des Geistes bewahren sollten. Das ist eine Glaubenshaltung. Folgen wir die Aussagen des Apostels Paulus in seinem Brief an die Epheser, dann können wir die Förderung einer gesunden Glaubenshaltung überall als Anliegen erkennen. Seine Hinweise für die Gemeinde kulminieren in diese Aussage:

«Wenn wir aber wahr sind, sollten wir in Liebe alles zum Wachsen bringen, hinein in Ihn, der das Haupt ist, Christus»
Eph 4,15

Eine positive Glaubenshaltung führt zu Christus hin. Eine positive Glaubenshaltung bewahrt nicht nur die Einheit des Geistes, sondern bringt alles in Liebe zum Wachsen. Wenn Paulus diese Worte schreibt, hat er fast 4 Kapitel lang um ein besseres Glaubensverständnis gerungen. Hier skizziert er das Bild einer lebendigen Gemeinschaft, die gegenseitig ein Wachstum fördert, worin Menschen nicht nur auf sich selbst, sondern in allem auch auf Christus fokussiert sind.

Die perfekte Kirche gibt es also nicht, aber diese Wesensmerkmale zeugen von geistlicher Reife und können einer Gemeinschaft als Richtschnur dienen.


Sorgt euch um nichts 2

Sorgt euch um nichts 2

Sich nicht zu sorgen ist einfach, wenn alles rund läuft. Wenn jedoch Not und Krankheit, Tod und Misserfolg eintreffen, wenn geliebte Menschen uns entgleiten, Freunde nicht mehr da sind, eine Arbeit wegbricht oder andere schwierige Situationen entstehen, sollte man sich da nicht sorgen?

Wir sorgen uns um die Zukunft

Wir machen uns nur Sorgen um Dinge, die noch in der Zukunft liegen. Wir haben vielleicht eine finanzielle Not und verzichten auf vieles. Sorge macht man sich um die Rechnungen, die Ende Monat bezahlt werden müssen. Wer sich sorgt, der schaut voraus auf Dinge, die noch kommen müssen. Man sorgt sich für die Zukunft. Überlebt wird jedoch im Hier und Jetzt.

Sich zu sorgen, las ich letzthin, ist eine falsche Verwendung unserer Vorstellungskraft. Den Vergleich fand ich treffend. Denn tatsächlich ist das, worüber wir uns sorgen, noch nicht da. Wir stellen es uns vor. Wir sorgen uns für das, was noch unklar ist. Wir schätzen vielleicht die Entwicklung richtig ein, jedoch können wir konkret nicht über den aktuellen Augenblick hinaussschauen. Als Mensch leben wir nur im Hier und Jetzt. Wir stehen aber zwischen Vergangenheit und Zukunft. Mit welcher Lebenshaltung und mit welcher Erwartung wir in dieser Zeit stehen, das prägt unser Menschsein. Wer voller Sorgen ist, bekommt das immer wieder auch körperlich zu spüren. Wem es nicht gut geht, spürt das als einengend, beklemmend, als beschwerlich – typische Analogien zu körperlichen Reaktionen. Unsere Gedanken sind eng mit unserem Menschsein verknüpft.

Der Zuspruch des Paulus

Lesen wir nun, was Paulus einmal der Gemeinde in Philippi geschrieben hat. Seine Worte sind weise und zeugen von wirklicher Zuversicht auch im Glauben:

«Freut euch in dem Herrn allezeit! Nochmals will ich betonen: Freut euch!
Lasst eure Lindigkeit allen Menschen bekannt werden: der Herr ist nahe!
Sorgt euch um nichts, sondern lasst in allem eure Bitten im Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott bekannt werden.
Dann wird der Friede Gottes, der allem Denksinn überlegen ist, eure Herzen und eure Gedanken wie in einer Fest in Christus Jesus bewahren»
Ph 4,4-7

Paulus fängt nicht mit den Sorgen an. Im Gegenteil! Er fordert uns auf, dass wir uns «freuen im Herrn allezeit». Damit ist keine Weltflucht gemeint, sondern eine echte Freude. Es geht um die Ausrichtung unserer Gedanken. Sich im Herrn zu freuen soll im Alltag nicht untergehen, sondern dort gepflegt werden. Wir sollten unsere Gedanken auf gute Dinge ausrichten. Wir sollten uns dem Evangelium der Gnade Gottes bewusst sein. Der Herr ist nahe!

Paulus sucht hier die Philipper dazu zu bewegen, dass sie der Realität Gottes im Leben einen dankbaren und freudigen Platz geben. Das war das Erste.

Nun aber schreibt er weiter: «Lasst Eure Lindigkeit allen Menschen bekannt werden». Das ist der zweite Aspekt. Hier geht es nicht um unsere Gedanken, sondern um unser Handeln in dieser Welt. Was sollen die Menschen von uns sehen? Lindigkeit! Das ist Milde, Warmherzigkeit, auf Begegnung ausgerichtetes Handeln. Wem gegenüber? Allen Menschen gegenüber. Ohne Ausnahme. Wir sollten also bewusst unsere Gedachten in der Realität Gottes gründen, und ebenso bewusst in der Welt Gottes stehen. Hier dürfen wir von Seiner Gnade, Güte und Milde uns gegenüber zeugen.

Diese beiden Aspekte umfassen uns selbst und die Welt worin wir stehen. Wir lernen uns aus Gottes Perspektive zu sehen. Was bleibt, ist unsere eigene Erfahrung. Diese ist nicht immer positiv. Deshalb ist es menschlich und verständlich, sich immer wieder zu sorgen.

Die bewusste Hinwendung zu Gott

Da schliesst Paulus nun an:

«Sorgt euch um nichts!»

Was immer uns beschäftigt sollte nicht endlos in den eigenen Gedanken kreisen. Wir sollten alles was wir uns wünschen, was uns beschäftigt, vor Gott bekanntmachen. Wir sollten unsere Sorge aus unserem Kopf entlassen und alles bewusst unserem Gott und Vater übergeben. Paulus sagt auch gleich, wie wir das machen sollten: «in Gebet und Flehen mit Danksagung». In der intimen Beziehung mit Gott beten wir. Aus unserer eigenen Betroffenheit flehen wir. Wir schütten unser Herz vor ihm aus. Beides sollen wir mit Danksagung verknüpfen. Danksagung ist die Verpackung unserer Gedanken, unserer Not. Damit ist die Haltung, die Erwartung, die Unmöglichkeit auch unserer eigenen Kräften, eingebettet in einem Vertrauen auf Seinem Wirken. Wenn wir «mit Danksagung» unser Leben ausrichten, wird sich das Leben automatisch positiv prägen. Die Not wird vielleicht nicht kleiner, aber wir stehen anders darin. Wir müssen nicht für das Schlechte oder für die Not danken, jedoch können wir in dem erlebten Übel und in der Not eine Ausrichtung unseres Denkens vornehmen. Wenn uns das nicht auf Anhieb gelingt, dann können wir es üben.

Die Verheissung

Es gibt nun auch eine Verheissung. Paulus richtet sich an Menschen wie wir. Sie lebten zu anderen Zeiten aber sie trieben sich mit sehr vielen ähnliche Sorgen herum, die auch uns plagen können. Paulus macht klar, dass wir nicht alles erhalten, was wir vielleicht gerne hätten. Es gibt keine Verheissung für Gesundheit, wirtschaftlichen Erfolg, die Erfüllung bestimmter Träume oder andere solcher Dinge. Die Verheissung ist ganz anders:

«Dann wird der Friede Gottes, der allem Denksinn überlegen ist, eure Herzen und eure Gedanken wie in einer Feste in Christus Jesus bewahren»

Der Friede Gottes ist die Verheissung. Wer sich sorgt wird Frieden erfahren, wenn wir uns Gott hinwenden. Ein Herz, das von Sorge geplagt ist, kann Friede finden. Was wünscht man sich sehnlicher? Dieser Friede «ist allem Denksinn überlegen». Vielleicht analysieren wir genau, weshalb unsere Situation katastrophal ist, vielleicht sogar hoffnungslos. Das sind die Gedanken, die in unserem Kopf kreisen. Der Friede Gottes ist nicht die bessere Analyse. Es ist nicht der befreiende Blitzgedanke, womit sich alle Probleme aus der Welt schaffen lassen. Der Friede Gottes übersteigt solche Überlegungen.

Der Friede Gottes, schreibt Paulus, wird unsere Herzen und unsere Gedanken in Christus Jesus bewahren. Das kann man so lesen, dass wir mit unserem Herzen und mit unseren Gedanken in Christus Jesus zur Ruhe kommen dürfen. «Wie in einer Feste in Christus Jesus bewahrt.» Dort kann uns dann nichts mehr erschüttern. Dort sind wir sicher in Gottes Gegenwart geborgen.

Natürlich sind dies alles Bilder, es sind Wörter, die Paulus gebraucht, um uns die Nähe Gottes zu schildern, uns dazu einzuladen. Der Herr ist nahe! Bis die Wörter und deren Bedeutung in unserem Leben hineinwirken, müssen wir sie mit unserem Erleben verknüpfen. Wir speichern Gedanken via Emotionen und konkreten Erlebnissen. Ein Wort bleibt vielleicht nur ein Wort, bis wir uns selbst auf den Weg machen und uns in die vertrauensvolle Nähe Gottes begeben. Dort erleben wir das Wort und deren Kraft. «Lasst in allem eure Bitten im Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott bekannt werden.» Paulus sagt: Macht dies und das, und dann wird der Friede Gottes spürbar werden.

Der Friede Gottes ist kein unpersönliches Konzept. Es ist keine Kraft zum anzapfen. Es ist keine friedliche Versenkung oder mystische Erfahrung. Es ist der Friede «von Gott». Es ist Sein Friede. Es ist der Friede, den Er hat, und woran wir teilhaben. Es ist ein Friede, welche durch die Beziehung erlebbar wird. Sie gründet jedoch in einem Verständnis von Gottes Wesen, sowie von Seinem Handeln und Wirken in dieser Welt. Die Reihenfolge ist: hören, denken, handeln, erleben.

Freut euch!

Für den Apostel Paulus war dies klar. Er verkündete keine unpersönliche Ethik. Es ging ihm nicht um Tradition. Er predigte keine Erfolgsrezepte. Für ihn ging es um die Beziehung mit dem lebendigen Gott. Er vertraute Gott. Am Schluss vom Brief fasst er zusammen:

«Mein Gott aber wird all euren Bedarf ausfüllen, nach Seinem Reichtum in Herrlichkeit in Christus Jesus»
Ph 4,19

Jetzt könnte man erneut bei diesem Vers anknüpfen, und danach fragen, was genau unser «Bedarf» sei. Viel wichtiger aber erscheint, dass Er «nach Seinem Reichtum in Herrlichkeit in Christus Jesus» diesen Bedarf ausfüllt. Der Fokus liegt auch hier auf Gottes Handeln. Paulus vertraut darauf, dass es Dinge gibt, die grösser und wichtiger sind als unsere unmittelbare Wahrnehmung oder Erfahrung. Wer auf Gott vertraut, der stellt sein Leben in einen grösseren Kontext.

