Dies ist ein klassisches Argument von Hölle-Liebhabern. Das hört sich in etwa so an: «Wer die Hölle ablehnt, ist einem Wunschdenken erlegen. Wer nicht glauben will, soll spüren. Gott rettet nicht alle Menschen, sondern wünscht sich die ewige Strafe für Menschen, die nicht an Jesus glauben.» Wer die Allversöhnung annimmt, lehnt Gott ab, der auf ewig verdammt, wer nicht so denkt wie die Hölle-Lehrer. Wie soll man darauf antworten?
Von Emotionen getrieben?
Mit diesem Argument lenken die Hölle-Befürworter von den Bibelstellen ab, die von Gegnern einer Hölle-Lehre zitiert werden. Man lenkt ab, indem man Emotionen als Ursache definiert. Was stimmt damit nicht?
Es ist ein billiges Argument, das man ebenso umgekehrt auf die Hölle-Liebhaber anwenden könnte. Versuchen wir das hier, damit die Absurdität solcher Überlegungen gezeigt werden kann. Das könnte man etwa so umschreiben:
«Unsicherheit und selbstgerechtes Handeln führen bei einigen Menschen dazu, dass sie das Bild eines unbarmherzigen Gottes erschaffen, der genau das macht, worauf sie selbst keine Antwort haben: Die ihnen erfahrene Ungerechtigkeit der Menschen wird von Gott selbst brutal erwidert. Gott, nicht der Mensch, hat dazu eine Hölle erfunden. Die ganze Aufteilung in «gläubig» und «ungläubig» kaschiert lediglich die eigene Geschichte, die hier nur fromm verpackt missbraucht wird. Dieser selbst erschaffene Gott verdammt die übergrosse Mehrheit der Menschen zu einer ewigen Qual. Diese Abwertung und Verdammung anderer Menschen unter göttlichem Vorwand kommt den Hölle-Lehrern sehr entgegen und scheint ihren Selbstwert zu stützen, was ich als ein sicheres Zeichen von Unsicherheit deute. Man sehnt sich, vielleicht selbst verletzt, nach ausgleichender Gerechtigkeit. Es ist bloss ein Wunschdenken. Dabei verkennt man, dass Christus die Antwort auf die Ungerechtigkeit der Menschen ist, nicht die Glaubensleistung einzelner Menschen.»
Die Art des Arguments habe ich jetzt umgekehrt. Ist es hilfreich, so zu denken? Nein. Es sind uneigentliche Argumente, sogar wenn sie zufällig eines Tages zutreffen. Sie sind uneigentlich, weil sie nichts mit der Sache zu tun haben. Auch meine Einschätzung von Emotionen, wie hier oben skizziert, basiert zwar auf Möglichkeiten, aber es hat nichts mit der Realität vieler Hölle-Liebhaber zu tun, mit denen ich gesprochen habe. Ich würde ihnen etwas unterstellen, wie es die Hölle-Lehrer mit ihrem Argument eines «Wunschdenkens und Emotion» machen.
Der eigentliche Vorwurf der Hölle-Liebhaber liegt darin, dass man Menschen vorwirft, sich nur auf Emotionen abzustützen und die Bibel nicht ernst zu nehmen. Das jedoch ist nachweislich nicht der Fall. Dieser Vorwurf verkennt, dass es gute biblische Argumente gegen die Hölle und für eine Allversöhnung gibt. Das ist keine Meinung, sondern eine Feststellung. Beide Seiten berufen sich auf die Bibel und beide werden oft durch die andere Seite «getriggert», wodurch man einander in die Haare gerät.
Ich denke, das ist unnötig und kein gutes Zeugnis.
Weshalb Emotionen als Begründung gelten
Ein Wunschdenken sei falsch, weil Gott sich nicht nach unseren Wünschen richtet. Das ist natürlich richtig. Aber richtet man sich nach Emotionen und pflegt man ein Wunschdenken, wenn man sich auf die Bibel beruft? Das wäre logisch, aber wird nicht so erkannt. Bei der Hölle-Lehre ist es nämlich so: Man darf sie nicht hinterfragen und wer hinterfragt, ist vermutlich ein Ketzer.
