Befürworter einer Hölle haben mancherlei Argumente für diese Hölle. Eines der Argumente ist, dass Gott zwar Liebe ist, aber auch gerecht sein muss. Mit einer solchen Aussage fördert die Hölle-Lehre ein ambivalentes Gottesbild, das mit der Bibel, der Liebe Gottes und mit Gottes Gerechtigkeit gar nichts zu tun hat. Die Idee wird dafür genutzt, die «Notwendigkeit der Gerechtigkeit Gottes» hervorzuheben und die «Notwendigkeit einer Hölle» daraus abzuleiten.

Diese Idee ist allgegenwärtig in evangelikalen Begründungen einer Hölle. Man bedauert zwar, dass es die Hölle gibt, aber Gott ist gerecht. «Gott ist zwar Liebe, aber Er ist auch gerecht.» Hast Du das auch schon mal gehört? Hier wird Gottes Liebe gegen Seine Gerechtigkeit ausgespielt.

Meist läuft das in den Vorstellungen einer Hölle so ab: Gott liebt den Menschen, aber nur solange er lebt. Wenn er stirbt, hat dieser Mensch entweder alles «richtig gemacht», nämlich an Jesus geglaubt, oder er landet in der Hölle, wo er für ewig gepeinigt wird. Das Letzte ist, so meint man, die Forderung der Gerechtigkeit Gottes. Mit dieser Vorstellung gibt es viele Probleme. Gehen wir einige dieser Gedanken nach.

Diese Lehren fehlen in der Bibel

Erwähnt man solche Dinge wie «Gott ist Liebe, aber Er ist auch gerecht», der stolpert gleich über mehrere Vorstellungen, die der Bibel unbekannt sind.

  1. Nirgendwo findet man eine solche Lehre in der Bibel
    Als Erstes sollte man feststellen, dass diese zwar eine übliche Ausdrucksweise in bestimmten Gemeinschaften ist, aber es gibt dafür keine Aussagen der Bibel. Möchte man das aus der Schrift unterbauen, muss man verschiedene Texte aus ihren eigenen Kontexten herauslösen, um daraus diese Lehre zu konstruieren. Das ist ein sicheres Zeichen dafür, dass sich etwas in Schieflage befindet.
  2. Die Lehre baut meist auf einen Zirkelschluss auf
    Das läuft dann so ab: Zuerst hat man die Lehre, die als «biblisch» deklariert wird. Folglich bildet das die Annahme, mit der man die Bibel liest und sagt dann: Siehst du, dort steht es. Der Zirkelschluss lautet: Es ist so, also ist es so.
  3. Entscheidungslehre
    Ein weiterer Punkt, der nicht direkt genannt wird, aber überall mitschwingt, ist die Entscheidungslehre. Diese besagt, dass man sich für Jesus entscheiden muss, sonst ist Gott machtlos und kann dich nicht retten. Man muss sich in diesem Leben entscheiden, sonst landet man in der Hölle. In der Bibel gibt es keine solche Lehre, auch wenn man anekdotisch Bibelstellen in diesem Sinne auslegt (etwa Apg 16,30). Es gibt jedoch weder bei Jesus noch in den apostolischen Briefen auch nur entfernt so etwas wie eine «Entscheidungslehre» im Sinne der Hölle-Lehre.
  4. Gerechtigkeit
    Die Idee, dass die Hölle Gottes Gerechtigkeit hervorbringt, ist in direktem Widerspruch mit der Bibel und eine Verballhornung des Evangeliums.
  5. Das Verfalldatum der Liebe Gottes
    Die Hölle-Lehre besagt, dass die Liebe Gottes aufhört, wenn man stirbt und danach Gottes Gerechtigkeit erbarmungslos angewendet wird. Der Gott voller Gnade wird dann gnadenlos. Wer dies ernsthaft überlegt, gerät in Teufels Küche. Gott ist dem Wesen nach zwar Liebe, aber es gibt auf diese Liebe ein Verfalldatum. Das wäre der Tag, an dem man stirbt. Einschätzung: Dies sind Folgerungen auf Folgerungen und es gibt niemand in der Bibel, der dies so lehrt.

Die Notwendigkeit einer Gerechtigkeit

In diesem Punkt muss ich dem Fanklub der Hölle stattgeben: Gerechtigkeit ist ein wichtiges Thema in der Bibel. Alles dreht sich um Gerechtigkeit. Die «Gerechtigkeit Gottes» ist so etwas wie die höchste Form von Gerechtigkeit. Diese soll man nicht einfach ausblenden. Die Frage ist aber, ob sie durch die Hölle erreicht wird, wie es der Fanklub sagt.

