Man kann die Welt verschieden betrachten. Das ist eine neutrale Beobachtung. Im Versuch, möglichst nahe an der Bibel zu bleiben, versuchen einige Christen, sich ein «biblisches Weltbild» vorzustellen. Da geht es um Fragen wie: Ist die Welt flach, konkav oder konvex und wenn sie mit einer Kugel vergleichbar ist, laufen wir an der Aussenseite oder an der Innenseite? Es geht aber auch ganz allgemein um ein Verständnis von «Himmel und Erde» und wie diese funktionieren respektive aussehen. Oft werden bei diesen Betrachtungen alle wissenschaftlichen Erkenntnisse beiseitegeschoben, denn man sieht sich in Konflikt mit der Wissenschaft und sucht nach einem «biblischen Weltbild».
Weltbild & Co.
In diesem Beitrag geht es mir nicht darum, ein bestimmtes Weltbild zu verketzern und ein anderes hervorzuheben. Die Rede von einem «biblischen Weltbild» ist bloss ein Beispiel und an sich schon irreführend. Wer sich einen solchen Begriff zu eigen macht, gaukelt sich selbst bereits vor, dass es ein «richtiges Ding» ist. Die Bibel spricht nicht von einem «biblischen Weltbild». Noch weniger wird solches explizit gelehrt. Es ist ein Beispiel für Lehren, die mit dem Evangelium und der frohen Botschaft, mit einem Zeugnis von Gott und der Welt recht wenig zu tun haben. Solche Ideen werden zwar aus der Bibel abgeleitet, sind in der Bibel selbst jedoch nie ein Thema.
Weitere ähnliche Themen, die zwar mit der Bibel verknüpft, aber dort nicht als essenzielle «Lehre» erklärt werden:
- Die 10 Stämme Israels, die verloren gingen (British Israel Movement)
- Hohle Erde (davon gibt es verschiedene Varianten)
- Prä-Adamiten (Eine Menschenrasse vor Adam und Eva)
- Nephilim (Riesen auf der Erde)
- Hölle-Lehre (Himmel und Hölle. Gott denkt, aber der Mensch lenkt)
- Wohlstandsevangelium (Glaube, und Du wirst reich)
Als Randthemen können sie jedoch für manche Menschen eine grosse Bedeutung haben. Das passiert so: Man beisst sich in das Thema fest, wird «Erkennender» und richtet vielleicht den Glaubensinhalt auf spezielle Erkenntnisse aus. Das macht zwar nicht frei, wie das Evangelium der Gnade Gottes frei macht, aber – ich interpretiere von mir aus –, es kann etwas Sicherheit in einer unsicheren Welt vermitteln. Damit wären diese Dinge meines Erachtens in der gleichen Kategorie wie Verschwörungsmythen einzuordnen. Sie sind davon zwar verschieden, aber bieten auch einen Halt im Leben. Es geht um eine Spielart unserer Psyche, die in Sonderlehren einen Ausdruck finden.
Wie kann man das einordnen? Ein solches Thema kann man als Steckenpferd betrachten, aber ich habe auch gemerkt, dass einige Menschen einen ganzen Rennstall dieser Art pflegen. Ein Steckenpferd kommt selten allein. Es erweitert sich oft zu einem breiteren alternativen Weltbild.
Ich betrachte diese Überlegungen mittlerweile als eine Möglichkeit des menschlichen Gehirns, sich eine Welt zu erschaffen, die weniger bedrohlich als die Realität ist. Es sind alternative Glaubenswelte, getragen von alternativen Fakten. Sie stehen in Kontrast mit einem lebendigen Glauben und einer realen Welt. Dies ist eine Beurteilung, keine Verurteilung. Ich denke sogar, dass alle Menschen die Welt interpretieren, denn keiner kann jeden Tag von Neuem vortäuschen, als sieht man alles zum ersten Mal und weiss nicht, was da vor sich geht.
