Gerade hat Paulus von der Auserwählung gesprochen (Eph 1,4). Damit erklärte er, dass Gott am Werk ist. Gott erwählt und hat dabei ein Ziel vor Augen. Jetzt wechselt er die Perspektive und spricht von der Liebe, die uns darin begegnet. Es ist der Beweggrund, woraus die Auserwählung erfolgte.
Der Text
In Epheser 1,5 schreibt Paulus:
«In Liebe
hat Er uns für Sich zum Sohnesstand durch Christus Jesus vorherbestimmt,
nach dem Wohlgefallen Seines Willens,
zum Lobpreis der Herrlichkeit Seiner Gnade, die uns
in dem Geliebten begnadet.»
Der Vers beinhaltet eine Umkehrung der Themen. Zu Anfang heisst es, dass wir «in Liebe vorherbestimmt» sind, was sich darin spiegelt, dass wir «in dem Geliebten begnadet» sind. Die Liebe umschliesst diesen Vers. Besser noch: Es hat alles mit dem von Gott geliebten Sohn zu tun, worin wir begnadet sind. In diesem Sohn erhalten wir die Verheissung des Sohnesstandes.
Es gibt weitere Parallelen im Text: Gott hat uns vorherbestimmt, damit wir zum Lobpreis der Herrlichkeit Seiner Gnade sind. Gott ist der Handelnde. Wir sind jedoch inbegriffen. Gott tut etwas an uns und für uns, und Er tut das für Sich Selbst. Nicht wir, sondern Er steht im Zentrum. Der zentrale Satz ist, dass dies «nach dem Wohlgefallen Seines Willens» ist.
Die Gemeinde aufbauen
Paulus schreibt hier an die Gemeinden in einem Rundbrief. Seine Worte sollten einen Zuspruch formulieren. Paulus baut die Gemeinden auf. Er sagt und schreibt, was nötig ist und weiterführt. Der Apostel betont die Wirkung Gottes. Nicht der Mensch steht zentral, sondern Gott selbst. Gott hat einen Geliebten, das ist Christus Jesus. In Ihm sind wir gesegnet. Wir sind in dem Geliebten begnadet. Das Ziel ist nicht, dass es uns wohlig warm ums Herz wird, sondern dass wir uns als Teil von Gottes Handeln verstehen. Vielleicht freuen wir uns daran, und es wird uns wohlig warm ums Herz, aber das ist ein Nebeneffekt, nicht das Hauptanliegen.
Heute könnte man es vielleicht so sagen: Es lohnt sich, dass wir glauben, weil unser Gott Gutes mit uns vorhat. Das Gute kommt zu uns durch und in Seinen Sohn. Sein Ziel ist nicht unser Wohlbefinden, aber wir sind in seinem Wirken inbegriffen. Wir gehören dazu.
Gott hat uns vorherbestimmt
Paulus spricht von sich selbst und von seinen Zuhörern. Gott hat «uns» vorherbestimmt. Darin ist eine Verheissung enthalten. Die Vorherbestimmung macht keinen Sinn, wenn es bereits erreicht ist. Es ist deshalb ein Ausblick nach etwas, das vor uns liegt. Paulus verweist auf die Zukunft, damit er der Gemeinde in der heutigen Zeit eine Richtung mitgeben kann.
Was liegt vor uns? Das ist der Sohnesstand durch Christus Jesus. Er fasst das auf andere Art zusammen, indem er sagt, dass dies «zum Lobpreis der Herrlichkeit Seiner Gnade» ist. Auch das liegt vor uns, sozusagen als Auswirkung von Gottes Handeln.
Sohnesstand
Der Begriff «Sohn» sagt mehr aus als «Kind». Kinder sind noch unmündig (Gal 4,1). Durch einen erwachsenen Sohn jedoch baut der Vater sein Haus. Vergleiche dazu auch den folgenden Beitrag:
Der Begriff «Sohnesstand» verweist auf eine Zukunft, auf eine Position, wo hindurch Gott Sein Ziel erreicht. So wie es Paulus etwas weiter im Epheserbrief beschreibt:
«Alles ordnet Er (Gott) unter, Ihm (Christus) zu Füssen; und Ihn gibt Er als Haupt über alles der herausgerufenen Gemeinde, die Seine Körperschaft ist, die Vervollständigung dessen, der das All in allem vervollständigt.»
Eph 1,22-23
Im Römerbrief hatte Paulus bereits darauf hingewiesen, dass wir «die Erstlingsgabe des Geistes haben» und «den Sohnesstand erwarten». Das Letzte beschreibt der Apostel dann mit den Worten «die Freilösung unseres Körpers» (Röm 8,23).
Gottes Vorherbestimmung
Paulus spricht von uns, aber nur im Licht von Gottes Handeln. Er hat uns vorherbestimmt, jedoch «durch Christus Jesus». Ebenso haben wir Gnade erhalten, aber das ist «in dem Geliebten». Was immer nun erreicht wird, hat mit Christus Jesus zu tun. Der Sohnesstand ist ebenfalls mit Seinem Sohn verbunden, denn der Sohnesstand ist nicht etwas, das wir durch Anstrengung erreichen, sondern etwas, das in Christus geschenkt wird.
Wer Sohn ist, wird zum Ausführenden. Er wird in das Werk Gottes einbezogen. Das ist, worauf die Vorherbestimmung zielt. Vorherbestimmung und Auserwählung sind kein Ziel an sich und mit «Rettung» hat dies schon gar nichts zu tun. Wer auserwählt wird, wer vorherbestimmt wird, erhält damit eine Aufgabe. Die Aufgabe betrifft uns, wie es Paulus schreibt. Da geht es um die gesamte Gemeinde, um «Seine Körperschaft» (Eph 1,22-23).
Die Auswirkung
Die Resultate von Gottes Handeln werden hier nicht detailliert aufgeführt. Es geht um eine allgemeine Beschreibung. Er schreibt: «zum Lobpreis der Herrlichkeit Seiner Gnade». Das ist die Zusammenfassung vom Ziel. Dazu wird die Gemeinde eingesetzt. Wir sind in dem Geliebten begnadet und werden zum Lobpreis der Herrlichkeit Seiner Gnade dienen. Gnade ist das Verbindende. Liebe ist der Beweggrund. Gnade ist die unverdiente Gunst Gottes. Das ist, was heute gilt und die Zukunft prägt.