«Freut euch!» ist die Erinnerung an diesen grösseren Kontext Gottes.

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Bibelauslegung: Text im Kontext deuten

Bibelauslegung: Text im Kontext deuten

Die Bibel zu lesen scheint nicht schwer. Sie zu deuten kann dagegen eine Herausforderung sein. Es gibt eine einfache Faustregel, wie man den Aussagen der Bibel auf die Spur kommt: Man soll den Text im Kontext lesen.

Bücher, Predigte und Vorträge zur Bibel – wie präsentieren sie uns die Aussagen der Bibel? Da gibt es grosse Unterschiede. Der Eine versucht ein Thema direkt in der Bibel aufzuspüren oder zumindest nachzuspüren. Andere jedoch habe eigene Themen, und die Bibel wird vorwiegend zur Unterstützung der eigenen Sichtweise zitiert.

Ob die Aussage des Autors bei einer thematischen Betrachtung vom Bibeltext bestätigt wird, lässt sich meist gar nicht prüfen. Das Bibelzitat wird nämlich gar nicht erläutert, sondern nur erwähnt. Das ist das Problem thematischer Betrachtungen, die sich eher an Schlagwörtern als an Basisthemen der Schrift orientieren. Die «richtige Interpretation» von Bibelstellen wird dann beim Leser vorausgesetzt oder suggestiv untergeschoben. Das geschieht in Predigten zuviel, in Büchern zu häufig und es lässt sich in vielen Gesprächen ebenso nachvollziehen: Man zitiert die Bibel, um damit eine bestimmte «Erkenntnis» zu bestätigen. Immer wieder wurde mir eine solche als «biblische Wahrheit» getarnte Ideologie präsentiert. Wer an der Aussage zweifelt, dem wird auch mal schnell unterstellt, dass man der Bibel nicht glaubt. Dann wird eine gesunde Auseinandersetzung sehr schwierig, wenn nicht sogar unmöglich gemacht.

Genügt ein Bibelzitat?

Ein Bibelzitat «für sich betrachtet» kann auch fehlinterpretiert werden. Reicht es, einen Bibelvers zu zitieren, um damit etwas zu «beweisen»? Wohl kaum! Es geht jedoch auch anders.

Die Standardregel für eine gesunde Bibelauslegung ist sehr einfach: Lese jeden Text im Kontext. Jeder Bibelvers soll im eigenen Zusammenhang gelesen und auch dort zuerst verstanden und interpretiert werden. Das zeigt Respekt dem Text, dem Schreiber, und nicht zuletzt auch dem ursprünglichen Empfänger gegenüber.

Text im Kontext lesen

Man kann sich dem Bibeltext auf verschiedene Arten annähern. Es ist selbstverständlich hilfreich, die Bibel ganz durchzulesen und dadurch einen Eindruck verschiedener Zusammenhänge zu gewinnen. Allerdings braucht das sehr viel Zeit. Möchte man von einem einzigen Text ausgehen, also so dem Text begegnen, wie das häufig zitiert wird – hier ein Vers, dort ein Zitat – dann kann man sich eine bessere Bibelbetrachtung als konzentrische Zirkel vorstellen:

Ausgehend von einem Wort kann man das Wort im Satz versuchen zu verstehen, dann der Satz im Absatz, der Absatz im Kapitel, das Kapitel im Kontext des Buches und das Buch im Kontext der ganzen biblischen Geschichte. Am Satz allein kann man die Bedeutung nicht immer ablesen. Erst im Zusammenhang leuchtet die Bedeutung auf. Allerdings ist eine solche Annäherung an den Text als Einstieg nicht sehr einfach. Für den geübten Leser jedoch ist es hilfreich.

Ein Text im Kontext zu lesen heisst auch, dass man die eigene Interpretation etwas zurückstellt. Man hört zuerst auf den Text, auf die erzählte Geschichte, auf die Beweggründe der Menschen, die dort genannt werden, auf die Ziele, welche der Schreiber mit diesen Versen vorhatte. Wenn ich das einigermassen verstehe, lässt sich ein Bibelabschnitt oder ein Bibelvers viel besser deuten.

Es kann passieren, dass der erste Eindruck eines Textes täuscht und der Text von unerwarteten Dingen spricht, die erst bei näherer Betrachtung auffallen. Erst den Text im Kontext zu lesen gibt mir die Information zu einer mehr objektiven Interpretation. Nüchtern betrachtet geht es hier um ein Textverständnis. Wie soll ich die Aussage des Textes verstehen, wenn ich die Bedeutung im Kontext nicht kenne?

Basieren die meisten lehrmässigen und dogmatischen Unterschiede auf dieser Missachtung des Kontextes? Vergisst man einmal den lästigen Kontext, dann kann natürlich jeder Text nach Belieben ausgelegt werden. Sobald man den Kontext jedoch einblendet, wird man auf die ursprüngliche Geschichte, auf die ursprüngliche Aussage zurückgebracht. Im Kontext ist keine beliebige Interpretation mehr möglich. Deshalb hilft es immer, den Text im Kontext zu betrachten.

Beispiele

Es gibt viele Beiträge auf dieser Seite, welche den Text im Kontext zu deuten versuchen. Beispiele sind unter anderem hier zu finden:

Weitere Hinweise zum Bibelstudium finden sich hier:


Der Zweck der Auserwählung

Der Zweck der Auserwählung

Ein heikles Thema

«Auserwählung» ist ein heikles Thema. In einigen Gemeinden und Kirchen habe ich noch nie darüber gehört, in anderen ist es Teil einer schwer verdaulichen Theologie. Vielfach wird damit der Gedanke verbunden, dass einige auserwählt sind, andere aber nicht, als bekäme ein Kind ein Eis und ein anderes nicht, und zwar grundlos! Das eine Kind hat einfach Glück gehabt, während das andere Pech hat. Wenn hier die «Problematik» gesehen wird, ist es verständlich, dass viele gar nicht erst darüber nachdenken wollen. Wer kann schon die Idee von Willkür mit einem allmächtigen Gott verbinden?

Es gibt ein handfestes Problem, als würde Gott  Menschen willkürlich auswählen.

Auserwählung wird bekanntlich von jemand anders gemacht. Jemand anders wählt also für uns, und wir haben das einfach hinzunehmen. Wir hätten darauf keinen Einfluss. In diesem Begriff «Auserwählung» scheint so gar keine Gerechtigkeit spürbar zu sein. Und gäbe es jetzt einen Gott, der auserwählt, dann gibt es ein handfestes Problem, als würde Gott  Menschen willkürlich auswählen.

Die Auserwählung, Vorherbestimmung oder Prädestination taucht in unterschiedlichen Gewändern auf. In streng-calvinistischen Kirchen lehrt man unter Umständen noch eine «doppelte Prädestination», wonach Gott die Einen zur Rettung auserwählen würde, während er die Anderen zur Verdammung vorgesehen hätte. Man muss sich das einmal versuchen vorzustellen: Was für ein Gottesbild spricht wohl daraus! In anderen Gemeinden wird auf die Eigenverantwortung des Menschen verwiesen («Freier Wille») und durch einen Kunstgriff wird dann die Auserwählung ausgehebelt. Dort heisst es dann: Wenn Du zum Glauben gekommen bist («wenn Du Dich für Jesus entschieden hast»), dann kannst Du im nachhinein erkennen, dass Gott Dich auserwählt hat. Das tönt fromm und halbwegs plausibel aus dem Blickwinkel der eigenen Erfahrung, es verkennt aber die klare Aussage einer Auserwählung, die ganz von Gott aus geschieht. So wie es heisst:

«Gesegnet sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns mit jedem geistlichen Segen inmitten der Überhimmlischen in Christus segnet, so wie Er uns in Ihm vor dem Niederwurf der Welt auserwählt hat…»
Eph 1,3-4 (KNT)

Wer bringt den entscheidenden Impuls?

Während einige darauf plädieren, dass es immer der Mensch ist, der den entscheidenden Moment liefert, so spricht die Bibel davon, dass es Gott ist, der den entscheidenden Impuls bringt. Es ist der Unterschied zwischen einer eher anthropozentrischen («mensch-zentrierten») Bibelauslegung und einer theozentrischen («gott-zentrierten», bzw. christozentrischen oder «christus-zentrierten») Theologie. Dabei die Balance zu bewahren ist gar nicht so einfach, denn die Realität Gottes will mit unserem Dasein im Einklang gebracht werden.

So berichtete mir einmal jemand von einer Kirche in den USA, die am Strassenrand ein Willkommensschild für die Kirche und den Gottesdienst aufgestellt hat. Gleich davor wurde jedoch ein Strauch gepflanzt, wodurch diese Einladung vollständig verdeckt war. Als nun danach gefragt wurde, weshalb man den Busch nicht zurückschneidet, so war die Antwort, dass man nicht wissen könne, wen Gott zur Rettung und wen Er zur Verdammung auserwählt hat. Sollte jemand, der zur Verdammung auserwählt war, versehentlich das Schild sehen, in die Kirche gehen und zum Glauben kommen, so wäre ja Gottes Plan völlig durcheinander gebracht! Man möchte zwar einladen, fühlte sich jedoch gleichzeitig dazu gedrängt, die Einladung wieder zu verdecken. Eine doppelte Prädestination führt zu seltsamen Blüten und leider oft zu viel Angst im Leben der Menschen, die damit aufwachsen.

In anderen Richtungen steht der Mensch zentral und Gottes Wirken wird ganz in den Hintergrund gedrängt. Steht bei manchen Calvinisten die Gottheit Gottes über allem, steht in so manchem freikirchlichen Verständnis der Mensch und Sein Handeln zentral. Beide Richtungen haben etwas erkannt, aber wie bringt man das zusammen?

Auserwählung ist nicht das Ziel

Auserwählung also, was ist das? Ein Ansatz zur Lösung dieses Dilemmas kann darin liegen das Konzept hinter den bisherigen Aussagen zu verstehen. Obwohl das nicht ausgesprochen wird, sehen viele die Auserwählung (bzw. das «zum Glauben kommen») als eine Endstation. Die Auserwählung führt zur Rettung und «das war's dann». Hier sieht man folgende Gleichung: Auserwählung = Rettung = Endziel.

Auserwählung = Rettung = Endziel?

Das dahinterliegende Konzept besagt: «Sobald du zum Glauben gekommen bist, ist die Auserwählung ans Ziel gelangt». Als ginge es Gott darum, mich und dich zu retten. Obwohl diese Annahme weit verbreitet ist, ist sie falsch. Sie verkennt das Ziel Gottes, einst «alles in allen» zu werden (1Kor 15,28). Auserwählung betrifft nie «alle», sondern immer nur «einen Teil». Die Auserwählung kann nicht das Ziel sein. Die Auserwählung müssen wir irgendwo auf der Zeitachse der Entwicklung bis hin zum Ziel Gottes sehen.

