Es scheint für einen Anhänger der Hölle undenkbar, dass Gott zum Ziel kommt. Nach der Hölle-Lehre kommt Gott gerade nicht zum Ziel. Die Folgen dieser Lehre für das Gottesbild sind katastrophal. Logischerweise wirkt sich das Verständnis auf das weitere Leben aus. Aber was passiert eigentlich, wenn man die Hölle als unbiblisch entlarvt und stattdessen auf eine Allaussöhnung hingewiesen wird? Welche Auswirkung hat die Allaussöhnung auf unser Glaubensverständnis und Gottesbild?

Die Absurdität einer Hölle wird oft erkannt. Wer jedoch fest von einer Hölle überzeugt ist, fegt solche Bedenken nicht selten vom Tisch, mit der Behauptung, dass «die Hölle in der Bibel gelehrt wird». Das ist ein Grund dafür, dass auf dieser Website detailliert auf die Hölle-Lehre eingegangen wird, damit solche Argumente durch einen direkten Vergleich mit der Bibel entkräftet werden. Die mittelalterliche Hölle gibt es in der Bibel nicht.

Lehrt Jesus die Hölle?

Es ist beunruhigend, wenn Menschen den Glauben an eine Hölle als wesentlichen Bestandteil ihres Christseins verstehen. Rechtgläubigkeit wird nicht selten durch «Hölle-Glauben» bewiesen. Eine Drohbotschaft dient einer falsch verstandenen Rechtgläubigkeit, indem jedem gedroht wird, der nicht so glaubt, wie man die Dinge selbst sieht. Wer jedoch alles vom Menschen abhängig macht, blendet Gott aus. Wer an einer Hölle glaubt, hat einen schwachen Gott, der zwar eine Rettung wünscht, aber sie nicht herbeiführen kann. Gleichzeitig wird dem Menschen übernatürliche, gottgleiche Willensfreiheit zugemessen, womit der Mensch «für Jesus wählen» muss, um gerettet zu werden. Man denke nur einmal an die «Bekehrungsgeschichte» von Saulus, um diese Idee als absurd abzuweisen (Apg 9).

Ein positiver Ausgang der Weltgeschichte

Es scheint ketzerisch zu sein, an einen positiven Ausgang der Weltgeschichte zu glauben. Eine Hölle-Lehre, die Bastion einer vermeintlichen Rechtgläubigkeit, skizziert nur einen negativen Ausgang der Weltgeschichte und möchte uns glauben lassen, dass ein Gott der Liebe gleichzeitig Milliarden Menschen auf ewig peinigen kann. Die Dissonanz, die dadurch entsteht, kann kein gesund denkender Mensch aushalten. Zumindest sollte man dazu angeregt werden, die Hölle-Lehre einmal konkret anhand der Bibel zu prüfen.

Gott hat ein Ziel vor Augen. Viele Menschen sind damit unbekannt. Sie kennen diese Sicht nicht, weil sie von einer Hölle-Lehre überschattet wird. Was mit einer Hölle nicht übereinstimmt, wird abgelehnt, verketzert und totgeschwiegen. Das Ziel Gottes aber wird von Paulus klar benannt: Gott wird einmal «alles in allen» sein (1Kor 15,28). Er wird nicht «etwas in wenigen sein», wie es die Hölle-Lehre meint, oder «alles in den Nicht-Entsorgten sein», wie es die Vernichtungslehre deutet. Gott wird «alles in allen sein», womit im Kontext alle Menschen gemeint sind, die von Adam abstammen (1Kor 15,20-28). Dieser Ausgang aller Dinge ist positiv und ganz anders, als es die Hölle-Lehre darstellt.

Der grosse Unterschied

Der wichtigste Unterschied zwischen einer Hölle-Lehre und einer Allversöhnung liegt im Gottesverständnis. Bei der Hölle-Lehre hängt alles vom Menschen ab. Diese Lehre ist anthropozentrisch, denn zentral steht nicht Gott, sondern der Mensch, der durch «seinen» Glauben gerettet wird. Dagegen spricht die Allversöhnung (besser: Allaussöhnung) von einem Ziel Gottes, das Er auch durch Christus erreicht. Die Allaussöhnung ist christozentrisch im Verständnis. Ich kenne keine Lehre, die mehr christozentrisch ist als die Allaussöhnung. Hier wird sie gelehrt:

