Steht die Bibel bei Dir zentral? Weshalb ist das so? Es geht um die Prägung von Glaubensgemeinschaften ebenso wie um die Prägung des Glaubensverständnisses. Welchen Platz hat die Bibel und wie gehen wir damit um? In diesem Beitrag geht es darum, dass man das selbst herausfinden darf. Wenn man bewusst Wertvolles erkennt, steht einer Umsetzung und Ausrichtung auf diese Dinge nichts mehr im Wege.
Welche Bedeutung misst Du der Bibel bei? Bist Du Dir bewusst, weshalb das so ist? Und wenn wir schon dabei sind: Wie ist Abraham mit seinem Glauben umgegangen, war er doch weder Jude noch Christ und hatte keine Bibel? Zwischen Abraham und uns liegt eine lange Zeitspanne, in der besonders viel passiert ist. Der Vergleich dürfte trotzdem interessant sein, weil er Unterschiede aufzeigt. Wie wir heute glauben und verstehen, ist ganz anders als zu anderen Zeiten. Die Selbstverständlichkeit, womit man meinen könnte, dass unsere Sicht die richtige oder einzige Sicht ist, verkennt, dass auch wir Kinder unserer Zeit sind.
Fragen
Diese und weitere Fragen können Einblick in die eigenen Annahmen schenken:
- Betrachtest Du Dich selbst als «bibeltreu»?
- Liest Du jeden Tag die Bibel?
- Was beabsichtigst Du damit?
- Bist Du frei, die Bibel einmal nicht zu lesen?
- Geht es beim Glauben um Bibelkenntnis?
- Ist man ein besserer Christ, wenn man die Bibel besser kennt?
- Kann man ohne Bibelkenntnis Christ sein?
- Kann man ohne Bibellesen Christ sein?
- Warum erfüllt die Bibel für viele eine wichtige Rolle?
- Wie siehst Du das Verhältnis zwischen Bibel und Tradition?
- Sogar in der Zeit des Neuen Testaments hatte man keine Bibel, wie wir sie heute kennen. Was bedeutet das?
- Wie entsteht Glaubensweisheit?
- Dürfen Christen selbst nachdenken? Oder müssen sie das (nicht)?
Das Ziel solcher Fragen ist es, miteinander oder mit sich selbst in Gespräch zu kommen. Indem man die Antworten aufschreibt, wird man sich eher der eigenen Annahmen bewusst. Das verweist auf die Geschichte, die das eigene Verständnis prägt. Menschen haben solche Geschichten im Kopf. Gemeinschaften prägen sich über solche verinnerlichten Gedanken. Oft geschieht das unbewusst. So kann man sich dessen bewusst werden.
Die Geschichten im Kopf
Wer glaubt, der vertraut. Das ist die Bedeutung des Wortes «glauben», sowohl im hebräischen Alten Testament als auch im griechischen Neuen Testament. Damit ist aber nicht alles gesagt. Eine Übersetzung allein prägt weiterhin nicht die ganze Bedeutung, insbesondere nicht für den Alltag. Mit Worten verknüpfen wir Emotionen, Ideen, Geschichten. Es sind die Geschichten im Kopf, die uns dann eine Richtung geben. Wer glaubt, der kennt Geschichten. Das ist menschlich.
Geschichten kann man wählen. Weshalb wir glauben, ist eine wichtige Frage. Wozu wir glauben, ist eine andere Frage. Wie wir dem Ausdruck verleihen, ist eine weitere Überlegung wert. Die Geschichten im Kopf prägen nicht nur unser Denken, sondern auch unser Handeln, Fühlen, Hoffen.
Hier unten sind einige Begriffe aufgelistet. Welche sind dabei für Dich wichtig? Diskutiere!
Diskutiere
Wie wichtig sind folgende Begriffe für Dich? Weshalb?
- Das Richtige tun
- Das Richtige glauben
- Der richtigen Gemeinschaft zugehörig sein
- Gemeinschaft erleben
- Gemeinschaft fördern
- Ich benötige andere Menschen (warum?)
- Andere Menschen benötigen mich (wie?)
- Gefühle sind gut/schlecht/verdächtig/nötig
- Analytisches Denken ist gut/schlecht/verdächtig/nötig
- Ausblick erhalten (wie?)
- Zuversicht prägen (wie?)
- Klammern (was?)
- Loslassen (was?)
