Kernbeisser Studientag: Das Königreich der Himmel

Kernbeisser Studientag: Das Königreich der Himmel

Samstag, 9. November 2019, CH-9000 St. Gallen


Das Internet ist wunderbar, die persönliche Begegnung und das gemeinsame Lernen kann es jedoch nicht ersetzen. Deshalb gibt es im Herbst 2019 einen ersten Kernbeisser Studientag. Dieser Studientag ist ein Experiment. Es geht selbstverständlich um das Thema, aber es geht auch um mehr. Wie können Christen heute zusammen lernen? Wie können wir die Bibel lesen und wie lässt sich darüber austauschen? Der Kernbeisser Studientag will in diesem Sinne einen Beitrag zu einer christlichen Lernkultur sein.

Ein Schlüssel zum Verständnis

Als Jesus seinen Dienst begann, tat er dies mit der Verkündigung «Sinnet um! Denn das Königreich der Himmel hat sich genaht!» (Mt 4,17). Was hat Er damit gemeint? Was haben seine Zuhörer verstanden?

Das Königreich der Himmel zu verstehen ist wie ein Schlüssel zum Verständnis des Neuen Testaments. Jesus verwies an etwas, das Seinen Zuhörern als Verheissung wohl bekannt war. Obwohl es einst «weit weg» war, kam es jetzt «nahe». Von dort nimmt die Geschichte seinen Lauf und das Königreich der Himmel bleibt in den Evangelien und darüber hinaus ein wichtiges Thema.

Anmeldung

Die Teilnehmeranzahl ist begrenzt. Eine Anmeldung über diese Website ist deshalb nötig. Hier unten kann die Teilnahme sehr einfach online gebucht werden.

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Bei Gott ist kein Ansehen der Person

Bei Gott ist kein Ansehen der Person

Gott hat keine Lieblingschristen


Das Thema von Römer 2

In den ersten Versen hat Paulus den Grundton gesetzt; Römer 2 fängt so an: «Darum bist du unentschuldbar, o Mensch – jeder, der richtet» (Röm 2,1). Mit diesen Worten werden die Menschen angesprochen, speziell die in der Gemeinde. Das Ziel vom Apostel ist es, über drei Kapitel hinweg zu klären, dass kein einziger Mensch gerecht ist (Röm 3,10). Oder mit anderen Worten: Alle Menschen sind vor Gott gleich. Keiner kann Ihm das Wasser reichen. Wir alle verfehlen das Ziel (Röm 3,23).

In Römer 2 werden Menschen mit unterschiedlichsten Lebenshaltungen genannt. Menschen, die den Reichtum von Gottes Güte und die Tragkraft und Geduld verachten (Röm 2,4). Menschen mit unumsinnenden Herzen (Röm 2,5). Damit ergänzt Paulus das Bild vom «richtenden Menschen» aus Römer 2,1.

Menschen werden danach gesehen und beurteilt, wie sie handeln. Dazu aber gleich mehr. Gegenüber dieser kurzen Auflistung verschiedener Lebenshaltungen steht ein anderes Bild. Das ist das Bild von Gott, der alle Menschen «ohne Ansehen der Person» anschaut (Röm 2,11).

Deshalb geht es in diesem Kapitel um diese Gegenüberstellung: Menschen gegenüber Gott. Wenn Paulus dabei alle Menschen gleichschaltet, tut er das mit einer Erklärung über Gottes Handeln. Für Gott sind alle gleich. Damit wird nicht die Liebe Gottes gemeint, die allen Menschen gilt, sondern es ist die Reaktion Gottes auf das Handeln der Menschen gemeint. Er behandelt alle gleich. Er sieht alle gleich. Es gibt keine Vorteile, wenn Du sogenannt religiös bist. Gott sieht Dich nicht in Deiner Religiösität, sondern danach, wie Du in dieser Welt stehst. Es geht um Dein und mein Handeln. Bei Gott ist kein Ansehen der Person.

Jedem seinen Werken gemäss

Paulus spricht über «richten» (Röm 2,1), über das «Urteil Gottes» (Röm 2,2) und über den «Tag des Zornes und der Enthüllung des gerechten Gerichts Gottes» (Röm 2,5). Alle diese Aussagen stehen nacheinander. Sie gehören zusammen. Sie gehören aber auch zur grösseren Geschichte, die Paulus hier schreibt. Es geht um die Gerechtigkeit Gottes, die im Evangelium enthüllt wird (Röm 1,16-17) und die der Ungerechtigkeit der Menschen gegenüber steht (Röm 1,18).

Nun fasst er die ausserhalb der Gemeinde nicht mit Samthandschuhen an (Röm 1,18-32) und ebensowenig die innerhalb der Gemeinde (Röm 2,1-10). Bei Gott ist kein Ansehen der Person. Wer falsches tut, wird Zorn erhalten. Das ist nicht schwierig. Es ist sehr wohl wichtig, was wir machen. Wir glauben, sind gerettet und freuen uns an der Aussicht auf Gottes Heil. Das ist aber kein Freibrief für mutwillige Verirrungen. Es bleibt nach wie vor wichtig, dass wir auf dem erhaltenen Fundament gesund aufbauen (1Kor 3,10-15). Weshalb? Weil es einmal mit Gottes gerechten Augen betrachtet werden wird.

Gott nämlich wird…

«… jedem seinen Werken gemäss vergelten: und zwar denen, die mit Ausdauer in gutem Werk Herrlichkeit und Ehre und Unvergänglichkeit suchen, äonisches Leben; denen aber, die aus Ränkesucht handeln und gegen die Wahrheit widerspenstig sind, aber willfährig der Ungerechtigkeit folgen, Zorn und Grimm – Drangsal und Druck über jedes Menschen Seele, der das Üble triebt (des Juden zuerst wie auch des Griechen) – Herrlichkeit aber und Ehre und Friede jedem, der das Gute wirkt (dem Juden zuerst wie auch dem Griechen).»
Röm 2,6-10

Die Ernst der Lage wird hier offensichtlich. Wenn Gott sich einmal auf dieser Welt kennbar macht, wird das mit einer Beurteilung unserer Werke einhergehen. Das ist die Warnung, die Paulus an die Mitglieder der Gemeinde aussendet. Die Rettung wird nicht infrage gestellt. Jeder aber, der mutwillig das Üble treibt, wird das wiedererhalten am Tag des Zornes und der Enthüllung des gerechten Gerichts Gottes. Das sind keine Höllendrohungen, sondern es ist die nüchterne Erkenntnis von Gottes Grösse, Gerechtigkeit und Anwesenheit.

Wann wird dies sein? Nun, es geht hier nicht um ein Endgericht. Wenn Paulus hier an die Römer schreibt, lebt noch eine starke Naherwartung von Jesu Wiederkunft in der Gemeinde. Zwar ist nicht bekannt wann dies sein wird, aber es wird damit gerechnet. Es wird so geschrieben, als könne das in diesem Leben geschehen. So ist auch der Zorn Gottes zu verstehen, der immer auf Erden stattfindet (und nicht etwa nach einem himmlischen Gerichtsurteil irgendwo im Weltall). Siehe dazu auch den Beitrag «Der Zorn Gottes».

Was Paulus hier beschreibt ist eine Warnung an die Gläubigen in der Gemeinde in Rom, die auf andere Menschen herablassend reagieren. Er sagt denen deutlich, dass das nicht geht. Denn jeder wird von Gott das zurückerhalten, was er hier und jetzt gemacht hat. Das gilt für das Gute ebenso wie für das Schlechte.

Die Juden zuerst, wie auch die Griechen

In der Gemeinde in Rom gibt es Gläubige verschiedener Herkunft. Es gibt jüdische Gläubigen (mit einem Hintergrund im Judentum ihrer Zeit) und nicht-jüdischen Gläubigen (die pauschal als «Griechen» bezeichnet werden). Beide Gruppen spricht Paulus hier an. Wenn Gott mit Seinem gerechten Gericht kommt und jeder nach seinen Werken beurteilt wird, dann wird das jeden in der Gemeinde betreffen. Es gibt keine Ausnahmen. Es trifft sogar die Juden zuerst, aber auch die Griechen.

Vermutlich hatte Paulus besondere Arbeit im Hinblick auf die Mitglieder Seines Volkes zu leisten. Es geht hier nicht nur um Vorzüge, sondern auch um fromme Selbstgerechtigkeit. Immer wieder berichtet Paulus von solchen jüdischen Gläubigen, die meinten in der Gemeinde noch jüdische oder alttestamentliche Ordnungen herstellen zu müssen. Wer sich auf diese Schiene wagte wird etwas Gnade aber auch etwas vom Gesetz mitnehmen – von diesen Regeln, die in der Tenach für das Volk Israel soviel Bedeutung erhielten. Die Loslösung von diesen Regelungen und die Entwicklung eines Evangeliums der Gnade für die Gläubigen aus den Nationen hat Zeit gebraucht. Hier, im Römerbrief, lesen wir etwas von dieser Auseinandersetzung.

Die Ernst der Lage gilt den Juden zuerst, und auch den Griechen. Keiner in der Gemeinde ist ausgenommen. Das sei den Juden zuerst gesagt. Es gibt keine Sonderposition.

Ohne Gesetz, mit Gesetz

Paulus erklärt weiter:

«Denn bei Gott ist kein Ansehen der Person. Denn alle, die ohne Gesetz sündigten, werden auch ohne Gesetz umkommen; und alle die in dem Gesetz sündigten, werden durch das Gesetz gerichtet werden. Denn nicht die Hörer des Gesetzes sind bei Gott gerecht, sondern die Täter des Gesetzes werden gerechtfertigt werden.»
Röm 2,11-13

Wir sind hier immer noch in diesem Kontrast zwischen Juden und Griechen in der Gemeinde. Paulus richtet sich hier an die Juden. Seine Aussagen machen nämlich für Nicht-Juden keinen Sinn. Paulus schreibt keine theologische Abhandlung, sondern richtet sich auf konkrete Situationen. Den Juden in der Gemeinde musste er verdeutlichen, dass dieses Gesetz – wie gut auch – nichts anderes verlangt als was denen ohne Gesetz abverlangt wird. Es geht nicht um das Gesetz. Es geht um das, was man tut. Ob man also mit oder ohne Gesetz lebt, mit oder ohne diese Regeln für Israel, ist im Hinblick auf das Tun nicht massgeblich. Das Gesetz ist ausgezeichnet, schreibt Paulus an anderer Stelle. Das Halten des Gesetzes ist aber kein Ziel. Es geht um das Resultat.

Das Resultat zeigt sich in unserem Leben. Es geht um das, was wir im Alltag tun und lassen. Paulus reduziert die Relevanz des Gesetzes auf das Resultat und sagt, dass Menschen ohne Gesetz halt ohne dieses Gesetz umkommen und die mit dem Gesetz durch das Gesetz gerichtet werden. Mit Gesetz ist man eben nicht fein raus. Es kommt jeder dran, denn «bei Gott gibt es kein Ansehen der Person».

Die frohe Botschaft hat einen Hintergrund

Was Paulus hier beschreibt entspringt dem Alltag der Gemeinde in Rom. Vielleicht sieht das in unserem Alltag anders aus. Der Apostel richtet sich hier konkret an den Menschen in dieser Gemeinde. Er weiss, wie es zu und her geht. Er will dort eine gesunde Grundlage schaffen.

Gott hat keine Lieblingschristen.

Diese Beschreibungen, diese Abgrenzungen, diese Klärungen sind nicht einfach trockener Kost. Es ist der Hintergrund, gegen den Paulus anschliessend (ab Kapitel 3,21) von Gottes Handeln spricht. Die Klärung mag für viele von uns irrelevant scheinen, aber sie war es nicht im Kontext vom Römerbrief. Wir jedoch können daraus vieles lernen. Beispielsweise, dass es nicht egal ist, was wir tun, und alles einmal vor Gott offenbar wird. Ebenso können wir lernen, dass Gott nicht parteiisch ist. Vor ihm sind alle Menschen gleich. Auch alle Menschen, die in der einen weltweiten Kirche sind, die von Paulus «Körper Christi» genannt wird, sind vor Ihm gleich.

Im nächsten Beitrag geht es um die Nationen, um die nicht-jüdischen Menschen.


So sehr liebt Gott die Welt

So sehr liebt Gott die Welt


Einen der beliebtesten Verse der Bibel finden wir in dem Evangelium nach Johannes, Kapitel 3, Vers 16. Dort beginnt der Text mit den Worten «So sehr hat Gott die Welt geliebt…». Diese Liebe Gottes, darum geht es. Allerdings wird der Vers auch dafür genutzt, das pure Gegenteil auszudrücken. Vertreter der Himmel- und Hölle-Lehre zitieren den Vers und verweisen darauf, dass einige «ewiges Leben» erhalten, andere jedoch «verloren gehen». Was also steht in diesem Vers und was könnten die ursprünglichen Zuhörer darunter verstanden haben?

