Der Fall Satans und der Ursprung des Bösen

Unsere Welt ist vergänglich und unvollkommen. Woher kommt das?


Jeder Mensch erfährt Not in seinem Leben. Der eine hier, der andere dort. Unvollkommenheit haftet uns an und wir werden mit Fehlern von uns selbst und von anderen Menschen konfrontiert. Das ist so gar nicht God-like. Die Bibel spricht von «Sünde». Damit wird die Zielverfehlung beschrieben. Richtig schwierig wird es, wenn andere Menschen uns richtig Böses zufügen. Woher kommt das? Es geht um eine sehr menschliche Erfahrung. Können wir dem Einordnen? Sagt die Bibel vielleicht etwas dazu?

In der Theologie gibt es eine Theorie darüber. Der sogenannte «Fall Satans» soll erklären, wie die Sünde in die Welt gekommen ist. Diese Lehre behauptet, Satan sei als makelloser Engel erschaffen und hat sich dann gegen Gott aufgelehnt und so gesündigt. Diese Entwicklung wird als «Fall Satans» beschrieben und damit ist dann gemeint, dass es ein moralischer Fall war, der aus einem himmlischen Wesen einen teuflischen Luzifer hervorbrachte.

Diese Lehre ist der Bibel fremd. Sie wird nirgendwo erwähnt oder nur angedeutet.

Die Lehre von einem «Fall Satans» hat ein bestimmtes Anliegen: Sie soll Gott vom Ursprung der Sünde reinwaschen, auch wenn beispielsweise in Jesaja 45,7 steht, dass Gott Erschaffer des Bösen ist. Der Fall Satans und manche andere Ideen dienen dazu, ein Weltbild zu kreieren, worin Gott nur gut ist und Satan für das Schlechte steht. Es ist ein dualistisches Gottesbild, eine menschliche Erklärung für den Ursprung dieser schmerzlichen Erfahrungen. Zwar finden wir die Dualität in der Welt, aber steht Gott nicht darüber? Hat Er nicht alles in Händen? Es ist sehr aufschlussreich, sich die Schlüsselstellen in der Bibel über den «Ursprung des Bösen» näher anzuschauen.

Was hat das mit mir zu tun?

Glauben wir an diesen Fall Satans, ändert das unser Bild von Gott. In dieser Lehre ist Gott nicht mehr allmächtig, allsehend, allwissend. Er wurde sozusagen von einem aufmüpfigen Engel «überrumpelt», der dann zum «Teufel» mutierte. Die Lehre besagt, dass das Böse den Ursprung in Satan hat, entgegen klaren biblischen Aussagen.

Für das Böse ist Gott nicht mehr zuständig, wie es Jesaja noch formuliert hat, sondern Satan ist es. Satan hat uns das eingebrockt. Was bleibt ist also ein unvollständiges Gottesbild und einen Gott, dem leider etwas aus der Hand gerutscht ist – die Welt und allen Menschen darauf. Das hat sofort etwas mit mir zu tun, denn: Welchen Gott vertraue ich? Darum geht es beim Reden über den Fall Satans in Konsequenz über diese Frage:

Welchen Gott haben wir?

Vertiefung

  • Wenn man die Lehre vom Fall Satans nie angeschaut hat, lohnt sich ein Blick in die verschiedene Darstellungen. Es gibt viele Beiträge, die den «Fall Satans» als Ursprung des Bösen sehen. Die ausführlichsten Darstellungen fand ich auf englischen Websites, wie beispielsweise hier: The Story of Lucifer (Christianity.com)

Bild: Gustave Doré  (1832–1883)