Paulus könnte man den «unbekannten Apostel» nennen. Jeder kennt seinen Namen, aber die Einordnung fällt vielen nicht leicht. Man hört Dinge wie «Jesus ist einfach, aber Paulus ist schwierig». Nicht wenige können mit Paulus gar nichts anfangen. Andere ordnen ihn einfach den zwölf Aposteln zu. Kaum jemand scheint zu verstehen, weshalb der Apostel berufen wurde und was sein exklusiver Auftrag war.

Gerade erschien mein Buch «Feuer und Vision». Es ist eine Einführung in das Neue Testament anhand der Berufung und des Auftrages des Apostels Paulus. Der Untertitel lautet deshalb: «Paulus und die Gemeinde aus allen Nationen».

Wenn man die Geschichte und die Entwicklung von Paulus und seiner Berufung nachspürt, erfährt man nebenbei ganz viele weitere Details über die damalige Zeit. Es gab handfeste Herausforderungen, die nicht leicht einzuordnen waren (etwa: Kreuz und Auferstehung), Erwartungen wurden enttäuscht (etwa: das Königreich für Israel wurde nicht aufgerichtet) und es gab umwerfende Neuigkeiten, womit niemand gerechnet hatte (etwa: eine neue Gemeinde, die aus allen Nationen berufen wurde). Vieles war nicht einfach zu verstehen. Die ersten Gläubigen haben sich mit vielen Änderungen auseinandersetzen müssen. Das war oft eine Herausforderung.

Ein Schlüssel zum Verständnis des Neuen Testaments

Das Buch «Feuer und Vision» spricht über Paulus, der mitten in dieser Zeit seinen Dienst begann. Logisch stellt man hier auch die Frage danach, in welchem Kontext er seinen Dienst begann. Er stand als Apostel nicht allein. Es gab bereits zwölf Apostel. Aber: Weshalb hat es noch einen dreizehnten Apostel benötigt? Ist das nicht seltsam? Waren zwölf nicht genug?

Es geht in diesem Buch also um mehr als nur um Paulus, sondern um eine Entwicklung im Neuen Testament. Entgegen so manchem Verständnis geht es im Neuen Testament nicht um eine einzige Geschichte und eine Erzählung. Vielmehr geht es um mehrere Gruppen und mehrere Evangelien. Eingebettet darin die ausserordentliche Entwicklung der heutigen Gemeinde, die zusammen mit Paulus erschien.

Versteht man Paulus, seine einmalige Berufung und Aufgabe, dann erhält man damit so etwas wie einen Schlüssel zu einem besseren Verständnis des Neuen Testaments.

Mehrfach spricht Paulus in seinen Briefen von «meinem Evangelium», als wäre das unterschiedlich von anderen Evangelien. Er geht einmal speziell nach Jerusalem, um «sein Evangelium» den Aposteln in Jerusalem vorzustellen. Weshalb war das nötig? Oft wird stillschweigend vorausgesetzt, dass Paulus genau dasselbe wie die zwölf Apostel verkündet. Was aber, wenn das nicht der Fall ist? Ist Paulus also einfach ein Handlanger der zwölf Apostel, oder wurde er mit einer eigenen Berufung und für einen eigenen Auftrag berufen?

Entdeckungsreise

Mein Buch geht ausführlich auf alle diese Fragen ein. Der Ansatz lautet: Der Text im eigenen Kontext für sich selbst sprechen lassen. Ausserdem soll man nicht von der heutigen auf die damalige Zeit folgern. Vielmehr kann man vorgeben, als steht man in der Zeit des Neuen Testaments, ebenso verwirrt und suchend wie viele Gläubige damals, um dann die Entwicklung gespannt zu verfolgen. Dieser Ansatz gibt einen einmaligen Blick in diese erste Zeit. Man kennt die Zukunft bisher nicht und ringt um ein gutes Verständnis der Geschehnisse. Alles scheint im Umbruch zu sein. Dies ist die Zeit, in der Paulus berufen wurde.

Eine Vision auf dem Weg nach Damaskus skizziert eine Begegnung zwischen Paulus und dem Auferstandenen. Die Erfahrung hat Paulus buchstäblich «umgehauen» und «mit Blindheit geschlagen». Paulus wurde schlagartig vom Verfolger zum Anbeter. Man könnte sagen, dass Paulus sich keinesfalls bekehrt hatte, sondern er wurde direkt von Christus Jesus selbst umgewandelt und neu ausgerichtet. Er wurde, salopp ausgedrückt, sofort «umgepolt». Dies war der Startpunkt einer unglaublichen Entdeckungsreise und der Beginn einer neuen Art der Gemeinde. Mit ihm entstanden die ersten Gemeinden mit Gläubigen aus allen Nationen, von Paulus der «Körper Christi» genannt.

Eine neue Perspektive

Beim Lesen dieses Buches kann man eine neue Perspektive auf das Neue Testament entwickeln. Es geht nicht nur um typischen Lehrfragen, etwa darum, um etwas «richtig» oder «falsch» ist, sondern auch darum, das Denken hinter den Annahmen und Sichtweisen zu erkennen. Ausserdem zeigt es auf, wie man differenzierte Sichtweisen entwickeln kann, indem man sorgfältig nachfragt und keine voreilige Schlussfolgerungen zieht.

Das Buch ist demnach auch so etwas wie ein Leitfaden für die Entwicklung einer neuen christlichen Identität, wenn bisherige Sichtweisen nicht mehr weiterhelfen. Es fördert eine gemeinsame Lernkultur, regt zu einer eigenständigen Auseinandersetzung an und möchte Mündigkeit statt blinder Gehorsam an menschlichen Lehren ermöglichen.

Feuer und Vision spricht über Paulus und die Vision, die er in die Welt hinaustragen musste, ebenso wie von deinem und meinem Feuer als Gläubige und davon, wie man eine Vision entwickelt und erreicht. Im Buch frage ich bewusst danach, wie Theologie bei einer Transformation weiterhilft und welches die Vision einer neue Art von christlicher Gemeinschaft sein kann.

Jetzt erhältlich

Das deutschsprachige Buch ist ab sofort erhältlich. Weitere Informationen findet man hier:

Feuer und Vision
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