Wer Glaube in jeglicher Form ablehnt, oder sein bisheriges Verständnis dekonstruiert, kommt vielleicht zum Schluss, dass man alle Gottverweise ablehnen muss, damit man nicht verrückt wird. Das ist radikal und ich habe es immer wieder gesehen. Ist Glaube heute relevant? Darüber lohnt es sich, etwas nachzudenken.

Fantasie oder Wirklichkeit?

Nicht wenige Kritiker äussern sich agnostisch oder atheistisch. Der Erste meint, man könne darüber nichts wissen, also weder ob es einen Gott gibt, noch ob es diesen nicht gibt. Der Letzte sagt: Ich glaube an keinen Gott. Beide stehen aus unterschiedlichen Gründen sehr bewusst ausserhalb des Glaubens. Auffällig ist ebenfalls, dass diese Denkrichtungen sich aus dem Nein („a-„) definieren. Wofür sie also positiv einstehen, wird aus der Bezeichnung «Atheist» oder «Agnostiker» allein nicht abgeleitet.

Der Atheist hat einen festen Glauben, nämlich daran, dass es diesen Gott nicht gibt. Das ist selbstverständlich ein Glaube, denn es kann niemand beweisen. Damit steht der Atheist in einer persönlichen Überzeugung und beweist, dass er genau so vorgeht wie ein Gläubiger, jedoch bewusst eine andere Perspektive wählt. Der Inhalt des Glaubens hat sich geändert, nicht aber die Grunderkenntnis, dass sich der Mensch aus der angenommenen Wahrheit definiert. Ein Atheist will kein Theist sein und positioniert sich als die Opposition.

Der Agnostiker steht an einem weitaus interessanteren Punkt, da er anerkennt, dass er nichts weiss. Er weiss weder, ob es einen Gott gibt, noch, ob es diesen nicht gibt. Er steht dadurch nicht automatisch gegen einen Gott, aber lehnt die Überzeugung vieler Gläubigen ab, dass man fest (überzeugt) wissen kann, dass es einen Gott gibt. Der Agnostiker weiss nicht nur, ob es einen Gott gibt, sondern lehnt auch das vermeintliche Wissen darüber ab. Leider dehnt sich ein Agnostizismus leicht über diese Grenze hinaus und kann auch weitere Standpunkte nicht definitiv festlegen, etwa, was richtig oder was falsch ist.

Agnostizismus ist weder eine Bewertung noch eine Entwertung, sondern die Zelebrierung der Ungewissheit. Man kann nicht nur über Gott keine definitive Aussage machen, sondern auch nicht über Werte. Eine Gesellschaft etwa kann nicht auf Agnostizismus aufbauen, weil in Konsequenz keiner definieren kann, was eine «rote Ampel» bedeutet und was eine «grüne Ampel» heissen soll. Damit wird unter anderem eine Rechtsstruktur aufgebrochen, eine Organisationsstruktur abgestritten und eine Moral dem Einzelnen überlassen. Chaos scheint vorprogrammiert. Es wird auch nicht dadurch besser, wenn man die Sicherheit des Nichtwissens auf eine Plausibilität reduziert.

Geht es bei einem Glauben um eine Projektion und Fantasie des menschlichen Geistes oder um eine nachprüfbare Wirklichkeit? Die Frage scheint einfacher, als sie in Wirklichkeit ist. Ein Gläubiger steht vielleicht ganz auf der Position, dass Glaube und Gott eine Realität seien. Der Atheist dagegen steht am anderen Ende dieser Skala und behauptet ebenso überzeugt, dass man Gott nicht beweisen kann und also ein Glaube an Gott kein richtiges Ding sei. Ein Agnostiker steht irgendwo dazwischen, ohne sich einem der Extremen zu ergeben. Er sagt: Ich weiss es nicht.

Bei diesen drei Positionen gibt es selbstredend eine vielseitige Interpretation und weitere Differenzierungen. Möglicherweise haben alle einige gute Wahrnehmungen, über die man weiter nachdenken kann. In diesem Beitrag möchte ich auf diese Frage lenken: Ist Glaube heute relevant? Das nämlich ist eine ganz andere Frage als die nach einer absoluten Wahrheit. Kann Glaube relevant sein, wenn wir es aus dieser Zwickmühle des Wissens herausnehmen? Oder gibt es noch einmal eine andere Sicht?

