Wieviel Zweifel verträgt der Glaube?

Ein Schieberegler für Fragende


5. November 2020In Kurzgedanken, SchemaBy Karsten Risseeuw3 Minutes

Wieviel Zweifel verträgt der Glaube? Wieviel Glaube verträgt der Zweifel? Während einerseits manche Menschen als wahre «Glaubenshelden» hochstilisiert werden, sind andere dadurch schwer verunsichert. Wie sieht die Welt zwischen den Extremen 100% Glaube und 100% Unglaube aus? Und: Wie steht es mit den eigenen Unsicherheiten und blinden Flecken?

Hier nun ein kleiner Schieberegler. Links steht Glaube und rechts steht Zweifel. Wieviel man jedem zumutet, lässt sich mit dem Schieberegler definieren. Dies ist natürlich nur eine Visualisierung. Sie kann dabei helfen, das eigene Vertrauen, die eigene Unsicherheit oder Zuversicht sichtbar zu machen. Betrachte es als ein kleines Spiel, womit man das eigene Glaubensgefühl intuitiv abbilden kann.

Bewege den Schieberegler in der Mitte nach Links oder rechts. Wie würdest Du ihn für Dich einstellen? Je grösser der Farbbereich (grün oder blau), desto stärker der Anteil.

Glaube ist nicht immer klar

Berühmt ist die Geschichte, worin Jesus einem Mann hilft, seinen Sohn wiederzuerhalten, der von einem «sprachlosen Geist» beeinflusst war:

«Da fragte Er [Jesus] seinen [des Jungen] Vater: «Wie lange ist es her, seit ihm dies widerfährt?» Der antwortete: «Von Kind an; oftmals hat er [der Geist im Jungen] ihn auch ins Feuer und ins Wasser geworfen, um ihn umzubringen. Wenn Du jedoch irgend kannst, so hilf uns und lass uns Erbarmung widerfahren!» Jesus aber sagte ihm «Warum das Wenn? Du kannst doch glauben! Alles ist dem möglich, der glaubt.» Sogleich rief der Vater des Knäbleins laut, unter Tränen aus: «Ich glaube! Hilf meinem Unglauben!».
Markus 9,21-24

Glaube und Unglaube stehen manchmal sehr nah zusammen.

Wie geht es weiter?

Ein Schieberegler wie hier oben dargestellt ist natürlich wenig präzise. Es ergibt bloss ein diffuses Bild. Es ist nur ein kleiner Versuch, die eigene innere Welt sichtbar zu machen. Welche Fragen hast Du Dir bei der Einstellung überlegt? Möchte man diese noch besser auf die Spur kommen, kann man versuchen, die Überlegungen einmal aufzuschreiben. Was sind die Aspekte des Glaubens, die es für Dich ganz positiv gibt? Welche sind die realen Zweifel?

Weiter geht es, wenn man sich den eigenen Fragen stellt. Du kannst Dir sicher sein: Deine Einschätzung und Fragen teilst Du mit vielen anderen Menschen – ganz egal wie Du das formulierst. Fragen zum Glauben sind immer auch Fragen zum Leben. Wie wir uns selbst sehen, unsere Welt oder auch Gott sind keine isolierte Fragen. Dabei gehört erstaunlich viel Zweifel zum Glauben, dessen wir uns selten bewusst sind. Es ist ein komplexes Zusammenspiel. Weltbild, Gottesbild und Menschenbild gehören zusammen. Glaube ist nie losgelöst von dieser Welt, sondern fester Bestandteil davon – ebenso wie der Zweifel.

Möchtest Du dem weiter nachspüren?