Hölle-Liebhaber, die fest behaupten, ihre Ansichten stehen in der Bibel, darf man in der Regel nicht mit der Bibel antworten. Sobald man nämlich begründet die Hölle widerlegt, rüttelt man am Selbstverständnis dieser Menschen. Das wird nicht geschätzt. Deswegen wird mit Drohungen gekontert, oder mit der Behauptung, es sei alles nur emotionales Wunschdenken.
Gottes Emotionen
Gott werden menschliche Eigenschaften, darunter auch Emotionen, zugeschrieben (etwa Zorn, 4Mo 22,22; Schmerz, 1Mo 6,5; Liebe, Joh 5,42). Es handelt sich dabei um Sprachfiguren, welche eine Eigenschaft von Gott beschreiben sollten. Menschliche Eigenschaften werden Gott zugeschrieben (gr. anthropopatheia. In dem Buch Figures of Speech used in the Bible, von E.W. Bullinger, gibt es ab Seite 871 eine Analyse und Auflistung vieler Varianten). Solche Sprachfiguren machen uns Gott verständlicher. Es gibt jedoch einen grossen Unterschied: Gott selbst wird nirgendwo so beschrieben, dass er von Emotionen beherrscht wird, wie es mit uns Menschen passieren kann.
Man könnte fragen, ob Gott in negativen Emotionen hängenbleibt? In Michah und anderen Büchern wird das widersprochen. Es gibt Hoffnung, ganz anders als Hölle-Liebhaber predigen. Wir lesen etwa:
«Wer ist ein Gott wie du, der die Ungerechtigkeit vergibt, und die Übertretung des Überrestes seines Erbteils übersieht? Er behält seinen Zorn nicht auf immer, denn er hat Gefallen an Güte.»
Micha 7,18
Menschliche Gefühle und die Bibel
Für einen Menschen ist es normal, Gefühle zu haben. Es ist ebenfalls normal, Gefühle in Überlegungen einzubeziehen. Man kann sich jedoch entscheiden, sich nicht ausschliesslich von Gefühlen bestimmen zu lassen. Das wäre nüchtern und erweist sich oft als hilfreich. Immer wieder plädiere ich dafür.
Bei der Klärung theologischer Fragen etwa, kann man sich entscheiden, sich gewissenhaft mit dem Text der Bibel auseinanderzusetzen und sich nicht von Gefühlen allein bestimmen zu lassen. Das wäre die Situation, womit wir uns hier auseinandersetzen. Hinterfragen wir jetzt noch etwas die Emotionen.
Man kann etwa sagen, dass man die Hölle als «ungerecht empfindet». Das entspringt vielleicht dem Empfinden von heute. So stellen es manche Hölle-Liebhaber vor. Sie meinen dann, dass dieses Empfinden in der heutigen Zeit gehört, aber die Bibel Ewigkeitswert hat und deshalb als höher einzuschätzen sei. So wird Emotion abgewertet und die eigene Lehre aufgewertet. Solche Folgerungen werte ich als Manipulationsversuche.
Man kann jedoch auch anders damit umgehen.
Der herzlose Gott
Stellen wir die Frage noch einmal neu: «Ich empfinde die Hölle als ungerecht, weil ich kann das nicht mit dem Bild eines liebenden Gottes vereinbaren». Hölle-Befürworter reagieren dann häufig mit etwas Empathie. Etwa so: Man versteht die Reaktion, aber leider gibt es nicht nur Gottes Liebe, sondern auch Gottes Gerechtigkeit. Man legt dann nahe, dass Gottes Liebe eines Tages von Gottes Gerechtigkeit überholt oder abgelöst wird, wenn der Mensch sich «nicht bekehren will» und «Gottes Liebe ablehnt». Man verschiebt die Verantwortung ganz bewusst vom Schöpfer auf die Schöpfung. Damit wird Gott vom Schmach der Hölle befreit und der Mensch wird Schöpfer seiner Zukunft. Die «Last der Ewigkeit» ruht jetzt auf den Menschen. Eine solche Folgerung gehört zum Basis-Repertoire von Hölle-Lehrern. Diese Begründung soll eine Erklärung liefern und die Emotionen beruhigen.