Wissenschaft und Glaube

Wer den bisherigen Text aufmerksam gelesen hat, stellte vielleicht fest, dass es scheinbar immer darum geht, wer «recht» hat, und wie die Wahrheit, so sie besteht, «dingfest» gemacht werden kann. Das «Was» des Glaubens bezeichnet dann den Inhalt, der «wahr», nämlich «nachprüfbar» sein müsse. Das beschäftigt viele Gläubige, auch Atheisten und zu einem gewissen Grad des Zweifelns auch den Agnostikern.

Was aber, wenn alle dabei den Fokus auf Behauptungen legen und damit möglicherweise die Funktion des Glaubens missinterpretieren? Ich denke, dass der Inhalt des Glaubens nicht dasselbe ist als «glauben zu können»? Man spricht über Glaube, als sei es ein Ding, welches durch Behauptungen entsteht. Es ist, als sind die Behauptungen in einem von zwei Büchsen zu werfen: Entweder sind diese Behauptungen richtig oder falsch.

Diese Fokussierung auf richtig und falsch und der Versuch, den Inhalt von Glaubensvorstellungen dingfest zu machen, ist vielleicht eine Entgleisung der Anliegen. Zwar haben alle Dinge einen Platz, aber wir werden ohne Vorstellungen geboren. Vorstellungen lernt man. Dies entartet schnell in ein Schlachtfeld von Behauptungen und vermeintlichen Beweisen, die zwar zu mehr Differenzierung führen können, aber bloss davon ablenken, in welchem Kontext man leben möchte. Auch wenn das verständlich ist, verkennt man womöglich die Kraft des Glaubens-Könnens und deren Funktion in unserem Leben.

Hier ist nun die Knacknuss: glauben zu können, ist eine menschliche Fähigkeit. Was man glaubt, ist davon jedoch unterschiedlich. Ich vergleiche das mit Atmen. Menschen atmen, sie glauben auch. Vergleichen wir diese beiden Verben.

Atmen und Glauben

  • Menschen atmen. Was Menschen genau einatmen, wie sie atmen und ob sie damit ihr Menschsein erfüllen, wird oft nicht weiter diskutiert oder infrage gestellt. Das gilt dann so lange, bis man Probleme mit dem Atmen erfährt. Beispiel: Wer Stress hat, verkürzt häufig seinen Atem. Bewusst atmen zu lernen, kann Stress lösen.
  • Menschen glauben. Was Menschen genau glauben, wie sie glauben und ob sie damit ihr Menschsein erfüllen, wird oft nicht weiter diskutiert oder infrage gestellt. Das gilt dann so lange, bis man Probleme mit dem Glauben erfährt. Beispiel: Wer Stress hat, verkürzt häufig seinen Glauben. Bewusst glauben zu lernen, kann Stress lösen.

Atmen und glauben sind Tätigkeiten. Können wir glauben als Verb und als Tätigkeit erkennen, lösen wir es gleichzeitig aus starren Vorstellungen. Vielmehr entstehen weitere Fragen. Diese laden uns ein, unser Leben und die Funktion des Glaubens zu überlegen. Das gleicht einer Orientierung, oder allenfalls Neuorientierung.

Man kann sich fragen, wie diese Möglichkeiten für unser Menschsein sinnvoll sind. Wohin führen atmen und glauben? Oder ist dieser Vergleich zu «ungeistlich»? Zugegeben, es ist einfacher, Glaube als ein «Ding» vorzustellen. Damit kann man sich leicht abgrenzen. Sobald «glauben zu können» sich menschliche Fähigkeit zeigt, sind wir herausgefordert, diese Dinge zu überlegen und selbst zu gestalten.

Was wir atmen oder glauben betrifft die Substanz, womit wir uns in der Tätigkeit auseinandersetzen. Wir können etwas einatmen, und ebenso etwas glauben. Das betrifft dann der Inhalt und die Substanz. Es ist durchaus sinnvoll und nützlich, über den Glaubensinhalt nachzudenken, aber lediglich als Unterstützung für die Glaubensausrichtung. Diese Glaubensausrichtung ist die aktive Richtung worin und wohin wir glauben. Das prägt unser Menschsein.

Glauben zu können ist eine menschliche Fähigkeit. Was man glaubt ist davon jedoch unterschiedlich.

Überspitzte Frömmigkeit

«Aber», mögen einige sagen, «nimmt man durch diesen Vergleich mit Atmung dem Glauben nicht die Göttlichkeit?». Natürlich, aber es ging hier nicht um die Luft, die man atmet, oder um die Dinge, woran man glaubt, sondern um die Fähigkeit zu atmen und zu glauben. Keine überspitzte Frömmigkeit soll diesen Unterschied oder die Übereinstimmung unter den Teppich kehren. Es geht um einen bedeutsamen Unterschied und Vergleich. Darüber zu reden kann, so hoffe ich, ein breiteres Verständnis fördern.

