Was auffällt, wird herausgepickt. Manche Leute sehen meine Beiträge oder Videos und werden dadurch zum ersten Mal mit der Idee konfrontiert, dass etwa die Hölle nicht in der Bibel gelehrt wird. Das kann verstörend wirken, wenn man bis dahin fest davon überzeugt war, dass die Hölle ein «biblisches Gedankengut» darstellt. Aber ist es dadurch meine Lehre? Nicht doch. Nichts von dem, was ich schreibe oder erzähle, ist neu. Alles gab es schon mal vorher. Es ist ebenso historisch verankert wie manchen anderen Vorstellungen. Eine Differenzierung.
Nichts von dem, was ich schreibe oder in Videos erwähne, ist neu. Das habe ich immer wieder erwähnt und kann auch auf der Seite «Über diese Seite» nachgelesen werden.
Meine Lehre = Mein Verständnis
Ich habe keine Lehre, aber ich habe ein Verständnis. Den Unterschied sehe ich wie folgt: Die Lehre würde versuchen, etwas in Stein zu meisseln, aber mein Verständnis kann sich anpassen. Hängt man bestimmte Lehren an und lernt man Neues kennen, dann passiert vielleicht das, was mit Krustentieren geschieht: Wenn Sie wachsen, müssen sie den alten Panzer abwerfen, bevor ein neuer und grösserer Panzer wachsen und aushärten kann. Der Panzer ist an der Aussenseite. Was aber, wenn man eine innere Stütze hat, wie Gottvertrauen im Inneren einem Halt und Zuversicht geben kann? Dann kann man weiter wachsen, ohne alte Panzer abwerfen zu müssen. Gott selbst und nicht die Lehre ist der entscheidende Halt.
Selbstverständlich erzähle ich nur das, worüber ich selbst nachgedacht habe. Das ist meine Wahl. Es ist demnach korrekt, dass diese Website von dem erzählt, was ich heute denke. Es ist aber nicht nur ein Abbild von dem, was ich gerade heute denke, sondern auch ein Abbild von Themen, mit denen ich mich intensiv seit Jahrzehnten auseinandersetze.
Meine Lehre ist also nur mein Verständnis. Das ist weder perfekt noch vollständig und schon gar nicht als absolute Wahrheit vertreten. Daraus folgern manche im Umkehrschluss, dass ich nicht sicher bin, was ich vertrete. Auch das stimmt natürlich nicht. Ich habe meine Standpunkte sorgfältig gewählt und soweit es mir möglich war, Alternativen oder konträre Standpunkte geprüft. Ich ordne dem bloss keine göttliche Autorität zu und möchte mich nicht mehr in einem falsch/richtig-Schema verheddern. Grabenkämpfe sind für mich nicht erstrebenswert.
Fokussierung der Website
Wenn ich heute über die Hölle rede, dann nicht, weil ich dazu noch viele Fragen hätte. Die habe ich nicht mehr. Ich habe für mich alle Fragen zur Hölle nicht nur eingehend betrachtet, sondern auch zufriedenstellend im Grundtext und nach dem Kontext geklärt. Es ist sonnenklar für mich, dass die Hölle ein Fabrikat der Tradition und keine Lehre der Bibel ist.
Der einzige Grund, dass ich mich heute noch damit auseinandersetze, liegt in den Begegnungen mit Menschen, die damit ringen. Ich bin bewogen mit den Erfahrungen von Menschen in rigiden Glaubensvorstellungen. Wer seine Annahmen neu überdenken will, sollte als Held gefeiert werden. Gerade das passiert in vielen Gemeinschaften nicht, die meinen, nur Gleichschaltung mit Hölle-Lehren bringt Rechtgläubigkeit hervor. Wenn ich heute über die Hölle, über Allversöhnung und dergleichen rede, dann weil es nötig ist, um andere in die Freiheit von Christus zu entlassen. Das Ringen um Antworte ist oft real. Das sollte honoriert werden.