Ist etwa die Hölle dazu da, Gerechtigkeit hervorzubringen, dann versagt die Idee miserabel. Die Hölle-Lehre spricht von einer endlosen Hölle und von ewiger Qual. Gerade dieser Aspekt der Endlosigkeit beweist, dass die Gerechtigkeit nie erreicht wird. Wäre sie nämlich erreicht, erübrigt sich die Hölle. Wird die Hölle trotzdem aufrechterhalten, bleibt Ungerechtigkeit bestehen, weil die Forderung nach Gerechtigkeit nie erfüllt wird.

Die Gerechtigkeit Gottes, wenn man sie ernst nimmt, ist der schnellste Beweis, dass es keine Hölle geben kann. Eine traditionelle Hölle erreicht keine Gerechtigkeit, noch viel weniger Gottes Gerechtigkeit, weil sie ewig brennen sollte und Menschen für ewig darin bleiben müssten. Mit anderen Worten: Man kommt nie am Ziel an. Die traditionelle Hölle unterstreicht geradezu eine Ungerechtigkeit Gottes, weil kein Mensch gerecht ist oder sein kann (Römer 3,10), aber trotzdem dafür verantwortlich gemacht wird. Es erscheint ungeheuerlich, dass ein Gott der Liebe Menschen für ewig in eine Hölle wirft, um seiner «Gerechtigkeit» stattzugeben.

Man soll sich der Widersprüche der Hölle-Lehre bewusst machen.

Der Vorwurf an die Allversöhnung

Die Idee einer Hölle ist für manche Gemeinschaften so etwas wie ein Prüfstein der Rechtgläubigkeit. Das gilt speziell dann, wenn man feststellt, dass die Hölle in der Bibel nicht erwähnt wird. Öfter habe ich erlebt, wie dann sofort auf die Lehre der Allversöhnung verwiesen wird, mit der Unterstellung, dass «dort die Gerechtigkeit Gottes einfach ausgeblendet wird». Die Allversöhnung und die Hölle-Lehre sind zwei Ideen über den Ausgang der Weltgeschichte und Gottes handeln darin.

Die Hölle-Lehre sieht schätzungsweise 95 % der Menschheit als «verloren», und sie wird deshalb und «wegen Gottes Gerechtigkeit» auf ewig in der Hölle schmoren. Eine Allversöhnung dagegen verweist auf Kolosser 1,20 und andere Bibelstellen, worin ein positiver Ausgang derselben Weltgeschichte und von Gottes Handeln erkannt wird. Der Fanklub der Hölle wirft nun die Lehre der Allversöhnung vor, man vergisst die Gerechtigkeit Gottes und nimmt Gericht nicht ernst.

Diese Beurteilung einer Allversöhnung und die Vorwürfe bezeugen jedoch eine abgrundtiefe Fahrlässigkeit und Unbekanntheit gegenüber biblischen Aussagen. Es ist leicht aufzuzeigen, dass es die Hölle in der Bibel nicht gibt. Es gibt kein einziges Wort im Hebräischen oder im Griechischen, das mit all dem verknüpft wird, was die Hölle-Lehre als Idee zusammenfasst. Sofern das Wort Hölle noch in einer Bibelübersetzung erscheint, so wird aus einem Vergleich mehrerer Übersetzungen klar, dass die Übersetzung mit «Hölle» mal hier, mal dort gemacht wird. Konsistent ist die Übersetzung nicht. Es kann es auch nicht sein, denn man muss die Idee einer Hölle in die Bibel hineininterpretieren, bevor man sie herauslesen kann.

Noch wichtiger erscheint es jedoch, dass die Forderung nach Gerechtigkeit im Evangelium bereits erfüllt wurde und nicht etwa durch «meinen oder deinen Glauben». Die Gerechtigkeit ist gerade bei einer Allversöhnung die Basis, auch wenn sie von der Hölle-Lehre missbraucht wird.