Wenn wir verstehen möchte, was Auserwählung ist, müssen wir uns fragen «wozu» die Auserwählung dient. Wir müssen nach dem Zweck der Auserwählung fragen und danach, wozu wir selbst auserwählt wurden.

Jesus, der Auserwählte

Lukas erzählt von der Verherrlichung auf dem Berg, einer Vision, die laut der Tradition auf dem Berg Tabor im Norden Israels stattgefunden hat. In dieser Vision wird davon berichtet, dass eine Stimme ertönt, die sagt:

«Dies ist Mein auserwählter Sohn, höret auf Ihn!»
Lk 9,35

Auch an anderer Stelle wird Jesu Auserwählung genannt. Spöttisch wird Jesus der Auserwählte genannt und zwar von den Oberen des Volkes, als Jesus am Kreuz hängt:

«Jesus aber sagt: «Vater, vergib ihnen! Denn sie wissen nicht, was sie tun.» Dann verteilten sie Seine Kleider, in dem sie das Los darüber warfen und das Volk stand dabei und schaute zu. Mit ihnen verspotteten Ihn auch die Oberen und sagten: «Andere hat Er gerettet, Er rette Sich Selbst, wenn Er der Christus Gottes ist, der Auserwählte!»
Lk 23,34-35

Hier tönt mit, was Jesus mit seinem Auftreten im Volk und bei den Oberen des Volkes an Verständnis hinterlassen hat. Sie warteten auf einen Auserwählten, von dem die Propheten gesprochen hatten. Sie erwarteten eine sehr spezielle Person, der Kraft seiner Auserwählung zu gewaltigen Dingen imstande wäre. Sollte Er der Christus Gottes sein, der Auserwählte, dann passte das, was gerade am Kreuz geschah, so ganz und gar nicht zu dem Bild, welches viele vom Messias Gottes hätten. Man könnte auch sagen: Diese Auserwählung, die am Kreuz endet, die fühlt sich nicht ganz stimmig an. Weder Macht noch Prunk ist spürbar. Da kann etwas nicht stimmen. Die Spötter waren skeptisch.

Andere jedoch haben anderes gesehen:

«Rabbi, Du bist der Sohn Gottes! Du bist der König Israels!»
Nathanael, Joh 1,49

«Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!»
Simon Petrus, Mt 16,16

Die Aussagen könnten unterschiedlicher nicht sein. Einige erkannten in Jesus den verheissenen Messias, den Christus Gottes, während andere dies leugneten. Jesus Christus hat die Auserwählung nie selbst behauptet, sondern stets auf Seinen Gott und Vater verwiesen. Im jüdischen Kontext waren es die Propheten, Hohepriester und Könige, die durch Salbung auserwählt und für einen Dienst abgesondert wurden. Wenn Simon Petrus sagt «Du bist der Christus», dann ist das gleichbedeutend mit dem hebräischen «Messias» (hb. maschiach), was «Gesalbter» heisst. Es ist ein Verweis an die jüdische Bedeutung dieses Begriffs. Der Messias ist der Auserwählte Gottes, der für eine Aufgabe in die Welt kam.

Auserwählung ist für eine Aufgabe

In der Bibel ist Auserwählung mit einer Aufgabe verknüpft. Auserwählung ist nie Selbstzweck. Die Idee, dass man entweder «auserwählt, also gerettet» oder «nicht auserwählt, also verloren» ist, ist hochproblematisch und irreführend. Dieses Schwarzweiss-Denken ist der Bibel fremd. Die Verknüpfung von «Auserwählung» mit «Aufgabe» lässt sich jedoch in der ganzen Schrift immer wieder feststellen. Das ist eine ganz positive Verknüpfung. Gott wählt aus, damit durch die Auserwählten eine Aufgabe erfüllt oder ein Ziel erreicht wird. Die Auserwählten sind nicht das Ziel, sondern Mittel zum Ziel.

Das lässt sich anhand verschiedener Beispiele verdeutlichen:

  1. Abraham
    Abram war vielleicht der erste Auserwählte. Er hatte dazu selbst nichts beigetragen, sondern es war Gott, der ihn auserwählt hat. Durch Abraham sollten einst alle Nationen der Erde gesegnet werden: «Sollte ich vor Abraham verbergen, was ich tun will? Abraham soll doch zu einer großen und mächtigen Nation werden, und in ihm sollen gesegnet werden alle Nationen der Erde!» (1Mo 18,17-18).
  2. Israel
    Das Volk Israel gehört zu Gottes Auserwählten (5Mo 7,6-9 Jes 44,1 Jes 45,4 Apg 13,17 u.a.). Sie werden einst zum Segen für alle Nationen sein (Sach 8,13 Zef 3,20). Dies ist sozusagen die Bestätigung von Abrahams Aufgabe. Im Auf und Ab der Geschichte Israels entsteht dieser Ausblick auf den Messias. Als Jesus (hb. Yeshua) kam, wurde er vom grössten Teil des Volkes nicht als Messias anerkannt. Er wurde verworfen und die glaubende Juden aus Israel, die als Gemeinde in Jerusalem verblieb (die Auswahl, Röm 11,5), hat noch keine Erfüllung der Verheissungen gesehen. Stattdessen kam eine Gemeinde aus allen Nationen (der Körper Christi, die heutige Gemeinde. Siehe unten). Paulus jedoch sieht für Israel nicht das Ende, sondern noch eine blendende Zukunft: «Denn wenn ihre Verwerfung die Versöhnung der Welt ist, was wird die Annahme anders sein als Leben aus den Toten. Wenn aber ihr Fall der Reichtum der Welt ist und ihr Verlust der Reichtum der Nationen, wie viel mehr ihre Vollzahl (Röm 11,12). Auch Paulus sieht also Israel als eine auserwählte Nation, als Segenskanal für die Welt – ganz gleich nach den prophetischen Aussagen. Auf Israel wartet noch eine Aufgabe für die Welt.
  3. Gemeinde aus allen Nationen
    Das Wort Gemeinde bedeutet «Heraus-gerufene» (gr. ek-klesia). Es werden verschiedene Gemeinden genannt. Die heutige Gemeinde, bestehend aus Glaubenden aus allen Nationen, wurde speziell von Paulus (Röm 11,13) berufen, «damit der Segen Abrahams in Christus Jesus zu den Nationen komme, damit wir die Verheissung des Geistes durch den Glauben empfingen» (Gal 3,14, Rev. Elbf.). Allerdings geschah dies ohne Vermittlung vom Volk Israel, wie es die Propheten vorausgesagt hatten. Das macht die heutige Gemeinde speziell. An verschiedenen Stellen schreibt Paulus deshalb von Geheimnissen, die er offenbaren durfte (Röm 16,25 Eph 3,2-3 u.a. Siehe auch den Beitrag «Jesus und Paulus, sagen sie dasselbe aus?»). Diese Gemeinde nun, woran wir Anteil haben, wurde ebenfalls für eine Aufgabe berufen. Diese Aufgabe lesen wir in Epheser 2,6-7: «Er erweckt uns zusammen und setzt uns zusammen nieder inmitten der Überhimmlischen in Christus Jesus, um in den kommenden Äonen den alles übersteigenden Reichtum Seiner Gnade in Güte gegen uns in Christus Jesus zur Schau zu stellen» (KNT). Vereinfacht gesagt: Uns erwartet eine Aufgabe in den Himmeln, um dort Gnade sichtbar zu machen. Bis es soweit ist, sind wir hier jedoch als «Herausgerufene», als ekklesia, als Kirche und Gemeinde Christi unterwegs.

Man könnte Auserwählung als «Berufung zum Dienst» bezeichnen. Allerdings wird damit kein Aktivismus gemeint, sondern vielmehr, dass wir hier die Werke tun, die Er vorbereitet hat, damit wir darin wandeln (Eph 2,8-10). Das ist aber noch nicht alles. Wer nur das Hier und Jetzt vor Augen hat, verkennt, dass Gott uns auf ein grösseres Ziel hin berufen hat. Auserwählung ist auch «Sammlung» der Auserwählten, bis das Dienstwerkzeug vollständig ist. So sieht Paulus beispielsweise, dass einst die «Vervollständigung der Nationen» eintrifft, wonach wieder ein neuer Abschnitt in Seinem Handeln beginnt. Er bezeichnet das als ein Geheimnis (Röm 11,25-27). Es gibt also Zeiten, worin die Auswahl berufen wird, und andere Zeiten, worin das vervollständigte «Werkzeug» seinen Dienst aufnehmen kann. Wir dürfen zwischen dem Heute und dem Morgen differenzieren. Auf uns selbst bezogen können wir erkennen, dass Gott heute «gute Werke für uns vorbereitet, damit wir darin wandeln» (Eph 2,8-10), aber ebenso, dass wir in den künftigen Zeitaltern «Gnade zur Schau zu stellen» werden (Eph 2,6-7). Der Apostel nennt beides in einem Atemzug.

Zusammenfassung

Jeder von diesen Herausgerufenen hat eine Aufgabe vor sich. Bei Abraham war es eine Verheissung für seine Nachkommen. Er war der Kanal dieses Segens. Es fing bei Abraham klein an, aber es sollte einst die ganze Welt einbezogen werden. Ähnliches galt für Israel. Israel wird eine wichtige Aufgabe als Volk haben. Petrus sagt (im «Evangelium der Beschneidung» Gal 2,7-9, nämlich an Israel gerichtet) zu den Glaubenden aus Israel: «Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, eine heilige Nation, ein Volk zum Besitztum, damit ihr die Tugenden dessen verkündigt, der euch aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen hat» (1Pet 2,9).  Auch wir, die Herausgerufene Gemeinde, wurde auserwählt (Eph 1,4). Auf uns wartet noch eine himmlische Aufgabe.

An diesen Beispielen können wir erkennen, dass Auserwählung nie Selbstzweck ist, sondern als Berufung zum Dienst gedacht ist. Was für ein jeweiliger Dienst gemeint ist, das können wir aus dem jeweiligen Kontext ableiten.

 


Ausharren

Ausharren

Was bedeutet der Begriff «Ausharren» in der Bibel? Wer von «ausharren» spricht, der verweist automatisch an eine schwierige Situation. Wem es gut geht, der geniesst einfach. Wer jedoch in einer schwierigen Situation bleibt, wer «ausharrt», der setzt sich mit unangenehmen Dingen auseinander. Können wir dem Wort «Ausharren» vielleicht auch etwas Gutes abgewinnen?

Geht es nur um Genuss im Leben?