Atmen und glauben sind nach meinem Verständnis primär Verben. Man tut diese Dinge, mehr, als dass man sie statisch festhält. Das ist ein wichtiger Unterschied und erlaubt dadurch, eine andere Perspektive einzunehmen. Es ist eine Übung in Flexibilität und ein Versuch, andere Begriffe zu nutzen, um zu einem hilfreicheren Verständnis zu kommen.

Es ist also nicht Wissenschaft oder Glaube, sondern beide haben einen eigenen Wert. Wo haben sie diesen Wert? In unserem Leben. Unser Leben ist der Kontext, worin wir glauben oder auch wissenschaftlich denken können. Das Leben ist der Kontext für beide. Von Natur aus haben beide Platz. Ich behaupte nun, als Arbeitshypothese, dass menschliches Leben eher von der Funktion «glauben» («vertrauen») als von rein wissenschaftlichen Überlegungen geprägt wird. Das ist keine Aussage über Dogmen, sondern über die Fähigkeit zu glauben und zu denken. Welche Fähigkeit prägt Dein Menschsein am ehesten?

Alle Menschen können glauben und tun dies auch. Wer von Geist, Liebe, Zuverlässigkeit und anderen Dingen spricht, baut eine Glaubenshaltung auf, die durch diese Begriffe geprägt wird. Die Begriffe sind nicht sichtbar, es sei durch unsere Handlungen. Sie können jedoch unser Denken, Hoffen und Erwarten sowie unsere Zuversicht prägen. Man muss nicht religiös sein, keiner Kirche angehören, bevor man glauben kann. Wie wir die Welt wahrnehmen, ist, ganz unabhängig von religiösen Vorstellungen, von Überlegungen und Werten geprägt, die keinen Ursprung in der Wissenschaft hatten. Menschen leben als Menschen, nicht als Wissenschaftler und hoffentlich auch nicht als rechthaberische Zeitgenossen.

Ist Glauben relevant? Ja, besonders relevant sogar, nicht wegen bestimmter dogmatischen Annahmen, sondern wegen der Funktion im Leben. Es ist nicht egal, was wir glauben, aber glauben zu können, kommt zuerst. Die «Fähigkeit zu glauben» muss vorhanden sein, bevor wir diese nutzen können. Ebenso wie Adam im Garten Edens laufen muss, bevor Gott ihn fragen kann, «Adam, wo bist Du?» (1Mo 3,9). So die Geschichte.

Denken wir noch etwas über dieses letzte Beispiel nach. Es ist klar, dass kein Journalist, kein Evangelikaler, kein Jude oder Christ diese Aussage aus 1. Mose 3 als Augenzeuge aufgeschrieben hat. Laut der Geschichte war Adam der erste Mensch. Davon kann und sollte man beim Lesen ausgehen. Ich tue das im Bewusstsein, dass diese Geschichte erst viel später aus einer Tradition aufgeschrieben wurde. Oder, wie es Petrus beschreibt, «Denn die Weissagung wurde niemals durch den Willen des Menschen hervorgebracht, sondern heilige Männer Gottes redeten, getrieben vom Heiligen Geiste.» (2Pet 1,21). Auch Petrus sagt nicht, dass Augenzeugen diese aufgeschrieben haben, sondern das Zeugnis war von Menschen Gottes, die «von heiligem Geist getrieben» diese Dinge gesprochen haben.

Es ist keine Rede von einem Diktat, sondern von heiligen Männern Gottes. Wir hören von heiligen Männern, Gläubigen, die aufgeschrieben haben. Es geht weder um Historizität noch um die Leugnung dessen. Das Reden dieser Geschichten stand zentral. Oder anders gesagt: Was sollte diese Geschichte vermitteln? Das ist eine ernste Frage.

Nehmen wir einmal die Geschichte und was diese Menschen aufgeschrieben haben ernst, dann ist die einzige Frage: Was und wozu soll hier etwas vermittelt werden? Was war das Anliegen, es so und nicht anders aufzuschreiben? Ich frage hier nicht nach absoluter Wahrheit und vermeide auch die persönliche Bewertung. Es geht an erster Stelle um das Anliegen des Textes. Verstehen wir das Anliegen?