Den Text im Kontext lesen

Oft wird der Vers losgelöst vom Kontext gelesen. Dadurch werden schnell beliebige Interpretationen möglich. Belassen wir den Vers jedoch im eigenen Kontext, muss die Bedeutung daraus abzuleiten sein. Hier der Abschnitt Johannes 3,13-19 in verschiedenen Übersetzungen:

«Niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen ausser dem, der aus dem Himmel herabstieg, der Sohn des Menschen, der jetzt im Himmel ist. So wie Mose die Schlange in der Wildnis erhöhte, so muss der Sohn des Menschen erhöht werden, damit jeder, der an Ihn glaubt, nicht umkomme, sondern äonisches Leben habe. Denn so liebt Gott die Welt, dass Er Seinen einziggezeugten Sohn gibt, damit jeder, der an Ihn glaubt, nicht umkomme, sondern äonisches Leben habe. Denn Gott hat Seinen Sohn nicht in die Welt ausgesandt, dass Er die Welt richte, sondern damit die Welt durch Ihn gerettet werde. Wer an Ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht an den Namen des einziggezeugten Sohnes Gottes geglaubt hat.»
Joh 3,13-16 KNT

«Es ist noch nie jemand in den Himmel hinaufgestiegen; der Einzige, der dort war, ist der, der aus dem Himmel herabgekommen ist – der Menschensohn. Und wie Mose damals in der Wüste die Schlange erhöhte, so muss auch der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der glaubt, in ihm das ewige Leben hat. Denn Gott hat der Welt seine Liebe dadurch gezeigt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hergab, damit jeder, der an ihn glaubt, das ewige Leben hat und nicht verloren geht. Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, um sie zu verurteilen, sondern um sie durch ihn zu retten. Wer an ihn glaubt, wird nicht verurteilt. Wer aber nicht glaubt, ist damit schon verurteilt; denn der, an dessen Namen er nicht geglaubt hat, ist Gottes eigener Sohn. So vollzieht sich das Gericht an den Menschen. Das Licht ist in die Welt gekommen, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, weil ihr Tun böse war.»
Joh 3,13-19 NGÜ

«Niemand ist hinaufgestiegen in den Himmel als nur der, der aus dem Himmel herabgestiegen ist, der Sohn des Menschen. Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöhte, so muss der Sohn des Menschen erhöht werden,damit jeder, der an ihn glaubt, ewiges Leben habe. Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes. Dies aber ist das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen haben die Finsternis mehr geliebt als das Licht, denn ihre Werke waren böse.»
Joh 3,13-19 ELB

Ohrenwürmer

Bei Musik spricht man von «Ohrenwürmern», wenn eine Melodie oder ein Lied sich fest in den Gedanken einnistet. Ein solches Lied kann dann den ganzen Tag im Kopf sein. Mit Theologie ist das nicht anders. Bestimmte Lehren und Vorstellungen können sich ebenso hartnäckig in unseren Gedanken einnisten. Das wird von Übersetzungen erst möglich gemacht. Sind wir nicht oft «vertraut» mit dieser oder jener Übersetzung? Sie sitzt uns im Ohr. Etwas überspitzt könnte man sogar sagen: «Erzähle mir, welche Übersetzung du liest, und ich sage dir, was du glaubst».

Zwischen den Übersetzungen gibt es grosse Unterschiede. Das Konkordante Neue Testament (KNT) schreibt «umkommen» statt «verloren gehen» und «äonisches Leben» statt «ewiges Leben». Da wird offensichtlich, dass etwas mit der einen oder anderen Übersetzung nicht stimmen kann. Weshalb gibt es diese Unterschiede? Das sind die interessanten Fragen.

Schauen wir den Vers zuerst im eigenen Kontext an. Wovon hat Jesus geredet?


Dem Text auf die Spur kommen – wie geht das?

Der bekannte Vers in Johannes 3,16 kann nur im eigenen Kontext richtig verstanden werden. Was steht dort eigentlich geschrieben? Einige Punkte seien hier hervorgehoben:

  1. Jeder, der an Ihn glaubt
  2. Nicht verloren gehen
  3. Ewiges Leben

Verstehen wir hier, um was es geht? Wer ist «Jeder»? Was heisst «(nicht) verloren gehen»? Was heisst «ewiges Leben»? Erstaunlicherweise gibt es für diese Fragen fixfertige Antworte. Vertreter einer Himmel- und Hölle-Lehre lesen dies so:

  1. Jeder = Jedermann = alle auf dieser Welt
  2. Verloren gehen = in der Hölle landen = ewige Gottesferne
  3. Ewiges Leben = endloses Leben

Nichts von alldem steht im Text! Diese Gedanken werden auf den Text projiziert. Zitiert man einen Text mit solchen voreingenommenen Annahmen, dann kommt die Bibel gar nicht erst zu Wort. Habe ich als Bibelleser jedoch den Wunsch, die Bibel besser zu verstehen, dann gibt es zwei nüchterne Tipps:

  • Text im Kontext lesen
    (also: Vers im Abschnitt, Abschnitt im Kapitel, usw.)
  • Wörter klären
    (was heisst «verloren gehen», was «ewiges Leben»?)

Beide Aufgaben bedeuten eine Auseinandersetzung mit der Bibel selbst. Was steht im Text und was steht nicht da? Dogmatische Sichtweisen sperren hier und erlauben keine differenzierte Stellungnahmen. Es wird diktiert, was hier oder dort steht und wie man das zu lesen hat. Dabei ginge es gerade um ein Respekt dem Wort gegenüber, wenn man nachprüft, wie es Jesus, die Apostel oder die ersten Glaubenden gesagt und gehört hatten.

Nachfolgend einige Hinweise zum Text, als Anregung selbst weiter zu lesen.

Jeder, der an Ihn glaubt

Dies wird in den vorherigen Versen erklärt: «So wie Mose die Schlange in der Wildnis erhöhte, so muss der Sohn des Menschen erhöht werden, damit jeder, der an Ihn glaubt, nicht umkomme, sondern äonisches Leben habe» (Joh 3,14-15 KNT). Die Israeliten, wenn von den Schlangen gebissen, mussten einzig auf die bronzene Schlange schauen, damit sie am Leben blieben (4Mo 21,9).

Der Kontext spricht von Gott als Retter. Der Sohn muss erhöht werden, damit Rettung kommt. So wie Mose die Schlange erhöhte, muss der Sohn Gottes am Kreuz erhöht werden. Jeder, der auf die Schlange schaute, kam mit dem Leben davon und jeder, der Jesus in Vertrauen entgegentritt, wird ebenso leben. Es geht nach Joh 3,17 nicht um das Richten, sondern um das Retten. Die Himmel- und Hölle-Lehre hat das Richten hervorgehoben, wo sich Jesus gerade davon distanziert.

Es war keine eigene Leistung, sondern sie mussten ihre Blicke und ihre Erwartung auf die bronzene Schlange richten. Das war die von Gott gegebene Lösung, um am Leben zu bleiben. Von diesem Vergleich geht es nahtlos in den bekannten Vers hinüber. Auch hier geht es um Leben oder Tod: Jeder der glaubt, wird nicht umkommen (gr. apollumi), sondern ewiges (gr. aionios) Leben haben. Der Gegensatz besteht, aber nicht so, wie sie gelehrt wird. Das fällt aber erst auf, wenn man die nachfolgenden Begriffe prüft.

«Jeder, der glaubt» spricht von den Zuhörern von Jesus. Er sah Seine Aufgabe primär an Israel (Mt 15,24), was Paulus später bestätigte (Röm 15,8). In diesem Kontext der Verkündigung Jesu muss die Bedeutung liegen.

Nicht verloren gehen

Was heisst «verloren gehen»? Die Bedeutung wird in Johannes 3,16 nicht erklärt. Die Bedeutung sieht man jedoch klar, wenn man alle Bibeltexte nachprüft, worin dieses «verloren gehen» genannt wird. Es ist ein «verlieren» (Lukas 15: verlorenes Schaf, verlorene Münze), manchmal auch ein «umkommen», bzw. «sterben» (Lukas 15,32 in einer Bildsprache). Wer buchstäblich umkommt, der ist tot (Mt 2,13). Weiter als das Sterben reicht die Bedeutung nicht. Es ist ein Verb, und bezeichnet einen Übergang in einen anderen Zustand. Vom Leben geht es durch «umkommen» in den Tod. Weiter jedoch reicht die Bedeutung nicht. Der Zustand des Todes ist das Ende des «verloren gehens» oder des «umkommens». Jesus spricht in Johannes 3 über das kommende messianische Reich. Wer umkommt und tot ist, kann an diesem messianischen Reich keinen Anteil haben.

Dies wurde in einem anderen Beitrag bereits ausführlich begründet: «Die Verlorenheit der Christenheit».

Ewiges Leben

Die Idee einer «endlosen Ewigkeit» ist der Bibel fremd. Eine endlose Ewigkeit ist kein Gütesiegel von Rechtgläubigkeit. Wovon spricht Jesus in den Evangelien?

Statt Ewigkeit liest man besser «Zeitalter» oder «Äon». Das ist näher am Grundtext und näher an der Bedeutung. Der Unterschied zwischen diesem Zeitalter und dem zukünftigen messianischen Zeitalter ist ein wiederkehrendes Thema in den Evangelien (Mt 12,32). Wiederholt geht es um den Abschluss dieses Zeitalters, wonach es in ein neues Zeitalter, das messianische Reich, weitergeht (Mt 24,3). Keineswegs ging es hier um ein endloses Leben, sondern um das Leben des zukünftigen Zeitalters, wie zum Beispiel in folgendem Abschnitt:

«Dann begann Petrus Ihn zu fragen: «Siehe, wir haben alles verlassen und sind Dir gefolgt: Was wird wohl unser Teil sein?» Jesus entgegnete ihm: «Wahrlich, ich sage euch: Da ist niemand, der sein Haus, Brüder oder Schwestern, Vater oder Mutter, Frau oder Kinder oder Felder Meinetwegen und wegen des Evangeliums verlassen hat, der dies nicht hundertfältig wiedererhält: nun, in dieser Frist, Häuser, Brüder und Schwestern, Mutter und Vater, Kinder und Felder – unter Verfolgungen – und im kommenden Äon äonisches Leben.»
Mk 10,28-30 KNT

Hier sagt Jesus, dass das äonische Leben das Leben des kommenden Äons oder Zeitalters ist. Für Nikodemus, als Lehrer Israels, war dies ein bekanntes Konzept. Die zukünftige Zeit ist die Zeit, worin der Messias herrscht. Alles wird anders. Teilzuhaben am messianischen Reich war der Ausblick der Propheten. Merke: Eine endlose Ewigkeit ist hier völlig fehl am Platz. Es geht nicht um eine Quantität (endlos), sondern um eine Qualität (mit dem Messias in Seinem Reich). Mehr dazu im Beitrag «Das Wort Ewigkeit im Alten und Neuen Testament».

Wer wird im messianischen Königreich dabei sein?

Das Gespräch führt Jesus mit einem Pharisäer, den Er als “der Lehrer Israels” bezeichnet. Sie sprechen über das Leben des künftigen Zeitalters. Es ist die Zeit, von der die Propheten geschrieben haben. Jesus erklärt Nikodemus, dass Gott Rettung will für jeden Juden, hinüber in die verheissene Zeit und das verheissene Königreich. Nicht umkommen, sondern am Leben der messianischen Zeit teilhaben – darum geht es. Dass dies der richtige Zusammenhang ist, bestätigen auch andere Stellen:

«Und als er von den Pharisäern gefragt wurde: Wann kommt das Reich Gottes?, antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es beobachten könnte; auch wird man nicht sagen: Siehe hier! Oder: Siehe dort! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch. Er sprach aber zu den Jüngern: Es werden Tage kommen, da ihr begehren werdet, einen der Tage des Sohnes des Menschen zu sehen, und ihr werdet ihn nicht sehen. Und man wird zu euch sagen: Siehe dort!, oder: Siehe hier! Geht nicht hin, folgt auch nicht!

Denn wie der Blitz blitzend leuchtet von einem Ende unter dem Himmel bis zum anderen Ende unter dem Himmel, so wird der Sohn des Menschen sein an seinem Tag. Vorher aber muss er vieles leiden und verworfen werden von diesem Geschlecht.

Und wie es in den Tagen Noahs geschah, so wird es auch sein in den Tagen des Sohnes des Menschen: Sie aßen, sie tranken, sie heirateten, sie wurden verheiratet bis zu dem Tag, da Noah in die Arche ging und die Flut kam und alle umbrachte.

Ebenso auch, wie es geschah in den Tagen Lots: Sie aßen, sie tranken, sie kauften, sie verkauften, sie pflanzten, sie bauten; an dem Tag aber, da Lot von Sodom hinausging, regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel und brachte alle um.

Ebenso wird es an dem Tag sein, da der Sohn des Menschen offenbart wird. An jenem Tag – wer auf dem Dach sein wird und sein Gerät im Haus hat, der steige nicht hinab, um es zu holen; und wer auf dem Feld ist, wende sich ebenso wenig zurück. Gedenkt an Lots Frau! Wer sein Leben zu retten sucht, wird es verlieren; und wer es verliert, wird es erhalten.»
Lk 17,20-32 Rev. Elbf.

Wie in Johannes 3, so geht es auch hier um die Pharisäer, die mit Jesus über das Königreich Gottes, dem messianischen Reich, sprechen. Es werden Vergleiche gemacht. Wenn das Königreich Gottes kommt, bzw. «in den Tagen vom Sohn des Menschen» (Lk 17,26 vgl. Dan 7,13), wird es ähnlich ablaufen wie in den Tagen Noahs oder in den Tagen Lots. Wer dann nicht gehört hat und den Blick auf den Messias gerichtet hat, wird umkommen (gr. apollumi Lk 17,27). Wer in diesen Tagen versucht seine Seele zu retten, wird sie verlieren (gr. apollumi), wer sie aber verliert (gr. apollumi), wird sie zum Leben erhalten. Die Botschaft ist klar: Jesus erzählt den Pharisäern im Hinblick auf diese spezielle Zeit, dass es dann besser ist, seine Seele (sein Leben) zu verlieren, um dann Anteil am messianischen Reich und dem dazu gehörenden Leben zu erhalten. Richtig – Jesus empfiehlt, dass man die Seele verliert, mehr als sie zu retten.

Das Bild, das hier allmählich aus den Evangelien entsteht, ist ein ganz anderes, als es meist gelehrt wird. Im Gespräch mit Nikodemus geht es um den Zugang zum messianischen Reich, und wer in diesem Kontext glaubt, wird in den Gerichten beim Übergang von diesem Zeitalter in das nächste Zeitalter nicht umkommen, sondern Anteil am Leben dieses messianischen Zeitalters erhalten. Wer sich dagegen vom Messias abwendet, wird umkommen und am messianischen Leben und Zeitalter keinen Anteil erhalten. Dies ist der Gegensatz.