Hedonismus ist eine Lebensanschauung, die Lebenserfüllung im lustvollen und freudigen Genuss sieht. Vereinfacht dargestellt wird alles dem Lustprinzip untergeordnet. In diesem Beitrag gehe ich vom volkstümlichen Verständnis eines Hedonismus aus: Der eigene Genuss steht im Zentrum. Ein Hedonist ist kraft seiner inneren Ausrichtung stets egozentrisch. Ein Hedonist lebt für Genuss, welchen er selbst erfahren will. Bestimmt kann man dem etwas Gutes abgewinnen. Wer will schon leiden? Ein Hedonist strebt nicht nach etwas, was andere nicht haben wollen. Alle wollen es haben. Alle möchten ein Leben ohne Leid, ohne Stress, ohne Verlust, ohne Krankheit oder Tod. Der Unterschied liegt darin, dass ein Hedonist den gesamten Lebensinhalt ausschliesslich im Genussvollen sieht und alles diesem Genuss unterordnet – was mehr Genuss verspricht hat Vorrang. Nicht «was» ein Hedonist will, sondern «wie» er es will, das kann rasch zur Problematik innerhalb von Beziehungen, von Ausbildung und Arbeit, oder in der Gemeinschaft werden.

Das Gebet von Jabez

In der biblischen Berichterstattung ist die Geschichte von Jabez bemerkenswert. Er bittet Gott einfach, dass er gesegnet werde und dass er weder Übles noch Schmerz erfahre. «Und Gott liess kommen, was er erbeten hat», hiess es dann nüchtern.

«Jabez war angesehener als seine Brüder; zwar hatte seine Mutter ihm den Namen Jabez gegeben, denn sie sagte: Mit Schmerzen habe ich ihn geboren. Aber Jabez hatte den Gott Israels angerufen und gesagt: Dass du mich doch segnen und mein Gebiet erweitern mögest und deine Hand mit mir sei und du das Übel von mir fernhieltest, dass kein Schmerz mich treffe! Und Gott ließ kommen, was er erbeten hatte.»
1. Chr 4,9–10

War Jabez ein Hedonist? Wohl kaum. Er hat das gemacht, was vielleicht jeder von uns gemacht hätte. Er betete ein einfaches Gebet zu Gott und alle Probleme waren gelöst. Nirgendwo sonst lesen wir in der Bibel von einem ähnlichen Gebet. Was sollen wir davon halten? Dabei ist wenig erstaunlich: Ein solch einfaches Leben ist in der Bibel nicht mehr interessant. Die Bibel ist durch und durch nüchtern in ihrer Betrachtung. Auch wenn Jabez nach einem kurzen Gebet prompt gesegnet wurde, so sieht die tägliche Realität meist anders aus. Das wurde bereits in dem Beitrag «Geistlicher Segen» ausführlicher dargestellt. Die Bibel widmet ein ganzes Buch dem Leiden von Hiob, jedoch nur drei Verse dem «perfekten» Leben von Jabez. Unsere Lebensrealität liegt wohl näher zu dem von Hiob als zu dem von Jabez. Das Leben ist für die meisten Menschen viel komplexer als das, was Jabez erlebt. Leiden werden in der Bibel nicht ausgeblendet, sondern schwierige Situationen werden immer wieder eingeblendet. Hedonismus ist eine Weltanschauung, die quer auf die Lebenserfahrung der meisten Menschen steht. Es gibt keine Verheissung, dass wir von allem Leiden verschont bleiben. Im Gegenteil, wir sind ganz in dieser Welt eingebettet. Glaube ist nicht etwa eine «Methode», sich dem Leiden zu entziehen.

Ausharren

Die Lebensrealität erlaubt es uns nicht, immer den Genuss in den Vordergrund zu stellen. Es gibt Situationen, die benötigen Zeit, auch wenn das «Warten» Anstrengung bedeutet. In diesem Zusammenhang wird im Neuen Testament das Wort «ausharren» (gr. hupomonê) genutzt. Die Etymologie führt das Wort auf die beiden Elemente «unter» und «bleiben» zurück. Man kann dabei an eine Last denken, die man trägt, und man bleibt unter dieser Last stehen. Man läuft nicht weg. Man harrt aus. Ein Hedonist würde eine Last vielleicht abwerfen, weil sie unangenehm ist. Andere jedoch harren aus. Sie bleiben unter der Last stehen und tragen diese weiterhin, weil sie darin einen Sinn sehen. Das Ausharren ist zwar nicht angenehm, aber wer geduldig ist, kann dadurch Dinge erreichen, die mehr Wert haben. Hiob ist dabei das Beispiel schlechthin:

«Vom Ausharren Hiobs habt ihr gehört und den Abschluss des Herrn gewahrt, da der Herr voll innerstem Erbarmen und mitleidig ist.»
Jak 5,11

Paulus schreibt aus seiner Lebenserfahrung:

«… wir mögen uns auch in den Drangsalen rühmen, wissend, dass die Drangsal Ausharren bewirkt, das Ausharren aber Bewährung, die Bewährung aber Erwartung. Die Erwartung aber lässt nicht zuschanden werden, weil die Liebe Gottes in unserem Herzen ausgegossen ist durch den uns gegebenen heiligen Geist.»
Röm 5,3-5

Ausharren bringt Bewährung und die Bewährung fördert eine zuversichtliche Erwartung. Damit erhält das Leben Inhalt und Ausrichtung. Bei Hiob sehen wir, dass Gott erst in der Zeit gewirkt und geantwortet hat. Es gab keine sofortige Lustbefriedigung, aber eine Lebenserfüllung kam später. Auch wenn Hiob das nicht sofort erfahren hat, so spricht das Buch (worin wir ja die ganze Geschichte lesen) von dieser Zuversicht, dass alles Leiden einst von Gott zurechtgebracht wird. So und ähnlich lesen wir auch an anderer Stelle über dieses Ausharren (2Kor 1,6; 2Thess 1,4; 2Tim 3,10 u.a.).

Wenn Zeit eine Rolle spielt

Der Zeitaspekt ist eine wichtige Komponente. Wir können mit Ausharren auf etwas warten, was noch in der Zukunft liegt:

«… Denn auf diese Erwartung hin wurden wir gerettet. Erwartung aber, die erblickt wird, ist keine Erwartung; denn das, was jemand erblickt – erwartet er das etwa noch? Wenn wir aber erwarten, was wir nicht erblicken, so warten wir mit Ausharren darauf.»
Röm 8,24-25

Ausharren ist auch Ausdauer. So spricht Paulus beispielsweise von der Ausdauer in guten Werken (Röm 2,7). Ausdauer ist auch eine Qualität des Glaubens. Paulus betet für die Kolosser, dass sie «in der Erkenntnis Gottes wachsen und mit aller Kraft nach der Gewalt Seiner Herrlichkeit gekräftigt werden zu aller Ausdauer und Geduld mit Freuden» (Kol 1,11). Dasselbe «hupomonê» wird auch im Sinne von Beharrlichkeit genutzt, wenn Paulus von den Thessalonichern bezeugt: «Unablässig gedenken wir vor unserem Gott und Vater eurer Arbeit im Glauben, eures Mühens in der Liebe und eurer Beharrlichkeit in der Erwartung unseres Herrn Jesus Christus» (1Thess 1,3). Damit weist Paulus darauf hin, dass wir hier auf Erden auch in Erwartung unseres Herrns leben. Es gibt noch Dinge, die vor uns liegen, die wir noch nicht haben. Es gibt die Beziehung zu Ihm, die sich noch nicht in jeder Hinsicht erfüllt hat. So schreibt Paulus mit anderen Worten im Epheserbrief:

«In Ihm seid auch ihr, die ihr das Wort der Wahrheit, das Evangelium eurer Rettung, hört – in Ihm seid auch ihr, die ihr glaubt, versiegelt mit dem Geist der Verheissung, dem heiligen (der ein Angeld unseres Losteils ist bis zur Freilösung des uns zugeeigneten) zum Lobpreis seiner Herrlichkeit.»
Eph 1,13-14

Wir sind versiegelt mit dem Geist der Verheissung. Dank dieser Versiegelung ist die Verheissung gewiss. Wir warten aber noch auf die Erfüllung. Und so manche Dinge müssen wir mit Beharrlichkeit erwarten. Auszuharren kann eine tiefe geistliche Haltung sein, wenn darin Gottes Wirken erwartet wird. Ausharren ist der Gegensatz von schneller Lustbefriedigung, weil etwas Besseres erwartet wird. Deshalb können wir in bestimmten Situationen unter der Last stehen bleiben. Das ist kein Masochismus, sondern Realismus. Nicht das Leiden wird verherrlicht, sondern in der Realität dieser Welt erwarten wir zur rechten Zeit Gottes Eingreifen. Ausharren ist auch keine Passivität, als müsste man die Hände in den Schoss legen, sondern es ist das bewusste Umdenken hin zu Gottes Wirken, wodurch die Welt in einem anderem Licht erscheint. Ausharren ist auch ein Zeichen menschlicher und geistlicher Reife - wenn wir abschätzen können, ob es gut und gesund ist, in einer Situation noch etwas auszuharren.

Zuspruch der Schriften

Die Bibel enthält einen Schatz an Verheissungen. Diese können unser Leben prägen. An die Römer schreibt Paulus:

«Denn all das, was vorher geschrieben wurde, ist gerade uns zur Belehrung geschrieben worden, damit wir durch Ausharren und durch den Zuspruch der Schriften Zuversicht haben mögen.»
Röm 15,4-5

Kombinieren wir unser Ausharren mit dem Zuspruch, den wir aus den Schriften gewinnen, dann entsteht dadurch viel Zuversicht. Das nun ist das Ziel des Ausharrens. Wer ausharrt, der richtet sein Leben auf etwas Grösseres aus, und wird durch unmittelbare Erfahrungen nicht abgelenkt.

 

 


Ausbruch aus starren Glaubensstrukturen

Ausbruch aus starren Glaubensstrukturen

Ich habe immer grossen Respekt vor Menschen, die positive Veränderungen anstreben. Nicht immer jedoch gelingen diese Änderungen innerhalb der vertrauten sozialen Strukturen. Manchmal ist es gesund und nötig, dass Menschen sich entscheiden, neue Wege zu gehen.

Viele Themen dieser Website widmen sich solcher Überlegungen. Es geht um Themen der Bibel, um die Art des Miteinander in Kirchen und Gemeinden und darum, wie wir denken und glauben dürfen. Es geht bei weitem nicht nur um bestimmte «dogmatische» Positionen, sondern vielmehr geht es um eine gesunde Auseinandersetzung mit sich selbst, mit der Bibel und den Gemeinschaften, worin wir stehen.

