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Zeitbegriffe in der Bibel

Wir kennen viele Zeitbegriffe aus unserem Tagesablauf, wie Stunden, Tage, Wochen oder Jahre. In der einfachsten Form sind dies klar definierte Zeitbegriffe, die sich auf unseren Uhren und in den Kalendern nachlesen lassen. Damit ist aber nicht alles gesagt. Auch diese einfache Begriffe kennen Anwendungen in übertragenem Sinne.

  • Stunde
    Eine übertragene Anwendung gibt es beispielsweise, wenn Jesus sagt «Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen» (Joh 2,4). Hier ist «Stunde» ein Sinnbild dafür, das Jesus auf die «richtige Zeit» wartete.
  • Tag
    Sowohl im Alten als auch im Neuen Testament wird häufig auf den Tag des Herrn verwiesen. «Heult! Denn der Tag des Herrn ist nahe; er kommt wie eine Verwüstung von dem Allmächtigen! Deshalb werden alle Hände schlaff, und das Herz jedes Sterblichen zerschmilzt. Sie sind bestürzt; Krämpfe und Wehen ergreifen sie, sie winden sich wie eine Gebärende; einer starrt den andern an, ihre Angesichter glühen. Siehe, der Tag des Herrn kommt, unbarmherzig, mit Grimm und Zornglut, um die Erde zur Wüste zu machen und die Sünder daraus zu vertilgen.» (Jes 12,6-9). Dies ist (u.a.) ein Tag des Gerichts, also eine Zeit mit einem bestimmten Charakter. Petrus nennt diesen Tag, aber auch noch den darauf folgenden Tag Gottes: «Es wird aber der Tag des Herrn kommen wie ein Dieb in der Nacht; dann werden die Himmel mit Krachen vergehen, die Elemente aber vor Hitze sich auflösen und die Erde und die Werke darauf verbrennen. Da nun dies alles aufgelöst wird, wie sehr solltet ihr euch auszeichnen durch heiligen Wandel und Gottesfurcht, indem ihr das Kommen des Tages Gottes erwartet und ihm entgegeneilt, an welchem die Himmel sich in Glut auflösen und die Elemente vor Hitze zerschmelzen werden!» (2Pt 3,10-12).
  • Woche
    Der Begriff «Woche» wird vom Prophet Daniel in einem erweiterten Sinne genutzt: «Siebzig Wochen sind über dein Volk und über deine heilige Stadt bestimmt» (Dan 9,24). Woche heisst wörtlich «Siebener», sodass 70 Siebener, nämlich 70×7 Jahre gemeint sind oder Perioden von 490 Jahren. Es ist hier eine prophetische Zeitangabe.

Es lassen sich noch viele weitere Beispiele und Ausdrücke nennen. Jesaia spricht beispielsweise: «Ich sagte: In der Mitte meiner Tage soll ich hingehen zu den Pforten des Scheols. Ich bin beraubt des Restes meiner Jahre» (Jes 38,10). Es geht hier weder um eine genaue Uhrzeit, noch um eine exakte Anzahl Jahre. Es sind Ausdrücke womit der Schreiber seinen Stand im Leben und den Rest seines Lebens andeutet.

Weitere Zeitbegriffe

Ausser die Zeitbegriffe, welche uns aus dem Tagesablauf bekannt sind, gibt es auch eine Vielzahl Wörter, die eine eher allgemeine Anwendung haben: Generationen, Zeiten, Fristen, Verwaltungen und eben – Äonen. Alle diese Begriffe sind Zeitangaben und sie werden auch so genutzt. Hier einige Beispiele, nicht erschöpfend dargestellt, als Hinweis auf die Vielfalt:

  • Generationen
    «Wach auf wie in den Tagen der Vorzeit, wie bei den längst vergangenen Generationen» (Jes 51,9)
  • Zeiten
    «Und sichere Zeiten wirst du haben: Fülle von Heil, von Weisheit und Erkenntnis. Die Furcht des HERRN, sie wird sein Schatz sein.» (Jes 33,6)
  • Fristen
    «Er ändert Zeiten und Fristen, er setzt Könige ab und setzt Könige ein» (Dan 2,21)
  • Verwaltungen
    «… Für eine Verwaltung der Vervollständigung der Fristen» (Eph 1,10). «… Wenn ihr nämlich von der Verwaltung der Gnade Gottes gehört habt, die mir für euch gegeben ist» (Eph 3,2).
  • Äonen (die «Ewigkeiten»)
    «Christus, der Sich Selbst für unsere Sünden hingegeben hat, damit Er uns aus dem gegenwärtigen bösen Äon herausnehme» (Gal 1,4). «Sage uns, wann wird diese sein, und welches ist das Zeichen Deiner Anwesenheit und des Abschluss des Äons?» (Mt 24,3). «Nun, in dieser Frist… und im kommenden Äon äonisches Leben…» (Mk 10,30). «Die aber für würdig geachtet werden, jenes Äons und der Auferstehung ausden Toten teilhaftig zu werden, die…» (Lk 20,35).

Zeit, nicht Ewigkeit

Alle diese Wörter sind Zeitbegriffe. Dass nun das hebräische «olam» oder das griechische «aion» Zeitlosigkeit darstellen sollte, oder Endlosigkeit, ist bereits aus den wenigen Zitaten hier oben widerlegt. Vielmehr handelt es sich hier ebenfalls um Zeitbegriffe. Es gibt einen gegenwärtigen Äon, einen kommenden Äon, und wenn der gegenwärtige Äon abgeschlossen wird, dann spricht Jesus seine berühmte «Endzeitrede» (Matthäus 24-25), die wohl kaum das Ende der Zeit, bestimmt aber den Abschluss des aktuellen Äons beschreibt.

Die Hebräer haben sich mit Zeitbegriffen, und nicht mit Endlosigkeiten befasst. Äonen sind Zeitalter. Das kommende Zeitalter war besonders wichtig. Von diesem kommenden Zeitalter sprach Jesus in den Evangelien. Es war die Ankündigung des messianischen Reiches. Der kommende «Olam» oder der kommende «Äon» ist der Ausblick der Evangelien und es ist die Zeit der Erfüllung der meisten Verheissungen an Israel. Es ist das messianische Zeitalter. Alles was «ewig» genannt wird in den Evangelien, hat mit diesem «Königreich der Himmel» zu tun.

Was jedoch danach geschieht, das wird in den Evangelien nicht erklärt. Möchten wir wissen, wie es weiter geht, dann müssen wir bei Johannes nachschauen. In der Offenbarung wird ein weiterer Ausblick bestätigt, wovon auch Jesaja bereits etwas gesehen hat: Es wird nach dem messianischen Reich noch neue Himmel und eine neue Erde geben. Aber auch das ist nicht das Ende. Die Bibel lässt uns noch weiter schauen. Nicht jeder hat denselben Einblick, oder denselben Ausblick. Nicht jeder beschreibt das Ende aller Zeiten. Manchmal geht es nur um den Abschluss von diesem aktuellen Äon. Nicht das Ende der Welt, sondern das Ende des aktuellen Zeitlaufs, des aktuellen Zeitalters.

Denn auch beim Wort, das fälschlicherweise mit Ewigkeit übersetzt wurde, handelt es sich um einen Zeitbegriff.