Es geht um Leben und Tod, und darum, wer beim Königreich auf Erden dabei ist. Als diese Worte gesprochen wurden, ist die heutige Gemeinde noch nicht einmal erwähnt worden. Es ist eine andere Zeit, die von der Erwartung Israels spricht (vgl. Röm 15,8). Eine Verknüpfung mit dieser Zeit und einem ewigen Geschick aller Menschen steht für Jesus und Nikodemus hier nicht zur Diskussion – und sollte es hier auch für uns nicht stehen.

So sehr liebt Gott die Welt

In den meisten Übersetzungen liest man «so sehr hat Gott die Welt geliebt», als sei dies etwas zur Vergangenheit gehörend. Die Übersetzungen suggerieren: Gott hätte früher diese Welt geliebt, oder nur, als Er Seinen Sohn gegeben hatte. Im Griechischen steht hier ein Aorist. Die grammatikalische Form lässt sich schwer ins Deutsche übersetzen. Es geht nicht um eine abgeschlossene Vergangenheit, sondern eher um eine zeitlose Tatsache. Es geht um etwas, das dauert, das einmal so war, aber immer noch so ist und auch in Zukunft so sein wird. Deshalb schreibt beispielsweise das Konkordante Neue Testament «Denn so liebt Gott die Welt…». Das kommt der ursprünglichen Bedeutung am nächsten.

In Johannes 3,16 geht es um eine Auseinandersetzung von Jesus mit Nikodemus, «dem Lehrer Israels» (Joh 3,10). Das setzt das Thema dieses Abschnitts. Von der heutigen Gemeinde oder von einer Aussage der ganzen Welt betreffend ist keine Rede. Eine «ewige Verlorenheit» und dergleichen mehr wurde erst Jahrhunderte später erfunden. Das sind «alternative Fakten». Sie haben mit der frohen Botschaft nichts zu tun.

Jetzt, mit neuen Augen gelesen, sollten wir uns fragen: was erkenne ich hier von der Liebe Gottes? Wir haben den Text und einige Wörter mit Farbe und Inhalt versehen. Jetzt geht es weiter. Und wenn es nicht um die Verdammung von Ungläubigen geht, was lerne ich über diesen Jesus? Und wenn ich Ihn als meinen Herrn erkenne, was sollte ich Ihm gleich tun?

So lesen wir mit Gewinn.

Vertiefung

  • Lese den Text im grösseren Kontext vom Kapitel. Wie läuft das Gespräch ab? Worum geht es?
  • Welche Wörter sind unklar? Kläre.
  • Dieser Text erschien bereits ähnlich als Teil des Aufsatzes «Die Verlorenheit der Christenheit».


Ist die Bibel zuverlässig? 2

Ist die Bibel zuverlässig? 2

Bibelstellen zur Begründung einer Verbalinspiration näher betrachtet


Die Bibel ist zuverlässig. Die Frage ist hier, wie sich diese Zuverlässigkeit verstehen lässt. Auf welche Weise ist die Bibel zuverlässig? Menschen mit einer fundamentalistischen Betrachtungsweise sehen die Zuverlässigkeit der Bibel darin, dass jedes Wort und jeder Buchstabe «inspiriert» ist, nämlich von Gottes Geist so geleitet, dass die Bibel in der Perfektion die Göttlichkeit widerspiegelt. Nicht nur Christus ist das Abbild Gottes, sondern auch die Bibel ist es. Das Verhältnis zwischen Gott und Bibel will geklärt sein. Es geht um die Lehre der Verbalinspiration.

Verbalinspiration

Die Lehre der «Verbalinspiration» entstand im 17. Jahrhundert in den Kirchen der Reformation. Es war eine Weiterentwicklung des «Sola Scriptura» (Nur die Schrift) der Reformation aber ebenfalls eine Reaktion auf die römisch-katholische Kirche, die nicht nur mit der Bibel arbeitete, sondern ausdrücklich «Bibel + Tradition» als gemeinsame Autoritätsquelle sah. Die Kirchenlehre war dort Teil der erkannten «Wahrheit». Die Kirchen der Reformation sahen das anders. Die Bibel war das Wort Gottes. Zur Unterstützung dieser Sicht wurde die Unfehlbarkeit des «Wortes Gottes» als Verbalinspiration definiert. (Wikipedia). Die Verbalinspiration wurde also nicht in einem luftleeren Raum entwickelt, sondern entstand sozusagen als Antwort auf andere Auffassungen.

Eine fundamentalistische Betrachtungsweise der Bibel stützt sich auf diese Verbalinspiration. Sie wird in vielen Kreisen vorausgesetzt und sie wird oft im Spannungsfeld «jede Buchstabe ist Gottes Wort oder alles ist wertlos» gestellt. Das ist zweifellos ein Schwarzweiss-Denken, worin eine Differenzierung noch fehlt. Die wichtigste Frage ist jedoch, ob die Bibel selbst die Verbalinspiration lehrt?

Die wichtigste Frage ist, ob die Bibel selbst die Verbalinspiration lehrt?

Stelle ich mich als Fragender auf, der sich auf der Bibel abstützt, dann stehe ich am gleichen Ort, wo auch jemand mit fundamentalistischem Verständnis der Bibel steht. Das verbindet. Ich gehe selbst konsequent von der Bibel aus, weil ich die Bibel ernst nehme. Das bedeutet jedoch nicht, dass ich deshalb die Verbalinspiration bejahe. Noch bedeutet es, dass ich sie ablehne. Es geht um etwas ganz anderes: Was lehrt die Bibel selbst? Die Verbalinspiration wird in der Bibel nicht gelehrt. Sie wird abgeleitet, was nicht dasselbe ist. Weil die Verbalinspiration mit Bibeltexten begründet wird, lassen sich diese jedoch gut prüfen.

Einige Texte werden hier unten der Reihe nach kurz beleuchtet:

  • Die ganze Schrift ist gottgehaucht (2Tim 3,16-17)
  • Von Gottes Geist getragen, haben heilige Menschen Gottes gesprochen (2Pet 1,21)
  • Kein Jota oder Hörnlein vom Gesetz wird vergehen (Mt 5,17-18)
  • Worte, gelehrt durch den Geist (1Kor 2,13)

Es geht um zentrale Bibelstellen für die genannte Lehre. Sie sind positiv formuliert, sie stehen in der Bibel, sie sind einfach nachzuschlagen. Sie bilden – zusammen mit einigen weiteren Bibelstellen – die Grundlage für die Lehre der Verbalinspiration. In diesem Beitrag geht es nicht um eine Polarisierung von Gedanken wie in «wahr/unwahr» oder «inspiriert/nicht inspiriert». Es geht darum zu klären, was die genannten Bibelstellen sagen, und was sie nicht sagen.

1. Die ganze Schrift ist gottgehaucht

«Alle Schrift ist gottgehaucht und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes zubereitet sei, ausgerüstet zu jedem guten Werk.»
2Tim 3,16-17

Alle Schrift

Die Schrift, welcher Paulus vor Augen hat ist nicht die Bibel, wie wir sie jetzt kennen. Das Neue Testament gab es als Buchsammlung noch nicht. Sogar das Alte Testament erhielt seine aktuelle Form erst etwa im Jahr 100 nach Christus, während es beim Neuen Testament noch viel später war.

Paulus verweist an das Alte Testament (Tenach), wie das dazumal bekannt war. Verwendet man dieses Zitat auf die ganze Bibel, wie wir sie jetzt kennen, dann ist das eine übertragene Bedeutung, die ausserhalb des ursprünglichen Kontextes liegt. Man kann nicht behaupten, dieser Text spricht von der Bibel, wie wir sie heute kennen. Man kann sie natürlich so verwenden, wenn man das entsprechend als eine Erweiterung der ursprünglichen Aussage deklariert.

Gottgehaucht

Das griechische Wort theopneustos, das hier verwendet wird, heisst soviel wie gott-gehaucht (oder: gott-gegeistet), nämlich von Gottes Geist durchweht. Das Besondere an der Schrift ist nicht der Buchstabe, sondern der Geist. Wenn Paulus bezeugt, dass die ganze Schrift (siehe oben) «gottgehaucht» ist, dann spricht das vom Geist der in dieser Schrift wirkt. Es heisst nicht, dass die einzelne Wörter und Buchstaben von Gottes Geist eingegeben sind. Die Verbalinspiration wird weder bejaht noch verneint, weil es kein Thema im Abschnitt ist. Es geht nämlich um etwas ganz anderes. Es geht Paulus in diesem Abschnitt darum zu vermerken, wie sich das Wort auswirkt, nämlich, dass es

«…nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in Gerechtigkeit [ist], damit der Mensch Gottes zubereitet sei, ausgerüstet zu jedem guten Werk.»

Paulus hat das Wirkungsziel des Wortes vor Augen. Dass es wirkt steht ausser Zweifel, denn es ist von Gottes Geist durchhaucht. Gott selbst wirkt durch die Schrift hindurch und das steht ebenfalls ohne Widerspruch. Dagegen geht es in diesem Abschnitt ganz und gar nicht um eine theologische Abgrenzung oder um eine Lehre der Verbalinspiration. Es geht nicht einmal um die einzelnen Worte oder Buchstaben. Dieses Zitat lehrt keine Verbalinspiration und sie lässt sich auch nicht daraus ableiten.

Hier ist also die Aussage: Es geht nicht um die Buchstaben, sondern um die Wirksamkeit Gottes (durch Seinen Geist). Durch das Wort hindurch vertraut der Apostel auf Gott, der wirkt. Er sagt also nicht: Ich glaube an die Bibel, sondern: Ich glaube an Gott, der durch Seinen Geist durch die Bibel hindurch wirkt. Die Bibel wird dadurch nicht göttlich, sowenig wie ein Hammer zum Mensch wird, wenn ein Zimmermann das Werkzeug fachkundig einsetzt.

2. Von Gottes Geist getragen

«Um so stetiger halten wir uns an das prophetische Wort, und ihr tut trefflich, darauf achtzugeben (wie auf eine Leuchte, die an einem trüben Ort scheint, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht) in euren Herzen. Erkennet dies zuerst, dass keinerlei Prophetenwort der Schrift aus eigener Erläuterung geschieht. Denn nicht durch den Willen eines Menschen wurde jemals ein Prophetenwort hervorgebracht, sondern von heiligem Geist getragen, haben heilige Menschen Gottes gesprochen.»
2Pet 1,19-21

Das prophetische Wort

Wie für Jesus und Paulus galt auch für Petrus, dass die Bibel der Tenach entsprach. Es ist das, was später von Christen das «alte Testament» genannt wurde. In seinem Brief betont Petrus, dass er keine weise ersonnen Sagen gefolgt ist, sondern er bezeugt, dass er und andere «Augenzeuge der Erhabenheit» Christi waren (1Pet 1,16).

Keine Sagen sondern Augenzeugenbericht – das ist der Kontrast, der den Wert von Petrus’ Verkündigung ausmacht. Und umso stetiger haltet er sich am prophetischen Wort (1Pet 1,19). Er konnte das so schreiben, da die Apostel stets eine Übereinstimmung zwischen «Verheissungen aus dem prophetischen Wort» einerseits und der «eigenen Erfahrung» andererseits gemacht haben. Sie haben sozusagen das Wirken Gottes gesehen und vertrauen nun umso mehr auf die prophetischen Verheissungen, von denen sich viele in Jesus bereits erfüllt hatten.

Nicht aus menschlicher Überlegung

Das Wort entstand laut Petrus nicht durch menschliche Überlegung. Die Bibel ist kein Ergebnis einer Philosophie oder einer Ethik. Das trifft den Kern der Bibel nicht. Es geht um viel mehr. Petrus sagte: «Nicht durch den Willen eines Menschen wurde jemals ein Prophetenwort hervorgebracht». Die Quelle, so Petrus, ist nicht im Menschen zu suchen.

«… sondern von heiligem Geist getragen, haben heilige Menschen Gottes gesprochen.» Damit stellt Petrus klar, dass das prophetische Wort, und damit die Schrift wie er ihn kannte, durch Einwirken von Gottes Geist zustande kam. Die Propheten waren «heilige Menschen Gottes», die gesprochen haben, während sie darin «vom heiligem Geist getragen» waren. Wie beim vorherigen Zitat von Paulus geht es auch hier bei Petrus darum, dass Gottes Wirken durch Seinen Geist der entscheidende Faktor ist. Nicht der Buchstabe, nicht der Text ist im Zentrum der Überlegung, sondern das Wirken Gottes. Das sollte auch bei uns so sein.

3. Kein Jota oder Hörnlein wird vergehen

«Meint nur nicht, dass Ich kam, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen. Ich kam nicht, um aufzulösen, sondern um zu erfüllen. Denn wahrlich, Ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird keinesfalls ein Jota oder Hörnlein vom Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist.»
Mt 5,17-18

Gesetz und Propheten werden nicht aufgelöst

Jesus hat radikal gepredigt, aber stets innerhalb der Anforderungen von Gesetz und Propheten. «Gesetz und Propheten» deuten auf das Alte Testament bzw. den Tenach. Jesus hat immer wieder religiöse Scheinheiligkeit angeprangert, aber darin nie die Bibel selbst in Frage gestellt. Jesus kam nicht, um die Bibel aufzulösen, sondern um sie zu erfüllen.

Zentral in diesem Abschnitt steht die Bemerkung: «Ich kam nicht, um aufzulösen, sondern um zu erfüllen». Die nachfolgende Bemerkung ist davon nur eine Illustration. Die Kernaussage richtig zu erkennen hilft dabei, das gleich danach folgende Beispiel nach Wert und Bedeutung gut einzuschätzen.

