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Zuerst einmal danke ich

Was zuerst kommt, hat Bedeutung. Für viele kommt die Arbeit zuerst, oder die Pflicht. Für andere stehen persönliche Herausforderungen zentral. Vielleicht steht man vor einer anspruchsvollen Arbeit und fragt sich, wie es wohl gelingen könnte, oder vor einer wichtigen Begegnung und man überlegt wie das Gespräch aufzugleisen sei. Was immer wir machen, wir machen es mit einer bestimmten Haltung. In dieser Haltung haben wir Prioritäten. Wir gehen auf eine bestimmte Art vor, vielleicht fordernd, oder neugierig, voller Freude oder mit Abneigung. Wie werden nun diese Prioritäten gesetzt? Setzen wir die Prioritäten in unserer Haltung bewusst?

Hier fällt auf, was Paulus an die Gemeinde in Rom schreibt:

«Zuerst danke ich meinem Gott durch Jesus Christus um euer aller willen…»
Röm 1,8 (Schlachter 2000)

Dankbarkeit steht hier an erster Stelle. So fängt Paulus einen besonders langen Brief an. Die Gemeinde in Rom, an die der Brief gerichtet ist, kennt er noch nicht persönlich. Wohl sehnt er sich danach, die Gemeinde einmal zu besuchen (Röm 1,11). Bevor er zu den vielen wichtigen Themen kommt, die er in diesem Brief anspricht, beginnt der Apostel mit Dank.

Ich danke meinem Gott…

«Zuerst danke ich meinem Gott…» Das ist der Anfang und gleich eine Präzisierung. In Paulus’ Prioritätenliste setzt er hier einen klaren Akzent. Danksagung kommt zuerst. Und zwar dankt er nicht den Römern, sondern er seinem Gott für die Römer und für was diese im Glauben gelebt haben. Darin schliesst er die ganze Zuhörerschaft in Rom ein. Obwohl er noch nie in Rom war und nur wenige in der Gemeinde kennt (Röm 16), dankt er bereits für alle. Das ist der Ausdruck einer Haltung, die aufs Ganze geht, die die gesamte Gemeinde im Blickfeld hat.

Im Volksmund gibt es den Spruch «Danken schützt vor wanken». Das ist tatsächlich so, denn Danksagung richtet unser inneres Auge auf gute Dinge. So gestalten wir bewusst unser Leben. Wenn wir uns selbst, unseren Mitmenschen und unserem Glaubensleben etwas Gutes tun wollen, dann können wir Danksagung stets als Erstes in Betracht ziehen. Das ist ganz praktisch, weil es unser Leben umgestaltet. Was Paulus hier selbst vorlebt, zeigt er auch als Weg für die Römer auf. Aufbauend auf die Verkündigung des Evangeliums kommt der Apostel in den Kapiteln 12 bis und mit 16 auf den Lebenswandel zu sprechen. Hier verdichtet sich die Auswirkung der frohen Botschaft für unseren Alltag. Der Apostel schreibt:

«Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung des Sinnes, dass ihr prüfen mögt, was der Wille Gottes ist: das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.»
Röm 12,2

Werdet verwandelt! So fordert Paulus die Römer auf sich auf einen Erneuerungsprozess einzulassen. Oder wie es im Konkordanten Neuen Testament heisst: «…euch umgestalten zu lassen durch die Erneuerung eures Denksinns».

Eine Umgestaltung ist so etwas wie eine Neueinrichtung des Hauses. Es soll im gleichen Haus anders gelebt werden. Es soll besser darin gelebt werden. Es soll ein täglicher Gottesdienst darin stattfinden.

In vielen seiner Briefe stellt Paulus das Gebet voran, und darin oft die Danksagung (1Kor 1,4 2Kor 1,3, Eph 1,3 und Eph 1,15–23, Phi 1,3, Kol 1,3-6, Kol 1,12-14, 1Thess 1,2-3, 2Thess 1,3 und 2Thess 1,11-12, 1Tim 1,12 und 1Tim 1,17, 2Tim 1,3-5). Diese Beispiele können uns zeigen, wie wichtig es für ein gesundes geistliches Leben ist, Dankbarkeit eine hohe Priorität einzuräumen.

Und warum das nicht einfach mal testen, heute zum Beispiel? Zuerst einmal danke ich…