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Das Ende zählt

Im Neuen Testament fasst Jakobus das ganze Buch Hiob in einem Vers zusammen, wenn er schreibt:

«Vom Ausharren Hiobs habt ihr gehört und den Abschluss des Herrn gewahrt, da der Herr voll innerstem Erbarmen und mitleidig ist»
Jak 5,11

Der «Abschluss des Herrn» ist das, worauf uns das Buch Hiob hinweisen will. Wir können die Geschichte nicht richtig beurteilen, bis wir nicht den Ausgang, den Abschluss des Herrn kennen. Darin zeigt sich der Herr voll innerstem Erbarmen und mitleidig, und der HERR wendete das Geschick Hiobs. Nachzulesen in Hiob 42.

Noch etwas lernen wir aus diesem Ausgang der Geschichte: Es geht nicht um das «Happy End», oder zumindest nicht um das Happy End allein. Es geht nicht darum, dass Hiob am Schluss seiner Leidensgeschichte alles mehrfach wiedererhält, auch wenn das schön ist für ihn. Es geht nicht um Hab und Gut und «Dinge» ganz allgemein, sondern um etwas anderes: Zu erkennen, dass Gott voll innerstem Erbarmen und mitleidig ist. Hiob war gottesfürchtig von Anfang an, aber hat Gott doch nicht richtig gekannt. Am Schluss der Geschichte hat er sich selbst in Gottes Licht erkannt. Er hat auch das Erbarmen Gottes erfahren.

Eines der zentralen Erkenntnisse von Hiob selbst lautet: «Ich habe erkannt, dass Du alles vermagst und kein Plan für Dich unausführbar ist» (Hi 42,2). Gott ist wirklich Gott, und lenkt und führt alles ohne Ausnahme. Das hat Hiob am eigenen Leibe erfahren. Vergleiche auch die Aussagen von Jesus und Paulus in Matthäus 19,26 und Epheser 1,11.

Die Einführung in das Buch Hiob umfasst zwei Kapitel, und zwei Prüfungen. Als wäre die erste Prüfung nicht genug, geht es in der zweiten Prüfung noch weiter. Im ersten Kapitel ging es um Hab und Gut: Kinder, Besitz und Haus. Im zweiten Kapitel geht es jedoch um seine eigene Haut, um Hiobs Gesundheit, um sein Leben. Im ersten Kapitel kommt es schlimm, im zweiten Kapitel kommt es schlimmer. Hier einmal den direkten Vergleich:

Ohne Grund

«Und der HERR sprach zu Satan: Hast du acht gehabt auf meinem Knecht 
Hiob? Denn es gibt keinen wie ihn auf Erden, – ein Mann so rechtschaffen und redlich, der Gott fürchtet und das Böse meidet! Und noch hält er fest an seiner Rechtschaffenheit. Und dabei hattest du mich gegen ihn aufgereizt, ihn ohne Grund zu verschlingen»
Hi 2,3

Das ist etwas, was wir gar nicht gerne hören, dass Gott «ohne Grund» jemand «verschlingt». Und wenn wir selbst vielleicht eher unsicher sind, wie Gott zu uns Menschen, und speziell zu mir selbst steht, dann kann eine solche Aussage erschüttern. Denn klinkt darin nicht auch etwas von «Willkür» durch? Und kann ich mir denn sicher sein, dass Er sich mir annimmt? Oder kann er Seine Haltung auch schon mal ändern, mir gegenüber? Ohne Grund – das verstehen wird schnell einmal als ungerecht.

Genau um diese Fragen geht es im Buch Hiob. Es geht um das Leiden in dieser Welt, das eben gar nicht gerecht ist. Und zutiefst natürlich auch um ein Leiden, das überhaupt da ist, das uns allen in irgend einer Weise betrifft. Leiden hat Menschen von jeher bewegt. Man vermutet auch, dass das Buch Hiob das erste Bibelbuch ist, das verfasst wurde. Es geht hier um ganz zentrale Fragen, um menschliche Ur-Fragen, und wie Gott handelt.

