Der Fall Satans ist ein Hoax

Die Bibel spricht nirgendwo von einem moralischen «Fall Satans».


Der sogenannte «Fall Satans» ist ein Pfeiler traditioneller Theologie. Dieser «Fall» wird auch «Höllensturz» genannt und wird aus ausserbiblischen Quellen abgeleitet. Das Ziel dieser Lehre ist es, den Ursprung der Sünde zu definieren. Die Bibel lässt zwar keinen Zweifel darüber bestehen, dass alles aus Gott ist, aber der Mensch denkt, dass «Sünde» nicht dazugehören sollte. Deshalb soll Satan einmal gut gewesen sein. Irgendwann hat er sich aufgelehnt und so die Abtrünnigkeit erfunden. Der einst makellose Engel sei dann «in Sünde gefallen». Gemeint ist hier also ein «moralischer Fall» und es soll die erste Sünde der Geschichte sein. Dieser «Fall Satans» ist jedoch eine erfundene Geschichte – ein Hoax.

Mit Dreizack und Flammen

Man stellt sich diesen Fall Satans in etwa so vor:

  • Satan war einmal ein perfektes himmlisches Wesen
  • Auflehnung zu Gott führte zu einem moralischen Fall
  • Satan wurde in die Hölle hinabgestossen

Hier entstehen Bilder im Kopf, von einem Satan, der in der Hölle wohnt, in den Flammen steht und einen Dreizack in der Hand hat. Solche Bilder sind der Bibel unbekannt. Die Annahmen jedoch, die zu diesem Bild führen, sind in christlicher Theologie weitverbreitet. Der «Fall Satans» soll vor dem Sündenfall von Adam und Eva stattgefunden haben, da die Schlange (ein Bildsprache von Satan) dort Eva verführte.

Es gibt durchaus unterschiedlich Sichtweisen innerhalb dieser Lehre. Nicht jeder ist der Meinung, dass Satan vom Himmel in die Hölle «umgezogen» ist und nun in der Hölle «wohnt». Man referiert beispielsweise an Hiob 1,6 wo erwähnt ist, dass Satan im Himmel ist. Weil er dort Hiob verklagt, soll diese Sitzung nach dem angeblichen moralischen Fall stattgefunden haben. Es gibt also verschiedene Ausprägungen der Lehre. Was bleibt ist dies: Satan soll für die Sünde verantwortlich sein. Er ist der eigentliche Bösewicht der Geschichte und deshalb ist Gott ausschliesslich gut (ein weiterer Hoax).

Wo Satan fällt

Wenn man die Bibel auf die Lehre prüfen will, soll die erste Frage lauten: Gibt es irgendwo einen Bericht von einem «Fall Satans»? Tatsächlich gibt es eine Stelle, wo Satan aus dem Himmel geworfen wird. Diese Bibelstelle hat jedoch nichts mit dem angeblichen moralischen Fall Satans zu tun. Alles aber der Reihe nach. In der Offenbarung an Johannes finden wir folgende Aussagen:

«Und es entstand eine Schlacht im Himmel. Michael und seine Boten stritten mit dem Drachen, und es stritt auch der Drache und seine Boten. Doch vermochten sie nichts gegen ihn, auch wurde ihre Städte im Himmel nicht mehr gefunden. Dann wurde der grosse Drache, die uralte Schlage, die Widerwirker und Satan heisst, hinabgeworfen. Der die ganze Wohnerde irreführt, wurde auf die Erde geworfen; und seine Boten wurden mit ihm hinabgeworfen. Da hörte ich im Himmel eine laute Stimme sagen: «Jetzt ist die Rettung, die Macht und die Königsherrschaft unserem Gott und die Vollmacht Seinem Christus zuteil geworden! Denn der Verkläger unserer Brüder, der sie vor den Augen unseres Gottes Tag und Nacht verklagte, wurde hinabgeworfen
Offb 12,7-10

Das ganze Buch betrifft eine Vision (Offb 1,1). Das trifft auch für diesen «Rausschmiss Satans aus dem Himmel» zu. Zwar wird hier nicht von einem «Fall Satans» im traditionellen Sinne gesprochen, aber er wird hier zumindest aus dem Himmel auf die Erde «hinabgeworfen». Das ist irgendwie schon nahe dran. Die Tradition spricht jedoch von etwas anderem.