Starre und rigide Glaubensstrukturen habe ich an vielen Orten gesehen und erlebt. Dazu zählen Kirchen wie Freikirchen. Nicht aber nur da. Starre und rigide Glaubensstrukturen finden sich an vielen Orten. Sie sind fast unausweichlich, wenn Menschen länger miteinander unterwegs sind. Wenn Gemeinschaften über Generationen hinweg bestehen, findet ganz logisch eine Verfestigung und Institutionalisierung statt. Es entstehen Traditionen und Gepflogenheiten. Wir sprechen von Kultur oder Subkultur. Manche dieser Entwicklungen sind gut, manche aber schränken zu sehr ein und sind nie dafür gedacht, «ewig» Bestand zu haben. So dürfte es für jede Generation wichtig sein, sich selbst und seine Gemeinschaft zu reflektieren und in diesem Prozess gesunde Wege zu finden.

Im Volksmund heisst es «Wer wagt, der gewinnt!» Jedoch wagt sich nicht jeder. Diejenigen aber, die sich trauen, die sich auf den Weg zu neuen Horizonten machen, die sind es, die gewinnen. Nicht selten gewinnen sie auch kostbare Einsichten für viele Andere. Wer umkehrt, hat die Kraft die Welt mitzugestalten.

Von der Not, Neues zu denken

Wer sich auf den Weg macht, Neues zu denken, der erfährt häufig keine Zustimmung. In so manchen Kreisen wird das eigene Denken regelrecht unterbunden. Es kann auch die blanke Angst vor Veränderung grassieren. So und ähnlich habe ich das selbst erlebt und ich höre es immer wieder auch von Anderen. Wer nachdenkt, kann deshalb mit starkem Gegenwind rechnen, sobald ehrliche und offene Fragen gestellt werden. Es gibt nämlich in den wenigsten Kirchen und Gemeinden eine echte Lernkultur. Wer den eigenen Horizont erweitern will, steht deshalb oft zuerst einmal alleine da.

Eine rigide oder starre Glaubensstruktur will nicht nur keine Änderung, sondern es gibt dort häufig ein starkes Schwarzweiss-Denken. Man «weiss», was gut und was böse ist, was dem Glauben förderlich ist, und was nicht, wie man sich benehmen sollte und was gewiss nicht mehr tolerierbar ist. Auch kann es sein, dass «Glaube» einem bestimmten Werdegang entsprechen muss. Wer jedoch Neues denken will, sucht vor allem eine Differenzierung. Schwarz und weiss genügen nicht mehr. Man hat für sich entdeckt, dass es auch Graustufen und vielleicht sogar eine ganze Farbpalette gibt. (Sehenswert in diesem Zusammenhang ist der Film «Pleasantville». Wikipedia | Trailer.)

Wer Differenzierung sucht, wer lernen will, der will eine Auseinandersetzung. Es ist nicht per Definition eine Absage an alte Strukturen, aber eine Auseinandersetzung damit. Es ist keine Absage an die Bibel oder an den Glauben, sondern eine Auseinandersetzung damit. Man will in einen Prozess einsteigen, worin das Leben und auch der Glaube neu entdeckt werden dürfen. Dies war in den starren Strukturen komplett untergegangen. Ich denke, dass jede Kirche oder Gemeinde gerade um solche Leute dankbar sein darf. Sie beleben die Gemeinschaft. Findet jedoch keine Auseinandersetzung statt, wird sie vielleicht sogar unterdrückt, dann wird die Lebendigkeit sich einen eigenen Weg suchen. Dieser Mensch wird umkehren und aussteigen.

Martin Buber, der bekannte jüdische Religionsphilosoph, hat etwa 1920 das Büchlein «Ich und Du» geschrieben, worin er die Grundlage für eine beziehungsorientierte Lebensphilosophie beschreibt. In diesem Büchlein beschreibt er ganz prägnant die Spannung, welche zur Umkehr führt.

Der Mensch, der umkehrt

Martin Buber schreibt:

«Das Dogma kennt den Menschen nicht, der den Allkampf durch die Umkehr überwindet; der das Gespinst der Gebrauchstriebe durch die Umkehr zerreisst; der sich dem Bann der Klasse durch die Umkehr enthebt; – der durch die Umkehr die sicheren Geschichtsgebilde aufrührt, verjüngt, verwandelt. Das Dogma des Ablaufs lässt dir vor seinem Brettspiel nur die Wahl: die Regeln beobachten oder ausscheiden; aber der Umkehrende wirft die Figuren um. Das Dogma will dir immerhin erlauben, die Bedingtheit mit dem Leben zu vollstrecken und in der Seele «frei zu bleiben»; aber diese Freiheit erachtet der Umkehrende für die schmählichste Knechtschaft.»

Martin Buber, Ich und Du

Das Dogma kennt den Menschen nicht

Als ich das Büchlein «Ich und Du» von Martin Buber las, war ich gerade in einem Prozess der Neuorientierung. Es gab einige Jahren, da hatte ich mich bewusst aus Kirchen und Gemeinden verabschiedet. Nicht etwa, weil ich den Glauben verloren hätte, sondern im Gegenteil, weil der Glaube mir in den Glaubensgemeinschaften fast abhanden gekommen wäre. Diese Neuorienterung war eine ganz bewusste Auseinandersetzung. Sie war zuerst eine Bereinigung, nämlich von religiösem Ballast, den ich da und dort aufgegabelt hatte. Dann war sie aber auch eine Suche und Selbstreflektion, wie und wo sich mein Gottvertrauen und mein Glauben ausleben liesse. Ebenfalls war es eine erneute Auseinandersetzung mit der Bibel selbst, denn – so hatte ich verstanden – es war mein Verständnis der Bibel, welches unverdaulich geworden war. Nicht die Bibel war das Problem, sondern mein eigenes verinnerlichtes Verständnis. Es gab zu viele Ungereimtheiten, nicht nur lehrmässig, sondern auch von der Glaubenskultur her. Ich musste mich selber auf den Weg machen, dieses Wirrwarr zu lösen, mir einen neuen Zugang zur Schrift und zu einem gesünderen Glaubensverständnis zu schaffen.

Martin Buber schreibt «Das Dogma kennt den Menschen nicht, der den Allkampf durch die Umkehr überwindet». Mit «Dogma» wird hier kein kirchliches Dogma gemeint, sondern für Buber ist es die Ausprägung einer Annahme, die nicht in Frage gestellt werden darf. Es ist ein allgemeiner Ausdruck, der nicht nur auf Glauben bezogen wird. Die Dogmen, das sind die festgesetzten Anker für die jeweilige Gemeinschaft, an die unter keinem Umstand gerüttelt werden darf. Diese Annahmen werden höher gewertet als die Menschen selbst. Das Dogma kennt den Menschen nicht. Man glaubt mehr an die Regeln als an den Menschen (vgl. Mk 2,27).

Ich habe nun diese allgemeine Aussage von Martin Buber auf meine Entwicklung bezogen. Ich lese dies selektiv als Abbild von religiösen Strukturen, auch wenn Buber selbst von etwas Grösserem spricht. Dennoch kann die Beschreibung sehr gut zur Erfahrung derer passen, die aus einengenden Glaubensvorstellungen ausbrechen und einen neuen Weg finden.

Das Dogma kennt den Menschen nicht, schon gar nicht den fragenden Menschen, der sich selbst und die Gemeinschaft reflektiert. Das Dogma kennt den Menschen nicht, «der den Allkampf durch die Umkehr überwindet». Jeder erfährt nämlich eine Auseinandersetzung in der Welt. Es ist deshalb tatsächlich ein «Allkampf» aller Menschen. Einige jedoch überwinden diesen Kampf durch Umkehr. Sie brechen aus einem System aus, welches zum Leben nicht mehr genügend Platz bot. Der Umkehrende überwindet die Begrenzungen.

Diese Umkehr ist nicht der Abschied wegen Gleichgültigkeit. Es ist die Umkehr mit derselben lebendigen Kraft, womit auch «Bekehrung» stattfindet. Es ist diese Bewegung, dieses Umdenken, womit dem Leben wieder Inhalt und Richtung gegeben wird. Umkehr ist dem Menschen als Möglichkeit gegeben. Nur wenn wir zu uns selbst und zu unserem Menschsein stehen, können wir umkehren. Nur so können wir auch zu Glaubenden werden, zu Vertrauenden. Die Umkehr zu nutzen bleibt vielen jedoch verwehrt. In rigiden und starren Gemeinschaftsidealen gehen Menschen unter. Wohl dem aber, dem es gelingt auszubrechen.

Der lebendige Mensch jedoch kann umkehren, kann das «Gespinst» der Gewohnheiten zerreissen und sich dem Bann der Gemeinschaft entheben. Martin Buber spricht hier von «Gebrauchstrieben» und «Klassen». Der Bann der Gemeinschaft kann sehr stark sein. Wer das schon einmal erlebt hat, kann sich etwas dabei vorstellen. Es sind diese Annahmen, die in gut und schlecht aufteilen, in schwarz und weiss. Wer sich nicht so und so verhält, der fällt schon fast vom Glauben ab. Angst wird geschürt. Auch wenn das nicht direkt so ausgesprochen wird, so liegt auf vielen Menschen eine unsichtbare Last und man vereinbart stilschweigend, dass dies die Glückseligkeit ist, dass Glauben genau so aussieht, dass Kirche immer diese Form hat, und dass Gläubige nur richtig gläubig sein können, wenn sie sich dieser Vorstellung unterordnen. Und viele merken nicht einmal, wie dies abläuft, denn man hat gar keinen Vergleich – man war noch nie in einer anderen Art der Gemeinschaft, hat noch nie eine andere Kirche von innen her erlebt.

Verjüngung und Verwandlung

Es gibt in diesem Vergleich folgende Pole: Einerseits gibt es das übergeordnete «Dogma», andererseits gibt es die «Umkehr». Etwas neutraler formuliert und mit Distanz betrachtet könnte man auch sagen, dass alte Konzepte mit neuen Konzepten ringen. Wer zu neuen Ufern aufbricht, sucht sich ein besseres Konzept, also eines, das dem Leben und dem Glauben besser angepasst ist. Der Umkehrende erfüllt, trotz allem Eigennutzen, auch für die Gemeinschaft eine Aufgabe. Dieser nämlich ist es, schreibt Buber, «der durch die Umkehr die sicheren Geschichtsgebilde aufrührt, verjüngt, verwandelt.»

Wer umkehrt tut nicht nur sich selbst, sondern auch der Gemeinschaft einen Gefallen. Allerdings ist das gar nicht so einfach, wie es tönt. Ein «Dogma» hat sich über lange Zeit verfestigt. Starre und rigide Strukturen kommen eben nicht aus dem Himmel gefallen, sondern entstehen als sehr menschliche Entwicklungen über längere Zeit. Es sind diese Geschichtsgebilde, welche Verjüngung und Verwandlung benötigen. Wer jedoch halbwegs zufrieden in den Strukturen steht, betrachtet die Umkehrenden oft mit viel Argwohn, während die Umkehrenden selbst oft nur mit Mühe aus den alten Strukturen losbrechen können. Beide müssten sich auseinandersetzen. Für beide wäre es jedoch eine Herausforderung. Könnte man sich gegenseitig Verständnis entgegenbringen?

Schwarz oder weiss?