«Dass Er (Christus) in allem der Erste werde, da die gesamte Vervollständigung (Gott) ihr Wohlgefallen daran hat, in Ihm (Christus) zu wohnen und durch Ihn (Christus) das All mit Sich auszusöhnen, indem Er (Gott) durch das Blut Seines (des Christus) Kreuzes Frieden macht, durch Ihn (Christus), sei es das auf der Erde oder das in den Himmeln.»
Kol 1,18-20

Verschiedene Lehren haben logischerweise eine unterschiedliche Auswirkung auf das tägliche Leben. Wer nicht glaubt, dem soll es egal sein, was die Bibel zum Ausgang dieser Welt sagt. Die Lehre prägt demnach zuerst das Leben der Gläubigen im Hier und Jetzt. Diese Auswirkung ist düster und verstörend bei der Hölle-Lehre. Wer an die Hölle glaubt, steht in einem ständigen Konflikt zwischen der Liebe Gottes und dem unsäglichen Leid, das derselbe Gott den meisten Menschen auf ewig zufügen wird. Die Diskrepanz kann nicht grösser sein.

Wer dagegen von einem positiven Ausgang der Weltgeschichte ausgeht, hat einen ganz anderen Ausblick. Dieser Ausblick ist positiv, weil er gerade nicht vom Menschen abhängig ist, sondern von Gottes eigenen Wirken spricht. Man kann entspannter glauben, weil Glaube das Vertrauen auf Gottes Wirken ist und man von Seinem Ziel eine Ahnung hat.

Zuversichtlich glauben

Wenn Paulus bezeugt, dass Gott ein Retter aller Menschen ist, insbesondere der Gläubigen, dann fügt er hinzu, dass dies in der Gemeinde gelehrt werden muss (1Tim 4,9-11). Da gibt es nichts misszuverstehen. Solche und ähnliche Bibelstellen sind positiv im Verständnis. Glaubt man an einen positiven Ausgang, heisst das keineswegs, dass man jegliches Gericht, Jesus oder Kreuz und Auferstehung ausblendet. Im Gegenteil. Wie bereits aus den oben zitierten Versen erkenntlich ist, findet die Rückführung aller Dinge zu Gott gerade auf Basis von Gericht und Gottes eigener Gerechtigkeit, durch Jesus, Kreuz und Auferstehung statt. Ich bin heute zuversichtlich im Glauben, weil es gerade nicht von mir oder einem anderen Menschen abhängt, ob Gott zum Ziel kommt. Ihm traue ich zu, dass Er Sein Ziel erreicht.

Hier sind eigene Bibelstellen, die gerne zitiert werden, die jedoch keinen Sinn ergeben, wenn man sie gegen den Hintergrund einer Hölle-Lehre zitiert.

Jesaja etwa schreibt:
«Denn gleichwie der Regen und der Schnee vom Himmel herabfällt und nicht dahin zurückkehrt, er habe denn die Erde getränkt und befruchtet und sie sprossen gemacht, und dem Sämann Samen gegeben und Brot dem Essenden: also wird mein Wort sein, das aus meinem Munde hervorgeht; es wird nicht leer zu mir zurückkehren, sondern es wird ausrichten, was mir gefällt, und durchführen, wozu ich es gesandt habe.»
Jes 55,10-11

Wer von einer Hölle ausgeht, muss unweigerlich korrigieren, dass viele Worte, entgegen Jesajas Aussage, sehr wohl «leer zu Gott zurückkehren». Denn wer nicht glaubt, fällt aus dem Boot. Weil ich jedoch um Gottes Ziel weiss, und darauf vertraue, dass Er Sein Ziel erreicht, wird tatsächlich kein Wort leer zu Gott zurückkehren, sondern exakt das ausrichten, was wichtig ist und das bewirken, wozu es gesandt wurde. Denn alles ist aus Ihm, durch Ihn und zu Ihm hin (Röm 11,36).

Meine ich, dass Hölle und ewige Verdammnis in der Bibel gelehrt wird, prägt das sogar Übersetzungen:

«Wer irgend sein Leben zu retten sucht, wird es verlieren; und wer irgend es verliert, wird es erhalten.»
Luk 17,33

Das Wort, das hier mit «Leben» übersetzt wurde, ist buchstäblich «Seele». Jesus empfiehlt demnach, seine Seele zu verlieren (verloren gehen zu lassen), damit man sie findet. Nach traditionellen Vorstellungen passt das nicht, denn wer verloren ist, wer seine Seele verloren hat, kann nicht gerettet werden. Er ist für die Hölle vorbestimmt. Eine erstaunliche Aussage von Jesus? Es ist naheliegend, dass die «Seele» hier etwas ganz anderes meint, als die Tradition auf Basis einer Hölle-Lehre hineininterpretiert hat.