Vergleichen wir die Tradition mit dieser Stelle aus der Offenbarung:

Zeitlich platziert die Tradition den Fall Satans noch vor dem Sündenfall von Adam und Eva. Johannes dagegen spricht von einem Hinabwerfen von Satan auf die Erde (nicht: in die Hölle) als ein zukünftiges Ereignis. Im Buch Offenbarung geht es auch nirgendwo darum, dass Satan einmal gut war und plötzlich die Sünde erfand. Er ist hier – wie an jedem anderen Ort der Bibel – von Grund auf schlecht.

Die Verführung der Christenheit

Die Lehre vom «Fall Satans» ist ein Hoax – eine erfundene Geschichte. Der Begriff «Hoax» wird heute im Internet viel verwendet. Dort kursieren zahllose erfundene Geschichten und «alternative Fakten». Das Problem mit diesen Falschmeldungen ist, dass viele Menschen sie ungeprüft teilen. So verbreiten sich falsche Informationen manchmal wie ein Lauffeuer und richten grossen Schaden an. Viele Falschmeldungen werden bewusst zur Desinformation und Beeinflussung von Massen genutzt. Mit manchen theologischen Ideen ist das nicht anders.

Für viele Christen ist die Lehre vom Fall Satans ein biblischer Tatbestand, den man unvoreingenommen einfach glauben sollte. Diese Sicht ist aus vielen Gründen problematisch. Nicht nur steht von dieser Lehre gar nichts in der Bibel, sondern wer meint, dass wir unser Denken nicht einschalten sollten? Kadavergehorsam gegenüber der Tradition soll empfehlenswert sein? Es gilt hier zu unterscheiden zwischen «Erklärungsversuchen» und «Aussagen der Bibel». Die Lehre ist ein Erklärungsversuch von Theologen, keine Aussage der Bibel.

Wir können es grossartig finden, dass sich in vergangenen Zeiten Menschen mit diesen Fragen auseinandergesetzt haben. Deswegen müssen wir aber nicht ungeprüft hinnehmen, was sie damals gedacht haben. Wir werden nicht alles erklären können aus der Bibel, aber zumindest kann man unterscheiden zwischen Dingen, die in irgendeinem Kontext tatsächlich geschrieben sind und solchen Dingen, die nirgendwo erwähnt werden. Danach kann man versuchen zu interpretieren.

Möchten man sich dem Thema von der Bibel her annähern, helfen diese zwei Fragen:

  1. Wird diese Lehre mit klaren Worten unmissverständlich in der Bibel erwähnt oder wird sie nur hineininterpretiert?
  2. Was finden wir zum Thema in der Bibel?

Die erste Frage sucht Aussagen die klar den angenommenen Tatbestand ausdrücken. Keine Bildsprache, keine Andeutungen, die keiner versteht, sondern unmissverständliche direkte Aussagen. Wenn es ein wichtiges Thema in der Schrift ist, müssen diese Dinge vorhanden sein. Ansonsten ist die Lehre kein Thema in der Bibel. Auf diese Art gewinnt man einen ersten Eindruck und sammelt Informationen. Schritt für Schritt lässt sich so ein besseres Verständnis erarbeiten. Dieses Vorgehen ist ganz anders als die Lehre oft präsentiert wird. Studien zum Thema gehen häufig von einem ganz bestimmten Mix an blinden Annahmen aus:

  1. Man geht ungeprüft davon aus, dass diese Lehre stimmt. Das ist die unverrückbare Ausgangslage.
  2. Man zitiert Jesaja 14 und Hesekiel 28, um daraus diesen angeblichen Fall zu fabrizieren.
  3. Es gibt Folgerungen über verschiedene weitere Texte.
  4. Direkte Aussagen der Bibel zum Thema werden vermieden.

Ich habe diese Art der Darstellung meist als ein Wiederkäuen alter Ansichten empfunden. Erkennt man einmal, wie die Lehre «bewiesen» wird, ist der Weg für eine nähere Prüfung frei. Die erwähnten Bibelstellen werden in folgenden Beiträgen näher angeschaut. In diesem Beitrag geht es darum, die grundsätzliche Annahmen sichtbar zu machen, womit gearbeitet wird. Diese stehen in einem direkten Kontrast mit der Bibel selbst, wozu gleich nachher einige Texte zitiert werden.

