Gleich nach Absender und Anrede finden wir im zweiten Vers vom Epheserbrief eine Grussformel:

«Gnade sei euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!»
Eph 1,2

Die Grussformel ist ein Segenswunsch. Gnade und Friede stehen bei allen Paulusbriefen gleich am Anfang. Dabei ist es egal, wie schwierig die Situation in der Gemeinde ist, oder ob es sich um einen persönlichen Brief handelt. Paulus beginnt an jedem Ort mit «Gnade und Friede». In wenigen Briefen fügt er dann noch das Wort «Erbarmen» hinzu.

Gnade und Friede

Grundlage und Auswirkung

Man stelle sich vor, wie man die eigene Kommunikation prägt, wenn man mit so positiven Aussagen beginnt. Paulus stellt die Wörter «Gnade und Friede» jedoch nicht in einen luftleeren Raum. Es ist keine blutleere Formel. Es geht nicht um wohlgemeinte Ratschläge für den Alltag. Sein Zusammenhang ist seine Zuversicht, die durch die nachfolgende Aussage geprägt ist. Gnade und Friede sind:

«… von Gott, unserem Vater,
und dem Herrn Jesus Christus.»
Eph 1,2

Gnade und Friede haben eine Quelle. Der Apostel bezieht den Segensgruss auf den Ursprung von Gnade und Friede und verweist an Gott (welcher ist: unser Vater) und den Herrn (welcher ist: Jesus Christus). Gnade und Friede haben alles mit dem Evangelium der Gnade zu tun, womit Paulus betreut war (Apg 20,24; Eph 3,2). Friede ist das Resultat erhaltener Gnade und ein prägendes Element in allen seinen Briefen. Friede ist auch Teil der neunfachen Frucht des Geistes (Gal 5,22) und das, was Paulus in den Gemeinden vor Augen hatte (Eph 6,23).

Der Segensgruss beschreibt, mit welcher Haltung der Apostel diesen Brief schreibt. Seine Worte sollten von Gnade und Friede bezeugen, sogar dann, wenn er eine klare Stellungnahme macht. Er will nicht einfach «lieb sein» und geht in seinen Briefen und darüber hinaus keine Konfrontation aus dem Weg (). Das ist auch ein Vorbild für uns. Den Philippern schreibt Paulus etwa:

«Werdet meine Mitnachahmer, Brüder, und achtet auf die, die so wandeln, wie ihr uns zum Vorbild habt.»
Phil 3,17

Gnade und Friede sollten demnach auch unser Handeln prägen. Das ist kein charakterloses «lieb sein», sondern eine Haltung, von Liebe und deshalb auch von Klarheit geprägt. Paulus hat seiner Klarheit keinen Abbruch getan, als er von Gnade und Frieden erzählte, sondern wusste sich abzugrenzen und durchzusetzen, wenn seine Aufgabe das erforderte (2Kor 10,10-11).

Gott und Herr sind zwei

Diese Grussformel bezeugt noch etwas anderes. Das wird schnell übersehen, wenn man nicht sorgfältig mitliest. Paulus nennt hier zwei Personen als Ursprung für Gnade und Friede:

  1. Gott, nämlich der Vater
  2. Herr, nämlich Jesus Christus.

Es dürfte daraus klar sein, dass nur der Vater Gott ist. Ähnlich schreibt Paulus an vielen anderen Orten und erwähnt Gott und der Herr als zwei verschiedene Personen. Gott ist kein Eigenname, sondern eine Funktion. In absoluter Form betrifft das nur den Vater. Nur Er ist absolut Gott. Nur Er ist Gottheit. Das trifft nur für den Vater zu. Ebenso gibt es nur einen Herrn, nämlich Jesus Christus. Auch dort gibt es keine Verwechslung.

Es gibt nur einen Gott, nämlich der Vater, und nur einen Herrn, nämlich Jesus Christus (1Kor 8,6). Wer von klein auf mit der fantasiereichen Lehre einer Dreieinigkeit erzogen wurde, liest schnell über diese Hinweise hinweg. Paulus verwirrt die Bezeichnungen jedoch nie. Natürlich ist Epheser 1,2 bloss eine Grussformel und keine Lehre. Es widerspiegelt sich jedoch darin, was für den Apostel logisch war. Nirgendwo wird im Neuen Testament eine Dreieinigkeit bezeugt. Wie es ist, beschreibt Paulus jedoch an vielen Orten, wie hier: Gott ist Einer. Gott ist der Vater. Es ist sogar so, dass auch Jesus einen Gott und Vater hat, wie gleich im nächsten Vers bezeugt wird (Eph 1,3).

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