Wenn einmal der Tod als letzter Feind abgetan wird (1Kor 15,26) oder das Gericht vor dem Grossen Weissen Thron das letzte Gericht ist (Offb 20,11-15), sind das positive Aussagen. Wenn der Tod als letzter Feind abgetan ist, wird dafür Leben und Unvergänglichkeit ans Licht gebracht (2Tim 1,10). Und beim letzten Gericht ist es das letzte Mal, dass etwas gerade gerückt werden muss. Danach ist es besser. Ich bin voller Zuversicht, weil hinter diesen Aussagen das Ziel aufleuchtet, dass Gott einmal «alles in allen» sein wird (1Kor 15,28).

Mein Glaubensverständnis hat sich geändert

Wie ich die Bibel nach einer Hölle untersuchte, verschwand die Hölle aus der Bibel. Stattdessen wurde immer deutlicher, dass die Hölle-Lehre das Bild von Gott verfälschte und die biblische Botschaft verzerrte. Nach und nach wurde klar, dass die Aussagen der Bibel zwar immer wieder von Gericht sprechen, aber diese Gerichte bewirken nie Gottes eigene Gerechtigkeit. Gottes Gerechtigkeit wurde am Kreuz erreicht. Meine Zustimmung dafür ist nicht relevant. Gottes Ziel wird  wegen Gottes Wirkens, nicht wegen meiner Zustimmung oder Ablehnung erreicht. Ich bin also zuversichtlicher geworden, als mein Glaubensverständnis eine neue Ausrichtung erhielt. Es ist, als wurde mein Denken neu kalibriert, neu ausgerichtet auf Christus.

Mein Glaubensverständnis ist heute viel entspannter. Es hängt nicht von mir ab, ob Gott zum Ziel kommt. Ich darf loslassen und auf Ihn vertrauen. Ich bin mir bewusst, dass ich in meinem Verständnis begrenzt bin. Das löst aber keinen Stress mehr aus. Glauben ist keine Hirnleistung, sondern eine Herzensausrichtung. Ich bin nicht mehr von eigener Leistung abhängig, sondern sehe mich als Beschenkter, der aus Gottes Leistung leben darf.

Mein Glaubensverständnis hat sich geändert, seitdem ich die Hölle als unbiblisch, die Aussöhnung des Alls (Kol 1,20) aber als bezeugt erkennen durfte. Ich habe deshalb Hoffnung und sogar eine zuversichtliche Erwartung, dass weder meine noch irgendjemandes Zustimmung oder Ablehnung das letzte Wort haben soll. Der Spruch «Ende gut, alles gut» bringt auf den Punkt, wohin es geht. Ich vertraue Gott, dass es so sein wird, wie Er gesagt hat (Apg 27,25). Meine Zuversicht hilft mir, die eigenen Ideen etwas lockerer zu sehen, die Abhängigkeit von «absoluter Wahrheit» ist nicht mehr gegeben, weil ich das alles loslassen und getrost in Gottes Händen legen kann. Dort lege ich auch die Idee von Gott, von Jesus, von Gerechtigkeit, von Versöhnung und dieser Dinge mehr hin. Es sind Glaubensbegriffe, die man mit Inhalt füllen darf, aber mit denen ich nicht mehr in einem ständigen Spannungsfeld stehen muss. Ob diese Welt gelingt, hängt nämlich nicht von mir, sondern von Gott selbst ab. Darum kann ich danken, Gott preisen, und gleichzeitig, vollkommen unvollkommen, mein begrenztes Verständnis haben.

In diesem Sinne kann ich mutig vorwärts stolpern, weil ich einen grossen Gott kennengelernt habe. Könnte ich eines Tages nicht mehr klar denken, ist das kein Hindernis für Sein Wirken. Wenn ich ganz ketzerisch denke, geht es nicht einmal um eine Allversöhnung, sondern darum, ob wir Gott von unseren wohlgemeinten theologischen Ideen und religiösen Anstrengungen verschonen können. Ob ich einverstanden bin, an einen Gott glaube oder Ihn ablehne, oder mich von der Bibel zuversichtlich stimmen lasse, ist kein endgültiges Urteil. Diese Macht habe ich gar nicht. Ich kann jedoch dafür wählen, mich als Beschenkter zu sehen und aus Gnade zu leben. Ich kann mich sogar dabei ertappen, dass ich dann sowohl mein Menschsein wie meinen Glauben erfülle. Darauf kann ich mit meinem Leben antworten.

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