Es war etwas kompliziert, aber jetzt wurde es vereinfacht. Wie Paulus hier über Neuerungen für die Gemeinde schreibt ist umwerfend neu. Es begründet die heutige Gemeinde und wie sie strukturiert ist. Bis Paulus dies schreibt war das nicht restlos geklärt. Deswegen ist dieser Brief so bedeutsam.

Es geht um Geheimnisse. Speziell geht es im Epheserbrief um «das Geheimnis des Christus». Das ist nicht geheimnisvoll, sondern offenbart. Wenn Paulus über Geheimnisse spricht, macht er etwas bekannt. Es betrifft dann Dinge, die zwar vorher unbekannt waren, die aber jetzt geoffenbart werden. Man könnte Geheimnisse deshalb auch so umschreiben: Brandneu und unerhört.

Die Entwicklung im Epheserbrief

Im Epheserbrief lesen wir von Paulus als Apostel Christi Jesu durch den Willen Gottes. Er schreibt an «alle Heiligen, die auch Gläubige in Christus Jesus sind» (Eph 1,1).  Alsbald beginnt er über den geistlichen Segen zu sprechen, den wir in Christus erhalten haben (Eph 1,3). Das ist der Auftakt zum Brief.

  • Kapitel 1
    Im ersten Kapitel zeigt der Apostel, wie sehr wir in Christus gesegnet sind. Das ist nicht sichtbar, sondern im Glauben erkennbar. Das ist die Verkündigung, die in unser Leben eine Resonanz bewirkt. Wir erkennen dann Gottes Werk in Christus und wissen uns an dem Ort gesegnet.
  • Kapitel 2
    Im zweiten Kapitel beschreibt Paulus die zwei Gruppen in der Gemeinde, nämlich Gläubigen sowohl aus dem jüdischen Volk wie aus den übrigen Nationen. Bereits diese Zusammenstellung war neu, denn wer zum Gott Israels gehören möchte, sollte vor dieser Zeit sich als Proselyten dem Volk Israel zuwenden. Das jedoch passiert bei Paulus nicht. Es gibt in diesem Brief etwas Neues, die Enthüllung eines Geheimnisses, das weder Jesus in den Evangelien noch die zwölf Apostel im übrigen Testament erwähnt haben. Das Neue betrifft speziell den Gläubigen aus den Nationen, die bis dahin beim Gott Israels keinen eigenen Status hatten. Paulus klärt das jetzt auf und schreibt, «Er macht uns zusammen lebendig in Christus (in der Gnade seid ihr Gerettete), Er erweckt uns zusammen und setzt uns zusammen nieder inmitten der Überhimmlischen in Christus Jesus … Darum seid dessen eingedenkt, dass einstmals ihr aus den Nationen dem Fleische nach Unbeschnittene genannt von der sogenannten Beschneidung …» (Eph 2,6-11). Kein Proselytentum, sondern die Nationengläubigen stehen gemeinsam und gleichwertig mit den jüdischen Gläubigen in der Gemeinde.
  • Kapitel 3
    Die Enthüllung betrifft also die Offenbarung neuer Dinge für die Gläubigen aus den Nationen. So beginnt Paulus auch den dritten Kapitel mit den Worten: «Mithin bin ich, Paulus, der Gebundene Christi Jesu für euch, die aus den Nationen – wenn ihr nämlich von der Verwaltung der Gnade Gottes gehört habt, die mir für euch gegeben ist, da mir durch eine Enthüllung das Geheimnis bekanntgemacht wurde (so wie ich gerade vorher in Kürze schrieb, woran ihr beim Lesen mein Verständnis für das Geheimnis des Christus begreifen könnt, das in anderen Generationen den Söhnen der Menschen nicht bekanntgemacht wurde, wie es nun Seinen heiligen Aposteln und Propheten enthüllt wurde.» (Eph 3,1-5). Paulus, als Apostel der Nationen, kam zu den Nationen mit einer besonderen Botschaft der Gnade, womit er betraut wurde. Diese Botschaft hat nicht nur Gnade als Inhalt, sondern sie spricht auch vom Geheimnis des Christus. Das ist die Gleichschaltung aller Gläubigen innerhalb der Gemeinde. Schritt für Schritt führt der Brief dorthin. Es ist alles brandneu. Wie hat diese Botschaft wohl die ersten Leser berührt?