Paulus und Timotheus

Paulus beschreibt das Anliegen seines Verständnisses recht klar, wenn er Timotheus schreibt:

«Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und wovon du völlig überzeugt bist, da du weisst, von wem du gelernt hast, und weil du von Kind auf die heiligen Schriften kennst, die vermögend sind, dich weise zu machen zur Seligkeit durch den Glauben, der in Christo Jesu ist. Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nütze zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, auf daß der Mensch Gottes vollkommen sei, zu jedem guten Werke völlig geschickt.»
2Tim 3,14-17

Über Timotheus schreibt der Apostel, «bleibe in dem, was du gelernt hast und wovon du völlig überzeugt bist». Paulus bestätigt seine Wahrnehmung von Timotheus. Das ist die Realität vieler Gläubigen: Sie haben etwas gelernt und sind davon völlig überzeugt. Paulus sagt nicht, dass Timotheus etwa die absolute Wahrheit erkannt hat und diese nun mit seinem Leben verteidigen müsse, wie es so manche Ritter anonym in den sozialen Medien tun. Paulus bezieht sich auf die Tradition und Erziehung, aus der Timotheus kam, und auf die damals bekannten heiligen Schriften.

Dann fährt er weiter und erwähnt, «da du weisst, von wem du gelernt hast, und weil du von Kind auf die heiligen Schriften kennst, die vermögend sind, dich weise zu machen zur Seligkeit durch den Glauben, der in Christo Jesu ist». Timotheus soll sich an den Vorbildern seiner Lehrern erinnern und sich bewusst werden, dass die heiligen Schriften weise machen können. Der Verweis an Rettung durch Glauben, der in Christus Jesus ist, bleibt als Erweiterung dieses «weise machen» stehen. Dass Paulus dies jetzt an Timotheus schreibt, während Timotheus bereits lange glaubt, erscheint es als Erinnerung für Timotheus. Paulus erwähnt diesen Kontext, um positiv etwas zur Ermutigung zu erwähnen. Was Timotheus gelernt hat, wie er es gelernt hat, und die heiligen Schriften, haben dazu geführt, dass er jetzt im Glauben steht.

Immer noch, wenn wir die Briefe von Paulus an Timotheus lesen, werden Glauben und Wissenschaft nicht gegeneinander ausgespielt. Es ist geradezu befreiend, wenn man diese Briefe von Paulus liest, wie er die Erfahrung und Zuversicht von Timotheus positiv prägen möchte. Kein blinder Glaube, noch eine sektiererische Prägung waren hier federführend.

Mir fällt auf, dass Paulus hier nicht vorgeht wie die Bezeichnung von Atheisten und Agnostiker. Diese grenzten sich ab durch das, was sie bestimmt nicht sind. Das «Nein» steht voran. Anders jedoch bei Paulus‘ Rede an Timotheus: Er beginnt nicht mit dem negativen und was er nicht ist, sondern bestätigt Timotheus in seiner Herkunft und baut seinen Ausblick positiv auf. Nicht das «Nein», sondern das «Ja» steht im Vordergrund.

Paulus geht schlicht von dem aus, was Timotheus bekannt war, bestätigt ihn in der guten Auswirkung davon und zeigt, wie die Schriften weise machen können. Die Schriften machen keinen Wissenschaftler aus Timotheus, und das war auch kein Ziel. Das Ziel wird klar erwähnt: Die Schriften machen weise. Zeichnet dies die Relevanz für den Glauben aus?

Die Relevanz des Glaubens

Beim Glauben geht es nicht um einen Gottesbeweis. Wer Gott beweisen möchte, als Vorbedingung dafür, dass er dann vielleicht glauben könne, versucht etwas, das vielleicht mit bisherigen Ideen inkompatibel ist. Die «Idee von Gott» erscheint vor allem Menschen im Westen suspekt. Ausserhalb der westlichen Kultur ist eine tiefe Religiosität oft das Normale. Das Hinterfragen hat dort keinen Platz. Vielleicht ist das eher so, wie die Bibel über Gott schreibt. Gott wird in der Bibel nicht bewiesen, sondern schlicht vorausgesetzt (Heb 11,6). Standpunkte könnten nicht unterschiedlicher sein.

Wenn ich «glauben zu können» als Wirkung des menschlichen Geistes betrachte, dann ist es nicht so abwegig, vom Geist des Menschen zu sprechen. Das ist nicht greifbar, nicht ganz definierbar. Es ist kein wissenschaftlicher Begriff, aber der Begriff wird in der Bibel genutzt und war demnach in der Bibel ein Ausdruck für eine erlebte Realität, eine Beschreibung für etwas, das man nicht sehen kann.