Vielleicht funktioniert es so: Man erarbeitet sich einen Filter, womit man die Welt interpretiert. Das macht jeder. Je älter man wird, desto ausführlicher ist dieser Filter. Eine Nebenwirkung ist, dass bei zunehmendem Alter die Zeit gefühlt immer schneller geht. Die Zeit beschleunigt sich natürlich nicht, aber wir nehmen bekannte Dinge nicht mehr so intensiv wahr, weil immer mehr Dinge automatisch herausgefiltert werden. Es rauschen danach die Tage vorbei.
Sich über diese Welt Gedanken zu machen ist demnach normal. Jeder versucht, die Welt zu interpretieren. Das heisst jedoch nicht, dass wir alles verstehen müssen. Es bleiben unbekannte Bereiche erhalten. Es bleibt sogar ein «Geheimnis des Glaubens» (1Tim 3,9).
Sich ein Weltbild vorstellen zu wollen, ist menschlich. Hier aber wird es spannend. Was für ein Weltbild soll es sein? Und weshalb?
Die Welt mit neuen Augen sehen
Wer glaubt, wird die Welt mit anderen Augen wahrnehmen. Manche erkennen, dass die Welt von Gott «getragen» ist. Das ist Ausdruck eines Gottvertrauens, das sich durch die Bibel stärken lässt. Es geht um den inneren Zusammenhalt und darum, ob jemand für diese Welt zuständig ist. Die Beschaffenheit oder Form dieser Welt ist dabei nie ein Thema.
Andere jedoch betrachten die Bibel als Fundgrube für alternative Wahrnehmungen. Nicht der innere Zusammenhalt sei wichtig, sondern die äussere Beschaffenheit. Ist die Welt rund oder flach, und wenn rund, laufen wir dann an der Innenseite oder an der Aussenseite? Und wenn wir an der Aussenseite laufen, läuft dann noch jemand anders an der Innenseite? Oder ist die Welt etwa eingeschlossen von Wasser oberhalb und Wasser unterhalb der Erdkruste? Diese und weitere Sonderlehren werden mit der Bibel in der Hand begründet.
Bibel als Fundgrube für alternative Wahrnehmungen
Dass Gott diese Welt im Inneren zusammenhält, kann man in der Bibel zurückfinden. Es begründet etwa das Gottvertrauen von Paulus (Kol 1,15-17; Eph 1,11 u. a.). Er sah Gott als Ursprung, Zweck und Ziel alles Geschehens (Röm 11,36). Für den Apostel verweist alles an Gott und hängt mit Seinem Ziel zusammen. Wie die Welt aussieht, spielt dabei keine Rolle. Es geht um Gott und Menschen und nicht sosehr um die Welt. Wenn «Gott die Welt in Händen hält» ist das eine Bildsprache, die alles umschliessen soll.
Bei Sonderlehren ist es gerade umgekehrt: Die Welt ist speziell und Gott ist ein Zusatz. Ähnliches passiert mit den übrigen Themen, die ich weiter oben genannt habe.
Die Wahrnehmung dieser Welt
Liest man den Bibeltext, gibt es zwei Arten von Erfahrung: Erstens die Erfahrung als Mensch auf dieser Welt und zweitens die viel seltenere Erfahrung von Visionen und Dingen, die ausserhalb der regulären Wahrnehmung liegen. Sie sind oft klar erkennbar. Menschen beschreiben ihre Welt nach ihrem Verständnis. Logisch. Sie beschreiben nicht alles so, wie es heute «wissenschaftlich korrekt» sein müsste. Der Grund ist einfach: Es war kein Anliegen, einen wissenschaftlichen, historischen oder journalistischen Bericht der Dinge zu geben.
Hier ist die nüchterne Betrachtung:
- Menschen beschreiben in der Bibel, wie sie die Welt um sich herum wahrnehmen.
- Es gibt keine geheimen oder speziellen «tieferen» Erkenntnisse dieser Welt.
Wenn es in der Bibel um «Himmel und Erde» geht, dann umschliesst das die wahrnehmbare Welt. Menschen stehen auf der Erde und sehen hinauf für den Himmel. Das griechische Wort für «Himmel» lautet ouranos (gr. οὐρανός), was etymologisch als «Sehen-Hinauf» verstanden werden kann. Der Himmel ist das, was man sieht, wenn man hinauf schaut.
