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Die Auferstehung von Lazarus

Alle Bilder, die uns die Bibel vom Tod gibt, sprechen vom Schlaf. Die Auferstehung ist mit dem Aufwachen am Morgen zu vergleichen. Hören wir die bekannten Wörter einmal gegen den Hintergrund der Bildsprache, dann sieht man die starke Anlehnung an das Bild vom Schlaf: Auferwecken, Auferstehen, Lebendig machen. Aus dem Schlaf wird man auferweckt. Dadurch kann man auf(er)stehen. Die Lebendigmachung spricht vom unauflöslichen Leben, welches wir dann erhalten.

Bereits ist zum Todeszustand einiges gesagt (hier). Hat sich daran seit den Schriften des Neuen Testaments wesentlich etwas geändert? Geht das Neue Testament nicht über die «Erkenntnis» des Alten Testaments hinaus? Die traditionelle Sicht ist, dass der Tod lediglich eine andere Form des Lebens darstellt. War das die Sicht der Menschen im Neuen Testament? Hat Jesus etwas völlig anders gelehrt als die Propheten? Diese Dinge in der Bibel nachzuspüren ist ganz wesentlich auch für das Verständnis der Auferstehung.

Besonders einleuchtend ist die Geschichte über den Tod und die Auferstehung von Lazarus. Diese Geschichte ist aus mehreren Gründen wichtig. Sie zeigt allererst, wie es die Leute damals gesehen haben. Der Tod wird mit einem Schlaf verglichen – auch die Bildsprache ist mit dem Alten Testament übereinstimmend. Dann lesen wir, was Jesus dazu zu sagen hat. Er spricht vom Tod als von einem Schlaf, und davon, dass Er Lazarus aus dem Schlaf aufwecken wird. Das Thema ist die Auferstehung, und Lazarus wird am Schluss auferweckt. Hier einige der Aussagen:

Die Krankheit von Lazarus

«Herr, siehe, der den Du liebhast, ist krank und schwach. Als Jesus das hörte, sagte Er: Diese Schwachheit ist nicht zum Tode, sondern zur Verherrlichung Gottes, damit der Sohn Gottes durch sie verherrlicht werde.»
Joh 11,3-4

Lazarus ist gestorben. Der Vergleich mit dem Schlaf und der Hinweis auf die Auferstehung:

«Danach sagte Er zu ihnen: «Unser Freund Lazarus schläft; aber Ich gehe hin, um ihn aus dem Schlaf zu wecken.» Da erwiderten Ihm nun die Jünger: «Herr, wenn er schläft, wird er vom Tode gerettet werden.» Jesus aber hatte von seinem Tod geredet; jene dagegen meint, Er rede von der Rast des Schlafes. Dann sagte Jesus ihnen freimütig: «Lazarus ist gestorben, und Ich freue Mich um euretwillen, dass Ich nicht dort war, damit ihr glauben lernt»
Joh 11,11-15

«Als Martha nun hörte, dass Jesus komme, ging sie Ihm entgegen; Maria aber sass im Haus. Martha sagte dann zu Jesus: Herr, wenn Du hier gewesen wärst, wäre mein Bruder nicht gestorben! Nun weiss ich aber auch, dass Gott Dir alles geben wird, was Du von Gott erbitten magst. Jesus erwiderte ihr: Dein Bruder wird auferstehen!»
Joh 11,20-23

Der Ausblick auf die Auferstehung

Martha hatte einen Ausblick für Ihren Bruder, nämlich die Auferstehung. Das war, was Ihr aus Ihrem jüdischen Umfeld an Lehren und aus der Tenach selbst bekannt war.

«Da sagte Martha zu Ihm: Ich weiss, dass er in der Auferstehung am letzten Tag auferstehen wird.»
Joh 11,24

Aus dieser Beschreibung geht hervor, dass Martha dieselbe Ideen über den Tod hat, als wir bereits im Alten Testament gelesen haben. Auch Jesus stellt das nicht in Frage. Er vertrostet Martha nicht mit «Lazarus ist jetzt im Himmel», sondern mit «Dein Bruder wird auferstehen!». Jesus leugnet den Tod nicht, sondern sieht die Auferstehung als den Weg zu neuem Leben.