Kein Jota oder Hörnlein wird vergehen

Dieser Text wird gerne zitiert, um damit zu beweisen, dass die Bibel bis in den kleinsten Details von Gott geschützt wird. Es geht um jedes Strichlein! Ist das aber die Aussage hier? Nein, es geht um etwas anderes. Die Rede vom Jota und vom Hörnlein ist ein Beispiel, eine weitere Erläuterung der zentralen Aussage. Das bestimmt der Kontext.

«Bis Himmel und Erde vergehen, wird keinesfalls 1 Jota oder 1 Hörnlein vom Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist» (Mt 5,18). Dieses «bis alles geschehen ist» verweist auf das vorher genannte «erfüllen» hin. Die Zuverlässigkeit der Verheissung sowie die Erfüllung der Verheissung stehen zentral.

Das Beispiel mit Jota und Hörnlein ist eine Bestätigung der eigentlichen Aussage. Ein Jota ist der kleinste Buchstabe im hebräischen Alphabet. Ein Hörnlein bezeichnet kleine Striche auf manchen Buchstaben, wodurch sie einfacher voneinander zu unterscheiden waren. Es geht in diesem Abschnitt nicht um Buchstaben, noch um besonderer Genauigkeit in Bezug auf Buchstaben, sondern es geht um die sichere Erfüllung von Gesetz und Propheten! Es ist ein Beispiel, eine Bildsprache. Wenn Jesus das gesamte Alte Testament im Doppelgebot der Liebe zusammenfassen kann (Mt 22,37-40), dürfen wir erkennen, dass es ist um geistliche Dinge geht, und nicht um die Menge der Buchstaben.

Als Vergleich kann hier noch auf eine andere Bildsprache verwiesen werden. Paulus spricht in Apostelgeschichte 27,34 davon, dass er und alle Insassen des Schiffes heil durch den Sturm kommen und sagt: «Es wird nämlich keiner von euch ein Haar von seinem Haupt verlieren». Damit wird bestätigt, was er bereits zuvor gesagt hat, nämlich «nicht eine Seele von euch wird verlorengehen, ausser dem Schiff» (Apg 27,22). Jota und Hörnlein sind ein Beispiel, eine Erläuterung, eine Bildsprache, ebenso wie Paulus davon spricht, das keiner von den Schiffsleuten ein Haar von seinem Haupt verlieren wird. Geht es bei diesen Beispielen um Buchstaben oder Haaren? Nein, es geht um wichtigere Dingen. Allerdings könnte man sagen, dass manche Bibellehrer vielleicht eines dieser Haare in der Suppe haben, wenn sie darauf bestehen, dass es hier um Buchstaben und nicht um den Geist (der Geschichte, der Aussage) geht.

4. Worte, gelehrt durch den Geist

«Denn wer unter den Menschen weiss, was im Menschen ist, ausser dem Geist des Menschen, der in ihm ist? Also hat auch niemand die Tiefen Gottes erkannt ausser dem Geist Gottes. Wir aber erhielten nicht den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, damit wir wissen, was uns von Gott aus Gnaden gewährt ist, was wir auch aussprechen, nicht mit Worten, wie menschliche Weisheit sie lehrt, sondern [mit solchen, wie] der Geist sie uns lehrt, indem wir geistliche [Dinge mit] angemessenen geistlichen [Worten] erklären.»
1Kor 2,11-13

Der Geist Gottes

Auch in diesem Zitat über die Offenbarung Gottes geht es in erster Linie wieder um Gottes Geist. Es ist der Geist der wirkt. Worte sind nur ein Transportmittel für Geist.

Worte wie der Geist sie lehrt

Der Apostel Paulus spricht von Dingen wie der Geist sie ihn lehrt – eine bemerkenswerte Aussage. Allerdings wird nicht gesagt, wie das etwa abläuft. Daraufhin erklärt er, dass geistliche Dinge nur geistlich erklärt werden können. Dazu braucht es angemessene Worte. Geistliches mit Geistlichem vergleichen. Gleiches will er mit Gleichem erklären.

Einige Verse vorher hat er erklärt, dass sein Wort und seine Verkündigung «nicht in überredenden Worten menschlicher Weisheit» bestanden, «sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft, damit euer Glaube nicht in der Weisheit der Menschen, sondern in der Kraft Gottes gegründet sei». (1Kor 2,1-5).

Seine Worte haben eine Bedeutung, die über sogenannte «menschliche Weisheit» hinausgeht. Es geht nicht um die Worte selbst, sondern darum, was mit den Worten gesagt wird. Worte sind Transportmittel für geistliche Dinge. Gottes Geist wirkt im Apostel, ermöglicht ihm die richtigen Worte zu finden.

Was lernen wir daraus? Ist die Erweisung von Geist und Kraft in seiner Verkündigung (1Kor 2,4) abhängig von Worten und Buchstaben? Ja und nein. Selbstverständlich muss er Wörter und Sätze zusammenfügen. Seine Predigt ist kein Schweigen, sondern eine Rede. Er verkündigt und schreibt. In diesem Sinne geht es ganz klar um Worte und Buchstaben.

Nicht aber ist hier gesagt, dass es wesentlich um Buchstaben und Worte geht. Es geht darum «Geistliches mit Geistlichem» zu erklären. Wenn Jesus sagt «Meine Worte sind Geist und sind Leben» (Joh 6,63) geht es um etwas Ähnliches. Bestimmt kommen Geist und Leben nicht aus den Worten, sondern sie sind aus Gott. Worte vermitteln das nur. Fehlerfreiheit braucht es nicht in den Buchstaben, sondern ohne Geist geht es nicht. Deshalb sagt Jesus nicht «Meine Worte sind Bibel und sind Leben», sondern «Meine Worte sind Geist und sind Leben». Leben kommt durch Geist, nicht durch die Buchstaben der Bibel. Es ist keine Magie der Wörter, sondern es ist Gottes Anwesenheit und Führung in der Verkündigung, womit Paulus rechnet.

Die Wirksamkeit Gottes

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Gottes Geist und Wirken zentral steht. Zuverlässigkeit ist nicht in den Buchstaben, sondern in dem Gott, der durch die Buchstaben hindurch mit Seinem Geist in unserem Leben wirkt. Eine Verbalinspiration wird hier nicht gelehrt.

Die Zuverlässigkeit der Bibel ist da, aber sie definiert sich an erster Stelle aus der Wirksamkeit von Gottes Geist. Diese wirkt durch die Worte hindurch. Stützen wir uns dagegen nur auf Worte, auf die Bibel im Grundtext oder gar auf bestimmte Übersetzungen, dann verkennen wir die viel bedeutsamere Wirkung Gottes. Es geht um Ihn, nicht um die Bibel. Die Bibel ist Gottes Wort, weil es von Ihm erzählt, weil Er da hindurch sich selbst offenbart und in uns wirkt. Die Bibel ist das Werkzeug des Geistes. Die Schrift ist in diesem Sinne «nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes zubereitet sei, ausgerüstet zu jedem guten Werk.»

Ebenso schreibt Paulus an die Gemeinde in Thessalonich:

«Deshalb danken auch wir Gott unablässig, dass, als ihr von uns das Wort der Kunde Gottes erhieltet, ihr es nicht als Menschenwort aufnahmt, sondern (so wie es wahrhaft ist), als das Wort Gottes, das sich auch in euch, die ihr gläubig seid, als wirksam erweist.»
1Thess 2,13

Beim Wort Gottes geht es primär um die Wirksamkeit in unserem Leben, wie es Paulus hier formuliert. Danken wir Gott unablässig für Sein Wort.


Ist die Bibel zuverlässig? 1

Ist die Bibel zuverlässig? (1)

Was heisst es, wenn wir von «Gottes Wort» sprechen?


Was meine ich mit «zuverlässig»?

Ist die Bibel zuverlässig oder nicht? Schwarz oder weiss? Bei einer solchen Frage lässt sich keine direkte Antwort geben, wenn wir nicht zuvor geklärt haben, was denn «zuverlässig» für uns heisst.

Hier ein Vergleich: Ein Käsehobel ist zuverlässig, wenn sie richtig und im Zusammenhang mit Käse verwendet wird. Für andere Aufgaben ist er eher ungeeignet. «Zuverlässigkeit» definiert sich also aus dem Zusammenspiel von «Werkzeug» und «Aufgabe», sowie der «richtigen Handhabung». Das ist mit der Bibel auch der Fall.

Wenn ich sage, dass die Bibel «zuverlässig» ist, dann meine ich damit eine verlässliche Verwendung für den anvisierten Zweck. Die Bibel spricht von Gott und der Welt und von uns Menschen. Es geht um Verhältnisse, Beziehungen, Erfahrungen, Ursprünge und Ziele. Das ist der Käse. Dafür ist der Hobel da.

Ein Käsehobel ist dagegen weniger geeignet zum Holz hacken (auch wenn der Griff möglich aus Holz besteht), um Eisenerz ans Tagelicht zu fördern (auch wenn der Hobel zweifellos aus Metall gemacht wurde). Eine uneigentliche Verwendung wäre wenig effizient. Nicht-passende Erwartungen lassen sich ebenfalls nicht erfüllen. Ein Käsehobel wäre hier nur das Beispiel aus dem Alltag. Wenn wir die Bibel vor Augen haben sollten wir jedoch auch daran denken, dass wir kein Universal-Werkzeug vor uns haben, sondern ein Buch mit einem bestimmten Ziel. Wir sollten die Bibel «schriftgemäss» verwenden, entsprechend dem eigenen Ziel. Sonst vergewaltigen wir die Bibel.

Verbalinspiration

Mit dem Wort «Verbalinspiration» wird ein Bibelverständnis gemeint, das jedes Wort als «von Gott inspiriert» sieht. Nach diesem Verständnis ist jede Buchstabe von Gott «vorgegeben». Verbalinspiration sagt: Es ist Gottes Wort, Wort für Wort und Buchstabe für Buchstabe – als wäre es diktiert. Für einige gilt diese Aussage für den Grundtext. Andere wollen diese Sicht gar auf bestimmte Übersetzungen (King James, alte Lutherübersetzung) übertragen. Man verteidigt dieses Wort als wäre es Gott selbst.

Nicht jeder sieht die Bibel als Diktat. Das lässt sich sogar aus der Bibel begründen. Manche Schreiber der Bibel stellen klar, dass sie selbst – als Mensch – reagieren, sprechen, schreiben (z.B. Jes 6,5 oder 1Kor 7,12). Deswegen ist es keine mechanische Wiedergabe, wie bei einer Diktiermaschine, «sondern von Gott her redeten Menschen, getrieben von Heiligem Geist» (2Pet 1,21 Elbf.). Die Menschenworte werden als übereinstimmend mit Gottes Absicht betrachtet. Die Worte sind immer noch Gottesworte, aber Gott hat den Menschen miteinbezogen.

Wer sich als «bibelgläubig» definiert (das sind nicht wenige), muss sich die Frage gefallen lassen, ob man jetzt an der Bibel glaubt? Und wie ist denn das mit Gott? Sind Gott und Bibel identisch? Oder ist Gott grösser als die Bibel? Das Wort «bibelgläubig» ist ein wirklich seltsamer Konstrukt gegen den Hintergrund der Bibel selbst. Ich selbst rede schon lange nicht mehr von «bibelgläubig», sondern davon, dass ich der Bibel und deren Aussagen «vertraue». Wie ich vertraue ist damit noch nicht geklärt. Es braucht Reflexion und einen Kontext, damit ich dieses «Vertrauen» eine Farbe und Identität gebe.

Es gibt allerdings auch andere Sichtweisen, die nicht weniger davon ausgehen, dass Gott der Autor der Bibel ist. Bei dieser anderen Betrachtung geht es um die Frage, wo die Autorität liegt. Zuverlässigkeit ist dort, wo die Autorität liegt, und nicht an einem anderen Ort. Es ist wohl Gottes Wort, aber es ist kein Diktat direkt von Ihm. Menschen haben Gottes Absicht wiedergegeben, aber mit den eigenen, menschlichen Wörtern. Deswegen können auch Schreib- oder andere Fehler enthalten sein. Gott Selbst wird dadurch nicht in Frage gestellt, so wenig wie die Zuverlässigkeit meines Vertrauens auf Ihn. Hier könnte man auch die Worte aus dem Buch der Sprüche bedenken: «Vertraue auf den HERRN mit deinem ganzen Herzen und stütze dich nicht auf deinen Verstand!» (aus: Spr 3,5-8).

Betrachten wir hier noch einmal den Text aus dem 2. Petrus Brief. Er schrieb, dass Menschen «von Gott her redeten, getrieben von Heiligem Geist», aber sie taten dies mit eigenen Worten. Die Wörter tragen die Botschaft, so wie das Papier die Schrift aufnimmt, aber die Unfehlbarkeit liegt beim Autor, nicht bei der menschlichen Abschrift.

Jetzt haben wir bereits zwei Begriffe:

  • «Zuverlässigkeit», ein Begriff den wir für die Bibel klären wollen, und
  • «Autorität», woraus die Zuverlässigkeit hervorgehen will.

Wo liegt die Autorität der Bibel?

Diese Frage ist nicht Ausdruck von Zweifel, sondern davon, dass ich die Bibel so verstehen möchte, wie sie gemeint ist. Ich will der Bibel keine Ideologie überstülpen und auch keine noch so gut gemeinte Autorität unterstellen. Es ist eine neutrale Frage, aber ich stelle sie aus der Erfahrung heraus, dass dieses Wort mich definitiv näher zu Gott gebracht hat und ich dieses Wort als «vertrauenswürdig» erfahre. Aber was genau heisst das? Bin ich mir meinen eigenen Annahmen bewusst? Verstehe ich, was die Bibel selbst zu diesem Thema sagt – oder auch nicht sagt?