Die Gerechtigkeit Gottes

Paulus schreibt:

«Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht, denn es ist Gottes Kraft zum Heil jedem Glaubenden, … Denn Gottes Gerechtigkeit wird darin geoffenbart.»
Röm 1,16-17

Der Punkt ist dieser: Die Gerechtigkeit, die vom Fanklub der Hölle in der Hölle vollzogen werden sollte, gibt es bereits im Evangelium. Wie Paulus hier an die Gläubigen in Rom schreibt, wird Gottes Gerechtigkeit im Evangelium geoffenbart. Mit anderen Worten: Die Gerechtigkeit Gottes ist bereits da und das Evangelium spricht davon. Deshalb ist das Evangelium eine Wohlbotschaft und keine Drohbotschaft.

Man macht nun eine uneigentliche Verknüpfung und sagt, dass diese Gerechtigkeit «nur durch Glauben» erreicht wird. Diese Forderung nach Glauben entspringt der Entscheidungslehre und hat mit diesem Text nichts zu tun. Wer das nachvollziehen möchte, findet auf dieser Website ein ausführliches Studium zum Römerbrief.

Römerbrief

Zurück zur Gerechtigkeit Gottes. Diese wird, schreibt Paulus, im Evangelium enthüllt. Als «Gerechtigkeit Gottes» ist es nicht eine «Forderung Gottes», die Menschen erfüllen müssen, sondern es geht um Gottes eigene Gerechtigkeit, die Er erreicht hat. Deshalb ist es Gottes Gerechtigkeit. Diese wird im Evangelium bezeugt und geoffenbart (Röm 1,16-17).

Im dritten Kapitel des Römerbriefes heisst es dann:

«Nun aber hat sich, getrennt vom Gesetz, Gottes Gerechtigkeit offenbart (vom Gesetz und den Propheten bezeugt), eine Gerechtigkeit Gottes aber durch den Glauben Jesu Christi.»
Röm 3,21-22

Man beachte, dass diese Gerechtigkeit Gottes nicht durch meinen oder deinen Glauben entstand, sondern (wörtlich) durch den Glauben Jesu Christi. Im Griechischen steht hier ein Genitiv. Dies wird nun wie folgt interpretiert: Der Glaube von Jesus Christus hat ihn ans Kreuz geführt. Dort wurde die Gerechtigkeit Gottes aufgerichtet. Vergleiche dazu Römer 3,24-26, worin Paulus das nochmals verdeutlicht.

Wo die Gerechtigkeit Gottes aufleuchtet

Was am Kreuz geschah und durch Auferstehung Jesu bestätigt wurde, ist die Grundlage für eine Allversöhnung. Die Hölle-Lehre dagegen kennt keine Gerechtigkeit Gottes. Sie verleugnet das Kreuz, indem eine zusätzliche Gerechtigkeit eingefordert wird, wenn nötig, durch die Gewalt der Hölle. Die Hölle ist ein wirklich seltsames Konstrukt.

Für eine Allversöhnung (Allaussöhnung) ist gerade diese Gerechtigkeit Gottes eine Grundlage. Deshalb liest man etwa im Römerbrief:

«Demnach nun, wie es durch die eine Kränkung für alle Menschen zur Verurteilung kam, so kommt es auch durch den einen Rechtsspruch für alle Menschen zur Rechtfertigung des Lebens.»
Röm 5,18

Im Kolosserbrief spricht Paulus explizit von der Aussöhnung des Alls. In diesem Kontext spricht er explizit über das Blut des Kreuzes, wodurch diese Allaussöhnung erreicht wird:

«Da die gesamte Vervollständigung ihr Wohlgefallen daran hat, in Ihm zu wohnen und durch Ihn das All mit Sich auszusöhnen (indem Er durch das Blut Seines Kreuzes Frieden macht), durch Ihn, sei es das auf der Erde oder das in den Himmeln.»
Kol 1,19-20

Die Gerechtigkeit Gottes leuchtet nicht in der Hölle, wohl aber am Kreuz auf. Darauf bezieht sich die Lehre der Allversöhnung. Es gibt nach der Hölle-Lehre ein Verfalldatum auf die Liebe Gottes und danach ein gnadenloser Gott, der Menschen auf ewig in Ungerechtigkeit niederhält. Dagegen zeigt die Allversöhnung auf direkte biblische Zusammenhänge und geht vom Kreuz aus, um Heil für die ganze Welt zu bewirken. Man achte darauf, dass es bei Paulus nicht um menschliche Anstrengung geht. Es ist Gott, Der durch das Blut seines (des Jesus) Kreuzes Frieden macht und so das ganze All mit sich aussöhnt.

Der Kontrast könnte nicht grösser sein.

Gerechtigkeit und Gericht
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