Ich bin die Auferstehung und das Leben

Soweit die Feststellungen der bisherigen Geschichte. Wenn Jesus spricht ändert sich jedoch etwas. Er Selbst kommt in der Geschichte hinzu. Er Selbst ist die Auferstehung und das Leben. Damit rückt Gottes Kraft zur Rettung sehr viel näher. Es ist nicht mehr «Auferstehung am letzten Tag», sondern «vor dir steht Der, der das Leben und die Auferstehung in Person ist».

«Jesus entgegenete ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an Mich glaubt, wird [für den Äon] leben, wenn er auch stirbt. Und jeder, der [dann] lebt und an Mich glaubt, wird für den Äon keinesfalls sterben! Glaubst du dies?»
Joh 11,25-26

Nun wird gerade dieser Text immer wieder zitiert als «Beweis», dass man im Tod «lebt». Aber stimmt diese Interpretation? Wer an Mich glaubt, heisst es, wird leben, wenn er auch stirbt. Soll dies nun aussagen, dass man «im Tod» lebt? Nein. Entscheidend ist, dass Jesus sagt Er sei Selbst «die Auferstehung und das Leben». Leben gibt es nicht getrennt von Auferstehung. Zuerst die Auferstehung – dann das Leben. So beschreibt Er es. Oder mit anderen Worten: Wer jetzt stirbt, wird einmal durch Auferstehung wieder leben. Und jeder, der dann lebt, wird auch nicht mehr sterben. Glauben wir dies?

«Sie antwortete Ihm: Ja, Herr, ich habe den Glauben, dass Du der Christus [Messias] bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommt!»
Joh 11,27

Mit diesem Wort vertraut Martha darauf, dass Jesus, als Messias und als Sohn Gottes, diese Worte von Auferstehung und Leben wahr machen kann. Die Auferstehung ist die Hoffnung für die Toten. Erst durch Auferstehung kommt wieder leben. Dies ist die Erwartung aus dem Alten Testament, und sie wird hier noch einmal bestätigt. Von einem «Leben im Tod» ist hier keine Rede.

Die Auferweckung von Lazarus

«Als Maria nun dorthin kam, wo Jesus war, und Ihn gewahrte, fiel sie Ihm zu Füssen und sagte zu Ihm: Herr, wenn Du hier gewesen wärest, so wäre mein Bruder nicht gestorben.»
Joh 11,32

Maria hat diese Hoffnung gehabt, dass Lazarus gar nicht gestorben wäre, wenn Jesus nur da gewesen war. Für Maria ist es demnach klar, dass Lazarus jetzt wirklich tot ist. Kein Zweifel. Nichts konnte mehr gemacht werden. Wahrscheinlich hätte sie wie Martha den Ausblick der Auferstehung gehabt. Für die Gegenwart jedoch war es ihr klar, dass Lazarus verschieden war. Sie gehen zum Grab.

«Darauf fragte Er: Wo habt ihr ihn hingelegt? Sie antworteten Ihm: Herr, komm und sieh! Und Jesus weinte»
Joh 11,34-35

«Jesus weinte» ist der kürzeste Vers der Bibel. Zwar ist die Verseinteilung nicht Teil der ursprünglichen Schriften, aber es ist eine bemerkenswerte Aussage, voll von Anteilnahme, inniger Verbundenheit und Menschlichkeit.

«Jesus gebot: Hebt den Stein hinweg! Da sagte Martha, die Schwester des Verschiedenen, zu Ihm: Herr er riecht schon; denn es ist der vierte Tag.»
Joh 11,39

Seit vier Tagen ist Lazarus nun gestorben. Der Leichnam riecht schon. Es wäre unklug, das Grab zu öffnen, da die Verwesung des Körpers schon eingesetzt hat. Das sind alles Hinweise darauf, dass man sehr wohl mit dem Vorgang beim Tod vertraut war. Wenn auch heute der Tod aus unserer Gesellschaft weitgehend ausgeblendet wird, so war das dazumal nicht der Fall. Jeder war mit dem Tod vertraut.