Im Geist

Wie Paulus den Epheserbrief mit einer Betonung auf geistlichen Segen und einen Reichtum in Christus hinwies, kommt er jetzt wieder darauf zurück und beschreibt das Geheimnis des Christus wie folgt:

«Im Geist sind die aus den Nationen

    • gemeinsame Losteilinhaber und eine
    • gemeinsame Körperschaft und
    • gemeinsame Teilhaber der Verheissung in Christus Jesus.»

Eph 3,6

Gemeinsam mit den jüdischen Gläubigen, wie aus dem bisherigen Text ersichtlich wurde. Paulus spricht hier an die Gemeinden und erkennt darin zwei Gruppen (Juden und Nichtjuden), die jetzt auf gleicher Ebene sind. Sie sind gemeinsame Losteilinhaber, eine gemeinsame Körperschaft und gemeinsame Teilhaber der Verheissung in Christus Jesus. Bedeutsam, dass dies alles «im Geist» ist.

Diese Botschaft war neu im Licht der bis dahin bekannten Möglichkeiten (Proselytentum) und klärend im Licht der Unklarheit in den Gemeinden, die Paulus gründete. Unklarheit? Bis dahin waren die Nationengläubigen zwar Teil der Gemeinden, aber es gab auch stetig Fragen nach der Bedeutung der Thora und dem Halten der Geboten und Verboten. Logisch, das war für die jüdischen Gläubigen bekanntes Terrain. Möglich leiteten sie daraus Vorteile ab; die Auseinandersetzungen finden ein Abbild in den Gemeindebriefen. Paulus hat die Vorteile durch Abstammung bewusst aussen vor gelassen und nur auf Christus hingewiesen. Das war eine Abweichung des Bekannten und eine Neuerung der Ausgangslage.

Diese geistliche Realität war nicht etwa von gesellschaftlichen Normen oder Abstammung abhängig. Es gibt keine Vorteile für Juden aufgrund Ihrer Abstammung und keine Benachteiligung für die Nationengläubige aufgrund Ihrer Abstammung. Beide Gruppen in der Gemeinde sind Teil derselben Körperschaft und alles, was sie als Segen und Status haben gilt beiden Gruppen. Es ist die Gleichschaltung aller Gläubigen in der Gemeinde, unabhängig von sozialem Status, Geschlecht oder Abstammung.

Das Geheimnis des Christus

Paulus nennt hier «das Geheimnis des Christus». Das tönt fast so, als gab es auch «das Bekannte von Christus». Denken wir kurz darüber nach. Bekannt war vieles: In den Evangelien lesen wir über Jesus. Die zwölf Apostel in Jerusalem bauen eine Gemeinde. Das könnten wir als das Bekannte von Christus erkennen. Es handelte sich um Israels Erwartungen, den erkannten Messias und um die Verheissungen eines messianischen Reiches. Trotzdem gab es noch unbekannte Dinge. Darüber haben weder Jesus noch die zwölf Apostel gesprochen. Das Geheimnis des Christus, darüber spricht nur Paulus.

Dieses Geheimnis wurde enthüllt, nämlich bekanntgemacht, und es hat die Gemeinde, die Paulus ausrief, eine neue innere Klarheit gegeben. Ein Knote wurde gelöst. Es gab eine neue Ausrichtung. Das Geheimnis des Christus ist die geistliche Gleichschaltung von Juden und Nichtjuden innerhalb der Gemeinde, auch wenn es ausserhalb der Gemeinde noch Unterschiede gab. Man denke etwa an die Selbsteinschätzung von Paulus in Phil 3,4-7, der zwischen Abstammung und geistlicher Realität gut unterscheiden kann.

Die Auswirkung dieser Aussagen ist riesig. Das heutige Verständnis der Kirche als «Gemeinde aus allen Nationen», worin «alle Menschen gleichwertig und gemeinsam gesegnet sind» gab es vor dem Epheserbrief nicht in dieser Klarheit. Mit anderen Worten: Die Ausprägung der heutigen Gemeinde beginnt mit dem Epheserbrief. Als dieser Brief erschien war das brandneu und unerhört.

Jesus und Paulus – sagen sie dasselbe aus?
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