Theologische Ausdrücke, die so in der Bibel nicht vorkommen, sind in der Auseinandersetzung und Tradition entstanden. Eine Auseinandersetzung benötigt es, aber man soll diese Auseinandersetzung nicht mit der Bibel selbst verwirren.
Himmel und Hölle sind etwa Vorstellungen der Tradition. Die Ideen, die damit ausgedrückt werden, finden sich nicht in der Bibel. Gläubige Menschen leiden oft ein Leben lang unter den Gräuelgeschichten einer Hölle. Man meint zwar, dass diese Ideen in der Bibel vorkommen, aber das ist mehr eine Behauptung als eine reale Feststellung.
In diesen traditionellen Geschichten gibt es einen rachsüchtigen, unbarmherzigen und unberechenbaren Gott, der die Mehrheit seiner Geschöpfe in die Hölle wirft, um sie dort endlos zu quälen. Wer solchen Ideen lange genug zuhören muss, wird desorientiert. Man liest dies zwar nirgends direkt in der Bibel, muss aber glauben, wenn es «ähnlich tönt wie diese Idee einer Hölle». Würde man zu Anfang noch fragen, wie das sein kann, verschwinden Einwände und Fragen nicht selten durch den Druck der Lehre und der Gemeinschaft.
Wer das erlebt hat, denkt vielleicht, dass die Hölle das Problem und der Himmel die Lösung ist.
Der Anfang
Lasst uns bei der Betrachtung dieser Besonderheit beim Anfang, bei Adam und Eva, beginnen. Dort entstand das Problem, das man gemeinhin als «Sündenfall» beschreibt. Dazu liesse sich auch noch einiges sagen, aber bleiben wir einmal bei der Idee, dass die Hölle das Problem sei. Wurde Adam und Eva im Paradies die Hölle als Strafe vor Augen geführt, wenn sie vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen essen würden?
Nicht doch! Adam und Eva wurde die Sterblichkeit angedroht. In der Elberfelder Übersetzung etwa heisst es: «Und Jahwe Gott gebot dem Menschen und sprach: Von jedem Baum des Gartens darfst du nach Belieben essen; aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, davon sollst du nicht essen; denn welches Tages du davon isst, wirst du gewisslich sterben.» (1Mo 2,16-17). Schaut man nach, wie es genauer übersetzt werden kann, heisst der Abschluss: «wirst du zum Sterben sterbend sein». Dem Menschen wird nicht nur die Gewissheit des Todes, sondern die Sterblichkeit vorgehalten. Bis zu dem Moment, da der Mensch ultimativ stirbt, wonach er tot ist, wird er «sterbend sein». Das ist unsere tägliche Realität.
Stellt man etwa die Frage, womit sich die Bibel befasst, könnte man festhalten, dass die Bibel von der menschlichen Erfahrung ausgeht. Das ist gar nicht fromm, sondern nüchtern. Diese menschliche Erfahrung bildet den Hintergrund für das Weltbild, Gottesbild und Menschenbild, das sich nun in der Bibel als fortlaufende Geschichte entwickelt. Die Sterblichkeit des Menschen, seine Unzulänglichkeit und diese Dinge mehr sind reale Herausforderungen. Die Lösung, welche in der Bibel beschrieben ist, ist keine religiöse Anstrengung, sondern die Bekanntmachung mit einem lebendigen Gott, der durch seine Werke und Sein Ziel unser Leben für Sich freisetzt. Diese Lösung wird Erlösung genannt.
Weder Himmel noch Hölle
Die Idee von Himmel und Hölle ist eine Spätblüte menschlicher Fantasie. Adam wurde keine Hölle angedroht und der Himmel ist nicht die Lösung. In der Bibel ist das alles recht nüchtern beschrieben. Adam wird die Sterblichkeit und damit der Tod vorgehalten. Die Lösung auf den Tod ist Leben, nicht der Himmel.
Die Bibel befasst sich vorwiegend mit Tod und der Unzulänglichkeit des Menschen (auch Sünde oder Zielverfehlung genannt). Die Lösung auf diese zwei Dinge sind ein wichtiges Thema der Bibel.
- Tod wird durch überfliessendes Leben wettgemacht (Auferstehung führt dorthin)
- Zielverfehlung wird durch Zielfindung ersetzt, oder Ungerechtigkeit des Menschen wird Gott durch Seine Gerechtigkeit mehr als ausgleichen.
Man stelle fest, dass Himmel und Hölle darin keine Rolle spielen. Wenn jedoch die biblische Wörter durch andere ersetzt und die Geschichte der Bibel durch alternative Ideen ersetzt wird, führt das unausweislich zu einer verzerrten Sicht. Die Verzerrung der Thematik führt unweigerlich zu falschen Annahmen
Vertiefung
Spreche einmal mit Freunden oder Familie über die Vorstellungen, die man über Gott und die Welt hat. Was verstehst Du als Problem der Welt, der Menschen und was als die Lösung dafür? Denke einmal laut nach über Dinge wie «Sünde und Tod», «Himmel und Hölle», «Gottes Erwartung und Gottes Zusage». Wie funktioniert das nach Deinem Verständnis? Was ist noch unklar? Was könnte man untersuchen? Wenn man diese Dinge nachgeht, kann es sein, dass man einige dieser Gedanken nicht begründen kann, sondern einfach «annimmt». Man hat vielleicht noch nie darüber nachgedacht. Was willst Du mit dieser Erkenntnis tun?