Wer eine Drohbotschaft wie die Hölle-Lehre prüfen möchte, wird nicht selten von seiner Gemeinschaft unter massivem Druck dazu angehalten, das Thema auszublenden. Weil man häufig als einziger in der Gemeinschaft kritische Fragen stellt, steht man mit seinen Fragen oft allein. Das ist nicht einfach. Dann muss man sich selbst auf den Weg machen, mit der eigenen Offenheit gegenüber biblischen Fragen gegen den ideologischen Strom schwimmen, sich einen intellektuellen Freiraum oft erkämpfen. Das ist nicht nur anstrengend, sondern benötigt grosses Ausharren.
Weil man häufig nicht weiss, wohin man unterwegs ist, oder wie ein künftiger Glaube aussehen kann, benötigt es viel Gottvertrauen und einen ergebnisoffenen Austausch. 2000 Jahre Kirchengeschichte zeugen von ernsthaften Auseinandersetzungen. Sollte man solche nicht mit den eigenen Fragen ehren? Wer ernsthafte Fragen hat oder aus sektenhaften Strukturen aussteigen will, benötigt Unterstützung, keine weiteren Einschüchterungsversuche.
2000 Jahre Kirchengeschichte zeugen von ernsthaften Auseinandersetzungen. Sollte man solche nicht mit den eigenen Fragen ehren?
Die Fokussierung der Website ist deshalb nicht mein Steckenpferd, sondern der Versuch, ein Thema so darzustellen, dass andere dadurch geholfen werden. Es ist wichtig, Lehren und Argumente bei Namen zu nennen, damit man darüber nachdenken kann. Im Internet lassen sich Themen und verschiedene Ansichten aufspüren, damit man sich damit auseinandersetzen kann.
Allversöhnung über die Jahrhunderte
Nichts von dem, was ich hier auf dieser Website schreibe, ist neu. Bereits Paulus schrieb, dass Gott einst das All mit sich aussöhnen wird, indem er Frieden macht durch das Blut des Kreuzes (Kol 1,20). Das war vor 2000 Jahren. Paulus hat nie von einer Hölle gepredigt. Viele Ideen wurden erst Jahrhunderte später in der Lehre eingebaut und dann verfestigt. Ebenso gab es immer Gruppen, die nicht an eine Hölle glaubten.
Hosea Ballou, in seinem Buch «The ancient history of Universalism» (1829), zeigt, wie von der Zeit der Apostel die Idee einer Allversöhnung fest bei Gläubigen verankert war, bis zur Ablehnung durch die Kirche im Jahr 553. Anschliessend zeigt er auf, wie sich Glaubensgemeinschaften bis zur Reformation auf die rettende Kraft Gottes vertraut haben. In einem zweiten Buch «The modern history of Universalism» (1830) schreibt Thomas Wittemore über die weiteren Spuren der Allversöhnung in Glaubensgemeinschaften von der Reformation bis zu seiner Zeit. Die Bücher liegen heute als Faksimile vor und sind auch online einzusehen.
Es gibt also keine Kernbeisser-Lehre, als hätte ich das neu erfunden, sondern es gibt eine reiche und lange Tradition.
Die Hölle-Lehre ist wie ein Kartenhaus, das verschiedene weitere Lehren benötigt, damit die Idee einer endlosen Hölle propagiert werden kann. Die Idee, dass alles «endlos», nämlich «ewig» sei, ist so etwas wie das göttliche Siegel der Theologie über die gewaltige Verantwortung vom Glauben des Menschen vor Gott, die in ewige Peinigung oder ewige Glückseligkeit führt. Wer heute in seiner Bibel über «Ewigkeit» liest, versteht dort meist «Endlosigkeit». Das ist jedoch eine Idee, die erst Jahrhunderte nachdem die Bibel geschrieben wurde, in die Schrift eingeschleust wurde.