Worin also liegt die Autorität der Bibel? Mögliche Varianten:

  • Liegt sie in der Göttlichkeit/Buchstäblichkeit der Worte?
    Das Wort wäre göttlich, nämlich Gott selbst, oder mit ihm gleichzusetzen.
  • Liegt sie in der Realität Gottes, der sich uns offenbart?
    Das Wort ist von Gottes Geist durchdrungen, und zwar so, dass wir dadurch Ihn kennenlernen. Das Wort ist nicht göttlich, aber der Geist, den das Wort durchweht, ist göttlichen Ursprungs. Es ist eine zweckgebundene Zuverlässigkeit, nicht aber per sé in jeder Buchstabe geklärt.
  • Liegt die Autorität im Zeugnis der Menschen, die das Wort geschrieben haben?
    Geht es um die menschliche Geschichten vom lebendigen Gott? Das Zeugnis ist real, und in diesem Sinne sind die Geschichten real und zuverlässig.

In keinem dieser Ansichten, die ich einfach mal probehalber aufgeführt habe, wird die Existenz Gottes bezweifelt, noch wird der Wert der Bibel als «Wort Gottes» bezweifelt. Trotzdem sind die Sichtweisen recht unterschiedlich. Ich lasse das gerne einmal wertfrei als Anregung so stehen.

Den Text für sich selbst sprechen lassen

Die Idee der Verbalinspiration hat mich sehr viel gelehrt. Dasselbe gilt aber auch für eine moderne Bibelwissenschaft. Es ist kein «entweder/oder» Vergleich. Ich muss für mich selbst entscheiden, was ich hier wie dort als wertvolle Information mitnehme. Beide Sichtweisen bereiten mir auch Schwierigkeiten. Das liegt nicht sosehr an die gewonnene Einsichten, als mehr an der Haltung, womit sie kommuniziert wird. Vertreter beider Richtungen haben ich zuweilen als stur und einseitig empfunden. Vermutlich fällt mir das auf, weil ich es selber auch sein kann.

Für mich geht es schon lange nicht mehr um einen ideologischen Grabenkampf zwischen verschiedenen Lagern. Denn die Bibel will zuerst einfach gelesen werden. Es ist ein Buch. Wer meint, man könne das Buch nur mit einer einzigen bestimmten Brille auf lesen, verpasst den Reichtum des Austausches, des Dazulernens, der grösseren Gemeinschaft.

Wenn ich die Bibel lese, dann gehe ich davon aus, dass der Text sinnvoll ist. Welcher Sinn, das kann ich versuchen zu verstehen. Die Zuverlässigkeit der Bibel kann ja nicht sein, dass alles «buchstäblich» wahr wäre, denn dann liegt der Fokus auf den Träger der Botschaft (der Buchstabe), nicht auf die Botschaft selbst (der Geist. vgl. 2Kor 3,6). Sinnvoll ist der Text nicht wegen den Buchstaben, sondern wegen der Botschaft, wegen dem Geist und dem Leben, die darin enthalten sind (Joh 6,63).

Lese ich die Schrift, dann gebe ich dem Text – und damit dem Autor – erst einmal Raum die Geschichte zu erzählen. Wenn ich lese, dann will ich hinhören. Natürlich liest kein Mensch unvoreingenommen, aber ich kann mich darum kümmern, den Text ernst zu nehmen.

Lese ich von «Israel», dann gehe ich davon aus, dass Israel gemeint wird. Sollte es anders sein, dann muss ich das im Kontext begründet sehen. «Speisung der 5000»? Dann höre ich zuerst hin, und verheddere mich nicht in «das ist ein Wunder» oder «es gibt keine Wunder». Die Speisung der 5000 ist keine Lehre über Wunder. Die Geschichte hat ein ganz anderes Ziel. Ich bezweifle die Geschichte nicht, wenn ich zuerst und vor allem danach frage, was denn genau bezeugt wird. Es war zweifellos wichtig, die Leute zu sättigen, aber das war nicht das Ziel. Jesus war und ist nicht im Business der Wunder, der Gastronomie oder der Logistik.

Manchmal muss man beim Lesen die eigenen eingeschliffenen Gedanken einmal hinterfragen. Nicht, damit etwas als «richtig» oder «falsch» definiert wird, sondern damit man wieder unvoreingenommen, sozusagen «ergebnisoffen» dem Text begegnen kann. Neugierig sein. Offen sein dafür, Neues zu lernen.

Wenn es beispielsweise in den ersten Versen der Bibel heisst: «In [einem] Anfang schuff Gott Himmel und Erde…» (1Mo 1,1), dann wird im Text eine Verbindung zwischen dem Einen Gott und der Realität um uns herum hergestellt. Die haben direkt miteinander zu tun. Es geht um Gott und die Welt, nämlich um die Welt, in der wir leben. Diese Eingangsverse sagen uns, dass dieser Gott die Welt um uns herum erschaffen hat. Es geht darum einen Link zwischen Gott und uns zu erstellen. Es ist keine Aussage über «Schöpfung» kontra «Evolution», keine naturwissenschaftliche Aussage, worin es um «richtig» oder «falsch» geht. Weder Mose noch eines der Propheten, weder Jesus noch eines der Apostel, fordert uns auf «an die Schöpfung zu glauben und gegen die Evolution zu sein». Werden wir in solche Grabenkämpfe verwickelt, dann befindet man sich schlagartig auf einem Nebenschauplatz. Der Bibeltext spricht von etwas anderem.

Was immer die Bibel zu sagen hat, wir müssen sie zuerst einfach nur lesen.

Hinweise der Bibel

Die Bibel ist nicht schwarzweiss. Gotteswort oder Menschenwort? Darum geht es gar nicht. Es geht darum, auf welche Weise die Bibel Gottes Wort ist. Hinweise dazu gibt es genügend in der Bibel selbst. Wenn wir die Bibel ernst nehmen, werden wir anfangen zu differenzieren. Hier einige Beispiele:

  • Menschenworte in der Bibel
    Einige Worte stehen zwar «in der Bibel», aber sie sind deutlich «Menschenworte». So zum Beispiel in Apostelgeschichte 17,23, wo von einer Aufschrift auf einem Götzenaltar die Rede ist. Sie sind Teil der Bibel, aber nicht unbedingt Aussagen von Gott selbst.
  • Es kommt auf jeden Buchstaben an
    Gleichzeitig können wir erkennen, dass hier und dort Bibeltexte von Bibelschreibern «ultra-buchstäblich» gelesen wurden. So wird in Galater 3,16 beispielsweise der Unterschied zwischen Einzahl und Mehrzahl hervorgehoben.
  • Persönliche Perspektive
    Manchmal geht es auch um eine persönliche Wahrnehmung eines Bibelschreibers. Sie ist völlig richtig aus seiner Perspektive, jedoch grundlegend falsch aus wissenschaftlicher Perspektive. So berichtet Lukas von einer Schiffsreise, «dass sich ihnen Land näherte» (Apg 27,27). So hatten es die Schiffsleute wahrgenommen. Es ist eine Wahrnehmung, aber keine Physik. Vieles in der Bibel wird aus dem Blickwinkel der Wahrnehmung beschrieben. In einem ganz anderen Kontext hat Paulus einmal zwischen den Worten von Jesus (1Kor 7,10) und seiner eigenen Einschätzung (1Kor 7,12) deutlich unterschieden.
  • Bildsprache
    Die Bibel steht voller Bildsprache. Wenn Paulus auf seiner letzten Reise den Schiffsleuten zuspricht «keinem von euch wird ein Haar des Hauptes verloren gehen» (Apg 27,34), so ist es klar, dass hiermit keine Erfolgsaussichten für den Coiffeur gemeint sind, sondern sie sollten alle «vollständig gerettet» werden, sogar wenn dabei unversehens ein paar Haare in die Fluten verschwinden würden. Denn in der Bildsprache geht es nie um das Bild, sondern um das, was damit ausgedrückt werden soll. Zwischen Bild und Aussage muss stets klar unterschieden werden. Ultra-buchstäblich ist manchmal ultra-ungeschickt.

Verstehen wir diese und weitere Punkte, dann lernen wir beim Lesen den Text besser verstehen, wir erfassen einen roten Faden, erkennen, dass eine Geschichte erzählt, ein Anliegen erklärt wird. Buchstäblichkeit allein ist nämlich keine Garantie für ein besseres Verständnis – im Gegenteil! Eine blinde Buchstäblichkeit verkennt die Sprache und den Kontext. Die Bibel ist nun mal geschrieben in einer Sprache, mit Wörtern und Beispielen aus einem Alltag, der sich vor 2000–3500 Jahren abgespielt hat. Ist es Gotteswort? Ja, aber es ist auch Menschenwort, nämlich Gottes Aussagen in einer Form, wie wir sie verstehen können, gesprochen und geschrieben von Menschen. Das sollten wir einblenden, nicht ausblenden.

Im nächsten Beitrag zum Thema werden wir einige Bibelstellen näher betrachten, die als Begründung für eine Verbalinspiration zitiert werden.

Vertiefung

  • War dieser Beitrag hilfreich? Weshalb (nicht)?
  • Lesetip: Siegfried Zimmer, Schadet die Bibelwissenschaft dem Glauben? Klärung eines Konflikts.
    ISBN 978-3-525-57306-8. Auch als e-Book: ISBN 978-3-647-57306-9.
  • Die moderne Bibelwissenschaft ist auch als «bibelkritisch» verschrien. Wie wird das in Deiner Gemeinschaft gesehen? Wird das in Detail begründet? Wird gegen «die Liberalen» gewittert? Oder sieht man auf die «Fundis» herab?
  • Es gibt durchaus kritische Stimmen zur modernen Bibelwissenschaft, wie beispielsweise von der Theologin Eta Linnemann.
  • Gegenüber der Bibelgläubigkeit kann es eine Wissenschaftsgläubigkeit geben. Sind das die zwei Alternativen, die wir haben? Oder spricht die Bibel selbst von etwas anderem? Was ist eigentlich Gegenstand unseres Glaubens?
  • Die historisch-kritische Theologie stammt aus Deutschland. Bibelwissenschaft gibt es jedoch auch in anderen Ländern. Differenzierung: Viele Menschen haben sich mit unterschiedlichen Resultaten wissenschaftlich mit der Bibel auseinandergesetzt. Kennst Du andere Sichtweisen?


Himmel und Hölle sollen «einfach» sein?

Himmel und Hölle sollen «einfach» sein?

Der Wunsch nach einer «einfachen Botschaft»


Neulich sagt mir jemand: «So wie du das erzählst kann es doch nicht wahr sein. Es wird viel zu schwierig. Das Evangelium ist doch nicht so schwierig?».

Was ist schwierig?

Eine solche Aussage begegne ich immer wieder: «Was du hier sagst, ist zu schwierig». Der Hintergrund für eine solche Reaktion ist immer die Auseinandersetzung mit irgeneiner christlichen Tradition. «Schwierig» wird es, wenn eine Tradition (welche auch immer) in Frage gestellt wird. «Unerträglich schwierig» wird es, wenn ich aufzeige, dass diese oder jene Sicht echt nirgendwo in der Bibel steht.

Beispiel gefällig? Es gibt viele Dogmen und Lehren, die nirgendwo in der Bibel erwähnt sind. So beispielsweise eine Dreieinigkeit, eine Erbsünde, ein absolut freier Wille, eine unsterbliche Seele oder die Hölle-Lehre. Erstaunlicherweise sind es häufig diese Begriffe, die Menschen zur Grundlage ihres Glaubens wählen – und so wird das in Gemeinschaften auch gefördert. Wer nur eines dieser Themen anzweifelt, steht sofort in den Verdacht ein Ketzer zu sein – auch wenn weder Mose, noch Jesus, noch einer der Apostel je davon gesprochen haben. Wer diese Dogmen nicht glaubt, kann nicht auf irgendeine Stelle in einer Kirche oder Freikirche hoffen. Die Vorstellung davon, was «biblisch» ist und was nicht, ist in vielen Kreisen von einer biblischen Begründung vollkommen losgelöst. Das ist weder eine ketzerische Aussage noch eine Beschuldigung, sondern eine nüchterne Feststellung.

Andererseits gibt es Ausdrücke, die sehr wohl in der Bibel stehen, die aber vehement abgelehnt werden, wie die «Aussöhnung des Alls» (Kol 1,20), eine Rettung durch Glaube allein (Eph 2,8-10), und weitere Themen.

Was ist jetzt schwierig?

Umdenken ist schwierig

Insbesondere die Hölle-Lehre ist bei vielen Menschen ganz tief verankert. Das führt leider immer wieder zu Angst, zu Absagen an den Gott der Bibel, zu stressvoller Heilsungewissheit und dieser Dinge mehr. Ein ernsthaftes Gespräch über Himmel- und Hölle führt unweigerlich zur Prüfung dieser Lehre. Wenn man dann aus dem Grundtext und dem Kontext heraus aufzeigt, dass nichts dran ist, dann kann das Angst auslösen. «Schwierig» sind eben nicht die Aussagen an sich. Schwierig ist die Auseinandersetzung mit dem eigenen Gottesbild, mit den verinnerlichten Glaubensvorstellungen.

Umdenken ist anspruchsvoll.

Es ist alles ganz einfach

Die Wahrheit ist, dass die Bibel oder das Evangelium nicht schwierig sind. Es ist ganz einfach:

  • Gott ist für Dich, nicht gegen Dich (Röm 8,31)
  • Gott versöhnt Feinde, nicht perfekte Christen (Röm 5,8)
  • Gott rettet alle Menschen und speziell die Gläubigen (1Tim 4,9-11). Er will das nicht nur, sondern Er macht es auch. Das soll in der Gemeinde gelehrt werden, sagt Paulus.
  • Gott wird alles in allen, und nicht nur etwas in wenigen (1Kor 15,28)
  • Gott versöhnt alle (alles, das All) mit sich selbst, Friede machend durch das Blut des Kreuzes (Kol 1,20)
  • Gott schliesst alle in die Widerpenstigkeit ein, damit Er sich aller erbarmen kann (Röm 11,32)
  • Alles ist aus Ihm, durch Ihn und zu Ihm hin (Röm 11,36)
  • Gott ist Liebe (1Joh 4,8)

Ist das nicht einfach? Es ist ein wunderbares Zeugnis. Christus steht zentral. Verschiedene Aspekte können mit einem einzigen Satz erklärt werden. Das ist viel einfacher (und dazu noch besser begründet) als der Lockruf der Himmel- und Hölle-Lehre: «Wer nicht an Jesus glaubt wird für ewig in der Hölle schmoren». Erkläre das einmal!