Die weitverbreitete evangelikale Ideologie, dass «alles Gottes Wort ist, deshalb ewig ist und für alle Zeiten und wissenschaftliche Disziplinen die korrekten Antworten bereithält» ist einfach, verführerisch und falsch. Ähnliches sagen manche Muslime übrigens auch von der Qur’an. Es sind bestimmte Geisteshaltungen, die zu solchen Schlussfolgerungen kommen, keine Fakten, worauf man sich beruft. Hier ist die Herausforderung: Das Anliegen der Bibel ist es nicht, Wissenschaft oder absolute Wahrheit über die physische Welt zu propagieren. Wenn man das trotzdem so sieht, ist das eine Ideologie, kein Selbstzeugnis der Bibel (oder der Qur’an, wenn man so will).
Die Anliegen der Bibel sind anders. Diese Anliegen kann man auf die Spur kommen, wenn man die Bibel liest. Beispiele gibt es etwa in folgenden Beiträgen:
Kurzschluss-Interpretationen
Es gibt mehrere Kurzschluss-Interpretationen, die Menschen davon abhalten, die Bibel ernstzunehmen.
- Wissenschaft widerlegt die Bibel?
Die erste falsche Interpretation ist die, dass man sagt: Die Wissenschaft hat die Bibel widerlegt. Das könnte nur der Fall sein, hätte die Bibel das Anliegen, mit der heutigen Wissenschaft in Konkurrenz zu treten. Das tut die Bibel jedoch nicht. Die Anliegen und Themen sind unterschiedlich. Die Bibel propagiert und lehrt keine Schöpfung. Sie setzt die Idee einer Schöpfung voraus, aber beweist gar nichts. Das Problem entsteht also erst, wenn wir auf Vorderhand annehmen, dass die Bibel «Schöpfung lehrt» und zwar im Sinne einer wissenschaftlich überprüfbaren Wahrheit. Selbstverständlich kommt es dann zu Konflikten. Was aber, wenn das Thema ein anderes ist als jetzt auf Vorderhand angenommen wurde? - Bibel widerlegt die Wissenschaft
Dieses Argument dreht sich um den Begriff «Wahrheit». Nirgendwo spricht die Bibel davon, «die Wahrheit» über alle Wissenschaften zu haben. Trotzdem wird das vorausgesetzt. Manche «glauben der Bibel» (nicht zu verwechseln mit «glauben Gott») und leiten daraus ab, dass die Bibel wahr ist und deshalb zuverlässiger als jede Wissenschaft sei. Wissenschaft kann man nicht vertrauen, aber die eigene Interpretation der Bibel ist zuverlässiger. Es ist ein ideologisches Argument, welches ad absurdum vorführt, wie man Fakt und Fiktion munter verwechselt, damit man nicht weiter nachdenken muss.
Beide Argumente sind ideologische Spielarten. Sie liegen daneben, weil sie keinen Respekt vor dem Text haben.
- Die erste Gruppe verwechselt die Bibel mit Wahrheit in wissenschaftlichem Sinne und meint «also», dass die Bibel falsch liegt, weil man im Vergleich die Wissenschaft eher traut als die Bibel. Das ist so, als wirft man dem Salat vor, kein Brokkoli zu sein oder dass Biologie die falschen Ideen über Astronomie hat. Es sind Folgerungen, die eher etwas vom Ankläger als vom Angeklagten erzählen.
- Die zweite Gruppe geht auch ideologisch vor, stellt Folgerungen auf und behauptet, die Wahrheit gepachtet zu haben. Das lässt keinen Raum für eine kritische Betrachtung, weder der eigenen Theologie noch vom Wert des Angeklagten. Auch hier liegt kein Respekt vor dem Text vor und die Behauptung führt plastisch vor Augen, wie man die Bibel für eigene Zwecke missbraucht. Beide extreme Positionen sind ignorant der Bibel gegenüber, wenn auch auf unterschiedliche Art. In beiden Fällen sind es ideologische Brillen, wo hindurch die Bibel fehlinterpretiert wird.
Die Wahrnehmung des Menschen
Überraschung 1: Die Wissenschaft ist nicht böse.