Das Ziel solcher Fragen ist es, miteinander oder mit sich selbst in Gespräch zu kommen. Indem man die Antworten aufschreibt, wird man sich eher der eigenen Annahmen bewusst. Das verweist auf die Geschichte, die das eigene Verständnis prägt. Menschen haben solche Geschichten im Kopf. Gemeinschaften prägen sich über solche verinnerlichten Gedanken. Oft geschieht das unbewusst.
Vielseitige Gemeinschaft
Was für uns selbst am meisten Bedeutung hat, wird oft in der Gemeinschaft gesucht oder abgebildet. Bibelfeste Christen suchen sich häufig Gemeinschaften aus, in denen die Bibel zentral steht. Das ist jedoch nicht für alle Menschen attraktiv. Und, man denke an die Fragen hier oben, ist das nötig? Muss die Bibel für alle Menschen die gleiche Bedeutung haben? Paulus beschreibt die Gemeinde als einen Körper, worin die einzelnen Menschen wie Glieder des Körpers sind (1Kor 12,12-27). Jeder hat eine eigene Aufgabe.
Das menschliche Bestreben, sich unter Gleichgesinnten zu bewegen, mag einleuchten. Stimmt jedoch das Bild der Gemeinde als «Körper Christi», dann ist jede einseitige Gemeinschaft unvollständig. Es gibt keinen Körper, der nur aus Kopf besteht, nur aus Händen, nur aus Füssen. Der Apostel fährt im gleichen Kapitel mit Aufgaben in der Gemeinde weiter und sagt: «Sind etwa alle Apostel? Alle Propheten? Alle Lehrer? Haben alle Wunderkräfte? Haben alle Gnadengaben der Heilungen? Reden alle in Sprachen? Legen alle aus?» (1Kor 12,28-31). Nicht nur sind Menschen unterschiedlich, sondern sie haben auch unterschiedliche Aufgaben. Paulus spricht von Geistesgaben, aber im Kontext geht es um die Vielseitigkeit innerhalb der Gemeinde. Die Betonung liegt nicht auf Geistesgaben, sondern auf sich ergänzende Unterschiedlichkeit. Der Text zeigt das exemplarisch auf.
Vielleicht fühlt man sich wohl in Kreisen, in denen die Bibel in allem voransteht. Ich bin jedoch auch Menschen begegnet, die gerade wegen dieser Prägung aus Gemeinschaften weggeblieben sind. Anderswo gibt es Gemeinschaften, die nur auf Gefühle treiben. Wieder andere finden Sicherheit in reichen Traditionen. Menschen sind unterschiedlich, benötigen unterschiedliche Dinge und nicht alles hat mit biblischer Lehre zu tun. Sich dessen bewusst zu sein schafft Freiraum, sich die Gemeinschaft auch noch anders vorzustellen, die Gemeinschaft vielseitiger sein zu lassen.
Gleichschaltung der Annahmen ist kein Ziel, auch wenn Gleichgesinnte sich gerne treffen. Die gleiche Gesinnung kann man pflegen, auch wenn man unterschiedlicher Ansicht ist.
Was ist wertvoll?
Erstelle zwei Spalten (weniger wichtig + sehr wichtig) und ordne die Begriffe den Spalten zu
- Bibelwissen
- Gnade
- Gerechtigkeit
- Verurteilung anderer
- Die richtige Lehre haben
- Für andere Menschen da sein
- Gemeinschaft
- Ritualen
- Tradition
- Special Effects (schwere Predigten, Zeichen und Wunder, direkte WhatsApp-Nachrichten aus dem Himmel, usw.)
- Drohbotschaft
- Frohbotschaft
- Himmel und Hölle
- Rettung aller Menschen
- Kirchengebäude (als heiliger Ort)
- Ergänze eigene Begriffe …
Erstellt man solche Listen und wertet bestimmte Merkmale, dann sieht man im Austausch schnell, dass es erhebliche Unterschiede zwischen Menschen geben kann. Und wenn alle Mitglieder einer Gemeinschaft dasselbe denken, spricht das dann von Gleichschaltung?
Wie wichtig ist nach allen diesen Fragen eine biblische Lehre? Wurde es klarer, weshalb sie wichtig ist oder weshalb die Wertung anders ausfällt? Ist Dir aufgefallen, dass es hier nicht nur um «biblische Lehre» ging, sondern auch um Glaubensverständnis allgemein und darum, wie man eine Glaubensgemeinschaft prägt? Hältst Du es für nützlich, darüber nachzudenken?