Ein neuer Horizont

Warum ich diese Dinge erwähne? Nun, es geht nicht einfach nur um Argumente dafür oder dagegen. Es geht um ein Verständnis von Gottes Wesen und Wirken. Es geht darum, wie wir Gott im Alltag, in unseren Lebensumständen, in unseren Gemeinden und in der Gemeinschaft erleben und begegnen. Es geht um unser Denken, um die Ausrichtung unserer Erwartung.

Das Evangelium, wie es nach einer Himmel- und Hölle-Lehre gepredigt wird ist nicht «einfach». Es ist höchst problematisch. Problematisch sind auch die Gründe, weshalb Menschen einen guten Ausgang von Gottes Wirken ablehnen. Das muss erst einmal auf den Tisch kommen. Marode Lehren sollen ohne Überheblichkeit und Verurteilung entlarvt werden. Es geht nicht um die Lehren, sondern es geht darum, wie wir unseren Gott und Vater besser kennenlernen. Es geht um eine gesunde Grundlage für unseren Glauben. Was nicht stimmt, muss einfach beim Namen genannt werden, ebenso wie die guten Dinge.

Stell’ Dir vor…

Schwierig ist nur das Unbekannte. Gottes Wirken ist eine frohe Botschaft für diese Welt. Es baut auf den Tenach auf (Mt 5,18), wird in Jesus für Israel erfüllt (Mt 15,24; Röm 15,8), findet mit Paulus eine Erweiterung für die Nationen (Röm 11,13; Eph 3,1-2) und in allen Variationen steht dahinter ein liebender Gott, der auf Sein Ziel hinarbeitet (Eph 1,11; Eph 1,22-23; Eph 3,11). Es ist nicht schwierig, aber meist vielseitiger als am Sonntag gepredigt wird.

Stell’ Dir vor, dass es in Deiner Gemeinschaft ein Umdenken gibt, dass man nüchtern und mit vielen Fragen die biblische Botschaft zu erkunden beginnt.

Stell’ Dir vor, dass Du in einer Gemeinschaft daheim bist, wo das eigene Denken gefördert wird, wo Fragen mit Gegenfragen beantwortet werden, wo Woche um Woche und Jahr für Jahr kleine Bausteine für eine neue Sicht entstehen.

Stell’ Dir vor, dass Du in einer solchen Gemeinschaft daheim bist. Wie könnte dann wohl ein Gespräch über Gottes Wesen und Wirken heute und auch in einigen Jahren verlaufen?

Es geht um eine tragfähige, in der Schrift verankerte Vision für nachhaltige Gemeindeentwicklung, getragen von mündigen Menschen. Das ist anspruchsvoll, aber schwierig ist es nicht. Was es jedoch braucht ist Mut, sich immer wieder auf Neues einzulassen.

Vertiefung

  • Ist es mühsam, sich in neuen Gedanken zurechtzufinden?
  • Muss man alles erklären können, bis etwas «einfach» ist?
  • Was ist für Dich «schwierig» an der Bibel?
  • Was braucht es in einer Gemeinschaft, damit die Freiheit von Christus (Gal 5,1) auch im Denken entsteht?
  • Paulus schreibt: «werdet verwandelt durch die Erneuerung des Denkens» (Röm 12,1-2). Warum schreibt er das gerade an eine Gemeinde?


Unentschuldbar

Andere zu richten ist unentschuldbar.

Keiner ist gerecht, und darin sind alle gleich


Im ersten Vers des zweiten Kapitels vom Römerbrief lesen wir etwas Seltsames. Ich bin öfters darüber gestolpert, nicht wissend, weshalb diese Worte jetzt da stehen. Paulus schreibt dort:

«Darum bist du unentschuldbar, o Mensch – jeder, der richtet; denn worin du den anderen richtest, verurteilst du dich selbst; denn du, der du richtest, verübst dasselbe. Wir wissen aber, dass das Urteil Gottes über die, die solches verüben, der Wahrheit gemäss ist.»
Röm 2,1-2

Diese Worte, wie seltsam auch beim ersten Lesen, sind voller Zuversicht, denn Paulus malt den Hintergrund für Gottes Wirken in Christus.

Aus welchem Blickwinkel wird gesprochen?

Wer ist dieser Mensch, von dem Paulus spricht? Und wieso spricht der Apostel über Verurteilung und über das Urteil Gottes? Was ist hier genau los? Es tönt, als findet hier gerade eine Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse statt, wobei Gott die Position des Guten einnimmt, und irgendein Mensch – oder alle Menschen? – die Position des Bösen besetzen. Kein Zuspruch liest man hier, sondern harte Worte.

Wie immer beim Bibellesen sollten wir einen Text nicht aus dem Zusammenhang reissen. Der Text hat einen Sinn im eigenen Kontext und wir können diesen Sinn nicht einfach nach Gutdünken verbiegen, verändern oder abändern.

Manchmal jedoch geschieht etwas anderes: Manch einer liest solche Worte und fühlt sich selbst verurteilt, als hat es Gott gerade auf ihn, gerade auf sie, gerade auf Dich abgesehen. Dann sind das furchtbare Worte eines unnahbaren Gottes, der mit Gericht und Gerechtigkeit zu Dir kommt und keinesfalls mit Liebe. Gerade auch bei einer solchen Interpretation ist es unerlässlich für das Verständnis, dass wir den Text im eigenen Kontext lesen. Vielleicht sind wir gemeint, vielleicht aber auch nicht, oder es geht nochmal um etwas ganz anderes.

Die Struktur des Römerbriefes

Bereits wurde über die Struktur des Römerbriefes etwas geschrieben («Struktur des Römerbriefes»). Darin geht es um die grössere Zusammenhänge. Wenn wir nur ein oder zwei Verse lesen, verlieren wir leicht den Bezug zum Kontext dieser Worte.

Von Römer 1,18 bis Römer 3,20 läuft ein längerer Abschnitt, worin Paulus über den Wandel der Menschheit spricht. Er beleuchtet dieses Thema von verschiedenen Seiten. Am Schluss dieses Abschnitts fasst er es so zusammen, dass es kein Mensch gibt, der gerecht ist, auch nicht einer. Die ganze Menschheit rafft es nicht, im Einklang mit Gottes Wesen und Wirken zu bleiben (Röm 3,9-12).

Wenn wir nun also in Kapitel 2,1-2 von «einem Menschen» hören, der andere richtet, dann geht es nicht darum jemand zu verurteilen, und andere etwa nicht. Paulus ist gerade dabei alle Menschen unter dem gerechten Gericht Gottes zu stellen.

«… damit jedem der Mund gestopft werde und die gesamte Welt unter den gerechten Spruch Gottes gerate…»
Röm 3,19

Wir sollten gut hinhören, aber es gibt keinen Grund sich selbst als verdammungswürdiger als andere einzustufen. Paulus macht eine Gleichschaltung aller Menschen, in dem er sagt: Keiner ist gerecht, auch nicht einer.

In diesem Struktur des Römerbriefes baut Paulus Paragraph um Paragraph seine Rede auf. Wir studieren diese Abschnitte viel langsamer als sie einst einfach der Gemeinde vorgelesen wurden. Es kann ganz hilfreich sein, wenn wir diesen Abschnitt (Röm 1,18 bis Röm 3,20) einmal an einem Stück durchlesen. Dann wird der innere Zusammenhang eher klar.

O Mensch!

«Darum bist du unentschuldbar, o Mensch…»

Das «Darum» leitet eine Begründung ein. Es verbindet die Aussagen vom vorherigen Kapitel mit diesen Versen. Der Mensch, den Paulus jetzt erwähnt, muss etwas mit den vorangehenden Versen zu tun haben.

Zuvor hat der Apostel von Entgleisungen gesprochen. Nicht etwa Entgleisungen von Menschen in der Gemeinschaft, sondern von Menschen ausserhalb der Gemeinde. Gott straft diese Menschen nicht, sondern mehrmals wird darauf hingewiesen, dass «Gott sie in den Begierden der Herzen dahingegeben» hat (Röm 1,24; Röm 1,26; Röm 1,28). Er hat das auch präzisiert, indem er von Ungerechtigkeit, Bosheit, üblem Wesen, Habgier, Neid und vielen weiteren Dingen spricht.

Es ist bei solchen Dingen so leicht, sich selbst darüber zu stellen und auf diese Anderen herabzusehen. So in etwa soll Paulus die Überlegungen der Leser sich vorgestellt haben, denn hier knüpfen die ersten Verse des zweiten Kapitels an:

«Darum bist du unentschuldbar, o Mensch – jeder der richtet; denn worin du den anderen richtest, verurteilst du dich selbst; denn du, der du richtest, verübst dasselbe.»
Röm 2,1

Paulus stellt sich also bei seiner Zuhörerschaft eine Reaktion der Überheblichkeit vor. Wenn Gott bestimmte Dinge ablehnt, die Menschen aber auch ihre eigenen Wege gehen lässt, sollten wir uns über solche, die das tun, nicht herablassend und richtend äussern. Wenn wir das nämlich tun, dann gehören wir zur selben Gruppe, worin Ungerechtigkeit, Bosheit, übles Wesen, Habgier, Neid und viele weitere negative Dinge grassieren. Es steht uns so nicht zu. Wir müssen zwar unterscheiden und Klarheit für uns selbst gewinnen, aber richten steht uns nicht zu.

Der Punkt ist dieser: Selbstgerechtigkeit schützt vor dem Urteil Gottes nicht. Deshalb fährt der Apostel weiter mit:

«Wir wissen aber, dass das Urteil Gottes über die, die solches verüben, der Wahrheit gemäss ist.»
Röm 2,2

Oder mit anderen Worten: Wir sollten nicht denselben Fehler machen.

Unentschuldbar

Das Wort «unentschuldbar» (gr. anapologeton) kommt nur zweimal vor. Der erste Mal lasen wir das Wort in Römer 1,20. Dort heisst es:

«Seine unsichtbaren Wesenszüge sind seit der Schöpfung der Welt an den Tatwerken begreiflich und ersichtlich geworden (nämlich Seine unwahrnehmbare Kraft und Göttlichkeit), damit sie unentschuldbar seien. Weil sie, Gott kennend, ihn nicht als Gott verherrlichen oder Ihm danken.»
Röm 1,20-21

Das zweite Mal ist hier im zweiten Kapitel:

«Darum bist du unentschulbar, o Mensch – jeder, der richtet.»
Röm 2,1

So stehen also sowohl die ausserhalb der Gemeinde wie auch die innerhalb der Gemeinde nicht sehr weit auseinander. Wir stehen zwar in der Gemeinde, aber das heisst noch lange nicht, dass wir etwa fehlerfrei sind und so aus höherer Position auf andere herabschauen könnten. Im Gegenteil! Wir kennen das, aber wählen bewusst dafür, es anders einzurichten. Das ist ohne Perfektion, aber mit einem klaren Ziel vor Augen. Wer sich anders verhält, der verharrt in einer alten Position. Wer andere verurteilt, macht sich selbst schuldig. Er ist unentschuldbar.

Paulus nimmt das Thema an vielen Orten auf. Das Alte ist vorbeigegangen und siehe, es ist alles neu geworden! Wir sollten also nicht die Fehler der Vergangenheit wiederholen, sondern uns vielmehr nach einem neuen Leben ausstrecken. Das sind tägliche bewusst getroffene Entscheide. Wir müssen nicht mehr richten, sondern können vielmehr etwas zum Guten beitragen. Es bringt nichts, im Meckern zu verharren, wenn wir im Leben wachsen können.

Viel später, im Epheserbrief, schreibt der Apostel in diesem Sinne:

«Wandelt wie Kinder des Lichts (denn die Frucht des Lichts besteht in aller Gutheit, Gerechtigkeit und Wahrheit) und prüfet dabei, was dem Herrn wohlgefällig ist! Nehmt nicht an den unfruchtbaren Werken der Finsternis teil, entlarvt sie vielmehr als solche!… […] Darum heisst es auch: Erwache, der du schlummerst, stehe auf aus den Toten, und aufleuchten wird dir der Christus!»
Aus: Eph 5,9-14


Jesus-Kult 2

Jesus-Kult 2

Wie Glaube zu Religiösität verkommt


2. August 201916 MinutesBy Karsten Risseeuw

Weshalb Jesus-Kult?

Unabhängig voneinander haben Freunde von mir, Mitchristen wie auch Atheisten, neuerdings freikirchliche Kreisen als «Jesus-Kult» umschrieben. Nicht pauschal, aber nach konkreten Erfahrungen. Selbst hatte ich das schon länger so erkannt. Es wird von einem Jesus-Kult gesprochen, wenn etwas sektenhaftes, unreflektiertes erkannt wird. Diese fast blinde Fokussierung auf Jesus ist vielen suspekt.

Ich selbst habe immer wieder mal die Perspektive gewechselt. Aus den Zeiten, da ich in Freikirchen sehr aktiv war, kenne ich selbstverständlich solche Einwände. Wie habe ich damals reagiert? Nun, ich habe versucht, die Argumente zu entkräften. «Ich bin ja nicht blind», «wir machen das nicht so», und dergleichen mehr. Es blieb aber immer ein schaler Geschmack im Mund zurück. Die Einwände waren nicht unberechtigt.