Ebenso wird Gott als Geist erkannt (1Joh 4,24). Auch wird beschrieben, wie Gottes Geist mit unserem Geist bezeugt, dass wir Kinder Gottes sind (Röm 8,16). Das alles ist nicht dingfest zu machen, nicht greifbar, sogar unsichtbar, aber nicht weniger real für die Gläubigen. Die Beschreibung passt dazu und muss als «in jener Zeit verständlich» erscheinen, auch wenn das heute keiner versteht. Ich vermute aber, dass Du, lieber Leser, wie kritisch Du auch bist, mit der Idee eines «menschlichen Geistes» keine Bedenken hast. Deshalb setze ich dort für Vergleiche an.

In solchen Beschreibungen findet sich das, was Menschen als Relevanz für das eigene Denken und Hoffen gesehen haben. Sie vertrauen, weil das dem Leben Flügel verleiht. Timotheus etwa war von Kind an mit den heiligen Schriften vertraut und daraus, so Paulus, konnte er an dessen Wirksamkeit erinnert werden. Die Schriften können weise machen. Es ist die Erfahrung, die ihn ermutigen sollte, die ihn bereits vorgeführt hat, welche positive Folgen das hat. Dann bestätigt Paulus aus seinem Verstehen, dass alle Schrift von Gott gehaucht war und

  1. nützlich
  2. zur Lehre,
  3. zur Überführung,
  4. zur Zurechtweisung,
  5. zur Unterweisung in der Gerechtigkeit
  6. auf dass
  7. der Mensch Gottes vollkommen sei,
  8. zu jedem guten Werke völlig geschickt.
    2Tim 3,16-17

Hier lesen wir von dem Ziel, welches Paulus vor Augen hat. Er sagte also nicht, dass die Bibel von Gott diktiert wurde, damit wir andere Menschen mit diesem göttlichen Wort um die Ohren schlagen können. Das Ziel von Paulus ist sehr pragmatisch und hat mit unserem Leben zu tun.

Die Schrift (Paulus hatte damals bekannte Schriften vor Augen) war ein Werkzeug, den Menschen Gottes so auszurüsten, dass er jederzeit gute Dinge tun könnte. Man denke auch an den Worten Jesu: An den Früchten erkennt man den Baum (Mt 7,16-20). Die Relevanz des Glaubens zeigt sich in der Frucht im Alltag, nicht in einem Für-Wahr-Halten irgendwelcher Vorstellungen.

Das Ziel einer Verkündigung und des Glaubens liegt also nicht in rechthaberischen Ideen, sondern an der Zurüstung für gute Werke. Stimmt dies, dann wird ein lebendiger Glaube nicht im stillen Kämmerlein gedeihen, sondern in der Gemeinschaft und der Welt, in der wir leben. Geistliches Leben ist demnach praktisch. Es ist ein begeistertes Leben, das sich im Dienst und guten Anstrengungen äussert.

Glaube ist nicht einfach eine Liste mit Dogmen. Es ist die Nutzung einer Möglichkeit im Leben, hin zu einem befreiten Menschsein. Da geht es nicht um Selbstgerechtigkeit, sondern um eine positive Ausrichtung und Transformation, hin zu einem sinnerfüllten Leben. Hat das jetzt Relevanz?

Abschliessende Gedanken

Ich habe mir überlegt, wie ich auf diese Dinge vor 30 Jahren reagiert hätte. Ich hätte es vermutlich abgelehnt. Was ich heute sage, ist nicht dasselbe als damals. Ich glaube, aber ich betrachte diesen Glauben kritischer als damals. Oder im Klartext: Ich betrachte meine Annahmen kritischer als damals. Ich hinterfrage, was und warum ich etwas wertvoll finde.

Aber da ist noch etwas.

Vor allem verschanze ich mich nicht mehr in Lehrgebäuden, als würde mein Christsein nur dadurch Relevanz erhalten. Das sehe ich nicht mehr so. Ich versuche, authentisch mit wichtigen Themen zu ringen. Das kann jeder nur für sich selbst tun. Immer wieder vermutlich, weil wir uns ändern und die Relevanz des Glaubens Tag für Tag neu entdecken können.

Es gibt weitere Gründe, weshalb Glauben heute Relevanz hat. Dazu mehr im nächsten Beitrag.

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