Persönlich empfinde ich es als unerhört, dass Menschen sich mit einer solchen Antwort zufriedengeben. Die Ungerechtigkeit einer Hölle wird dadurch nicht entkräftet, dass Gott ab Tag-X nicht mehr liebt, sondern die Widersprüche werden lediglich bestätigt. Gott hat angeblich ein Verfalldatum auf seiner Liebe, wonach Er erbarmungslos zuschlägt. Mit einem Gott der Liebe hat das nichts mehr zu tun. Hölle-Liebhaber versuchen natürlich, diesen Eindruck herunterzuspielen. Ich habe dafür zwar viele Entschuldigungen gehört, aber noch nie eine biblische Begründung dazu gelesen. Solche Argumente erscheinen mir der Gipfel der Unverschämtheit.
Das Problem wird von der Liebe Gottes zur Gerechtigkeit Gottes verschoben. Darauf sollte jeder achtgeben. Es ist ein Kunstgriff, weil dies nicht aus der Bibel abgeleitet werden kann. Zwei Dinge, Liebe und Gerechtigkeit, werden hier miteinander auf eine Art verknüpft, die es in der Bibel so nicht gibt. Hier müsste man ansetzen und nachhaken, ob Gottes Gerechtigkeit durch eine endlose Strafe und Peinigung erreicht werden kann? Wie kommt man am Ziel, wenn man endlos unterwegs ist? Fazit: Entfernt man sich erst einmal von den biblischen Aussagen, wird es schwer sein, zur Bibel zurückzukehren.
Ist Gottes Wille ein Wunschdenken?
Der Apostel Paulus schreibt an Timotheus:
«Gott, unser Retter, welcher will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.»
1Tim 2,4
Was will Gott? Er will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Man würde meinen, dass dies recht klar Gottes Absicht widerspiegelt und wer hat Gott schon je widersprochen? So könnte man denken. Man hat aber nicht mit Hölle-Liebhabern gerechnet. Gerade bei Hölle-Lehrern wird man häufig lesen, dass dieser Wille Gottes bloss ein Wunschdenken ist.
Erstaunlich also, dass die Hölle-Liebhaber sogar Gott von einem Wunschdenken beschuldigen. Hier macht man dann mit frommen Worten Folgendes daraus: Gott möchte zwar alle Menschen retten, aber das ist bloss die Absicht. Realisiert wird das nur, wenn der Mensch auch will. Der Wille des Menschen scheint allmächtig. Der Wille Gottes sei bloss ein Wunschdenken. Gott denkt, aber der Mensch lenkt. In welcher seltsamen Welt verkehren die Hölle-Liebhaber.
Dagegen ist es recht klar, wie es funktioniert. Ein Gott, der diese Bezeichnung verdient, tut schlicht, was Er will. Nicht mehr und nicht weniger. Deswegen schreibt Paulus von diesem Gott:
Gott, der «alles nach dem Ratschluss Seines Willens bewirkt».
Eph 1,11
Und Salomo hat bereits sein Verständnis wie folgt festgehalten:
«Das Herz des Menschen erdenkt seinen Weg, aber Jahwe lenkt seine Schritte.»
Spr 16,9
Der Mensch denkt, aber Gott lenkt. Das ist das Gottesverständnis, das von Hölle-Liebhabern auf den Kopf gestellt wird. Die Bibel ist recht klar darin, dass Gott bestimmt, nicht der Mensch. Deshalb sind wir noch lange keine Marionetten. Es wird jedoch betont, dass Gott selbst das letzte Wort hat und den Ausgang aller Dinge bestimmt (Röm 11,33-36; 1Kor 15,28).
Das ist kein Wunsch, sondern erklärtes Ziel. Ich finde das glaubwürdig. Es führt mich in die Weite hinaus und begründet meine Zuversicht. Das ist keine emotionale Begründung der Allaussöhnung. Ich begründe die Allaussöhnung mit Kolosser 1,20, weil es genau dort steht. Die Folge meines Vertrauens auf solche Aussagen ist jedoch, dass ich dankbar und zuversichtlich, also voller guter Emotionen, in die Zukunft schauen kann.

