Das Ziel dieser Website

Wer hinter dieser Website steckt, findet sich hier. Kernbeisser.ch ist eine persönliche Website, und nicht irgendeiner Kirche oder Gruppierung verpflichtet.

Erfahrung ist lebendig

Diese Website bietet mir die Gelegenheit, Studien und Erfahrungen zu publizieren, die ich in den letzten 30 Jahren gesammelt habe: Erfahrungen in Freikirchen, theologischen Ausbildungen, Landeskirchen, Hausgemeinden, in zahllosen Bibelgruppen, an Konferenzen, in Foren, und als Reflektion vieler Gespräche. Mit einigen Themen habe ich mich mehr auseinandergesetzt als mit anderen Themen. Das erkennt man an der Auswahl der Artikel auf dieser Seite.

Fast immer geht es hier um grundlegende Themen. Nicht selten sind es theologisch brisante Themen, wie sie seit 2000 Jahren kontrovers diskutiert werden. Und das ist gut so, kommen wir doch nur durch eigenes Überlegen zu wertvollen Einsichten.

In diesen gut 30 Jahren musste ich immer wieder mein Verständnis korrigieren. Manchmal waren es tiefgreifende persönliche Erfahrungen, die mich gezwungen haben, bisher geglaubtes neu zu überdenken. Manchmal war es ein vertieftes Studium über Fragen, die mich brennend interessierten. Manchmal waren es auch Bemerkungen von anderen Reisenden auf dem Glaubensweg, die mich ermutigten meinen Horizont zu erweitern. Vielfach jedoch ergab sich erst im Gespräch die lebendige Auseinandersetzung, das Abwegen von Text und Auslegung, von Anwendung und Ausblick. Was dabei herauskam ist, so denke ich, eine bessere Differenzierung im Verständnis, und eine grössere Unabhängigkeit von irgendwelchen Meinungen – inklusive meiner eigenen.

Die Ausrichtung

Ab und zu werde ich gefragt, wofür ich denn einstehe. Einerseits verwundert mich das etwas, schreibe ich doch regelmässig und ausführlich über verschiedenste Themen. Ist man etwas bewandert in den verschiedenen Ansichten, dann ist es ein leichtes, die Richtung zu erkennen. Andererseits muss ich einräumen, dass es hilfreich sein kann, ein paar Eckpunkte zu setzen. Dass aber eine Einordnung nicht so einfach ist, und dass es vielen anderen ebenso ergeht, habe ich hier oben exemplarisch an meinen eigenen Erfahrungskreisen aufgezeigt. Das Lebensverständnis und Gottesverständnis verläuft nicht linear oder statisch und es ist schon gar nicht vollständig erfassbar – nicht für mich und nicht für irgend jemand sonst.

Lebendiger glauben ist eben dies: Lebendig. Deswegen funktioniert es nicht, jemand auf etwas zu fixieren, etwa auf eine bestimmte Theologie oder auf einer bestimmten Kirchenzugehörigkeit. Ich habe an allen Orten, wo ich war, lebendiger Glaube angetroffen, und Menschen, die offen sind für Reflektion und für belebende Gemeinschaft. Menschen, die sich von Gott berufen und geliebt wissen. Sie leben aus, wozu Sie in Christus Jesus berufen wurden. Grösseres kann nicht geschehen. Siehe auch die Artikel «Von Gott erkannt werden» und «Gleichschaltung in der Gemeinde».

Bibelverständnis

Die Bibel ist Gottes Wort, nämlich von Gottes Geist durchweht (gr. theopneustos, gottgehaucht, 2Tim 3,16-17), und sie beinhaltet auch Menschenwort (z.B. Apg 17,28) und menschliche Traditionen sowie Dinge, die in bestimmten Zeiten Gültigkeit hatten, danach aber nicht mehr (z.B. 1Mo 9,3 in Kontrast zu den vorherigen Kapiteln). Gottes Wort ist nach meinem Verständnis grundsätzlich wahr, aber der Kontext allein entscheidet über die Tragweite der Aussage. Generell sind wir angehalten, das «Wort der Wahrheit richtig zu schneiden» (2Tim 2,15). Paulus erklärt diese Aussage im Kontext so, dass eine biblische Wahrheit nicht einer falschen Zeit zugeordnet werden kann, wie es Hymenäus und Philetus taten als sie behaupteten «die Auferstehung sei schon geschehen» (2Tim 2,17-18).