Satan sündigt «von Anfang an»

Die Lehre von einem «Fall Satans» geht davon aus, dass bei diesem Fall der Ursprung der Sünde gesucht werden muss. Das Wesen, das später zum Teufel wurde, wäre vorher ein makelloses und sündenfreies Wesen gewesen. Diese Annahme liest sich jedoch an keiner einzigen Stelle in der Bibel. Sie wird zwar in Jesaja 14 und Hesekiel 28 hineininterpretiert, aber in diesen beiden Kapiteln wird mit keinem Wort von Satan gesprochen. Auf diese beiden Kapitel kommen wir noch in separaten Beiträgen zu sprechen.

Ist es nun so, dass Satan irgendwann angefangen hat zu sündigen und war er vorhin tadellos? Nein. Johannes schreibt:

«Der Widerwirker sündigt von Anfang an.»
1Joh 3,8

Dies ist das Zeugnis der Schrift. Es ist eindeutig. Satan hat von Anfang an gesündigt und nicht erst später damit angefangen. Nicht nur fehlt also jede Spur eines angeblichen Fall Satans als Geschichte oder Beschreibung, sondern es gibt Bibelstellen, die diese Annahme direkt widersprechen. Johannes sagt jedoch noch mehr zum Widerwirker.

«Ihr seid von dem Vater, dem Widerwirker, und wollt nach den Begierden eures Vaters handeln. Derselbe war ein Menschentöter von Anfang an und hat nicht in der Wahrheit gestanden, weil keine Wahrheit in ihm ist.»
Joh 8,44

Johannes kennt keinen Fall Satans, kein Lichtwesen, das einen Fehltritt gemacht hat und in Sünde gestürzt ist. Dieser Satan war ein Problemfall «von Anfang an». Dazu erwähnt der Apostel auch noch, dass dieser Widerwirker «nicht in der Wahrheit gestanden hat». Es gab keine gute alte Zeit, sondern der Widerwirker war von Anfang an ein Widerwirker. Das ist sein Wesen. Es ist keine Wahrheit in ihm.

Es braucht Mut und Geduld, etwas zu prüfen

Wenn man auf diese Weise Schritt für Schritt untersucht, was an einer Aussage dran ist, braucht das Mut. Man muss bereit sein, bestehende Gedanken in konkreten Fragen umzuwandeln, um diese dann nachzuprüfen. Wird man nicht konkret, gelingt auch keine Prüfung. Erhält man auf konkrete Fragen nun auch konkrete Antworte, kann das Erstaunen oder gar Bestürzung auslösen. Erneut braucht es Mut, sich auf den Text einzulassen. Es gilt nun weitere Fragen zuzulassen und nicht sofort eine bekannte Antwort hineinzuprojizieren. Nach und nach gewinnt man einen Einblick zu dem, was tatsächlich geschrieben und erlangt ein Verständnis für breitere Zusammenhänge.

Dieser Prozess ist anspruchsvoll und keinesfalls fehlerfrei. Wer sich so mutig auf den Weg macht, läuft auch mal eine falsche Fährte nach. Dann kann man umkehren und den Faden dort aufnehmen, wo man ihn verloren hat. Neugierig bleiben hilft dabei, sich unvoreingenommen auf den Text einzulassen. Was geschrieben steht (z.B. Satan hat von Anfang an gesündigt) kann in direktem Kontrast zur Lehre stehen (Satan war am Anfang gut und makellos). Diese Unterschiede muss man sich erst einmal bewusst machen und erst dann lässt sich nach weiteren Hinweisen suchen, wie es in der Bibel geschrieben steht.

Der Fall Satans ist ein Hoax. Damit ist gesagt, was es nicht ist. Es müssen noch weitere Schriftstellen näher betrachtet werden, wie beispielsweise die erwähnten Stellen in Jesaja und Hesekiel. Auch benötigt es eine positiv formulierte Erkenntnis über das, warum es hier wirklich geht.

Stay tuned.