Von der Unmöglichkeit zu glauben

Es braucht ein hörendes Herz


2. Januar 2020In Kurzgedanken, Leben und GlaubenBy Karsten Risseeuw3 Minutes

Du glaubst und ich glaube. Trotzdem stehen wir nicht am gleichen Ort. Wir sind weder gleich in der Erkenntnis und im Verständnis noch ticken wir als Menschen gleich. Was Glaube ist und wie man glauben «sollte», ist deshalb nicht eindeutig zu definieren. Die Verführung liegt darin, dass einige es eindeutig definieren wollen. Das geht aber nicht.

Wir können zwar Eckpunkte für unser Verständnis setzen (Röm 10,8-10), aber definieren damit nichts absolut. Das ist gut so. Glauben ist nicht eine Liste mit Dogmen oder Ideen, denen ich zustimmen muss (ein «für wahr halten»), sondern zu glauben heisst «zu vertrauen». Vertrauen ist etwas anderes als «für wahr halten».

Was ist nun die Rolle der Schrift? Sie lässt uns Gottes Wort hören. Sein Geist weht durch die Schrift (2Tim 3,16-17) und eröffnet uns die Bedeutung. Was geschieht, ist eine neue Ausrichtung des Denkens. Wir schöpfen Erwartung, weil wir Seinen Worten vertrauen. Wir vertrauen Gottes Wort, weil wir Ihm vertrauen. Glauben ist das Eintreten in eine Beziehung, eine Hinwendung zu Ihm, der Himmel und Erde gemacht hat. Wir tun es den Menschen gleich, von denen die Bibel berichtet. Danach können wir diese Beziehung mit Hinweisen aus der Schrift füllen, wir können unser Gottesbild ergänzen. Wir können es aber nur für uns selbst tun.

Paulus spricht trotzdem wiederholt davon, dass in Christus alle Menschen gleich sind. Was meint er damit? Er schreibt zum Beispiel:

«…wo es keinen Griechen und Juden gibt, weder Beschneidung noch Unbeschnittenheit weder Barbaren noch Skythen noch Sklaven noch Freie, sondern alles und in allen Christus.»
Kol 3,11

Diese Gleichheit basiert nicht auf der Akzeptanz derselben Theologie, sondern sie basiert auf Gottes Werk in uns und dass wir nach dem Bild dessen erneuert werden, der uns erschaffen hat (Kol 3,10). Worin wir gleich sind, ist das Wirken Gottes in unserem Leben. Das ist wichtiger als alle «menschliche» Unterschiede.

Können wir das Wirken Gottes im Gegenüber erkennen? Können wir einräumen, dass du und ich unterschiedlich denken und fühlen und dadurch von Gottes Wirken abhängig sind? Weiss ich, dass Du von Gott geliebt bist? Kann ich sehen, dass meine Haltung zu Dir diese Liebe Gottes zu mir und zu Dir widerspiegeln darf?

Mut zur Lücke braucht es noch. Denn mein Verstehen ist vollkommen unvollkommen. Es ist unmöglich zu glauben, wenn alles definiert ist, denn darum geht es nicht.

Es braucht ein hörendes Herz.