Alles ist aus Gott

Woher Zuversicht kommt. Startpunkt für ein gesundes Gottvertrauen.


6. März 2020By Karsten Risseeuw9 Minutes

«Alles ist aus Ihm und durch Ihn und zu Ihm hin.»
Römer 11,36

Es ist einfach

Paulus hat ein Gottesbild, das umfassender nicht sein kann. Der Apostel sieht es so: Alles ist aus Ihm, durch Ihn und zu Ihm hin (Röm 11,36). Gott ist für alles zuständig. Für Paulus ist Gott derjenige, aus dem alle Dinge hervorgekommen sind. Gott ist auch derjenige, der heute «diese Welt im Innersten zusammenhält» (nach: Faust, Goethe). Als Drittes wird erwähnt: Alle Dinge werden zu Ihm hinführen. All das gehört für den Apostel zusammen.

Es ist also sehr einfach: Wenn Gott «Gott» sein darf, ist Er für alles zuständig.

Hat Gott alles in Händen?

An anderer Stelle schreibt Paulus, dass Gott alles bewirkt nach dem Ratschluss Seines Willens (Eph 1,11). Es ist klar, dass hier nichts ausgenommen ist, was nicht von Ihm her kommt. Für viele Menschen ist das aber nicht sehr einfach zu verdauen. «Gottvertrauen» ist zwar salonfähig, aber «Gott» ist es nicht – erst recht nicht, wenn Er für alles zuständig wäre.

Es wird über die Zuständigkeit Gottes gefolgert, als müsste Er sich wie ein Mensch verhalten. Also kommt man zum Schluss: Wenn Gott für alles zuständig ist, lässt sich diese aktuelle Welt nicht erklären. Das ist eine verständliche Aussage, aber sie lässt den Beklagten (Gott) nicht zu Wort kommen.

Im Spannungsfeld zwischen Bibel und Aktualität entstand auch die Frage der Theodizee. Die Frage der Theodizee ist nichts anderes als der Versuch, das Leiden und die Unvollkommenheit dieser Welt mit einem allmächtigen und liebenden Gott in Einklang zu bringen – oder am Glauben zu verzweifeln. Das Problem dieser Fragestellung liegt darin, dass der Mensch von sich aus auf Gott schliessen will. Das Buch Hiob beschreibt jedoch eindrücklich, dass wir an einem anderen Punkt als Gott stehen. Wir können Seine Position nicht einnehmen, weil wir an einem anderen Ort stehen. Wir sind nicht Gott.

Die Bibel schenkt uns eine andere Perspektive. Das Leiden dieser Welt wird nicht ausgeblendet und unser Gott und Vater wirkt auf ein Ziel zu. Das wäre ein Grund zur Freude. Dieses Ziel ist heute jedoch noch nicht realisiert. Der Mensch möchte verständlicherweise, dass das Leiden jetzt aufhört, dass der Tod jetzt nicht mehr ist, obwohl beide ganz fest zu dieser Welt gehören. Das Spannungsfeld liegt also beim Menschen. Gott jedoch scheint keinen Stress zu haben.

Gott spricht in der Bibel davon, dass Er nicht auf unsere kurze Lebenszeit begrenzt ist. Nicht alles geschieht jetzt. Vieles hat sich bereits zugetragen, anderes liegt in der Zukunft. Es gibt ein Ziel. Gott hat ein Ziel. Wir selbst stehen irgendwo zwischen Anfang und Ende. Wir sind unterwegs zum Ziel.

Gottes Ziel

Gottes Ziel ist es, einst «alles in allen» zu werden (1Kor 15,28). Wir leben heute in der Erwartung (Röm 8,23-25). Wenn aber das Ende eintrifft, heisst es «Ende gut, alles gut». Das ist nicht billig, denn Gott hat dafür Seinen Sohn ans Kreuz gehen lassen. Es ist die Vorbedingung dafür, dass Er, Friede machend durch das Blut des Kreuzes, das All mit sich selbst aussöhnt (Kol 1,20).

In diesem Sinne sieht es Paulus. Der Apostel hat das Ziel Gottes vor Augen. Daraus lebt er und schöpft er seine Zuversicht. Denn Paulus weiss, dass alles aus Gott ist.

Die Gottheit Gottes

Die «Gottheit Gottes» ist ein Kernthema im Verständnis der Bibel. Er ist zuständig und niemand sonst. Keiner ist Ihm gleich. Keiner kann Ihm den Rang streitig machen.

In so mancher Lehre wird dazu jedoch anderes gelehrt. Gott wird vermenschlicht und Seine Zuständigkeit wird bezweifelt. Das Bild von Gott wird verharmlost. Deshalb kommt es beispielsweise zu folgenden Annahmen, die allesamt die Gottheit von Gott infrage stellen:

  • Der Ursprung des Bösen liegt bei Satan (Gott war dafür nicht zuständig?)
  • Wenn der Mensch nicht an Jesus glaubt, kann Gott nicht retten (Hebelt mein Wille Seinen Wille aus?)
  • Alles entscheidet sich in diesem Leben (Entscheidet allein der Mensch?)
  • Das Experiment «Welt» wurde halt durch die Sünde durcheinander gebracht. Gott ist überrascht und versucht nur noch zu «flicken», was geht (Wer hat den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen gepflanzt?).

Man leugnet, dass alles aus Gott ist. Das ist problematisch. Es gäbe dafür jedoch eine einfache Korrektur: Man müsste nur anfangen, mehr von der Bibel selbst auszugehen anstatt von Meinungen über die Bibel und über Gott. Die Aussagen der Bibel sind vielschichtig, aber nicht kompliziert. Es wird einhellig bezeugt: Gott ist für alles zuständig. Nichts ist Ihm aus den Händen gerutscht. Er wird zum Ziel kommen.

Paulus spricht darüber in vielen Briefen und Situationen. Im Epheserbrief beispielsweise schreibt er davon, dass Gott in Seiner vielseitigen Weisheit einen «Vorsatz der Äonen» (Vorsatz der Zeitalter) gemacht hat, über den Er zum Ziel kommt. Er hat Zeit. Er plant voraus. Diesen Vorsatz der Äonen hat Er «in Christus Jesus» gefasst (Eph 3,11). Das darf uns zuversichtlich stimmen.

Alles ist aus Gott. Das ist einfach und befreiend. Es ist eine Aussage, die vom Ursprung ausgehend auch das Ziel sehen kann.