Überraschung 2: Die Bibel ist auch nicht böse.
Die Bibelschreiber geben in den Worten ihrer Zeit ein Zeugnis ab. Es gibt keine Geheimwissenschaft, keine geheime Lehre, keine spezielle Bedeutung nur für Eingeweihte. Folgendes zur Anregung:
Menschen beschreiben, was sie sehen. Das ist einfach, nüchtern und Wahrheit im besten Sinne. Es ist zwar nicht immer wahr in absolutem oder wissenschaftlichem Sinne. Trotzdem ist es wahr im Kontext und nach der Wahrnehmung des Menschen. Wie könnte das aussehen?
Wenn etwa Paulus auf dem Schiff ist und nach langer Zeit Land gesichtet wurde, hiess es «Als aber die vierzehnte Nacht gekommen war, und wir in dem Adriatischen Meer umhertrieben, meinten gegen Mitternacht die Matrosen, daß sich ihnen ein Land nahe» (Apg 27,27). Das ist korrekt aus der Wahrnehmung des Menschen auf dem Boot, aber objektiv falsch in wissenschaftlichem Sinne. Nicht das Land näherte sich ihnen, sondern das Boot näherte sich dem Land. Für den Betrachter ist es jedoch so, wie es beschrieben wurde.
Auf welche Art ist die Bibel «wahr»?
Dies ist eine bedeutende Frage: Wenn die Bibel «wahr» ist, was heisst denn das? Darüber wird oft nicht nachgedacht. Gehen wir vom letzten Bibelzitat über die Beobachtung der Matrosen aus, die erkannten, dass ihnen «Land nähere». Wenn ich jetzt a priori annehme, dass die Bibel wissenschaftlich stimmig sein muss, andernfalls ihr Anspruch nach Wahrheit nicht stimmt, muss ich bei diesem Text annehmen, dass die Bibel falsch ist. Die meisten Menschen werden das nicht tun, weil man intuitiv versteht, dass es hier nicht um eine wissenschaftliche Beschreibung einer physikalischen Realität geht. Hier sprechen die Matrosen davon, was sie sehen. Der Blickwinkel ist vom Betrachter aus. Hier auf «wissenschaftlich richtig» oder «wissenschaftlich falsch» zu plädieren, verfehlt das Ziel dieses Zeugnisses komplett. Fast identisch ist das auch mit vielen weiteren Bibeltexten so.
Menschen beschreiben wichtige Themen, wie den Tod, nicht metaphysisch, sondern nüchtern als Beobachtung in dieser Welt. Menschen sterben, blasen den letzten Atem aus und sind bald im Grab. Nichts weist darauf hin, dass sie noch etwas denken, hoffen oder tun. Das ist nüchtern, einfach, und vom Beobachter aus «wahr». Das ist, was beschrieben wird. Es kommt noch besser: Es benötigt ein Wunder an die Toten, etwa eine Auferstehung, wenn es für die Toten noch Hoffnung gäben sollte (nüchterne biblische Beschreibungen liest man etwa in Psalm 88:10-12 und 1Thess 4,13-18). Ohne Eingreifen Gottes wäre alles aus.
Ist also etwas unverständlich, kann man sich fragen, ob man den Text aus dem richtigen Blickwinkel betrachtet? Vielleicht hilft eine nüchterne Betrachtung aus dem Blickwinkel des Betrachters, eine unverständliche Stelle zu klären. Die Fehlinterpretation wäre hier, dass man etwas über einen Text annimmt, ohne zu prüfen, was das eigentliche Thema ist.
Das Salz in der Suppe
Der Begriff «absolute Wahrheit» ist rasend populär in evangelikalen Kreisen. In der Bibel selbst ist das etwas differenzierter dargestellt. Wenn von Wahrheit die Rede ist, dann ist das stets in Bezug auf etwas anderem. Damit ist die Wahrheit nicht subjektiv, sondern lediglich verbunden mit etwas. Sich dessen bewusst zu sein, kann dabei helfen, den Begriff Wahrheit im Kontext zu verstehen. Wenn man sich selbst und sein Verständnis als Kontext für die angebliche Wahrheit betrachtet, dann kann man etwas bescheidener formulieren.