Jeder glaubt für sich

Gleich zu Anfang dieses Beitrages will ich festhalten, dass jeder seinen Glauben nur für sich selbst und vor dem Angesicht Gottes haben kann (Röm 14,22). Man stellt sein Vertrauen nicht auf seine Kirche oder Gemeinde, nicht auf den Pfarrer oder Pastor, sondern auf Gott allein. Mehr braucht es nicht. Das läuft zwischen Dir und Gott ab, der uns in Christus segnet, auserwählt, vorherbestimmt, begnadet, Freilösung durch Sein Blut und Vergebung der Kränkungen nach dem Reichtum Seiner Gnade schenkt – und vieles mehr (Eph 1,3-12).

Jeder glaubt für sich allein, weil es nicht anders geht. Hier ist also die Differenzierung: Jeder steht als Einzelner in dieser Gnade. Jeder steht selbst vor Gott. In der Gemeinschaft jedoch können wir uns gegenseitig unterstützen. Wir teilen dieselbe Berufung und dieselbe Gnade (Phil 1,7). In der Gemeinschaft begegnen wir uns als Berufene und teilen den Reichtum, lernen dazu, unterstützen einander, ermöglichen viele Formen des Zusammenseins. Das gewünschte Resultat: Leben und Glauben können wir in der Gemeinschaft gegenseitig zur Reife bringen (1Kor 13,10-12 Eph 4,11-13).

Bis hierher ist das ein Konzept. Die Grundlage ist hervorragend. Umgesetzt wird es jedoch in der jeweiligen Gemeindekultur. Das ist noch einmal ein weiterer Schritt. In der Gemeinschaft wird das Konzept adaptiert. Das ergibt die Gemeindekultur und die Art des Umgangs miteinander. Hier findet natürlicherweise auch eine gewisse Gleichschaltung statt, in der Regel aus pragmatischen Überlegungen. Gleichschaltung ist aber nicht das Ziel, ansonsten man einer Ideologie anhängt und keinen lebendigen Glauben mehr pflegt.

Nun sollten wir sorgfältig unterscheiden: Glaube ist immer persönlich. Eine Kirche glaubt nicht – es sind nur Menschen, die glauben können. Fühle ich mich in einer bestimmten Gemeinschaft wohl, dann ist das wegen der Gemeindekultur. Dasselbe gilt, wenn ich mich irgendwo unwohl fühle. Kirche oder Gemeindekultur ist nicht mit der Botschaft der Gnade Gottes gleichzusetzen.

Wenn also irgendwelche Leute nach einer Begegnung mit Christen davonlaufen, dann hat das mit dem Kern der biblischen Botschaft in der Regel wenig zu tun (es sei denn die Lehre ist schräg). Es hat jedoch viel mit der Gemeindekultur zu tun. Man wendet sich von Glaubens- und Lebensentwürfen ab, die lebensfremd erscheinen. Ein Jesus-Kult ist lebensfremd.

Was Glaube dem Kern nach bedeutet und wie er gelebt wird sind zwei verschiedene Dinge. Schauen wir die Unterschiede noch etwas näher an. Dies kann dabei helfen, den Begriff «Jesus-Kult» und viele andere religiöse Spielarten besser zu verstehen.

Schwärmerei

Form und Inhalt spielen immer zusammen. Es gibt eine Form, die fast keine Inhalt mehr hat. Je weniger Inhalt vorhanden ist, desto mehr Form tritt in den Vordergrund. Dabei kann man ein Mangel an Inhalt durch Schwärmerei probieren auszugleichen. Statt Mangel an Inhalt kann es auch Unsicherheit sein oder irgend ein anderer Mangel. Schwärmerei kommt stets irgendein Bedürfnis entgegen. Das ist eine neutrale Feststellung aber in einem gesunden Glauben hat Schwärmerei nichts zu suchen.

Schwärmerei in Gemeinden sehe ich in zwei Richtungen passieren: Einerseits eine charismatische Schwärmerei, worin der Heilige Geist Gott ersetzt, andererseits ein Jesus-Kult, worin Jesus den Platz Gottes einnimmt. Beide sind Projektionen. Beide suchen eine Legitimation aus der Bibel abzuleiten. Beide Varianten werden durch das Dogma der Dreieinigkeit begünstigt und beide liegen im Fokus falsch.

Religiösität ist eine Seifenblase

Der Begriff «Glaube» ist recht neutral. Sowohl im Hebräischen wie auch im Griechischen, den ursprünglichen Sprachen der Bibel, geht es um Vertrauen. Etwas zu glauben ist dasselbe wie etwas zu vertrauen. Gott zu glauben heisst also Gott zu vertrauen. Das ist der Basis. Glaube ist nicht kompliziert, benötigt keine Mitgliedschaft irgendwelcher Vereinigung und kommt ganz ohne Theologie aus.

Wann wird dieser einfache neutrale Glauben zum Kult? Das hat mit der religiösen Interpretation, sprich: mit der jeweiligen Gemeindekultur, zu tun. Religiösität ist die Art wie man seinen Glauben Ausdruck verleiht. Es sind Handlungen, Rituale, Gebete, Kirchengang und dergleichen mehr. Damit sagt ein Glaubender: So will ich meinen Glauben leben.

Religiösität ist per Definition nach aussen gerichtet und hat mit dem ursprünglichen Vertrauen nichts zu tun. Jemand kann sehr religiös sein, aber sein Herz bleibt unberührt. Oder gerade umgekehrt: Jemand kann aufrichtig glauben, aber mit Deiner oder meiner Religiösität kann er oder sie nichts anfangen. Dies festzustellen ist völlig wertfrei.

Solche Unterscheidungen zwischen Glauben und Religiösität sind sehr hilfreich, damit wir nicht unsere eigene kleine «Glaubensbubble» als die beste oder ultimative Wahrheit betrachten. Religiösität ist eine Seifenblase. Wie das mit Seifenblasen so ist: Sie schillern in den unterschiedlichsten Farben. Ebenso gibt es wirklich viele Arten, wie Menschen ihren christlichen Glauben sehen, erleben und ausleben. Diese religiöse Ausdrucksformen werden zwar von vielen zelebriert, sind aber nie mit einem eigentlichen Glauben zu verwechseln.

In welcher Kirche ich gehe, ob ich reformiert, katholisch, freikirchlich oder nichts von all dem bin ist nicht relevant. All dies sind Ausdrücke einer Religiösität – und mehr eben nicht. Nirgendwo redet die Bibel in solchen Kategorien. Sowenig ist es relevant ob ich rauche, trinke, Veganer bin oder eben nicht. Stattdessen spricht Paulus beispielsweise über den Frucht des Geistes mit folgenden Worten:

«Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Milde, Gutheit, Treue, Sanftmut, Selbstzucht.»
Gal 5,22

Die Haltung des Glaubens drückt sich nicht im Kirchengang, sondern in der Frucht des Geistes aus. Ob ich jeden zweiten Satz «Jesus» sage hat etwas mit der Kultur zu tun, in der ich stehe. Das ist etwas ganz anderes. Wer sich in einer solchen Projektion von Jesus ergötzt, pflegt seine eigene religiöse Gefühle. Ein Frucht des Geistes wendet sich jedoch ohne Schwärmerei anderen Menschen zu. Religiösität ist auf sich selbst gerichtet. Gelebter Glaube hat anderes zu tun.

Der Wunsch nach Gottesnähe

In Freikirchen findet man keine intellektuelle Distanz, wie sie vielen Landeskirchen prägt. Stattdessen wird eine erlebbare Gottesnähe gepredigt. Im Idealfall wird der Mensch zu einem lebendigen Glauben ermutigt. Freikirchen neigen jedoch dazu in eine Art Jesus-Kult abzudriften.

Woran erkennt man einen Jesus-Kult, wie ich das hier beschreibe? Ganz einfach: In der Predigt, im gemeinsamen Bekennen, im Gebet und vielleicht in jedem zweiten Satz wird «Jesus» oder «Herr» gesagt. Jesus wird zum absoluten Fokus, zum Inhalt, hochstilisiert. Läuten jetzt noch keine Alarmglocken? Nein? Vielleicht steckst Du dann selbst, lieber Leser, tief in diese Gedanken rein. Wenn ich es extrem formuliere: Jesus hat den Platz Gottes eingenommen.

In Gebeten beispielsweise kann der Name Jesus mantra-artig wiederholt werden, fast wie eine Beschwörung. Ich überspitze hier mit Absicht, damit die Konturen klarer erkennbar werden. Es geht nämlich keineswegs um Glaubensbekenntnisse wie sie die Bibel kennt, oder um Gebetsformen, die wir irgendwo in der Bibel zurückfinden. Die Bibel kennt keinen Jesus-Kult. Vielmehr geht es um Handlungen, Gepflogenheiten, Ausdrucksweisen, Glaubenshaltungen, die der Bibel völlig fremd sind und dem sogar widersprechen. Da sich mein Glaube jedoch massgeblich auf die Informationen in der Bibel abstützt, ist ein kritischer Vergleich zur Selbstreflektion angebracht.

Der Wunsch nach einer intensiv erlebten Gottesnähe ist verständlich aber nicht lebenskonform. Es ist leider nicht alles Gottesnähe im Leben. Dass ein Jesus-Kult aus dem Wunsch nach Gottesnähe entsteht, dafür habe ich Verständnis. Aber man stelle sich einmal vor, was passiert, wenn man den ganzen Tag hindurch nur noch den Namen des Lebenspartners vor sich hin flüstert. Wird man dann noch als gesund denkender Mensch wahrgenommen? Oder ist es eher ein obsessives Verhalten?

Wie Glaube zum Kult wird

Wir stecken alle bis zum Hals in Kulten drin. Das ist eine neutrale Aussage. Kirchen und Gemeinden sind von diesen Dingen getragen: Ein gemeinsamer Fokus, genügend Anhänger (der Fanclub), und dann die geprägte Ausdrucksweise, der Kult.

In der Ausprägung des Kultes schlägt sich die gemeinsame Erkenntnis nieder. Es kann die Tradition sein, eine vermeintlich neue Erkenntnis, eine gemeinsame Erfahrung. Kultische Handlungen begünstigen eine Gleichschaltung. Sie vereinfachen auch die Aufnahme neuer «Fans». Jeder kann im Strom mitschwimmen, weil alle wissen wohin es geht. Das kann eine wohltuende Erfahrung sein.

Man steigert sich in ein bestimmtes Bild hinein, damit die ersehnte Gottesnähe heraufbeschworen wird.

Wenn beispielsweise in jedem zweiten Satz das Wort «Jesus» fällt, dann nicht deshalb, weil es die Jünger Jesu so getan hätten (haben sie nicht), sondern weil es gerade dort in dieser einen Gemeinschaft so gelebt wird. Was bewegt Leute dazu, sich so stark auf etwas zu fokussieren? Wie entwickelt sich aus einem nüchternen Glauben etwas zu einem schwärmerischen Kult?

Hier mein Eindruck: Man steigert sich in ein bestimmtes Bild hinein, damit die ersehnte Gottesnähe heraufbeschworen wird. Die unerträgliche Realität der Welt wird so ein Schnäppchen geschlagen. Man steigt sozusagen aus der Welt heraus in eine Nebenwelt, worin alles anders ist.

Jesus-Kult ist ein Versuch Gottesnähe hier erlebbar zu machen. Das geht leider nur zu Lasten eines lebendigen Glaubens. Wer selbstkritisch unterwegs ist wird hier immer eine Spannung spüren.

Die Belebung des Glaubens

Die Belebung des Glaubens ernährt sich nicht aus fixen Vorstellungen, sondern aus einer Auseinandersetzung. Es ist die Erkenntnis, heute irgendwo zu stehen, aber morgen vielleicht zu einem besseren Erkenntnis zu kommen. Die Beziehung steht zentral, keine obsessive Wahrnehmung.

Woraus ernährt sich Dein Glaube? Welche Worte nutzest Du zum Beten. Welche innere Glaubensbilder trägst Du im Alltag in Dir? Dies sind die Dinge, die wichtig sind. Denn alle Bilder, die wir uns selbst von Gott machen, wie gut auch für manche Zeiten, werden in anderen Zeiten keine Tragkraft haben. Mein Verständnis bleibt bruchteilhaft. Mein Vertrauen ist auf Gott, durch Jesus Christus.

Hier geht es weiter: Eigene Bilder lassen sich von der Bibel aus erneuern, korrigieren, beleben.


Jesus-Kult 1

Jesus-Kult 1

Ein schwärmerisches Christentum unter dem Deckmantel des Zeitgemässen?


Jesus! Jesus! In manchen Gemeinden und Kreisen wird jedem Satz ein «Jesus» oder «Herr» vorangestellt oder angehängt. Jesus ist überall. Jesus ist Gott. Jesus ist der Fokus. Es dreht sich alles um Jesus. Vielen fällt das nicht mehr auf, so stark ist man in dieser Kultur drin.

Jesus statt Gott

Verschiedene Freunde in meiner Umgebung haben neuerdings von Freikirchen gesprochen als «Jesus-Kult». Das war stets ernst gemeint und keineswegs herablassend, aber durchaus sehr kritisch. Es sind aber nicht nur Freikirchen, sondern es können auch charismatische oder pietistische Kreise sein, die kaum noch von Gott, dafür immer mehr von Jesus sprechen. Jesus ersetzt Gott.

Aber, wird jemand vielleicht einwenden, das ist doch richtig, denn Jesus ist doch Gott? Dies ist eine Anspielung auf die Lehre der Dreieinigkeit. Sie ermöglicht solche Entgleisungen. Im Jesus-Kult wird Gott von Jesus ersetzt. Jesus wird zur Projektionsfläche religiöser Fantasien. Man steigert sich in eine fiktive Jesus-Figur hinein. Jesus hier und Jesus dort. Solches habe ich immer wieder erlebt. Es ist eine fromme Selbsttäuschung, die zwar den Anschein von Glauben hat, aber mit der Bibel trotzdem nichts am Hut hat. Für mich steht dies in derselben Kategorie wie Maria- und Heiligenverehrungen in der römisch-katholischen Kirche.