Vor mir liegt etwa eine Faksimile-Ausgabe von einer Übersetzung des Neuen Testaments durch Nathaniel Scarlett aus 1798. Hier gibt es kein Wort für Ewigkeit, sondern es wird konsequent von «ages», also «Zeitalter» gesprochen, ebenso wie in den Ausgaben der Elberfelder-Bibel aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts (beachte heute die Fussnoten).
Diese und weitere Zeugnisse werden gerne übersehen, wenn man unbedingt an die Hölle glauben muss. Immer wieder erscheinen jedoch auch heute noch Bücher, welche die Allversöhnung propagieren. Dabei geht es nicht um eine bestimmte theologische Richtung, sondern man erkennt das Zeugnis der Bibel aus verschiedenen Perspektiven.
Es geht nie um eine Lehre
Wenn ich selbst einen Hintergrund habe, der von evangelikalem Gedankengut geprägt ist, begründet das meine persönliche Art der Auseinandersetzung. Ist das die einzige Art? Natürlich nicht. Andere Menschen haben einen anderen Hintergrund, kommen jedoch aufgrund des biblischen Zeugnisses zu vergleichbaren Erkenntnissen. Gerade das ist ein starker Indikator dafür, dass man hier etwas auf der Spur ist.
Es geht nie um eine Lehre, sondern um das, was sie bewirkt. Es geht um das Verständnis von Gott, den Menschen und der Welt, welches durch ein Verständnis geprägt wird. Wenn einige Zeitgenossen sich in eine Lehre «um der Lehre Wille» festbeissen, erinnert mich diese Haltung an die Worte des Apostels Paulus:
«Brüder! Das Wohlgefallen meines Herzens und mein Flehen für sie zu Gott ist, daß sie errettet werden. Denn ich gebe ihnen Zeugnis, daß sie Eifer für Gott haben, aber nicht nach Erkenntnis. Denn da sie Gottes Gerechtigkeit nicht erkannten und ihre eigene [Gerechtigkeit] aufzurichten trachteten, haben sie sich der Gerechtigkeit Gottes nicht unterworfen.»
Römer 10,1-3
Es geht nie um eine Lehre, sondern um die Auswirkung (2Tim 3,16-17; Eph 2,8-10). Ein Gott der diese Bezeichnung verdient, benötigt keine Zustimmung zu einer Lehre von Dir oder mir oder irgendjemand anderes. Wer die Lehre in seinem Denken zentral stellt, verfehlt das Ziel. Dabei spielt es keine Rolle, ob dies die Hölle-Lehre oder die Allversöhnung ist.
Auf den Kern beissen
Das Pseudonym «Kernbeisser» habe ich als Wortspiel gewählt. Gerne beisse ich auf den Kern der Dinge. Es ist in der Wortwahl die Bejahung einer Auseinandersetzung. Es geht mir um eine Auseinandersetzung, mehr als um eine wie immer auch geprägte Lehre. Paulus schreibt, dass wir prüfen sollten, worauf es ankommt (Phil 1,9-11). Deswegen begrüsse ich es, wenn andere Christen sich für eine Auseinandersetzung mit Glaubensfragen engagieren. Ich kann ein Engagement loben, auch wenn ich inhaltlich an einem anderen Ort stehe.
Was wirklich verbindet, hat nichts mit einer bestimmten Lehre oder besonderen Erkenntnis zu tun, sondern damit, dass sich Menschen von Gott und von Christus berufen sehen. Sie erkennen Gott in der eigenen Erfahrung, sind berührt von den Worten der Bibel, der Frohbotschaft der Gnade Gottes. Das ändert alles. Diese Erfahrung verbindet sie mit anderen Menschen, die eine ähnliche Zuversicht erleben.
Es geht nie um eine spezielle Kernbeisser-Lehre. Was aber bewirken Deine Glaubensvorstellungen in Deinem Leben? Das erscheint mir die wichtigere Frage. Wie siehst Du das?

