Zur Einführung

Die «Ewigkeit» im Sinne einer Endlosigkeit, die gibt es in der Bibel nicht.

Was viele Menschen sich heute unter «Ewigkeit» vorstellen, ist in der biblischen Berichterstattung unbekannt. In unserem traditionellen Verständnis geht es bei Ewigkeit vielleicht am ehesten um eine endlose Dauer. Das Wort «Ewigkeit» wird quantifiziert. Es erhält eine exakte Dauer, nämlich «endlos».

Für den Hebräer jedoch, die Bibelschreiber und Zuhörer waren, hatte es diesen Klang nicht. Sie kannten kein Wort für eine endlose Dauer. Mit dem hebräischen «olam» oder dem griechischen «aion» wurde selbstverständlich eine Dauer ausgedrückt, aber sie war nicht quantifiziert und eben auch nicht endlos. Sie durfte lange dauern, aber ein Ende hatte jede Ewigkeit. Sie haben sich nicht um die Quantität, sondern eher um die Qualität der Aussage gekümmert. Die «Ewigkeit», das war die «Lebenszeit». Im messianischen Kontext war die zukünftige Ewigkeit einfach das kommende messianische Zeitalter.

Das «ewige» Leben, das war das Leben derer, die an diesem messianischen Zeitalter Anteil haben würden. Es war das Leben des kommenden Zeitalters. Wie lange das dauern würde, oder was danach geschieht, das war kein Thema der Aussagen.

«Wahrlich, Ich sage euch: Da ist niemand, der sein Haus, Frau oder Geschwister, Eltern oder Kinder wegen des Königreichs Gottes verlassen hat, der es nicht auf jeden Fall in dieser Frist vielfältig wiedererhält – und im kommenden Äon äonisches Leben»
Lk 18,29-30

Oder, mit anderen Worten: «Ihr werdet dabei sein, wenn das Königreich einmal aufgerichtet wird. Ihr werdet in diesem kommenden Zeitalter das Leben dieses Zeitalters erhalten – mit allem, was dazu gehört». Wenn Jesus in den Evangelien vom Königreich der Himmel spricht, geht es um die Erfüllung messianischer Verheissungen. Konsequent nach der Tradition übersetzt, müsste es in diesem Vers jedoch heissen: «und in der kommenden Ewigkeit ewiges Leben». Das aber widerspricht dem Verständnis einer einzigen endlosen Ewigkeit.

Es ist erstaunlich, was man entdeckt, wenn man die biblischen Begriffen nachspürt und sieht, wie sie tatsächlich in der Bibel verwendet werden. Es braucht zur Nachforschung sowohl einen kritischen Blick auf die Übersetzungen, als auch auf die Interpretationen, die an bestimmte Verse verknüpft werden. Ich hoffe zu beiden Dingen einige Gedanken beizusteuern.

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