Was in manchen Kreisen undifferenziert als «biblisch» oder «unbiblisch» definiert wird, verdient stets eine nähere Betrachtung. Denn nicht alles, was in der Bibel steht, trifft heute auf unsere Situation zu. Zwar kann ich aus der ganzen Bibel jederzeit persönlichen Gewinn entnehmen, und ich kann daraus lernen über Gott und die Welt, aber nicht jeder Bibelvers spricht direkt von mir. Die Kurzfassung lautet: Alles ist für mich, aber nicht alles spricht von mir.

Am meisten habe ich von einer dispensationalistischen Bibelbetrachtung gelernt, dessen Kernaussage diese ist: Gott ist immer Derselbe, aber Er handelt nicht in allen Zeiten gleich. Die Bibel spricht von einer sich entwickelnden Geschichte und jede Aussage hat auf dieser Zeitachse und innerhalb der stattfindenden Offenbarung einen eigenen Platz. Dadurch lassen sich viele Widersprüche in der Bibel verständlich im jeweils eigenen Kontext erklären. Dispensationalismus gibt es in vielen Ausprägungen, die ich nicht immer befürworte. Auch wenn der Grundgedanke gut ist, so muss man trotzdem nicht alle Folgerungen blind stattgeben. Differenzierung und Prüfung ist auch hier gefragt – so wie bei jeder, wie immer auch geartete Theologie und Lehre.

Biblische Lehre ist per Definition begrenzt. Das eigene oder gemeinsame Bibelverständnis bleibt bruchstückhaft. Biblische Lehre ist sinnvoll, wie eine Landkarte sinnvoll ist, sie bei einer Wanderung zu konsultieren. Siehe den Artikel mit dem Titel «Landkarten».

Gemeindeverständnis

Auf der Suche nach bibelnaher Exegese und Antworte auf persönliche Fragen habe ich viele Auslegungen miteinander verglichen. Soweit es um ein zusammenhängendes und konkretes Bibelverständnis ging, landete ich immer bei Studien und Exegesen aus einer Ecke, die «Ultra-Dispensationalismus» genannt wird (engl. Hyperdispensationalism). Hier fand ich stets biblisch gut begründete Erklärungen. Ebenso wichtig war jedoch, dass ich hier zu vielen anderslautenden Bibeltexte ebenso gut fundierte Antworte las.

Alles extrem oder was?
Ob «ultra» oder «hyper» – für viele tönt das zu extrem. Manchmal reicht der Name schon, dass man auf vorderhand jede weitere Erklärung abweist. Doch handelt es sich hier bloss um einen Namen. Dieser Name hat wenig mit den Aussagen dieser Richtung selbst zu tun. Was für einige «extrem» ist, ist für andere «normal». Es sind relative Begriffe, die bloss ein Verhältnis ausdrücken. Ob das wirklich extrem ist, oder eher normal sein sollte, das liegt wohl einzig an der Perspektive des Betrachters. In diesem Sinne scheint der Name «Ultra-Dispensationalismus» mehr über den Namens-Geber als über die Richtung selbst auszusagen. Positiv könnte man auch sagen, dass hier theologische Differenzen zum Mainstream vorliegen. Zum Inhalt jedoch ist mit der Bezeichnung «Ultra» noch nichts gesagt.

Ultra-Dispensationalismus ist eine dispensationalistische Richtung, in der das Verständnis von Israel und von der Gemeinde sehr ausgeprägt ist. Die Selbstverständlichkeit, womit einige Traditionen das Alte Testament Israel zusprechen, und das Neue Testament komplett für die heutige Gemeinde reservieren, führt unweigerlich zu Konflikten mit dem biblischen Text. So ist es üblich, zu denken, dass in den Evangelien von der Gemeinde die Rede ist, obwohl man gleichzeitig auch annimmt, dass die Gemeinde aus allen Nationen eigentlich erst in der Apostelgeschichte entstand. Das ist gelebter Diskrepanz, die zwangsläufig verwirrt. Wenn es für Israel eine Erwartung gibt, wo ist denn davon im Neuen Testament die Rede? Und wenn es eine Berufung für die Nationen gibt, die ohne Israels Vermittlung stattfindet, wo genau lesen wir davon im Neuen Testament?