«Jesus entgegnete ihr: Habe ich dir nicht gesagt, dass, wenn du glaubst, du die Herrlichkeit Gottes sehen wirst? Dann hoben sie den Stein hinweg. Jesus aber hob die Augen empor und sagte: Vater, Ich danke Dir, dass Du Mich erhörst. Ich weiss wohl, dass Du Mich immer erhörst; Ich sage es jedoch der Volksmenge wegen, die umhersteht, damit sie glaubt, dass Du Mich ausgesandt hast.»
Joh 11,40-42

Jesus will, dass die Volksmenge bei dem was gleich nachher passiert etwas erkennen soll. Die Volksmenge soll erkennen und glauben, dass Gott Jesus ausgesandt hat. Es sind Zeichen und Wunder, die den König und das bevorstehende Königreich bestätigen sollten. Erinnern wir uns an die Frage von Johannes der Täufer, der im Gefängnis war und seinen Jüngern zu Jesus schickte:

«Als Johannes im Gefängnis von Christi Wirken hörte, sandte er seine Jünger; durch sie liess er Ihn fragen: Bist Du der Kommende, oder sllen wir auf einen anderen hoffen? Darauf gab Jesus ihnen zur Antwort: Geht hin und berichtet Johannes, was ihr hört und erblickt: Blinde werden sehend, Lahme wandeln, Aussätzige werden gereinigt, Taube hören, Tote erwachen und Armen wird Evangelium verkündigt. Glückselig ist, wer keinen Anstoss an Mir nimmt.»
Mt 11,2-6 (vgl. Jes 29,18-19, Jes 35,5, Jes 8,14-15)

Totenauferstehung ist ein Zeichen des kommenden Messias und des kommenden Reiches (vgl. Joh 11,47). Er selbst ist die Auferstehung und das Leben. In Ihm als Messias ist auch das kommenden Königreich in Griffweite.

«Als Er dies gesagt hatte, schrie Er mit lauter Stimme: Lazarus, herzu, komm heraus! Da kam der Verstorbene heraus, die Füsse und Hände in Grabtücher gewickelt und sein Antlitz mit einem Schweisstuch umbunden. Jesus sagte zu ihnen: Bindet ihn los und lasst ihn gehen!»
Joh 11,43-44

Ein Wort genügt, und Lazarus steht auf. Gott spricht, und es geschieht (1Mo 1,3). So ist es auch mit dem Sohn. Bereits hat Jesus andere aus den Toten auferweckt, wie die Tochter von Jairus (Mk 5,35-42) oder der Sohn der Wittwe von Nain (Lk 7,11-16). Mit der Geschichte von Lazarus findet jedoch die ausführlichste Beschreibung statt. Er ist der Kommende, der Sohn Gottes. Er ist die Auferstehung und das Leben.

Lazarus

Lazarus wurde nicht zu einem unauflöslichen Leben auferweckt. Er wurde nicht «lebendiggemacht», so wie Christus als Erstling (1Kor 15,20-22). Lazarus wurde sozusagen zu diesem uns bekannten Leben auferweckt. Er ist auferstanden, um später noch einmal zu sterben.

Lazarus war länger im Tod als Jesus. Jesus war 3 Tage tot und wurde am dritten Tag auferweckt. Lazarus war 4 Tage tot. Diese Geschichte ist auch ein Prüfstein für unser Verständnis vom Tod. Überall dort, wo man lehrt, dass man nach dem Sterben in den Himmel geht wird dies von der Bibel widersprochen. Aber man stelle sich vor Lazarus hätte all dies erlebt, und wäre im Himmel gewesen. Was hätte es für wunderbare «Licht-Geschichten» gegeben! Lazarus wäre heute der Star so mancher Lehrmeinung. Der erste Himmelgänger – oder so ähnlich kann ich mir die Werbesprüche vorstellen. Wäre es nicht fantastisch, sozusagen «aus erster Hand» vom Jenseits etwas zu erfahren? So wird immer noch gedacht.

Dieser Text jedoch spricht ganz anders. Es gilt dieser feine Unterschied: Lazarus hatte gar nichts vom Jenseits berichtet. Zumindest finden wir in der Bibel nicht die leiseste Hinweise auf solche Gedanken. Im biblischen Kontext ist das auch logisch: Wer tot ist, der schläft, und merkt bis zur Auferstehung gar nichts. Für Lazarus war das Licht ausgeknipst. Er war gestorben. Wie Martha bereits erwähnt hat, lag seine Hoffnung eigentlich nur noch in der Auferstehung am Letzten der Tage. In Jesus jedoch hat er etwas ausserordentliches erlebt. Er wurde als Zeichen für die kommende messianische Zeit vom Messias auferweckt.

 

Fragen

  • Stellt Johannes 11 die Aussagen vom AT in Bezug auf den Tod auf den Kopf?
  • Was hat Lazarus berichtet von seinen 4 Tage im Tod?
  • Womit hat Jesus Martha getröstet?
  • Wo liegt unsere Erwartung?