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Wenn jemand sein Gottesbild ändert

Wenn jemand sein Gottesbild ändert, wird sich das tiefgreifend auch auf sein weiteres Leben und auf das Verständnis der Gesellschaft sowie jede Art von Beziehung auswirken. Ebenso wird ein besseres Verständnis für das, was ein Mensch ausmacht, sich auf das Verständnis von Gott und Seiner Welt abfärben. Es ist uns gar nicht möglich, diese Dinge gesondert anzuschauen.

Diese drei gehören immer zusammen: Weltbild, Gottesbild und Menschbild. Es ist nicht möglich eines dieser drei Vorstellungen zu ändern ohne gleich auch beide andere zu beeinflussen.

Im Rahmen dieser Betrachtung ist es unerheblich, ob jemand an Gott glaubt oder nicht, oder welche Weltsicht etwa vertreten wird. Glaubt jemand nicht an Gott, dann wird sich dieses «Gottesbild» selbstredend auf Weltbild und Menschbild übertragen. Ebenso gilt: Eine Weltsicht, etwa durch Ideologie oder Politik geprägt, wird sich unmittelbar auf menschliche Beziehungen, Wertschätzung, Sorge oder auf ein Gottesverständnis auswirken. Diese gegenseitige Abhängigkeit ist an und für sich völlig wertfrei. Die Erkenntnis jedoch ist wertvoll. Sie erlaubt einen Blick auf unser eigenes Sein und Werden, und es erlaubt die Frage nach den Gründen unserer Gedanken in einem breiteren Kontext.

Es ist erstaunlich, wenn jemand durch das Hören des Evangeliums oder durch Lesen der Bibel zu einem lebendigen Glauben findet. Wenn Gott das Herz eines Menschen berührt, ändert sich nicht nur sein Gottesverständnis, sondern gleichzeitig auch sein Weltbild und Menschbild. Paulus schreibt, dass wer in Christus ist, dadurch eine neue Schöpfung ist (2Kor 5,17). Da ändert sich etwas. Es geht nicht um ein leeres Lippenbekenntnis, sondern um ein geändertes Leben. Das wirkt sich aus. Wer zu einem lebendigen Glauben findet und Gottes Liebe und Gnade aus eigener Erfahrung beschreiben kann, wird sein eigener Glaube durch Liebe wirksam machen (Gal 5,6). Dann ist die Liebe seine geänderte oder vertiefte Lebenshaltung. Oder mit anderen Worten: Sein Menschbild und Weltbild erhalten durch sein Gottesbild eine neue oder tiefere Ausrichtung.

Leider ist nicht alles immer positiv. Wer mit Menschen nur sehr schlechte Erfahrungen gemacht hat, wird Mühe haben, ein positives Weltbild oder Gottesbild zu erhalten. Für unser Gefühl sind diese Dinge immer ganz nah zusammen. Schlechte Erfahrungen können sich nachhaltig auf unsere (geistliche) Gesundheit auswirken. Wenn beispielsweise der eigene Vater oder die Mutter nie erreichbar, stets abwesend, vielleicht sogar ablehnend oder gewalttätig war, wie soll da ein gesundes Gottesbild entstehen können?

Oder wie ist es mit den Auswirkungen einer Himmel- und Hölle-Lehre? Was für ein Gottesbild ist das? Ein solches Gottesbild geht an keinem spurlos vorüber. Es ändert das Menschbild und Weltbild ebenso wie wenn man befreiend erkennt, dass Gott einst Retter aller Menschen ist (1Tim 4,9-11). Das sind enorme Gegensätze. Das Leben wird durch diese Dinge geprägt. Wer mit einem strafenden Gott aufgewachsen ist, der bis in alle Ewigkeit eine nicht-erfüllbare Gerechtigkeit einfordert und dafür endlose Strafe verhängt und ewig quält, wie soll da ein gesundes Menschbild entstehen können? Das wirkt sich nicht nur auf das persönliche Leben, sondern ebenso auf die Gemeinschaft und in letzter Konsequenz auf die Gesellschaft aus. Die Selbstwahrnehmung einer Gemeinschaft (die “offizielle” Lehre) ist da leider nicht immer kongruent mit den Vorbehalten, erlebten Unsicherheiten und Ängsten der Mitglieder. Oder mit anderen Worten: Es gibt eine Inkongruenz, wobei Weltbild, Gottesbild und Menschbild sowie das eigene Selbstbild nicht übereinstimmen.

Was wir glauben und denken ist nicht ohne Folgen. Es ist wichtig ein gesundes Menschbild, Weltbild und vor allem Gottesbild zu haben. Diese drei Dinge hängen immer zusammen. Harte Lehren machen harte Herzen. Erlebten Missbrauch (ob religiös, sexuell oder emotional) hinterlässt verheerende Spuren in den Leben der betroffenen Menschen. Gerade weil es solche Folgen für unser Verständnis, unser Wohlbefinden, unser Vertrauen und unseren Ausblick hat, sollten wir uns eingehend mit dem auseinandersetzen, was unser Menschbild, Weltbild und Gottesbild prägt. Das könnte unser Selbstbild (die Summe aller Teilen in unserem persönlichen Verständnis) Ausblick und Tiefgang verleihen.

Wie nun lässt sich ein positives und gutes Weltbild, Gottesbild und Menschbild pflegen und unterhalten? Worauf kommt es an? Das soll ein Schwerpunkt für die nächste Folge dieser kurzen Artikelreihe sein.

 

Fragen für eine gemeinsame Vertiefung:

  • Kannst Du diesen Zusammenhang zwischen Weltbild, Gottesbild und Menschbild nachvollziehen? Weshalb (nicht)?
  • Ist das Evangelium der Gnade Gottes hilfreich für eine befreiende Betrachtung dieser Dinge?
  • Beschreibe Dein aktuelles Gottesbild. Siehst Du die Spuren davon in Deinem Leben?
  • Hast Du Dich schon einmal von einem schrägen Menschbild, Weltbild oder Gottesbild «bekehrt»?
  • Wodurch hast Du einen solchen Umkehr machen können?
  • Ist es gesund, sich diese Fragen zu stellen? Weshalb (nicht)?