Aber wie ist das «ohne Grund» zu verstehen? Wir machen uns selbst Gedanken, aber sind das die Gedanken der Menschen aus der Zeit von Hiob? Hier geht es darum, einmal stillzustehen, damit ich verstehen kann. Das Buch Hiob entstand nicht aus meiner Situation, sondern aus seiner Situation. Will ich verstehen, worum es sich bei diesem «ohne Grund» handelt, reichen meine eigenen Gedanken nicht. Ich muss Hiob selbst zu Wort kommen lassen. Und wir müssen Gott selbst zu Wort kommen lassen. Es geht darum hinzuhören ohne voreilige Schlüsse zu ziehen.

Jakobus hat das Buch Hiob zusammengefasst und schrieb: «Vom Ausharren Hiobs habt ihr gehört und den Abschluss des Herrn gewahrt, da der Herr voll innerstem Erbarmen und mitleidig ist» (Jak 5,11). Der Abschluss des Herrn, also wie Gott am Schluss mit Hiob umging, ist entscheidend. Der Abschluss ist voll innerstem Erbarmen. Hiobs Schicksal wurde gewendet (Hi 42). Das «ohne Grund» aus dem Anfang wird durch den Abschluss mehr als wettgemacht (vgl. Rö 8,18).

Satan hat in seiner Anklage gemeint, dass Hiobs Reichtum und Gesundheit der «Grund» für sein frommes Leben war. In den weiteren Kapiteln kommen die Freunde von Hiob zu Wort. Sie meinen, dass Hiob selbst «Grund» gegeben hat, das Gott das Leiden über ihn gebracht hat. All das trifft aber nicht zu. Es gibt keine Gründe für das, was hier geschah. Hiob hat nichts falsch gemacht. Es war wirklich «ohne Grund», sagt Gott selbst.

«Ohne Grund» ist also nicht eine Willkür Gottes. Hiob hat keinen Anlass zu irgendwelchen Beurteilungen oder Verurteilungen gegeben. Hiob hat gar nichts damit zu tun. Es war neutral betrachtet ohne Grund. Gott spricht Hiob mit diesen Worten frei. Er distanziert sich nicht von ihm, sondern steht im Gegenteil zu ihm! Hiobs Leiden waren nicht durch ihn selbst verschuldet. Sie waren nicht hausgemacht. Allerdings steht zu dieser Zeit Hiob noch voll in seiner Not, und weiss vermutlich nicht, wie es weiter geht.

Hiobs Frau

Wohl niemand stand so nahe zu Hiob wie seine Frau. Sie aber teilt nicht die Gottesfurcht, die Hiob auszeichnet. In Hiobs dunkelster Stunde sieht sie ihren Mann am Ende seiner Gottesfurcht und erklärt seinen Glauben an Gott für nichtig: «Hältst du noch fest an deiner Vollkommenheit? Fluche Gott und stirb!» (Hi 2,9). Worauf Hiob antwortet: «Wie eine der Törinnen redet, so redest auch du» (Hi 2,10). Mit dieser Torheit deutet Hiob die Gottlosigkeit seiner Frau an. Vergleiche dazu Psalm 10,4, Psalm 14,1, Psalm 53,2.

 

Fragen zum Austausch:

  • Gemäss Jakobus ist das Leben von Hiob ein Beispiel auch für uns. Wie?
  • Auf was kommt es bei unseren eigenen Herausforderungen an?
  • Hören wir, wie Satan Hiob vor Gott anklägt. Wie findest Du das?
  • Ist es angemessen, bereits jetzt ein «Urteil» zu bilden über die Situation?
    (Bedenke auch, was wir in Jakobus 5,11 gelesen haben.)
  • Je mehr wir im Glauben wachsen, desto weniger sind wir von äusseren Umständen abhängig. Wir haben gelernt, dass Gottes «Ja» zu uns in Christus Jesus verbürgt ist (2Ko 1,19-20) und nicht von unserem äusseren Wohlergehen abhängig ist. Diskutiere die eigenen Erfahrungen.
  • Trauen wir Gott in Seinem Handeln mit uns?
  • Gottesfurcht gibt nicht alle Antworte im Leben, aber lässt uns im stärkenden Vertrauen auf Gottes Gnaden wachsen.
  • Was für weitere Vorteile können wir aus einem gottesfürchtigen Leben erwarten?