Demgegenüber steht das biblische Zeugnis, nüchtern, befreiend, worin Jesus stets auf Gott, Seinen Vater, hinweist, ebenso wie der Vater auf den Sohn hinweist. Sie bedingen einander. Jesus ist «von Gott ausgegangen» (Joh 8,42) und würde auch wieder «zu Gott hingehen» (Joh 13,3). Jesus selbst hat einen Gott und Vater (2Kor 1,3 2Kor 11,31 Eph 1,3 Eph 1,17 Kol 1,3 u.a.). Blenden wir Gott aus, kennen wir Jesus nicht. Deshalb ist die Hochstilisierung von Jesus nicht schriftgemäss.

Einen gesunden Glauben

Wer einen gesunden Glaube pflegen möchte, soll durch Jesus auf Gottes Wirken hingewiesen werden. So wird es im Neuen Testament gelebt und gepredigt. Nichts weniger und nichts mehr ist wichtig.

Jesus ist wichtig, aber ein Jesus-Kult hat keiner gefordert. Einst wird sich jedes Knie beugen und jede Zunge huldigen, dass Jesus Herr ist (Phil 2,9-11). Wenn wir den Namen aber in jedem zweiten Satz erwähnen, ist die Frage berechtigt, weshalb wir das tun.

Möchten wir uns selbst in unserer Unsicherheit hypen?

Der Name Jesus ist kein Mantra und keine Zauberformel. Auch in unseren menschlichen Beziehungen würden wir einander gehörig auf die Nerven gehen, würden wir in jedem Satz den Namen des Gegenüber erwähnen. Warum tun wir es dann in Predigten, Zeugnissen oder Gebeten? Vielleicht gehen wir Jesus damit gehörig auf die Nerven? Weshalb machen wir das? Verleiht das unserem Gebet etwa mehr Gewicht? Oder möchten wir uns selbst in unserer Unsicherheit hypen? Es geht einfacher, nüchterner, befreiter. Wie hier bei Paulus, der Jesus nennt, aber dabei keinesfalls schwärmerisch ist:

«Friede den Brüdern und Liebe mit Glaubenstreue von Gott dem Vater und dem Herrn Jesus Christus! Die Gnade sei mit allen, die unseren Herrn Jesus Christus in Unvergänglichkeit lieben! Amen!»
Eph 6,23-24

Man beachte den Kontext für diese Aussage von Paulus. Es braucht keinen Jesus-Kult, damit wir einen lebendigen Glauben pflegen, Gott gegenüber dankbar sind und Seine Gnade in Christus annehmen.

 

 


Hiob: Ohne Grund

Ohne Grund


Hiobs leiden war «ohne Grund». Was heisst das?

«Und der HERR sprach zu Satan: Hast du acht gehabt auf meinem Knecht
Hiob? Denn es gibt keinen wie ihn auf Erden, – ein Mann so rechtschaffen und redlich, der Gott fürchtet und das Böse meidet! Und noch hält er fest an seiner Rechtschaffenheit. Und dabei hattest du mich gegen ihn aufgereizt, ihn ohne Grund zu verschlingen»

Hi 2,3

Willkür oder Weisheit?

Wir hören nicht gerne, dass Gott «ohne Grund» jemand «verschlingt». Das löst Unbehagen aus. Eine solche Aussage kann uns unter die Haut gehen, wenn wir uns nicht sicher sind, ob Gott wirklich wirkt, ob Er wirklich da ist, und wenn Er da wäre, ob Er auch tatsächlich zu mir steht. Viele Leute haben ein gespaltenes Verhältnis zu Gott. Sollte er nun etwas «ohne Grund» machen, dann ist die verständliche Reaktion darauf, erst einmal schreiend davon zu laufen.

Denn klingt in diesem «ohne Grund» nicht auch etwas von «Willkür» durch? Kann ich mir denn sicher sein, dass Er sich mir annimmt? Oder kann er Seine Haltung auch schon mal ändern, mir gegenüber? Ohne Grund – das verstehen wir schnell einmal als ungerecht.

Genau um diese Fragen geht es im Buch Hiob. Es geht um das Leiden in dieser Welt, das eben gar nicht gerecht ist. Und zutiefst natürlich auch um ein Leiden, das überhaupt da ist, das uns allen in irgendeiner Weise betrifft. Wir wollen kein Leiden. Die meisten Menschen sehnen sich nach Leben und Harmonie. Leiden verunsichert uns. Leiden bringt Fragen hervor, auch Fragen an Gott.

Man vermutet, dass das Buch Hiob das erste Bibelbuch ist, das verfasst wurde. Andere dagegen platzieren das Buch viel später in der Geschichte. Der Text jedoch scheint in der damaligen Welt fest eingebunden zu sein, sowohl von den Orten her als auch vom Leidensverständnis her. Das Buch Hiob setzt sich mit zentralen Fragen des Menschseins auseinander, insbesondere mit Fragen zum Leiden. Diese Fragen sind zeitlos.

Wie wir die Welt sehen

Wohl niemand stand so nahe zu Hiob wie seine Frau. Sie teilt jedoch nicht die Gottesfurcht, die ihn selbst auszeichnet. In Hiobs dunkler Stunde sieht sie ihren Mann am Ende seiner Gottesfurcht und erklärt seinen Glauben an Gott für nichtig:

«Hältst du noch fest an deiner Vollkommenheit? Fluche Gott und stirb!»
Hi 2,9

Darauf antwortet Hiob:

«Wie eine der Törinnen redet, so redest auch du»
Hi 2,10

Mit dieser Torheit deutet Hiob die Gottlosigkeit seiner Frau an. Vergleiche dazu Psalm 10,4, Psalm 14,1, Psalm 53,2. Aus diesen anderen Texten sehen wir leicht, dass dies auch zu anderen Zeiten ein Thema war. Die Haltung von Hiobs Frau ist also kein Einzelfall.

Es gibt verschiedene Arten, wie wir mit dieser Welt und mit unserem Leben umgehen können. Die Leute die uns lieb und nahe sind, teilen jedoch nicht immer die Erkenntnis, die wir selbst haben. Gott kann weit weg erscheinen, sogar für sehr gottesfürchtige Menschen. Gott können wir eben nicht «fühlen», «sehen», «anrufen» oder «whatsappen». Wir können Ihn in dunkler Stunde nicht direkt wie ein Mensch sehen oder treffen. Ehrlich gesagt habe ich Gott noch nie getroffen, wie ich meinen Nachbar treffen kann. Vieles am Glauben ist in bestem Sinne des Wortes «unfassbar». Deshalb wohl spricht Paulus auch von einem «Geheimnis des Glaubens» (1Tim 3,9).

Hiob steht also an einem anderen Ort des Glaubens als seine Frau. Darin ist eine Tragik erhalten, aber auch eine Realität dieser Welt. Hiob blieb bei sich und bei seinem Erkennen und sah über die aktuelle Situation hinaus.

Glauben ist Vertrauen. Auch wenn ich Gott nicht sehe, rechne ich mit Seinem Wirken und Sein. Hiob hatte keine Bibel. Sein Glauben war dennoch tief und aufrichtig. Er vertraute Gott. Am Schluss vom Buch macht Hiob ein Eingeständnis, dass er zuvor Gott eigentlich nur «vom Hörensagen» her kannte (Hiob 42,5). Nichtdestotrotz hat er geglaubt, nach bestem Wissen und Gewissen. Keine Perfektion bringt uns dahin. Keine Perfektion benötigen wir dafür. Gottvertrauen ist keine Leistung, sondern die Ausrichtung des Herzens.

Hiob sah sich nicht genötigt Gott zu verfluchen. Vielleicht kann man es auch so sehen, dass Hiob sich nicht als Opfer von Gott sah. Er stand nicht in einem Drama-Dreieck, wo er Gott als Verfolger und sich selbst als Opfer meinte zu sehen. Auch wenn Fragen kommen, so schiebt er Gott keine Schuld zu.

«Er aber sagte zu ihr: Wie eine der Törinnen redet, so redest auch du. Das Gute nehmen wir von Gott an, da sollten wir das Böse nicht auch annehmen?»
Hiob 2,10

Gott ist Gott. Ich bin ich. Gott kann machen, was Er will, nicht weil er willkürlich wäre, sondern weil Er Gott ist und über allem steht. Gott ist einer anderen Ordnung. Das ist, was Hiob hier sagt: Das Gute und das Böse können wir aus Seinem Hand nehmen. Das ist nicht weil Gott böse mit Dir oder mir wäre, sondern diese Welt ist oft unfassbar – Gott jedoch steht darüber.

Was Hiob und seine Frau unterscheidet ist die Möglichkeit, das Leben auch anders zu sehen. Hiob, obwohl er leidet, hat den Mut Gott einfach Gott sein zu lassen, während seine Frau im Hier und Jetzt und im Sichtbaren denkt. Glaube sieht darüber hinaus.

Hier können wir auch an den Worten von Paulus denken, der – nun in Bezug auf die Gemeinde – schreibt:

«Auch wir selbst, die wir die Erstlingsgabe des Geistes haben, auch wir selbst ächzen in uns, den Sohnesstand erwartend, die Freilösung unseres Körpers. Denn auf diese Erwartung hin wurden wir gerettet. Erwartung aber, die erblickt wird, ist keine Erwartung; denn das, was jemand erblickt – erwartet er das etwa noch? Wenn wir aber erwarten, was wir nicht erblicken, so warten wir mit Ausharren darauf. In derselben Weise aber hilft auch der Geist unserer Schwachheit auf…»
Röm 8,23-26

Hiob hat ebenfalls nichts gesehen. Seine Erfahrung war erschütternd. Dennoch sah er nicht nur sich selbst, sondern er sah eine grössere Realität. Glaube hat nichts mit Verneinung einer aktuellen Not zu tun, sondern damit, ob man sich selbst auch auf andere Art sehen kann. Diese Möglichkeit schenkt uns der Weitblick der Schrift. Am Beispiel von Hiob erhalten wir nicht nur einen Blick auf Gottes Wirken, sondern auch auf die eigene innere Lebenshaltung, die wir pflegen können. Glauben schenkt Weitblick, weil es auf Vertrauen auf Gott gründet, und dies ganz unabhängig davon, was gerade passiert.

Grundlos

Aber wie ist das «ohne Grund» zu verstehen? Wir machen uns selbst Gedanken, aber sind das die Gedanken der Menschen aus der Zeit von Hiob? Hier geht es darum, einmal stillzustehen, damit ich verstehen kann. Das Buch Hiob entstand nicht aus meiner Situation, sondern aus seiner Situation. Will ich verstehen, worum es sich bei diesem «ohne Grund» handelt, reichen meine eigenen Gedanken nicht. Ich muss Hiob selbst zu Wort kommen lassen. Und wir müssen Gott selbst zu Wort kommen lassen. Es geht darum hinzuhören ohne voreilige Schlüsse zu ziehen.

Jakobus hat das Buch Hiob zusammengefasst und schrieb: «Vom Ausharren Hiobs habt ihr gehört und den Abschluss des Herrn gewahrt, da der Herr voll innerstem Erbarmen und mitleidig ist» (Jak 5,11). Der Abschluss des Herrn, also wie Gott am Schluss mit Hiob umging, ist entscheidend. Der Abschluss ist voll innerstem Erbarmen. Hiobs Schicksal wurde gewendet (Hi 42). Das «ohne Grund» aus dem Anfang wird durch den Abschluss mehr als wettgemacht (vgl. Rö 8,18).

Satan hat in seiner Anklage gemeint, dass Hiobs Reichtum und Gesundheit der «Grund» für sein frommes Leben war. In den weiteren Kapiteln kommen die Freunde von Hiob zu Wort. Sie meinen, dass Hiob selbst «Grund» gegeben hat, das Gott das Leiden über ihn gebracht hat. All das trifft aber nicht zu. Es gibt keine Gründe für das, was hier geschah. Hiob hat nichts falsch gemacht. Es war wirklich «ohne Grund», sagt Gott selbst.

«Ohne Grund» ist also nicht eine Willkür Gottes. Hiob hat keinen Anlass zu irgendwelchen Beurteilungen oder Verurteilungen gegeben. Hiob hat gar nichts damit zu tun. Es war neutral betrachtet ohne Grund. Gott spricht Hiob mit diesen Worten frei. Er distanziert sich nicht von ihm, sondern steht im Gegenteil zu ihm! Hiobs Leiden waren nicht durch ihn selbst verschuldet. Sie waren nicht hausgemacht. Allerdings steht zu dieser Zeit Hiob noch voll in seiner Not, und weiss vermutlich nicht, wie es weiter geht.

Die wesentlichen Fragen

Das Buch Hiob ermutigt uns dazu, die wesentlichen Fragen zu stellen. Das Buch quillt nur so über vor Fragen. Es ist das Buch der Fragen schlechthin. Fragen zu stellen ist wichtig. Wir können nicht alles wissen und müssen nicht alles wissen. Wer aber Fragen stellt, hat eine bessere Chance Antworten zu bekommen. Fragen zu stellen ist auch eine Art mit dem Leiden der Welt umzugehen.

Eine Erkenntnis kann sein, dass Gott wirklich Gott ist. Er muss weder denken noch handeln wie wir. Er ist nicht unbeteiligt am Leiden dieser Welt. Er erkennt Hiob sehr wohl, aber Hiobs Situation wird dadurch nicht schlagartig ausgebessert. Gott bietet keine Pflaster für die Wunde. Manchmal ist das Leiden wirklich das: Leiden. Damit stehen wir in der Realität.

Wir stehen aber auch in einer Geschichte. Warten wir ab wie es weitergeht: Die Geschichte von Hiob, unsere Geschichte, die Geschichte Gottes mit dieser Welt. Manches ist grösser als wir anfänglich denken.

Austausch

  • Verstehst Du Gott?
  • Verstehst Du Dich selbst?
  • Was hättest Du gerne geklärt?
  • Kennst Du Leid aus eigener Erfahrung?
  • Handelt Gott ohne Grund? Wie weisst Du das?