«Das Dogma des Ablaufs lässt dir vor seinem Brettspiel nur die Wahl: die Regeln beobachten oder ausscheiden.»

Das Dogma, bzw. die traditionelle Kultur, die verinnerlichten Werte sind aus einem Grund starr: sie sollen schützen. Sie sollen bewahren. Sie sollen Sicherheit vermitteln. Und manchmal sollen auch Machtgefüge erhalten bleiben. Es kann Verschiedenes sein oder vielleicht spielt auch alles mit. Deshalb gibt es Regeln und wer nicht nach den Regeln spielt, der wird über Bord geworfen. Es gibt Ausgrenzung, Verketzerung und dergleichen mehr.

Ich habe viel Angst gesehen, Angst vor Veränderung, Angst vor Fragen, Angst vor Reflektion. Das Dogma des Ablaufs, von dem Buber spricht, ist ein einziger Ausdruck. Ablauf und Dogma gehören zusammen. Es ist ein einziger Begriff, der daraus entsteht, dass der Ablauf immer so bleiben muss, wie es immer war.

Dieses Schwarzweiss-Denken lässt dem Umkehrenden keine Wahl. Er muss aufbrechen. Wer in den alten Gebilden keinen Lebensraum findet, wer von dogmatischen Vorstellungen nur eingeengt ist, der wird (Gott schenke es uns nach Seiner Gnade) aus diesem Spiel austeigen.

Der Ausstieg

«Der Umkehrende wirft die Figuren um

Die Figuren umzuwerfen heisst, dass einer nun aus dem Spiel aussteigt. Der Umkehrende verlässt das Spielfeld des Dogmas. Martin Buber sagt noch mehr dazu: «Das Dogma will dir immerhin erlauben, die Bedingtheit mit dem Leben zu vollstrecken und in der Seele «frei zu bleiben»; aber diese Freiheit erachtet der Umkehrende für die schmählichste Knechtschaft». Denn dies hat der Aussteigende erkannt: Er wäre «frei», unter dem Joch des Dogmas zu bleiben. Doch das ist keine Option.

Das Dogma oder die Tradition will uns erlauben, innerhalb der gesetzten Regeln zu laufen. Das ist sozusagen das Lockangebot: Wir können die Eingrenzung als Freiheit annehmen. Für viele Leute ist gerade das sehr interessant und es dürfte für manche Sekten oder radikale Auslegungen bestimmter Religionen der Hauptgrund sein, weshalb man so viele Menschen gewinnt. Das Denken wird einem abgenommen und den Menschen wird ein Regelwerk gegeben.

Das Dogma erlaubt es, «die Bedingtheit mit dem Leben zu vollstrecken». Das Dogma ist ganz für dich, wenn du innerhalb der Richtlinien bleibst. Diese Unfreiheit wird als «Freiheit» verkauft. Es ist nichts anderes als ein Heilsversprechen. Diese Freiheit jedoch erachtet der Umkehrende für die schmählichste Knechtschaft, weil sie nicht wirklich frei macht. Der Umkehrende steigt aus.

Erneuerung ist gut

Umkehr, und dann? Wie geht es weiter? Der Gemeinde in Rom schreibt Paulus:

«Ich spreche euch nun zu, Brüder (im Hinblick auf die Mitleidserweisungen Gottes), eure Körper als ein lebendiges, heiliges und Gott wohlgefälliges Opfer bereitzustellen (als euren folgerichtigen Gottesdienst) und euch nicht auf diesen Äon einzustellen, sondern euch umgestalten zu lassen durch die Erneuerung eures Denksinns, damit ihr zu prüfen vermöget, was der Wille Gottes sei – der gute, wohlgefällige und vollkommene.»
Röm 12,1-2

Es wird von einem Prozess gesprochen und davon, den Mut zu haben, sich umgestalten zu lassen. Diese Aussage gehört zum Evangelium. Umdenken und Erneuerung sind «biblisch», wenn man das so sagen will. Es gibt dafür nicht nur diese Bibelstelle in einem Brief vom Apostel Paulus, sondern auch viele weitere Beispiele. Menschen kehren um. Das ist, was Bekehrung heisst. Umdenken ist aber nicht nur für «Ungläubige», sondern – wie hier im Römerbrief – gerade auch für Gläubige. Das ist eine wichtige Erkenntnis, wenn man mit der Annahme aufgewachsen ist, dass alles immer sein muss wie es schon immer war. Die Bibel ist weder rigide noch starr. Wir haben einen lebendigen Gott (1Tim 4,10), der auch uns ganz lebendig sucht (Röm 12,1). Dann müssen wir wohl ein bestimmtes Mass an Lebendigkeit an den Tag legen dürfen.

So wie am Anfang dieses Beitrages die Rede von positiven Änderungen war, so ist auch die Aussage von Paulus hier zu verstehen. Es ist «im Hinblick auf die Mitleidserweisungen Gottes». Das ist ein positiver Blickwinkel. Paulus sucht Menschen für Christus zu gewinnen. Das schliesst ein Umdenken von den Gläubigen mit ein.

Der Umkehrende, das ist der Lebendige. Wer ausbricht, muss nicht der Abtrünnige sein, sondern ist vielleicht der, der den Lebens- und Glaubensraum neu erkennen will. Es ist der, der eine lebendige Beziehung den starren Gepflogenheiten vorzieht, der bessere Antworten sucht, der differenzierter denken möchte und bewusster in der Welt stehen will.

Anregungen zum Gespräch

  • Müssen wir perfekt sein? Weshalb (nicht)?
  • Wie findet geistliches Wachstum statt?
  • Wie findet persönliches Wachstum statt?
  • Kannst Du bei persönlichen Fragen auch selbst zur Bibel greifen und eine Antwort finden, oder brauchst Du Input von aussen. Weshalb?
  • Pflegst Du persönlichen Kontakt mit Menschen ausserhalb deiner Kirche oder Gemeinde?
  • Wenn Abraham heute lebte, könnte er in deiner Gemeinschaft als vollwertiges Mitglied teilnehmen? Schliesslich ist er ja «Vater aller Gläubigen» (Röm 4,16). Oder müsste er noch Bedingungen erfüllen?
  • Abraham glaubte Gott und das wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet (1Mo 15,6). Muss ich sonst noch etwas glauben in meiner Gemeinschaft, damit ich «dazu gehöre»? Geht es um Gleichschaltung? Und wenn das nicht so ist, wie frei ist man, selber nachzudenken?
  • Was braucht es zu einer Kultur des guten und freien Austausches?
  • Wie kannst du Mitmenschen dazu ermutigen, selbst einen Weg des Glaubens zu gehen?
  • Paulus schreibt: «Wenn wir aber wahr sind, sollten wir in Liebe alles zum Wachsen bringen, hinein in Ihn, der das Haupt ist, Christus» (Eph 4,15). Reflektiere «wahr», «in Liebe», «alles», «Wachsen», «hinein in Ihn, der das Haupt ist, Christus».

Saul in Endor

Saul in Endor

Die Aussagen der Bibel über Leben, Tod und Auferstehung sind recht klar und einheitlich: Tote leben nicht. Sie sind tot. Damit wird der Gegensatz von Leben gemeint. Wer dies nicht so sieht, greift auf eine recht begrenzte Auswahl an «anderslautende» Bibelstellen zurück, womit dann das übrige Schriftzeugnis ausser Kraft gesetzt werden soll. Diese Bibelstellen verlangen besondere Beachtung, wenn wir die Schrift im eigenen Kontext verstehen wollen.

 

Bibelstelle

1Sam 28

Thema

Saul besucht eine Frau in Endor, welche einen wahrsagenden Geist hat und die mit ihm eine spiritistische Seance abhält.

Traditionelle Auslegung

Die Frau gibt einen realen Einblick in das Totenreich. Demnach sind die Toten nicht tot, sondern leben munter weiter. Spiritismus? Stört mich nicht!

Gegenargument

Dies ist eine spiritistische Seance, und keinen Einblick in eine Totenwelt.

Begründung

Saul hatte ein Problem. Samuel der Prophet war gestorben. Ihn könnte Saul nicht mehr um Weisheit und Rat bitten. Wahrsager und Totenbeschwörer hatte er aus dem Land vertrieben. Dann erscheinen aber Feinde an der Grenze und dem König rutscht das Herz in die Hose. Was tun? Wer kann weiterhelfen? (1Sam 28,3-5). In dieser Notsituation wendet er sich zum Herrn, aber dieser antwortet nicht, weder durch Träume, noch durch das Los zu werfen, noch durch Propheten (1Sam 28,6). Saul braucht Hilfe. Dann lässt er jemand suchen, der die Toten befragen kann.

Bei der Spiritistin angekommen wünscht Saul, dass Samuel aus dem Tod heraufbeschwört wird. Er sucht demnach einen alten Vertrauten, damit er seine Fragen stellen kann. Tatsächlich erscheint nun Samuel, allerdings heisst es, dass nur die Frau ihn sah. Es entwickelt sich ein Gespräch zwischen Saul, der Frau und Samuel und Saul erhält eine dramatische Antwort.

Wie real die Situation hier auch erschien, die Frau ist ein Medium. Sie sieht vielleicht etwas, aber es ist nicht real. Samuel war tot und wird nun nicht auferweckt. Die Darstellung lässt sich nicht mit einer Auferstehung vergleichen, die es jedoch zu einem neuen Leben brauchen würde! So steht diese Erscheinung in einem seltsamen Licht. Es ist vor allem Saul selbst, der folgert, dass es Samuel ist. Dass jedoch die Quelle auch eine andere sein kann, und hier etwas anderes geschieht, muss nüchtern überlegt werden.

Saul folgert lediglich, dass er Samuel gegenübersteht. Nur das Medium sieht die Erscheinung.

Das Medium hat nicht die Kraft, Menschen aus dem Tod aufzuerwecken. Tote leben nicht. Was hier beschrieben wird ist mit Sicherheit eine reale Erfahrung. Gleichzeitig ist aber nicht klar, dass dies tatsächlich Samuel sein sollte. Nach der Schrift ist dies gar nicht möglich. Gegen solche dämonische Einflüsse wird wiederholt stark gewarnt:

«Ihr sollt euch nicht den Totenbeschwörern und Wahrsagern zuwenden, dass ihr nicht durch sie unrein werdet; ich bin der HERR, euer Gott»
3Mo 19,31

«Wenn du in das Land kommst, das dir der HERR, dein Gott, geben wird, so sollst du nicht lernen, die Gräuel dieser Völker zu tun, dass nicht jemand unter dir gefunden werde, der seinen Sohn oder seine Tochter durchs Feuer gehen lässt oder Wahrsagerei, Hellseherei, geheime Künste oder Zauberei treibt oder Bannungen oder Geisterbeschwörungen oder Zeichendeuterei vornimmt oder die Toten befragt.»
5Mo 18,9-14

Die Abhängigkeit soll von Gott sein, nicht von solchen Praktiken.