Ein Beispiel: das Thema in 1. Mose 1 ist nicht die Schöpfung. Es handelt sich auch nicht um einen Augenzeugenbericht. Es ist keine journalistische Berichterstattung und noch viel weniger eine wissenschaftliche Abhandlung. Eher ist es eine Geschichte, in der Menschen einer viel späteren Generation in einfachen Worten erklärt wird, wie diese bekannte Welt (Himmel und Erde) von einem einzigen Gott erschaffen wurde. Dann nämlich wäre das Thema die Bekanntmachung von Gott in der (damals) bekannten Welt. Es ist eine Geschichte, welche Gott in die erfahrene Welt hineinträgt. Auch dort steht der Mensch mit seiner Erfahrung zentral, und in der Geschichte wird diese Erfahrung mit Gott erweitert. Dadurch ist die Geschichte nicht weniger wahr, sondern der Wahrheitsgehalt wird auf die Geschichte und auf die Botschaft reduziert.
In einem Vergleich: Salz ist wichtig in einer Suppe. Der Konflikt «Schöpfung oder Evolution?» wird mit den Haaren herbeigezogen, weil es diesen Kontrast im Text nicht gibt. Die Rede von einer Schöpfung ist wie das Salz, das zur Suppe gehört, aber darin zum alles bestimmenden Faktor hochstilisiert wird. Es spielt keine Rolle mehr, was für eine Suppe es ist, oder welches das Thema in der «Schöpfungsgeschichte» ist. Die Suppe wird versalzen und ist nicht mehr geniessbar. Vielleicht ist auch die Bezeichnung «Schöpfungsgeschichte» ein zweifelhafter Begriff. Vielleicht müsste man eher von «Der Anfang von Gottes Wirken in deiner Welt» sprechen. Das wäre ein ganz anderer Blickwinkel, womit man dem Text vielleicht eher gerecht wird.
Sonderlehren und Gnosis
Natürlich werden Sonderlehren mit der Bibel begründet. Deswegen finden sie Anhänger unter Christen. Sonderlehren setzen einem jedoch immer aufs falsche Bein, indem herausgepickte Zitate zu einer alternativen Wirklichkeit zusammengewürfelt werden. Es ist eine Ablenkung für das Evangelium der Gnade, hebt Dinge hervor, die nirgendwo in der Bibel erklärt werden, und verlangt von den Gläubigen, eine mehr nüchterne Betrachtung abzulehnen. So kommt der speziellen Erkenntnis eine höhere Bedeutung als der Bibel selbst zu. Wir sind bei einem gnostischen Glaubensverständnis angelangt, worin die Spezialerkenntnis zum entscheidenden Merkmal des Glaubens wird.
Biblisches Weltbild als Stolperstein
Gibt es jetzt ein biblisches Weltbild? Darauf bin ich gar nicht eingegangen. Selbstverständlich hatten die Menschen, die in der Bibel genannt werden, ein Verständnis ihrer Welt. Wie die Welt aussieht, war jedoch kein Thema der Verkündigung. Die Idee, dass die Bibel auf alle Dinge eine verbindliche Antwort haben muss, wird über die Bibel hinüber gestülpt. Dasselbe gilt für die Annahme, dass ein «biblisches Weltbild» etwa besser sein muss als was die Wissenschaft heute prägt. Findet man Beschreibungen in der Bibel, dann sind dies Beobachtungen und keine speziellen Offenbarungen über das Wesen des Universums. Zweifellos sind die wahr im eigenen Kontext, etwa als Beobachtungen. Nirgendwo jedoch sind es absolute Enthüllungen über das Wesen des Universums.
Soll das jetzt davon abhalten, die Welt zu untersuchen? Im Gegenteil! Ich habe hier bloss hervorgehoben, dass nicht alle Themen in der Bibel eine Bedeutung haben. Nicht alles dieser Welt wird in der Bibel abgebildet. Das einzusehen, erscheint mir nüchtern. Dadurch entsteht auch Raum für eine nüchterne Untersuchung von dem, was interessiert.