Obwohl in den ersten Kapiteln der Apostelgeschichte immer wieder Proselyten in die Jerusalemer Gemeinde aufgenommen werden, ändert sich für die Nationen nicht viel, bis Paulus als 13. Apostel berufen wird. Während sich die 12 Apostel ausschliesslich an Juden und Proselyten gewendet haben (soweit wir das Zeugnis in der Bibel nachlesen können), wird Paulus als Apostel der Nationen berufen (Röm 11,13). Die heutige Gemeinde aus allen Nationen wird von Paulus gegründet, während die Gemeinde in Jerusalem (mit den 12 Aposteln) die Vorhut für das erneuerte Israel ist (Jer 31,31). Beide Gemeinden sind von Gott berufen. Beide Gemeinden bauen auf das Zeugnis von Christus auf (siehe auch Gal 2,7-9). Beide Gemeinden haben eine eigene Aufgabe in der Zukunft. Die eine Aufgabe betrifft Israels Zukunft und die der Völker auf der Erde (eine priesterliche Nation, 1Pet 2,9), die andere betrifft die Gemeinde aus allen Nationen, mit einer Aufgabe inmitten der Überhimmlischen (Eph 2,6-7).

Dann gibt es noch Details, über die man sich austauschen kann. Einige weitere Gedanken lassen sich in diesem Artikel nachlesen: «Jesus und Paulus – sagen sie dasselbe aus?».

Gottesverständnis

Hier zitiere ich Paulus, der schrieb: «Denn wenn es zwar auch sogenannte Götter gibt (sei es im Himmel oder auf Erden, ebenso wie da viele Götter und viele Herren sind), so ist jedoch für uns nur Einer Gott, der Vater, aus dem das All ist (und wir sind zu Ihm hingewandt), und nur Einer Herr, Jesus Christus, durch den das All geworden ist (und wir sind es durch Ihn). Aber nicht in allen ist diese Erkenntnis.» (1Kor 8,5-7).

Eine Dreieinigkeit wird nirgendwo in der Bibel bezeugt und muss mit viel Ungewissheit hineininterpretiert werden. Die Spannung braucht es nicht, denn die Bibel lässt keinen Zweifel darüber bestehen, dass es nur einen Gott gibt, und dies ist der Vater. Siehe auch diesen Artikel mit dem Titel «Zu Gott hingewandt», über die Eingangsverse im Johannesbrief, sowie die Artikel «Gott sei dank!» und «Warum Jesus?».

Das Ziel dieser Website

Es könnte hier über weitere Themen noch mehr gesagt werden. Ich lade aber dazu ein, selbst die Schrift zu lesen und einfach den Austausch mit Anderen zu pflegen. Glaubensbekenntnisse jeglicher Art haben versucht, die Eckpunkte immer neu zu definieren. Mit der Zeit wurden die Glaubensbekenntnisse umfangreicher, und haben stets mehr Interpretation integriert. Der Versuch, lebendiger Glaube zu kodifizieren, ist ein menschliches Unterfangen. Paulus jedoch konnte die Grundlage des Evangeliums in wenigen Versen zusammenfassen (1Kor 15,1-4 und 1Kor 15,11).

Obwohl ich grossen Wert auf eine fundierte biblische Begründung von (meinen) Ansichten lege, so wird lebendiger Glaube erst dadurch definiert, dass Christus durch den Glauben völlig in unseren Herzen wohnt und wir, in Liebe gewurzelt und gegründet, gestärkt werden, «um mit allen Heiligen zu erfassen, was die Breite und Länge und Tiefe und Höhe ist (um auch die alle Erkenntnis übersteigende Liebe des Christus zu erkennen), damit ihr zur gesamten Vervollständigung Gottes vervolständigt werdet» (Eph 3,14-19).

Diese Website soll etwas von dem Reichtum vermitteln, wofür ich selbst oft jahrelang gerungen habe. In den Artikeln nehme ich die Themen und Fragestellungen auf, die ich immer wieder begegnet bin, und bis heute in Bibelstunden und im Gespräch höre. Geändert hat sich mit den Jahren auch meine Haltung. Heute weiss ich, dass es nichts bringt, nicht über wichtige Themen zu reden. Es braucht nur den Wunsch, in der Erkenntnis Gottes zu wachsen, wofür Paulus für die Gemeinde betet (Eph 1,15-23). Darin können wir einander ermutigen.

 

«Wenn wir aber wahr sind, sollten wir in Liebe alles zum Wachsen bringen, hinein in Ihn, der das Haupt ist, Christus»
Eph 4,15-16