 

 


Die Seelen unter dem Altar

Die Seelen unter dem Altar

Die Aussagen der Bibel über Leben, Tod und Auferstehung sind recht klar und einheitlich: Tote leben nicht. Sie sind tot. Damit wird der Gegensatz von Leben gemeint. Wer dies nicht so sieht, greift auf eine recht begrenzte Auswahl an «anderslautende» Bibelstellen zurück, womit dann das übrige Schriftzeugnis ausser Kraft gesetzt werden soll. Diese Bibelstellen verlangen besondere Beachtung, wenn wir die Schrift im eigenen Kontext verstehen wollen.

 

Bibelstelle

Offb 6,9-10

Thema

Johannes beschreibt in der Offenbarung folgendes:

«Als es das fünfte Siegel öffnete, gewahrte ich unten, unter dem Altar, die Seelen derer, die hingeschlachtet waren um des Wortes Gottes und um des Zeugnisses willen, das sie hatten. Und sie schrien mit lauter Stimme: Bis wann, Du unser Eigner, Heiliger und Wahrhaftiger, richtest und rächst Du nicht unser Blut an den auf Erden Wohnenden?»
Offb 6,9-10

Traditionelle Auslegung

Diese hier genannten Menschen sind tot, aber doch schreien sie. Demnach leben sie und demnach sind alle Toten quicklebendig. So einfach ist das. Oder etwa nicht?

Gegenargument

Nicht die Toten schreien, sondern was an sie geschehen ist «schreit zum Himmel». Sie waren «hingeschlachtet» und ihr Blut war auf Erden vergossen. Es ist die Rede von Märtyrer und die Ungerechtigkeit sollte gerächt werden.

Begründung

Das Buch Offenbarung ist voller Bildsprache. So wird in diesem ganzen Kapitel vom «Lamm» gesprochen, welches «Siegel» öffnet. Das Lamm ist ein Bild von Christus. Die Siegel sind Abbildungen von Geschehnissen. Normalerweise kann ein Lamm auch keine Siegel öffnen. Deswegen sollten wir solche Texte aufmerksam lesen.

Wer umgebracht ist schreit nicht mehr. Toten sind still. Das wird in der Schrift ganz deutlich und wiederholt gelehrt. Trotzdem gibt es Bildsprachen, welches das nun so darstellen. Im Vergleich hat auch das Blut von Abel geschrien, nachdem Abel von Kain umgebracht wurde:

«Er aber sprach: Was hast du getan? Die Stimme des Blutes deines Bruders schreit zu mir von der Erde.»
1Mo 4,10

Blut hat keine Stimme, aber doch hat das Blut eine Sprache. Es ist eine Bildsprache. Ebenso ist das in der Offenbarung der Fall. Die «Seelen» sprechen von ihrem «Blut». Auch das hat einen Zusammenhang. Die Seele nämlich wird in der Bibel mit dem Blut in Verbindung gebracht (z.B. 1Mo 9,6). Die Seele steht für den ganzen Menschen. Menschen wurden «lebendige Seelen» (1Mo 2,7) und können sterben. Seele ist das, was uns als Mensch ausmacht heute. Es ist unsere Empfindung damit verknüpft und alles, was wir fühlen. Wenn nun die Seele unter dem Altar sind, so ist das ein Bild dafür, dass diese Menschen wegen ihrem Glauben hingerichtet waren, wie es heisst «um des Wortes Gottes und um des Zeugnisses willen».

Auch hier geht es also nicht um einen Todeszustand, sondern es geht um eine Bildsprache, worin Gerechtigkeit für Märtyrer gefordert wird. Das Thema ist die Gerechtigkeit. Das fünfte Siegel hat dies aufgedeckt.

 

 

 


Toten wurde Evangelium verkündigt?

Toten wurde Evangelium verkündigt?

Die Aussagen der Bibel über Leben, Tod und Auferstehung sind recht klar und einheitlich: Tote leben nicht. Sie sind tot. Damit wird der Gegensatz von Leben gemeint. Wer dies nicht so sieht, greift auf eine recht begrenzte Auswahl an «anderslautende» Bibelstellen zurück, womit dann das übrige Schriftzeugnis ausser Kraft gesetzt werden soll. Diese Bibelstellen verlangen besondere Beachtung, wenn wir die Schrift im eigenen Kontext verstehen wollen.

 

Bibelstelle

1Pet 4,6

Thema

Im ersten Petrusbrief steht:

«Denn dazu ist auch den Toten das Evangelium verkündigt, dass sie zwar nach Menschenweise gerichtet werden im Fleisch, aber nach Gottes Weise leben im Geist.»
1Pet 4,6, Luther 2017)

Traditionelle Auslegung

Auch dieser Text wird gerne dazu zitiert, zu «beweisen», dass Tote nicht tot sind, sondern weiterleben. Passt das nicht wunderbar bei der griechischen Idee eines Totenreiches, worin Tote ein Schattendasein fristen, aber doch noch bei vollem Bewusstsein sind? Bei dieser Ansicht meint man, dass Jesus nach dem Sterben in die Unterwelt abgestiegen ist und dort Scharen von Toten Evangelium verkündigt hat, bevor Er nach drei Tagen wieder auferweckt wurde.

Gegenargument

In einer Nussschale: Den jetzt Toten wurde einst Evangelium verkündigt. Der Verweis wäre also korrekt: Im Hinweis auf diejenigen die jetzt tot sind spricht Petrus davon, dass ihnen Evangelium verkündigt wurde. Dazumal waren sie jedoch am Leben. Es ist eine korrekte Beschreibung und eine Bildsprache.

Begründung

Der Text im Kontext gelesen bringt ganz andere Aussagen ans Licht: Zentral stehen hier nicht die Toten oder eine Lehre über den Tod, sondern das Thema ist das Märtyrertum der Gläubigen:

«Da nun Christus für uns im Fleisch litt, wappnet auch ihr euch mit denselben Gedanken.»
1Pet 4,1

Petrus beschreibt in den folgenden Versen, dass sich die Lebenshaltung der Gläubigen geändert hat. Sie stehen anders im Leben als früher. Einst lebten sie ähnlich wie die Nationen, mit Ausschweifung, Begierden, Trinkgelagen und ähnliches. Nun aber haben sie durch Vertrauen auf Gott und Seinem Wort ihr Leben geändert. Die aus den Nationen haben das gesehen und sich darüber gewundert:

«Das befremdet sie, dass ihr nicht mehr durch dieselbe Pfütze der Liederlichkeit mit ihnen lauft, und darum lästern sie euch.»
1Pet 4,4

Über diese zwei Gruppen spricht Petrus also: Einerseits die Gläubigen, die ähnlich wie Christus Übles erleiden. Andererseits gibt es die Spötter, die den Weitblick des Glaubens nicht erfahren haben. Über diese sagt Petrus jetzt:

«Doch werden sie Rechenschaft erstatten dem, der sich bereithält, Lebende und Tote zu richten. Denn dazu wurde auch Toten Evangelium verkündigt, damit sie zwar dem Fleische nach als Menschen gerichtet würden, dem Geist nach aber Gott gemäss leben.»
1Pet 4,5-6

Das erste «sie» betrifft die Widerstrebenden aus den Nationen. Sie werden sich vor Gott verantworten müssen. Die anderen jedoch, welche wegen ihrem Glauben umgebracht wurden, haben einst Evangelium gehört. Sie wurden zwar gerichtet, aber leben nun vor Gott – nämlich im Hinblick auf die Auferstehung. Vergleiche dazu auch Mt 22,31-32 (Beitrag: «Gott ist nicht ein Gott von Toten, sondern von Lebendigen»).

Zusammenfassend: Die Verkündigung des Evangeliums war demnach während ihrem Leben. Mit einer Verkündigung an «jetzt» Toten hat es nichts zu tun. Man kann mit dieser Bibelstelle ein «Leben im Tod» nicht begründen.

 

 

 


Gottes Kraft zur Rettung

Das Evangelium ist Gottes Kraft zur Rettung

Paulus setzt über den Römerbrief so etwas wie einen Gesamttitel. Er beschreibt seine Verkündigung mit einem kernigen Ausdruck und sagt, das Evangelium sei eine «Gotteskraft zur Rettung». Man kann diesen Ausdruck als Titel über den Römerbrief sehen, denn alles Weitere betrifft nur die Details.

«Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Gotteskraft zur Rettung für jeden Glaubenden, dem Juden zuerst wie auch dem Griechen. Denn Gottes Gerechtigkeit wird darin enthüllt aus Glauben für Glauben, so wie es geschrieben steht: Der Gerechte wird aus Glauben leben»
Röm 1,16-17

Diese Verse tragen also bereits den Kern des Briefes in sich. Wir können aus diesen Versen einiges lernen.

Denn ich schäme mich nicht

«Denn ich schäme mich nicht…». Mit diesen Worten schliesst Paulus an die vorherigen Sätze an. Wenn er darauf eine prägnante Kurzfassung des Evangeliums schreibt, so hat dies einen Hintergrund. Der Hinweis darauf, dass er sich nicht schämt, zeigt, dass es hier um seine persönliche Erfahrung geht. Paulus selbst schämt sich nicht für das Evangelium. Er weiss nämlich, um was es geht, und warum er jetzt an die Römer schreibt. Es ist eine Aussage voller Kraft und Zuversicht, wenn er anschliessend die Begründung formuliert. Hier aber fing es an:

«Den Griechen wie auch Nichtgriechen, den Weisen wie auch den Unvernünftigen gegenüber bin ich ein Schuldner. Daher also das Verlangen bei mir, auch euch, denen in Rom, Evangelium zu verkündigen»
Röm 1,14-15

Wie kommt es, dass Paulus sich als Schuldner sieht? Das hat alles mit seiner Geschichte zu tun und was er früher einmal war. Dies beschreibt er später in seinem Brief an Timotheus:

«Dankbarkeit habe ich gegenüber dem, der mich mächtig macht, Christus Jesus, unserem Herrn, weil er mich für treu erachtet und in den Dienst eingesetzt hat, der ich zuvor ein Lästerer, Verfolger und Frevler war. Ich habe jedoch Erbarmen erlangt, weil ich es unwissend tat, im Unglauben. Überwältigend aber ist die Gnade unseres Herrn, mit Glauben und Liebe, die in Christus Jesus ist. Glaubwürdig ist das Wort und jeden Willkommens wert, dass Christus Jesus in die Welt kam, um Sünder zu retten, von denen ich der erste bin.  Jedoch, ebendeshalb erlangte ich Erbarmen, auf dass Jesus Christus an mir, als erstem, sämtliche Geduld zur Schau stelle, denen als Muster, die künftig an Ihn glauben, zu ewigem (äonischem) Leben.»
1Tim 1,12-16

Paulus verknüpft sein früheres Verhalten mit der erhaltenen Gnade. Der Apostel verweist immer wieder darauf, dass er einst die Gemeinde verfolgte (1Kor 15,9, Gal 1,13, Gal 1,23, Phil 3,6). Ebenfalls verknüpft er es mit der Erkenntnis, dass Jesus Christus in die Welt kam, um Sünder zu retten, von denen er sich selbst als Rang-Erster betrachtete. Dem biblischen Wortlaut nach gibt es keinen anderen, der ihm diesen Rang ablaufen könnte. Paulus war der schlimmste Sünder. Und weil er das war, konnte er auf ungeahnte Art ein Vorbild der Gnade für alle anderen werden, die nach ihm zum Glauben finden würden.

Gnade ist unverdiente Gunst. Gnade ist das, was bei einem Gerichtsfall erwiesen wird, wenn der Schuldnachweis erbracht ist. Man wird für schuldig befunden, aber begnadet. Als wäre man zum Tode verurteilt, aber man wird begnadigt und erhält sein Leben zurück. Es ist ein neues Leben. Bei Paulus leuchtet die Gnade Gottes besonders stark auf. Dies nun ist der Hintergrund, wenn Paulus im Römerbrief darüber spricht, dass er allen Menschen gegenüber ein Schuldner ist. Er weiss aus eigener Erfahrung, von wem und wozu er Gnade erhielt.

«Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht, denn es ist eine Gotteskraft zur Rettung für jeden Glaubenden, dem Juden zuerst wie auch dem Griechen»
Röm 1,16

Gotteskraft

Es ist bemerkenswert, dass das Evangelium als Gotteskraft zur Rettung angesehen wird. Es ist also keine Menschenweisheit und keine Eigenleistung, welche uns die Rettung von unserer Unzulänglichkeit und die Wiederherstellung der Gottesbeziehung schenkt. Rettung ist Gottes Werk. Deshalb ist es für uns «aus Gnaden, nicht aus Werken» (Röm 3,24Röm 3,28; Röm 11,6 u.a.).

Aber halt! Oft wird dies ganz anders dargestellt. Einige meinen, das Gesetz muss gehalten werden, während andere behaupten, es muss eine Glaubensleistung erbracht werden. Die freimachende Gnade Gottes wird in der Verkündigung und im eigenen Empfinden oft von unserem eigenen Tun und Lassen abhängig gemacht. Es werden Bedingungen aufgestellt, die es zu erfüllen gilt. Gerade das aber spricht Paulus hier an. Es gibt keine Bedingungen unsererseits zu erfüllen, sondern alle Bedingungen zur Rettung hat Gott selbst erfüllt. Es ist Seine Kraft zur Rettung, nicht meine Kraft. Im Evangelium geht es um das, was Gott macht, und nicht um das, was ich mache. Das kann nicht genug betont werden. Er schreibt:

«Denn Gottes Gerechtigkeit wird darin [im Evangelium] enthüllt…»
Röm 1,17

Damit es ja keiner falsch versteht, schreibt Paulus klipp und klar, dass es in der Verkündigung des Evangeliums nicht um unsere Gerechtigkeit, sondern um Gottes Gerechtigkeit geht. Das ist keine Gerechtigkeit, die wir zu erfüllen oder zu bewirken hätten (wir könnten das nicht), sondern es ist die Gerechtigkeit, die Gott selbst in Christus bewirkt hat, und die nun das Wesen des Evangeliums ausmacht. Gott Selbst hat Rettung und Gerechtigkeit bewirkt, und das ist die frohe Botschaft.

Wenn wir Gnade so darstellen wie es die Bibel tut, dann löst das vielfach Angst oder Ablehnung aus. Es gibt Unmengen an falschen Folgerungen, die beispielsweise so lauten:

  • Wenn es umsonst ist, dann ist es zu einfach.
  • Wenn ich mich selbst nicht anstrengen muss und aus Gnaden alles erhalte, dann kann ich ja machen, was ich will.
  • Ich muss ja gar nicht glauben, wenn es sowieso gratis ist.

Im englischen Sprachraum gibt es die Aussage «There is no such a thing as a free lunch». Damit will man klarstellen, dass irgendjemand immer bezahlt. Und das stimmt auch. Gnade ist nicht kostenlos. Der Preis aber dafür wurde bereits bezahlt. Das ist gerade die frohe Botschaft: Es wurde bezahlt, und nun ist es für uns umsonst. Es ist ein wahres Geschenk. Wir müssen nicht nochmals bezahlen. Es ist nicht billig, aber es wurde bereits geregelt. Wer also selber noch etwas leisten will, hat die Gnade Gottes noch nicht erkannt. Es ist der fromme Mensch, der unbefreite Mensch, der viel lieber auf eigene Leistung statt auf Gottes Leistung vertraut.

Wirkliche Gnade Gottes löst bei manchen Menschen Angst aus. Zu gross erscheint die Freiheit. Gnade ist jedoch auch das Ende aller falschen Frömmigkeit. Gnade ist der Abschied von eigenen Werken und eigener Leistung. Gnade ist das Vertrauen auf Gottes Werk allein. Wer Bestätigung aus eigener Leistung sucht, wird nicht bei der Gnade Gottes landen. Die Gerechtigkeit und Gnade Gottes stehen sogar in direktem Widerspruch zu jeder Form von Religiosität. Deshalb wird so wenig von Gnade gesprochen. Gnade zu 50% oder vielleicht 80% geht noch. Aber 100% Gnade ist zuviel. – Wirkliche Gnade gibt es aber nur zu 100% und nicht anders.

Gnade ist das Ende aller falschen Frömmigkeit.

In der Praxis der Verkündigung findet deshalb oft eine Verknüpfung von Gesetz und Gnade statt. Es gibt ein bisschen Gnade, und auch ein bisschen eigene Leistung. Das entspricht dem religiösen Menschen und dieser spricht darauf an. Erfolgskonzepte für Gemeindewachstum beispielsweise werden immer die Leistung des Menschen einbeziehen. Eine Mischung aus zwei verschiedenen Töpfen lässt sich besser verkaufen. Es ist ein Mischevangelium, wenn es wie folgt tönt: «Rettung ist aus Gnaden, aber du musst zuerst einen (den!) Glaubensschritt machen, du musst zuerst dieses oder jenes tun oder lassen...». Lassen wir das mal einsinken. Das ist eine toxische Mischung.

Aberglaube und Leistungsevangelium

Ich habe es unzählige Male gehört, in Predigten, Gesprächen, Evangelisationsveranstaltungen. Ich habe es gelesen in Büchern, gehört in Vorträgen. Es ist eine grundlegende Ideologie in vielen Kreisen. Du musst glauben! Du musst den Schritt machen! Glauben wird zur magischen menschlichen Leistung erhoben, ohne die Gott nicht wirken kann. Glaube wird zum Werk. Den wenigsten fällt auf, dass Jesus Glaube nie als Eigenleistung formuliert hat, noch haben es die Apostel so gepredigt. Es war auch in der Tenach nie anders. Glaube war immer ein schlichtes Vertrauen. Die Ideologie sagt jedoch: Es ist zwar alles aus Gnade, aber ohne Werke kannst Du vor Gott nicht gerecht werden. Du musst «glauben», als würde das bei Gott den Kippschalter der göttlichen Annahme betätigen. Das Chaos ist perfekt. Gott wurde entthront und der Mensch muss Leistung erbringen.

Das ist ein Aber-Glauben. Es ist ein Leistungsevangelium. Zutiefst ist es auch eine Drohbotschaft. Eine solche Ideologie ist eine Vermischung von Gesetz und Gnade, von verschiedenen Bibelstellen und Halbwahrheiten, die es in der Bibel als Verkündigung so nicht gibt. Dies ist kein echtes Evangelium und wird deshalb von Paulus unter den Bann gestellt (Gal 1,6-9). Paulus hatte mehrfach damit zu kämpfen. Alle eigene Leistung im religiösen Bereich definiert er unmissverständlich als fromme Eigenleistung, lediglich «zur Befriedigung des Fleisches» (siehe Kol 2,8-23).

Gottes Gerechtigkeit in Christus ist radikal anders und braucht keine Ergänzung. Wer Gottes Gerechtigkeit ergänzen will, verkennt Sein Werk. So lesen wir es bei Paulus.

Reine Gnade tönt für viele jedoch gefährlich. Braucht es dann noch die menschliche Verantwortung? Wäre das kein Freibrief für Anarchismus? Könnten wir dann nicht machen, was wir wollten? So wird das manchmal undifferenziert dargestellt. Wenn Gnade wirklich so radikal, so umfassend ist, dann wäre es gar nicht nötig, sich anzustrengen. Man stellt also Folgerungen über die Gnade auf und denkt vom eigenen Unvermögen aus. Reine Gnade soll den Menschen dazu verführen, unverantwortlich oder gar unmoralisch zu leben? Tatsächlich? Das ist doch nicht mehr als eine Lästerung des Evangeliums, wie sie Paulus bereits korrigiert:

«Und warum sagen wir dann nicht (wie man uns lästert und wie ja einige behaupten, dass wir sagen): Mögen wir Übles tun, damit Gutes dabei herauskomme? Das Urteil über sie ist berechtigt!»
Röm 3,8

Gnade ist ganz anders

Gnade ist ganz anders. Gnade erzieht:

«Denn erschienen ist die Gnade Gottes, allen Menschen zur Rettung, sie erzieht uns, die Unfrömmigkeit und die weltlichen Begierden zu verleugnen, damit wir vernünftig, gerecht und fromm in dem jetzigen Äon (Zeitalter) leben mögen…»
Tit 2,12-15

Wer aus Angst vor Entgleistungen auf Gnade verzichten möchte, steht auf einem Irrweg. Auf eine gesunde Verkündigung kommt es an. Eine gesunde Verkündigung baut nie auf unser Wirken auf, sondern stets auf Gottes Wirken. Das ist der Fokus, den Paulus hier im Römerbrief setzt. Wir sollten Christus als Fundament wählen und dann zusehen, wie wir darauf bauen (1Kor 3,10-15). Dast ist keine Eigenleistung, das ist kein Verdienst, sondern es ist die logische Folge der Gnade Gottes (Röm 1,1-5; Röm 1,16-17; Röm 12,1-2). Unser Leben wird dann die Antwort auf Gottes Gnaden formulieren.

Hier ist der Kern: Gottes Gerechtigkeit wurde am Kreuz 100% Genüge getan, weshalb es 100% Gnade geben kann. Alles andere ist bloss Abklatsch. Gehen wir aufs Ganze. Vertrauen wir auf Gottes Wirken in Christus Jesus (Röm 3,24). Das wird unser Leben von Grund auf erneuern.

«Ich will jauchzen und mich freuen über deine Gnade, dass du mein Elend angesehen, die Bedrängnisse meiner Seele erkannt hast, dass du mich nicht überliefert hast in die Hand des Feindes, sondern meine Füße auf weiten Raum gestellt hast.»
Psalm 31,8-9

Vertiefung